Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Kategorie: Beziehungen (Seite 1 von 5)

Freundschaft leben

2017-03-06-15-16-32Gerade sitze ich bei Freunden auf einem Balkon mit Blick auf den Pazifik und lasse die letzten Tage Revue passieren.

Erst mal von Anfang an.

Als ich zu Beginn des Jahres betend überlegt habe, was 2017 wichtig sein könnte, war Freundschaft das erste Wort, das mir in den Sinn kam. Ich empfand, dass ich in diesem Jahr, in dem ich 50 werde, die Freundschaften, die mein Leben geprägt haben,  feiern und genießen sollte. Dazu gehören auch eine Reihe von Freunden in den USA., die ich wegen der Entfernung nicht oft sehe.

  • Die Jones Family. Andrew und Debbie und  ihre fünf Kinder. Ich kenne die Familie seit 2001 und hab die Kinder heranwachsen sehen. Debbie ist letztes Jahr sehr plötzlich verstorben – ich konnte nicht zur Beerdigung kommen und so war es mir besonders wichtig, in dieser Trauerphase Zeit mit ihnen zu haben. Ich habe Sohn und Schwiegertochter und Vater und zwei der anderen Töchter an der Westküste besucht. Da bin ich gerade noch. Und ich genieße neben Gesprächen, Gebeten und gutem Essen auch den Pazifik und das sonnig-milde Wetter.
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  • Derek und Amy C.: Die beiden kenne ich auch seit 2001. Aufgrund logistischer Komplikationen hat es bei dieser Reise nicht mit  einen Besuch bei ihnen geklappt – aber ich habe Drecks Eltern, von denen ich schon viel gehört und mit denen ich auch schon gemailt habe, zum Essen treffen.  Es war spannend und berührend, Menschen, die indirekt schon lange zum Leben gehören, kennenzulernen. Am Ende der Begegnung gab mir Dereks Mutter eine warme Umarmung und sagte: „Ich liebe dich – ich weiß, dass Derek dich liebt, deshalb liebe ich dich auch!“ (Das amerikanische „Love“ ist in dem Fall so eine Mischung aus „schätzen, wertvoll finden, mögen usw.)
  • 2017-03-01-19-14-35Amy P., die ich seit 20 Jahren kenne. Sie und ihr Mann konnten – nach langen Jahren der Hoffnung und des Gebets vor 10 Jahren zwei Kinder adoptieren. Zwei Jahre nach der Adoption starb plötzlich ihr Mann innerhalb von 11 Wochen an einem Hirntumor. In meinem Buch „Die Hütte und ich“ habe ich über sie geschrieben. Sie hat später wieder geheiratet und der Tag, an dem ich bei ihr ankam, war „zufällig“ der 10. Jahrestag des Tages, an dem die Kinder zu ihr kamen. Das haben wir natürlich gefeiert. Mit einem leckeren Essen, einem Museumsbesuch und Gebet und Segen.
  • Bauteam: Ein Bauteam aus Kalifornien hat mal auf dem Schiff gearbeitet. Drei von ihnen haben mich am Flughafen getroffen und zu Andrew und seinen Töchtern gebracht. Wir kennen uns ja nur von einer Woche bauen, aber dennoch war viel Herzlichkeit und Verbundenheit da.
  • Matthias und Kim und ihre Familie. Matthias ist ein langjähriger Freund, mit dem mich eine innige Nähe verbindet. Er hat vor zwei Jahren einen extrem heftigen Schlaganfall gehabt, von dem er weitgehend genesen ist. Die Zeit bei ihnen ist der krönende Abschluss meiner Reise…

Ich spüre den Reichtum dessen, was es heißt, mit Menschen verbunden zu sein – in leichten wie in schweren Tagen….

Dankbar für Freundschaft.

 

Mein Blick ins neue Jahr 2016

2013-01-10 14.53.03 730_3192016 – was soll werden?

Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten. – Willy Brandt

Man kann natürlich nicht alles gestalten, aber doch oft mehr als man denkt. Im Newsletter meines Down to Earth Verlags habe ich den Lesern 10 Fragen gestellt, die ihnen vielleicht in Bezug auf das neue Jahr beim Fokussieren und Nachdenken über das Wichtige in ihrem Leben helfen können.

Hier will ich die zehn Fragen mal  mal für mich selbst beantworten.

1. Was in meinem Leben soll so bleiben wie es ist, weil es gut ist? Finde so viele Antworten wie möglich.

Mein Haus, mein Boot, meine Freundschaften, mein Verlag, die Online-Kurse, meine Stadt. Schreiben, coachen, inspirieren. Schönheit um mich herum, mich engagieren, grüne Smoothies, Mittagspausen im Park oder auf dem Balkon (bei gutem Wetter), Trampolin, der Blick in die Weite von meinem Boot aus, Menschen begleiten…

2. Was müsste ich tun, um zu verhindern, dass mein Leben in eine positive Richtung geht?

Mich verzetteln. Zu viele Dinge auf einmal tun wollen.

3. Welche Beziehungen will ich stärken? Wie?

  • Die zu meinen engsten Freundinnen, einfach weiter viele Dinge mit ihnen erleben.
  • Zu Freunden und Patekind in England – eine Reise an Ostern.
  • Zu neuen, nach Berlin geflüchteten Freunden – zusammen essen und arbeiten.

4. Welche Dinge, Menschen oder Aufgaben passen nicht mehr in mein jetziges Leben? Was möchte ich bis Silvester 2016 loslassen?

  • Viel Materielles, Kleidung, Bücher, das auf dem Boot keinen Platz mehr finden wird – hier bin ich schon kräftig am Aussortieren und Ausräumen. Manches ist mühsamer. Kisten mit Dias will ich erst scannen, bevor ich die Originale wegwerfe, das braucht Zeit.
  • Organisatorische Aufgaben im Verlag – ich würde mich gern stärker auf Inhalt und auf Coaching und Inspirieren konzentrieren, weniger auf Orga und Marketing.

5. Was würde ich gern noch lernen – und wie?

  • Grundwortschatz Arabisch – mit Online-Programm und durch persönliche Begegnung.

6. Wie möchte ich Ende 2016 charakterlich sein? Was soll gestärkt werden?

  • Fokus. Ich möchte eine klar fokussierte Frau sein. Das war schon 2015 mein Fokus und wird es noch weiter bleiben.

7. Was möchte ich bis 31. 12. 2016 bewirkt haben? (Welche Missstände belasten mich so sehr, dass ich etwas ändern möchte? Oder welche Potentiale reizen mich so sehr, dass ich sie nutzen will?)

  • Weiterhin: Menschen inspirieren und stärken, so dass ihr Glaube fröhlicher, ihre Beziehungen entspannter und ihr Leben stärker wird.
  • Neu: Mithelfen, dass viele Tausend Flüchtlinge in WGs und bei Familien unterkommen und so leichter in das neue Leben hier hineinfinden. Viele = 10.000 oder mehr in Berlin. Und viele Tausende darüber hinaus.

8. Was möchte ich 2016 zum ersten Mal tun oder erleben?

  • Ein Sommerkonzert in der Berliner Waldbühne
  • 5 Tage Island…oder Indien (länger als fünf!)
  • Mein Schiff einweihen!

Welche wohltuende Routine möchte ich 2016 einüben?

  • Mails nur dann öffnen, wenn ich sie tatsächlich gleich beantworten kann (nicht lesen und dann unbeantwortet lassen).
  • Längere Zeiten – d.h. 60 -90 Minuten – fokussiert am Stück arbeiten, mich weniger unterbrechen lassen / selbst unterbrechen
  • Jeden Werktag Morgen 7 – 20 Min Bewegung.

Was müsste ich anders über mich, Gott oder die Welt glauben, damit mein Leben eine positive Veränderung erfährt?

Über die Frage denke ich gerade noch betend nach…alte Muster zeigen sich ja nicht so einfach…

Die Fragen stammen übrigens aus dem Impulsheft „Zukunftsfragen„. Ich liebe gute, anregende Fragen. In dem Heft und in den anderen Impulsheften der Fragen-Serie habe ich einige der besten und hilfreichsten Fragen, die ich kenne, zusammengestellt.

Ruhige Kugel und schneller Reifen…

12347593_10153790778385798_611989199215580092_nDer zweite Teil des Urlaubs im teils kalten, teils sonnigen Texas hat einfach gut getan. Ich hab bei einer befreundeten Familie mit fünf Kindern gewohnt, gutes Essen genossen und das Leben ebenso wie die Ruhe.

Bei einem leckeren Brunch in einem berühmten Grillrestaurant mit live-Gospelmusik von echten Musikverteranen – die Hälfte der Band war 70+ und sang und spielte sich die Seele aus dem Leib. Ich hab mal richtig auf Cowgirl gemacht – mit geliehenen Stiefeln. Die echten Cowboystiefel haben mein Budget dann doch überfordert – 370 Dollar!

Dazwischen hab ich gelesen, unendlich viele Tassen Kaffee getrunken – meine Gastgeber sind Inhaber einer Kaffeekette. Und ich habe viel Zeit mit Freunden verbracht und – endlich – gelernt, wie man Hula Hoop macht. Keine Ahnung warum ich so lange dafür gebraucht habe, jetzt geht es richtig gut.

Am bewegendsten war für mich, dass ich vorab in eine Ausstellung über ein Bibelmanuskript aus dem 13. Jahrhundert kam, die erst später eröffnet wurde. Ich hab erklärt, dass ich dann nicht mehr da bin und gesagt, dass mich das interessiert, weil ich ´ne Biographie über Gutenberg geschrieben habe. Was stimmt. Ich hab allerdings nicht erwähnt, dass die Kompaktbiographien in unserer Weltveränderer-Serie nur 32 Seiten lang sind. Trotzdem habe ich mit lange und intensiv mit ihm beschäftigt.

2015-12-03 16.10.07Die Bibel dort war ein Unikum. Vierfarbige Blätter – das erste Quadro ? – mit je vier Szenen zu einer Geschichte. Wunderschön, detailreich gemalt – mit sehr europäisch gekleideten biblischen Gestalten, aber das war damals einfach so. Die Bibel wurde in Frankreich hergestellt, später ging sie nach Polen. Dort schrieb man lateinische Kommentare unter die Bilder.  Weiter ging´s nach Persien. Da wurden dann untendrunter oder auch mal quer persische Ergänzungen angefügt, die dann von einem persischen Juden auf persisch, aber mit hebräischen Buchstaben wiederum kommentiert wurden. Die einen Kommentatoren beschwerten sich über die anderen, die ja von nichts ´ne Ahnung hatten. Also ein lebhafter theologischer Diskurs. Und ein paar Seiten, die den moslemischen Herrschern nicht ganz in die Ideologie passten, wurden rausgetrennt, sind aber glücklicherweise in anderen Museen erhalten geblieben.

2015-12-03 16.24.20-1Mir gefiel die Optik, der Detailreichtum und nicht zuletzt der Humor. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Bilderbibel mit dem nackten Hintern von König Saul sehen würde. Er erledigte in einer Höhle seine Notdurft. David, den er verfolgte, schnitt heimlich ein Stück seines Mantels ab, lies Saul aber am Leben. Heutige Bibelausgaben sind da um einiges dezenter in der bildlichen Darstellung.Ich vermute das leuchtende Gold auf der rechten Seite soll die Größe der Gnade und Barmherzigkeit Davids, der damit auch Gottes Herz widerspiegelt, zum Ausdruck bringen. Das finde ich wunderschön.

Leider bin ich gegen Ende der Zeit krank geworden, eitrige Halsentzündung. Was die Freude dann etwas minimiert hat. War aber trotzdem richtig schön.

Reise zu Matthias – beim Aufbau mithelfen

Matthias - he is risen_nDer Tagesimpuls aus den Losungen heute hat mich sehr bewegt.
Ihr Berge Israels, siehe, ich will mich wieder zu euch kehren und euch mein Angesicht zuwenden, dass ihr angebaut und besät werdet.- Hesekiel 36,9
 
Ich finde es spannend, dass Gottes Wiederherstellungsprogramm nach einer Krise einen Prozess beinhaltet. Aufbauen und Besäen, pflegen, wachsen lassen,ernten dauert ja alles seine Zeit. Gott macht keine billige Hoffnung „Pämg. Ich werde mit einem Schlag wieder alles gut machen!“
 
Das bewegt mich auch, weil ich heute zu Matthias Beyer fahre, den Freund, der Ende März einen schlimmen Schlaganfall hatte und fast gestorben wäre. Die Ärzte bezeichnen seine Rückkehr ins Leben als medizinisch nicht erklärbar. Seine Geschichte hab ich auf meinem Kerstin pur Blog von Kerstin Hack erzählt.
 
Dennoch ist es ein Prozess. Gegen alle Prognosen der Ärzte macht Matthias erstaunliche Fortschritte. Er kann wieder laufen – braucht nur einen Gehstock als Stütze, hat wieder angefangen, ganze Sätze zu sprechen. Und kann seit kurzem seinen bisher gelähmten rechten Arm wieder bewegen. Auch das ist medizinisch überraschtend. Normal gilt. Was in 14 Tagen an Funktionalität nicht zurückgekommen ist, kommt nicht wieder.
 
Ich fahre, um ihn und seine Familie zu genießen, einfach Zeit zu haben. Und sie mit dem, was ich an Coaching-Fähigkeiten habe, beim Abbau von Stress und beim Aufbau des Neuen zu unterstützen. Gott stellt wieder her. Schritt für Schritt.
 
Für eure segnenden Gebete in dieser Zeit bin ich sehr dankbar.
 
Und: Eigentlich kann ich es mir nicht leisten, zu fahren, weil durch Schiffbau, Kamin kaufen etc. das Konto mehr als belastet ist. Wenn du es auf dem Herzen hast, mir beim „Taschengeld“ für die Reise zu helfen, freu ich mich. Paypal: Info@down-to-earth.de (oder fragt mich nach meiner Bankverbindung)

König und Krüppel zugleich. Oder: Wie man mit Enttäuschungen umgehen kann

BS-150711-166-730-319In den letzten Tagen habe ich es mehrfach (!) erlebt, dass Menschen, die mir zugesagt hatten, mehrere Tage bei der Renovierung meines Schiffes zu helfen, kurzfristig abgesagt haben. Natürlich gab es gute Gründe. Ich habe – bei der dritten Absage – trotzdem geweint vor Frust und Enttäuschung. Ich hatte mich so auf die Hilfe gefreut! Und ich war gründlich irritiert. Mir ist Zuverlässigkeit sehr wichtig und ich kann nicht wirklich nachvollziehen, wie man einen Termin, den man eine Woche zuvor geplant und zugesagt, am Morgen noch bestätigt hat, am Mittag einfach absagen kann. Das kann ich kaum verstehen und begreifen.

Wie kann man mit Enttäuschungen umgehen?

Strategien bei Enttäuschung, die ich für wenig hilfreich halte 

  • Wegwischen und Kleinreden: Einfach tun, als würde es einem nichts ausmachen: „Ist ja egal. Kann ich schon verstehen.“ Bei kleinen Irritationen ist das ok. Man muss nicht jede Kleinigkeit bearbeiten, ausdiskutieren. Das belastet oft mehr als es hilft. Doch bei Verhaltensweisen des anderen, die mich tief treffen und enttäuschen und verärgen: Da wäre „Schwamm drüber“ für mich nicht stimmig und nicht ehrlich. Nein, es ist mir nicht egal. Und ich kann es nicht wirklich verstehen. Außerdem macht alles schlucken auf Dauer krank. Diese Option fällt für mich also weg.
  • Verurteilen: Man urteilt den anderen als ganzen Menschen ab. Und kommt für dich zu dem Ergebnis: „Menschen, die so geizig sind, so Hilfeleistung unterlassen, sich so in den Mittelpunkt stellen, sich so oder so verhalten, sind sowieso der letzte Dreck.“ Oder „Die brauchen sich gar nicht Christen nennen!“

Wenn ich so etwas höre, tut mir das im Herze weh. Da wird jemand verbal aus der Familie der Menschen oder der Glaubenden ausgeschlossen, weil er in einem Bereich nicht gehandelt hat, wie erwartet. Menschen sind immer ein Gemisch. Da ist eine Frau – wunderbar sensibel für Menschen und Kommunikation – und manchmal hoffnungslos, was ihr eigenes Leben anbelangt. Da ist ein Mann voller Glauben, der leidenschaftlich für andere betet,  aber ist taub auf beiden Ohren wenn sie praktische Hilfe brauchen. Da investiert jemand viel Zeit und Kraft in das Leben anderer und ist gleichzeitig unzuverlässig, was Termine und Zusagen anbelangt.

Sicher ist es eine Möglichkeit der eigenen inneren Entlastung, den Menschen, die einen enttäuschen den Glauben, das Menschsein, den Verstand oder was auch immer abzusprechen. Das wird aber meiner Ansicht nach dem anderen als ganzer Person nicht gerecht. Und es reißt alle Brücken zum anderen ab – was ich sehr schade finde.

Manche Menschen machen das sogar mit Gott so. Wenn er in einem Bereich nicht tut, was sie von ihm erwarten, verurteilen sie ihn als insgesamt unzuverlässig, nicht liebend oder nicht vertrauenswürdig und brechen innerlich die Brücke zu ihm ab. Auch sehr schade.

Was kann man dann tun?

Ich habe für mich zwei Worte gefunden, die mir helfen, mit solchen Enttäuschungen umzugehen: König und Krüppel. Jeder Mensch – ich auch – ist in gewisser Weise König. Er ist jemand, der manche Bereiche seines Lebens vorbildlich gestaltet und darin mit weiser Hand regiert. Vielleicht bewundere ich ihn sogar dafür. Und er ist jemand, der in anderen Bereichen seines Lebens noch „Wachstumspotentiale“ hat, wie es in der Coaching-Sprache so schön heißt.

2015-05-03 18.57.54Am Rande einer S-Bahnstrecke wachsen viele Bäume und Büsche. An manchen Stellen war so viel Gestrüpp, dass der Baum an dieser Stelle keine Kraft hatte, sich auzubreiten. Die Äste waren kaum entwickelt oder verkrüppelt und sehen traurig aus.

Ich denke im Leben vieler Menschen ist das ähnlich. Es gibt Bereiche, in denen sie viel Licht und Wärme hatten und sich stark und gesund entwickeln konnten. Und es gibt Bereiche, in denen Schmerzen, Dornen, fehlende Wärme und Licht zu Verkrüppelung führte. Ich glaube, dass es keinen Menschen gibt, der nur König oder nur Krüppel ist. Was aber macht man, wenn man den Krüppel im anderen erlebt hat und darunter leidet?

Strategien bei Enttäuschung, die ich für hilfreich halte

  • Mitgefühl: Zuerst mit mir selbst! Ja, ich bin traurig. Hatte das nicht erwartet, dass in diesem Bereich mich eine Schwäche da ist – und ja, mir fehlt dadurch etwas. Vielleicht Nähe, vielleicht Unterstützung. Enttäuschung ist eine gute Möglichkeit, zu entdecken, was ich brauche – und kreative Wege zu finden, wie ich darin wachsen kann, für mich zu sorgen. Manchmal ist nach einer guten Portion Selbsteinfühlung der Ärger schon verraucht. Manchmal nicht. Dann gibt´s weitere Möglichkeiten.
  • Überprüfen der eigenen Erwartungen: Mir passiert es gelegentlich, dass Menschen Erwartungen an mich haben, die ich nicht erfüllen kann und will. Sie wünschen sich von mir kostenlose Prüfung von Manuskripten oder Rat bei Buchprojekten. Möglicherweise sind sie dann enttäucht, wenn ich die Erwartung nicht erfülle. Jeder Mensch hat das Recht, zu entscheiden, wie er handeln will. Ab und an tut es gut, die eigenen ERwartungen und Vorstellungen dessen, was der andere für einen tun sollte zu prüfen: Ist das tatsächlich angemessen? Passt es in sein Leben? In den Rahmen seiner Fähigkeiten? In unsere Beziehung. Das kann entlasten.
  • Annahme: Der andere ist, wer er gerade ist: König in manchen Bereichen, Krüppel in anderen. Ich kann mich über das Starke in seinem Leben freuen ohne das Schwache kleinreden („Schwamm drüber“) oder verurteilen zu müssen. Das wünsche ich mir ja auch für mich selbst, dass ich als Köngin und Krüppel gesehen werde und in den Bereichen, in denen ich noch schwach bin, Annahme und Hilfe geschenkt bekomme.
  • Transparente Kommunikation: Wo es in die Situation passt – das eigene Herz mitteilen. „Als ich erlebt habe, dass du…., war ich traurig / hilflos / wütend, weil mir mir Unterstützung / Verlässlichkeit / Empathie / Aufmerksamkeit / … / wichtig ist. Vielleicht berührt es den anderen und löst einen Prozess der Veränderung aus.
  • Wachstumsförderung: Vielleicht ist es im Rahmen der Beziehung angemessen, die andere Person bei Veränderung zu unterstützen. Erst kürzlich habe ich einen Bereich in mir entdeckt, wo ich mich selbst als verkrüppelt erlebe. Ich weiß, dass ich das nicht von heute auf Morgen ändern kann. Und freue mich über die Menschen, die mich in meiner noch vorhandenen Schwäche annehmen und mir bei Veränderungen helfen.
  • Vertrauen: Wer sein Wohlergehen von einem Menschen oder wenigen abhängig macht, ist anfälliger für Enttäuschung als derjenige, der glaubt, dass die Geschenke des Lebens auf vielfältige Weise zu ihm kommen können. Ich glaube: Was mir der eine Mensch gerade nicht geben kann, weil er in einem Bereich verkrüppelt ist, kann ich vielleicht auf andere Weise bekommen. Durch Gott, durch mich selbst, durch andere Menschen.

 

So habe ich es dann auch erlebt: Ein Freund, der von meiner Enttäuschung über die Absagen gelesen hatte, hat sich spontan entschieden, mir einen Nachmittag lang an Bord zu helfen. Er hat einen wunderbaren Kasten für die Heizungsanlage an Bord gebaut. Und mein Herz getröstet. Und er erzählt offen davon, dass er in manchen „verkrüppelten“, unsicheren Bereichen seines Lebens darum ringt, neue Stärke zu entwickeln. Ja, das ist, wie es gerade eben ist. Und im Bereich Mitgefühl und Unterstützung ist er in meinen Augen ein König. Das finde ich wunderbar.

 

Bin ich ein richtiger Mann?

4 Open Door IBin ich ein richtiger Mann? Nachdem ich mich in letzter Zeit mit Prinzessinnen, Königinnen und Frauenrollen auseinander gesetzt habe, beschäftigt mich gerade die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ – eine Frage, die einige Männer in meinem Umfeld tief bewegt.

Ich fand das zuerst überraschend. Ich frage mich eigentlich nie „Bin ich eine richtige Frau?“  Vielleicht liegt das daran, dass ich im Teenie-Alter Yentl gesehen habe. Ein wunderbarer Film mit Barbara Streisand in der Titelrolle. Sie spielt Yentl, eine Frau, die kluge, theologische Bücher weit spannender findet als Kochtöpfe. Ich würde keinem Menschen empfehlen, sich den Film mit mir anzusehen – ich habe die Filmmusik so oft gehört, dass ich alle Lieder fast auswendig kann und leidenschaftlich gern laut mitsinge – leider nicht so gut wie Barbara Streisand…

Im Film wird die kluge, aber nicht sonderlich hübsche, flachbrüstige Yentl mit einer anderen Frau kontrastiert: Hadass mit goldbraunen Locken, lieblichen Gesicht und „ribbons und laces in all the right places“ (Bänder und Besatz genau am richtigen Platz). Yentl staunt über diese Frau und blickt zugleich etwas auf sie herab: „No wonder she is pretty – what else should she be!“ (Kein Wunder, dass sie schön ist, was für Möglichkeiten hat sie denn sonst?).

Die Frauen lernen sich kennen und schätzen. Am Ende blickt Yentl weiterhin fasziniert auf Hadass und auf sich „She is the wonder of wonders…she is mother and lover and sister… she is woman…and so am I!“ (Sie ist Mutter und Schwester  und Geliebte – sie ist das Wunder der Wunder – eine Frau und ich bin es auch!

Ich bin Verlegerin, Autorin, Lebenskünstlerin, Schutzspenderin und Schutzbedürftige, Starke und Schwache Person, mutig und ängstlich, Leiterin und Lernende. Manchmal in schönen, weichfließenden Kleidern. Manchmal in unförmigen Arbeitsklamotten voller Baustaub und mit zerbrochenen Fingernägeln. Ich kann trotz unterschiedlicher Ausprägungen und Rollen sehen: So kann Frau-sein gelebt werden. Und anders auch. Das habe ich durch Yentl tief begriffen. Die Frage „Bin ich eine richtige Frau“ stelle ich seit Jahrzehnten nicht mehr. Und bin sehr dankbar dafür.

Bin ich ein richtiger Mann? 

Diese Frage irritiert mich. Denn wenn es richtige Männer geben soll, impliziert das ja, dass es auch falsche Männer gibt. Was ist ein falscher Mann? Aus meiner Sicht gibt es nur Männer (das sind Menschen mit einem X und einem Y Chromosom. Und es gibt Nicht-Männer oder Frauen. Die Menschen mit zwei X Chromosomen). Von den ganz wenigen Intersexuellen Menschen abgesehen, gibt es nur Männer und Frauen. Eigentlich müsste man die Frage gar nicht stellen. Denn es gibt ja nur richtige Menschen… richtige Männer und richtige Frauen. Offensichtlich ist es nicht so einfach, denn sonst hätten Millionen Männer, die diese Frage beschäftigt, sie schon längst beantwortet „Ach ja es gibt keine falschen Männer. Nur Männer. Also bin ich ein Mann. Ein richtiger Mann!“

Wer gibt die Antwort auf die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“

Wenn man sich eine Frage stellt, dann sucht man Antwort. Die Frage ist nur, von wem man die Antwort erwartet. Mir fallen vier Optionen ein:

  • Von anderen Männern
  • Von Frauen
  • Von Gott
  • Von sich selbst

Ich frage mich, wie man(n) hofft, Antworten auf diese Frage zu finden. Mal angenommen andere Männer, Frauen, Gott und man selbst würde sagen: „Ja, du bist ein richtiger Mann!“ Würde das das den Knoten im Herzen lösen? Das Suchen beenden?

Welche Kriterien gelten für einen „richtigen“ Mann?

Es stellt sich mir die Frage: Nach welchen Kriterien bestimmen andere Männer, Frauen, Gott und man selbst, wer ein „richtiger Mann“ ist? Das ist – zu allem Überfluss auch noch regional verschieden. Wer in Stuttgart als „richtiger Mann“ gilt ist es in Berlin auf Grund anderer Werte noch lange nicht. Und umgekehrt. Und ob der Berliner in Abu Dhabi oder Neu Delhi als „richtiger“ Mann anerkannt würde, wäre dann die nächste Frage.

Ich halte es für sinnvoll, sich die unbewussten Kriterien für „richtiges Mannsein“ bewusst zu machen. Dem Stier in die Augen zu schauen und die Frage frontal anzupacken: „Sag mir, was macht einen richtigen Mann aus?“ Und dann alle Antworten, die man findet, aufzuschreiben… um Klarheit zu finden: Will ich mich daran messen (lassen) oder lieber nicht?

Und vielleicht jenseits von allem „richtig“ und „falsch“ zu der Erkenntnis kommt: Ich bin ein Mann. Das genügt. 

Welche Fragen stehen hinter der Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“

Wenn ich mich in den Fragenden hineinversetze, ahne ich, dass dahinter andere Fragen stehen, Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind, Unsicherheiten, die Sicherheit suchen, Sehnsüchte, die nicht gestillt sind. Ich vermute etwa folgende Fragen hinter der Frage:

  • Erhalte ich Anerkennung von Menschen?
  • Erhalte ich Wertschätzung von den Menschen, deren Meinung für mich zählt? Wer ist das?
  • Gelingt mir Verbindung zum anderen Geschlecht?
  • Kann ich bei Gott sicher sein?
  • Kann ich „ja“ zu mir, meinen Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Grenzen sagen?

Ich vermute, dass die Frage immer dann auftaucht, wenn Schmerz und Unsicherheit sich breit macht. Wenn das Leben nicht so gelingt, wie erhofft. Wenn man Schwäche im Körper, in der Seele und der Sexualität spürt. Wenn man beim Vergleichen mit anderen vermeintlich schlechter abschneidet. Wenn Scheitern an der Identität kratzt.

Ich vermute, die Frage „Bin  ich ein richtiger Mann“ ist nichts anderes als der Versuch, die emotionale Unsicherheit, die man spürt, auf rationaler Ebene – durch eine Frage – lösen zu wollen. Die Strategie geht vermutlich nicht auf – deshalb ist die Frage seit Jahrhunderten präsent.

Ich fürchte, so wird man nie eine innerlich tief befriedigende Antwort finden. Im Vergleich wird es immer Männer geben, die „richtiger“ sind…stärker, mutiger, erfolgreicher… Und weil selbst ein „Ja, du bist ein richtiger Mann!“ den Kern nicht trifft. Vielleicht ist die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ nur eine Flucht vor den anderen Fragen?

1 TemptationMutiger, stärker und männlicher könnte es vielleicht sein, auch hier den Stier an den Hörnen zu packen und sich zu fragen:

  • Was fühle ich wirklich, wenn mir diese Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ durch den Kopf geht? Oder noch präziser: Was fühlte ich in dem Moment kurz bevor ich mir die Frage gestellt habe (z. B. Unsicherheit, Traurigkeit)?
  • Was brauche ich wirklich (z. B. Bestätigung, Trost, Ermutigung)?
  • Wer kann mir das geben? (Das kann ein anderer Mensch sein, Gott oder auch man selbst… es ist kein bisschen unmännlich, sich selbst Trost und Mut zuzusprechen… kämpferische, starke, poetische Männer und Liebhaber wie David haben das in den Psalmen immer wieder getan z B. Psalm 42)?

3 Welcome Celebration IIIWenn ich Filmemacherin wäre, dann würde ich vielleicht einen Film machen, in dem ein softer, poetischer, zurückhaltender Mann einem durchsetzungsstarken, bäumefällenden Kraftprotz begegnet – und die beiden die Schätze aneinander entdecken. Nicht mehr nach richtiger und falscher Männlichkeit fragen. Sondern einfach nur gemeinsam singen: „Ich bin ein Mann!“

Was denkt ihr? Liege ich mit meinen Vermutungen richtig? Falsch? Welche ergänzenden Gedanken und Kommentare habt ihr? Ich bin gespannt.

Bilder auf dieser Seite stammen von dem Künstler Wolfgang Tonne.

 

 

 

Essen für einen guten Zweck

2014-09-04 07.26.05Kürzlich war ich beruflich – zu einem Seminar – in der Schweiz. Habe das aber mit dem Besuch bei Freunden verbunden. Zwei Freunde kamen unabhänging voneinander auf die Idee, mir ihre Euro und Cent Münzen zu schenken, weil sie auf absehbare Zeit nicht wieder in einem Euro Land sein würden. Es war ein ganzer Beutel voll Geld.

Damit hab ich heute die Fahrt zum Flughafen bezahlt – um das Gewicht zu reduzieren. Und vorhin wollte ich mich in Berlin mit einem Frozen Joghurt willkommen heißen. Ich fragte den Verkäufer, ob ich mit Kleingeld bezahlten könnte. Er sagte ja. Und erzählte mir, dass er 10 und 20 Cent Münzen immer spendet. Ich gab ihm meine Münzen – und wir freuten uns beide, dass wir jetzt anderen Menschen etwas Gutes taten. Und er flachste: „Sie essen jetzt für einen guten Zweck!“ Hat lecker geschmeckt!

2014-09-09 14.08.35Zwei Tage später ging ich mit den restlichen Münzen – etwa 4 Euro – gegen Marktende zu einem Marktstand und wollte dort Blumen kaufen. Der Verkäufer fragte, wieviele Blumen ich denn dafür haben wollte. Ich antwortete: „So viele wie sie mir gerne geben möchten!“ Das Ergebnis seht ihr rechts…ich bin ziemlich glücklich – was für ein Geschenk.

Ein großes „Danke!“

2014-05-24 17.07.36Einigen von den Menschen, die mir in den letzten Monaten unter die Arme gegriffen haben, habe ich schon persönlich gedankt. Bei anderen habe ich nicht mal die Email-Adresse, um danke sgen zu können! Deshalb hier mal ein umfassendes Danke.

Danke an alle, die

  • eine oder mehr Stunden auf dem Schiff geholfen haben. Es waren Dutzende von Menschen – und einige Tausend Stunden.
  • einen oder mehrere Euros oder Dollar gespendet haben, um das Projekt zu unterstützen
  • mir Bücher oder Gegenstände geschenkt habe, die ich für das Schiff bei Amazon oder Ebay verkaufen kann.
  • über das Projekt berichtet haben – auf Blogs, in Artikeln, Mails, mündlich….
  • Gott gebeten haben, mir zu helfen  (er hat auf euch gehört!)
  • mir Mut gemacht haben.

Ein ganz warmes Dankeschön auch an einen Mann, der ein sehr geringes Einkommen hat – und Blut spenden gegangen ist, um das Schiffsprojekt unterstützen zu können. Ich weine noch immer, wenn ich daran denke!

DAAAANKE!

Aktuell: Braucht jemand von euch einen Drucker? Ich habe zwei Stück geschenkt bekommen, die ich zu Gunsten des Schiffsprojektes verkaufen darf: HP Officejet 5610 All in oneund HP Photosmart 4180 – All in one . Und Druckerpatronen für Samsung CPL 310/315 bzw. CLX 3170/3175 habe iich auch. 2 x Schwarz, 1 x blau

Vertrauen lernen: Zuerst geliebt

Vaterliebe Gottes Impulsheft Kerstin HackEin Satz, den Joshua Lupbema, einer unsere Vorstände bei Gemeinsam für Berlin auf dem Transforum sagte hat mich sehr bewegt. Sinngemäss sagte er folgendes:

Petrus hat damit geprahlt, wie sehr er Jesus liebt. Doch als es darauf ankam, hat er ihn verraten.

Johannes hat damit geprahlt, wie sehr Jesus ihn liebt. Johannes blieb bis zum Tod am Kreuz an der Seite Jesu.

Daraus kann man keine Theologie stricken. Aber was mir bewusst wurde ist, dass es nicht unsere großartige oder auch schwache Liebe zu Jesus ist, die uns trägt…sondern das Wissen um seine tiefe Liebe zu uns.

Dazu passt, dass das Impulsheft Vaterliebe Gottes, das liebevolle Zusagen Gottes persönlich formuliert, heute in die vierte Auflage geht. Ich kann es allen, die sich tiefer von Gottes Liebe berühren lassen möchten, nur wärmstens empfehlen.

Und bin glücklich und dankbar, dass wir mit diesem Impulsheft ein wenig  dazu beitragen können, dass Menschen von Gottes Liebe berührt werden.

LEA – ein Kurs zieht Kreise

LEA Header QuadratVor ein paar Tagen schrieb mir eine Frau, die beruflich gerade sehr viel Stress hat, weil Mitarbeiter in ihrem Team ausgefallen sind: „Ich benutze viele kleine Dinge aus LEA täglich, hat mir gut getan.“

Ich finde es wunderbar, dass LEA so nachhaltig wirkt. Als ich den Kurs entwickelt habe, hatte ich das Ziel, Menschen zu mehr

  • Leichtigkeit
  • Energie
  • Ausstrahlung

zu verhelfen. Und ich freue mich, dass das offensichtlich immer wieder gelingt, wie das Feedback der Teilnehmer bezeugt. Für viele ist das Modell 2 x pro Woche eine Coaching-Mail mit Impulsen und Fragen zum Weiterdenken genau passend. Und die vielen Buch- und Medientipps helfen weiter.

Die Kurse starten immer zu Beginn eines Quartals. Also 1. Januar, 1. April, 1. Juli, 1. Oktober. Herzliche Einladung beim nächsten Kurs dabei zu sein!  Ihr könnt euch direkt auf der LEA-Seite anmelden.

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