Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Kategorie: Erfolg (Seite 1 von 6)

Schiff im Februar

2017-01-22-12-56-12Nach frostkalten Wintertagen gibt es sie jetzt wieder – diese einzelnen Stunden, wo man eingewickelt in warme Decken und mit einer heißen Tasse Tee zumindest eine Weile draußen in der Sonne sitzen kann.

In den letzten Wochen ging es nicht so sehr voran, weil ich selbst wenig Kapazitäten habe, da ich intensiv mit der Arbeit an meinem neuen Buch und dem neuen Onlinekurs Swing Dein gutes Leben beschäftigt bin und wenig Helfer hatte.

Aber am Wochenende kommt Bootsbauer Helge, da wollen wir weiterbauen 

  • Ein Treppengeländer, damit Menschen sicher an Bord kommen
  • Decken im Eingangsbereich
  • Decken im Steuerhaus

Wenn das geschafft ist, haben alle Räume im Schiff (bis auf den Maschinenraum) Deckenverkleidungen. Das wäre mal wieder ein Meilenstein.

Dann fehlt noch an großen Dingen 

  • Tür für den Seminarraum
  • Kaminofen für den Seminarraum
  • Treppe nach unten
  • Böden im Eingang und Seminarraum schleifen und mit Kork bekleben
  • Lüftung

Da alles, jedes einzelne Brett, das an die Decke kommt, auf Maß zugeschnitten und angepasst werden muss, ist das alles  bei einem Schiff viel mehr Arbeit als etwa bei dem Neubau eines Hauses.

Aber ich freue mich über jeden Zwischenschritt. Und darüber, dass Menschen, die Orientierung brauchen, das Angebot nutzen (im Winter bisher weniger, obwohl das Schiff gut geheizt ist!).

Weitermachen

Ich bin nach wie vor dankbar für jeden Menschen, der mir mit Finanzen oder indem er ein paar Stunden oder Tage hilft. Kurz: Über alles, was dazu beiträgt, dass mein Traum, bis zu meinem 50. Geburtstag im April ein fertiges Schiff zu haben, Realität wird.

 

 

 

Mein gutes Leben – 2017

dte-kalender-2013_7Einer meiner guten Vorsätze für 2017 ist: „Ich glaube, dass ich  Gedanken und Impulse weitergeben kann, die für andere stärkend und wertvoll sind.  Deshalb will mehr und hochwertiger schreiben – am Ende des Jahres 2017 will ich ein neues Buch  über das gute Leben geschrieben haben, den Online-Kurs, ein Quadro und eine ganze Reihe von Blog-Beiträgen.“ Soweit der Vorsatz. Eine von fünf. Ambitioniert.

Also habe ich gleich begonnen, die Einleitung für das neue Buch zu schreiben. Hier ist der erste Entwurf.

Lebe ich ein gutes Leben?

Diese Frage hat mich Ende 2016 bewegt, als ich mich darauf vorbereitet habe, dieses Buch zu schreiben.

Als Coach arbeite ich häufig mit Skalen, um Menschen dabei zu helfen, Klarheit zu schaffen. Als ich das zurückliegende Jahr betrachtete, gab ich mir auf einer Skala von 1(Flop) – 10 (Top) die Note 6. Mittel, aber nicht wirklich gut.

Die Gründe waren vielfältig. Ein Hauptfaktor war Überlastung. In dem Jahr hatte ich mit einigen Herausforderungen zu kämpfen:

  • Hackerangriffen auf alle meine privaten und beruflichen Blogs und Internet-Seiten – es dauerte drei Monate lang, bis wir alle Schäden beseitigt
  • Ehrenamtliches Engagement, das sich als sehr zeitraubend und mühselig herausstellte.
  • Ein Umzug von einer Wohnung, im 4 Stock ohne Aufzug in der ich über 20 Jahre gewohnt hatte auf ein noch nicht fertig renoviertes Schiff.
  • Finanziellen Herausforderungen durch Schiffbau und unvorhergesehene, große Forderungen.

Das oben waren nur die vier größten Brocken in einer beachtlichen Steinsammlung, die ich im letzten Jahr mit mir herumschleppte. Gut gelebt habe ich in allem nicht. Über all dem Schwierigen habe ich vergessen, Zeit mit Freunden zu verbringen, schöne Momente zu genießen und für Aktivitäten zu sorgen, die mir Energie spenden. Ich habe das Gute einfachf nicht getan.

Das lag nicht nur an den Herausforderungen und den äußeren Umständen. Ja, die waren hart. Zeit für Wohltuendes wäre dafür – trotz allem – vorhanden gewesen – und es gab auch schöne Momente – sonst wäre das Ergebnis ja bei zwei oder drei.

Dass ich nicht wirklich gut gelebt habe, lag auch nicht daran, dass ich nicht wüsste, was zu einem guten Leben gehört. Damit habe ich mich mehr als ein Jahrzehnt lang beschäftigt, über die 8 Aspekte, die zu einem guten Leben gehören, das Buch Swing geschrieben und Seminare und Vorträge gehalten. Ja, ich weiß im Grunde, wie man ein gutes Leben lebt.

Dass ich  im letzten Jahr versäumt habe, ein gutes Leben zu leben lag vor allem daran, dass ich im Angst- und Stressmodus vergessen habe, so zu leben, wie es mir tatsächlich gut tut. Oder nicht mehr die innere Kraft hatte, das Wissen umzusetzen.. Jeder kennt das, theoretisch weiß man, was einem gut tun würde z. B. weniger Schokolade und mehr Bewegung. Oder weniger Internet und mehr Begegnung. Und praktisch misslingt es einen, das Gute tatsächlich zu tun.

Das kann richtig extrem sein. Die Forscherin Lisa Rankin hat intensiv darüber geforscht, welche Faktoren dazu beitragen, dass Menschen gesund werden. In einem Seminar zu dem Thema fragte sie die Teilnehmer: „Wenn Sie 100% sicher wüssten, dass etwas sie gesund machen würde, würden Sie es dann tun.“ Zu ihrer Überraschung meldeten sich nur 50% der Anwesenden.

Sie fragte nach, was der Grund dafür wäre, dass – trotz der Aussicht auf Gesundheit – die Chance nicht ergriffen würde. Die Seminarteilnehmer sagten Dinge wie

  • Mein Mann hat mich früher immer geschlagen – er hat damit aufgehört, seid ich krank bin. Wenn ich gesund werde, …
  • Ich lebe von der Sozialversicherung, ich weiß nicht, ob ich noch fürs normale Berufsleben fähig bin.
  • Ich müsste wieder zurück auf die Arbeit mit meinem cholerischen Chef.

Hinter all dem steckt Angst. Die Angst, eine Situation nicht bewältigen zu können.

Es ist schockierend. Da wissen chronisch kranke Menschen im Grunde, was ihnen gut tun würden – und tun es nicht – aus Angst, davor, dass sie dem Leben, wie es dann sein könnte, nicht gewachsen sind.

Vielleicht ist es bei uns nicht so extrem, aber im Kleinen kennen wir das alle – diese Verweigerung des Lebens. Wir lassen uns nicht auf Neues ein, das interessant und spannend sein könnte. Aus Angst uns zu blamieren. Uns ist klar, dass uns so viel Internet-Zeit nicht gut tut – aber wir sind trotzdem wie süchtig danach, haben Angst etwas zu verpassen. Wir wissen, was unser Leben bereichern könnte. Und tun es nicht, weil….

Es genügt nicht, zu wissen, wie man das Leben rein theoretisch gut lebt. Sondern es ist darüber hinaus auch nötig, herauszufinden, was uns daran hindert, es ganz praktisch zu leben.

In den acht Monaten, die vor mir liegen, will ich deshalb zwei Dinge tun

  • Ich will beschreiben und erleben, was gut tut. Ich orientiere mich dabei an den 8 Lebenselementen aus dem Swing – Konzept. Und Wege in das gute Leben aufzeigen.
  • Ich will beobachten und analysieren, was andere und mich daran hindert, das gute Leben zu leben, das wir eigentlich leben könnten. Und Wege aus dem schlechten Leben zeigen.

Ich bin gespannt auf die Reise.

Wie soll dein 2017 werden?

dgl-facebook-header-150dpiEiner meiner Freunde nahm sich für 2017 vor, mehr zu trinken, mehr zu rauchen, weniger Sport zu machen und sich höher zu verschulden. Seine Logik hinter dem schlechten Vorsatz: Am Ende des Jahres scheint immer das Gegenteil dessen eingetreten zu sein, was er sich vorgenommen hat. Also nimmt er sich nun absichtlich das Gegenteil dessen vor, was er eigentlich will. In der Hoffnung, es so zu erreichen.

Es gibt keine offizielle Statistik. Aber meine Vermutung ist, dass 70 – 80% aller Neujahrsvorsätze scheitern. Dafür gibt es verschiedene Gründe z. B. dass Neujahrsvorsätze nicht zu einem passen oder zu unrealistisch oder schwammig formuliert werden.

Das waren die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht:  Du kannst lernen, Ziele so zu wählen, dass sie für dich tief motivierend und tatsächlich umsetzbar sind. Das ist gar nicht so schwer.

Die drei Schritte für gute Zielsetzung

  • Ein warum: Du brauchst einen echten, tieferen Grund, warum du etwas tust. Das hat in der Regel etwas mit dem zu tun, wer du bist (deine Persönlichkeit) und was du brauchst (deine Bedürfnisse)
  • Ein wie: Die innere Haltung mit der du etwas angehen willst
  • Ein was: Die konkrete Handlung, die du zu einer spezifische Zeit tun möchtest.

Wie das genau geht, verrate ich in meinem neuen Online-Kurs Dein gutes Leben.

Der startet am 1. 1. und du kannst dich jetzt noch zu diesem und anderen Kursen anmelden.

Wir haben unsere Online-Kurse mit viel Zeit und Energie entwickelt, weil es uns wichtig ist, reichlich fundiertes Wissen kompakt zu vermitteln. Und außerdem praktische und umsetzbare Anregungen fürs Leben zu geben.  In jedem Kurs stecken Hunderte von Stunden an Recherche und Gestaltung. Alles für dich!

Du träumst von einem guten Leben?

Der Kurs Dein gutes Leben. Das Down to Earth-Jahrestraining nach dem Swing-Konzept begleitet dich ein ganzes Jahr lang mit einer Trainingsmail pro Woche dabei, zu entdecken, was ein gelingendes Leben ausmacht. Und wie du es gestalten kannst.

Du träumst von mehr Zufriedenheit im Leben?

DAN. Dankbar alles nehmen bringt dir bei, das halbvolle Glas zu sehen und zu entdecken, wie du es notfalls auffüllen kannst. Und wie du mehr Gelassenheit und Freude findest.

Du träumst von mehr Nähe zu Gott?

IDA. In deinen Armen. Gottes Vaterliebe erfahren bringt dir über einen Zeitraum von drei Monaten bei, dich bei Gott tiefer fallen zu lassen und seine Liebe zu genießen.

Du träumst von mehr Leichtigkeit, Energie und Ausstrahlung?

Dann könnte LEA. Lebe endlich anders der richtige Kurs für dich sein. Er vermittelt dir, wie du körperlichen und seelischen Ballast loswirst und zu mehr Leichtigkeit im Leben findest.

Du hast die Nase voll vom Chaos auf der Arbeit oder zu Hause?

SAM. Seine Arbeit meistern zeigt dir Schritt für Schritt wie du deine Aufgaben bewältigen kannst.

Du wünscht dir Wunder –so wie Jesus sie erlebt hat?

WUM. Wunder unter Menschen könnte dich dem Ziel ein paar Schritte näher bringen.


Die Onlne-Kurse beginnen am 1.1.2017 – sei dabei!
Anmeldung findest du hier.

Dein Thema ist nicht dabei?

Dann gönne dir doch mal ein Halbtages- oder Ganztagescoaching, um deinen Träumen näher zu kommen. Oder, falls dafür das Budget nicht reicht, kann oft auch eine Stunde Coaching live oder am Telefon sehr weiterbringen.
Tipp: Am besten bald buchen. Infos findest du auf meiner persönlichen Internetseite.

Heute war ein guter Tag. Oder: wie ich die Dinge geregelt kriege.

Heute war ein guter Tag.

Ich liebe die Tage „zwischen den Jahren“,  um Dinge zu sortieren. Und mich. 

In den letzten Tagen habe ich festgestellt, dass ich eine große Sehnsucht habe: Weniger Kram im Kopf. All diese Tausend Dinge, die anstehen, die gemacht werden müssen. Zum Teil mit großem Druck, wenn – wie ich es als Selbständige in den letzten Monaten erlebt habe – die Finanzen ziemlich eng sind und schnell eine Lösung her muss.

Kein schönes Lebensgefühl!

In den letzten Tagen habe ich viel darüber

Im Bergman Leadership Podcast (20 Min Interviews mit interessanten Persönlichkeiten) stieß ich ein extrem spannendes Interview mit Christine Carter und über die Seite zu einem Link auf ihr Ebook, das Strategien verspricht, die einen einen Tag pro Woche freischaufeln.

0-to-do-doneTo-Do Listen entrümpeln

Eine ihrer wesentlichen Strategien habe ich gleich umgesetzt. Ich hab mich an meine To-Do Berge gemacht. Und sortiert. Da ich Papier liebe, notiere ich mir meine To-Dos auf Papier (Umweltfreunde: Keine Angst. Ich nehme dazu in der Regel gebrauchtes Papier!)

Schritt 1 – Nicht tun 

Alles aussortieren, was man nicht tun will.  Das war bei mir ein ansehnlicher Stapel von ca. 5 cm Höhe. Nicht zuletzt, weil ich eine Reihe von To-Dos schon erledigt hatte, aber versäumt hatte, die Zettel mit dem To-Do wegzuwerfen. Taktischer Fehler.

Aber auch, weil man nicht alles, was man theoretisch machen könnte, tatsächlich auch machen kann. Da einfach und klar zu sagen: Das mache ich nicht. Ich konzentriere mich auf andere Dinge, tat richtig gut.

Schritt 2 – Delegieren 

Die Dinge, die ich delegieren kann, sind leider nicht allzu viele – knapp 1 cm. Aber immerhin.

Schritt 3 – Sortieren 

Sie empfiehlt – wie Peter Bregman in 18 Minuten, für sich 5 wichtige Ziele/ Aufgaben im Leben zu definieren. Nicht mehr.  Und für diese 5 Dinge 95% der Zeit, die man hat, zu verwenden (ambitioniert!). Für den anderen Kram gibt es noch den Ordner 5%.

Meine 5 wichtigsten Ziele / Prioritäten 2017 

  • Freundschaften leben (dazu gehören auch To-Dos wie Events raussuchen, (Reise)-Tickets kaufen….
  • Glauben stärken. Das Thema Vollmacht, in Gottes Kraft leben beschäftigt mich nach wie vor sehr.
  • Verlag stärken. Uns stand das Wasser bis zum Hals. Es wird besser. Ich wünsche mir Solides aufzubauen
  • Schreiben. Ich will in diesem Jahr viel schreiben Den Online-Kurs. Ein neues Buch. Blogbeiträge.
  • Beitrag leisten. Ich will dazu beitragen, dass die Welt etwas besser wird. Aktuell sind meine Themen die Unterbringung der Flüchtlinge in Berlin, der Umgang mit Konvertiten und Ökologie. Nicht alles auf einmal.

Daneben gibt´s noch den Ordner

  • Kram, der mir keinen Spass macht, aber Kohle bringt z. B. die Liste der Auswärtsübernachtungen 2016 zu erstellen, da das Steuerermässigungen gibt.
  • 5%: Die Dinge, die nicht zu den wichtigen Zielen passen, aber trotzdem erledigt werden wollen. Obwohl sie noch nicht mal Geld bringen – Personalausweis neu beantragen z. B.

Das zu sortieren war nicht mehr so schwer, weil ich das schon vorsortiert habe, da. ich to-dos schon lange nach Themengebieten ordne. Ich werde innerhalb der einzelnen Ordner vermutlich noch mal sortieren. Gerade der Schreibordner steckt so voller Ideen,  dass er noch keine richtige To-Do Liste darstellt, sondern eher eine Stoffsammlung.

Bei mir gibt es darüber hinaus noch die Karteikartensammlng

  • Potentielle Glückserlebnisse: Die 100 (naja, bei mir aktuell 25) Aufgaben, die ich als ein „du sollte“ im Kopf habe.

Ich habe nämlich  festgestellt, dass das Sortieren der To-Dos noch nicht reicht, um meinen Kopf ruhig und die Belastung wegzubekommen. Neben den Aufgaben, die zu meinem Beruf und meinen Zielen gehören, gibt es noch jede Menge Zeug, von dem ich denke, dass ich es „mal tun sollte“.

Dazu gehört zum Beispiel die ganze Bettwäsche, die ich für Gäste geschenkt bekommen habe, sortieren und die Bücher, die keinen Platz in den Bücherregalen fanden und meinen Schmuck und die Fotos und Terminkalender und…

Nichts davon eilt. Und wenn ich es nicht erledige, kann ich auch noch gut leben. Aber wenn ich es erledige, wird mir das richtig, richtig gut tun.  Deshalb heißt die Sammlung Potentielle Glückserlebnisse. Damit die nicht zu einer blossen Ideensammlung verkommen, habe ich die in eine wunderschöne Schachtel getan und mich entschieden, jeden Tag nach Büroschluss mir eins der Glückserlebnisse zu gönnen. Wie wunderbar.

Kleiner Tipp:

Wer gern auch mehr Glücksgefühle haben will, dem empfehle ich den Online-Trainingskurs SAM. Seine Arbeit meisten. In dem Kurs verraten Coach Christoph Schalk und ich die besten Prinzipien und jede Menge Tipps und Tricks für entspanntes und effizientes Arbeiten.

Perspektivwechsel

2016-08-04-21-00-38Man findet immer jemanden, dem es schlechter geht als einem selbst – sogar dann, wenn man nicht danach sucht. 

Heute bin ich nach Feierabend noch zum Briefkasten gelaufen, Pfandflaschen wegbringen und Essen einkaufen. Weil ich möchte, dass die Gäste sich an Bord sofort willkommen fühlen, bin ich noch zu einem kleinen Blumenladen gegangen, um Heidekraut zu kaufen, das im Herbst / Winter etwas Fröhlichkeit verbreiten sollte.

Der Blumenladen befindet sich in einem Gebäude, in dem bis Ende August ein Supermarkt war. Der wurde geschlossen. Ich dachte mir schon, dass ohne Laufkundschaft die Geschäfte wohl eher schlecht gehen und entschied mich, das Heidekraut dort zu holen.

Die Inhaberin war Asiatin, die eine Hälfte ihres Gesichts sah zertrümmert aus. Eine Schusswunde? Ein Tumor? Und auf meine Frage, wie es so geht, erzählte sie mir, dass sie noch im Mai 2016 den Mietvertrag verlängert hat – im Juni erfuhr sie dann, dass der Supermarkt schließt. Der Besitzer wusste das wohl, informierte sie nicht. Ohne die Laufkundschaft hat ihr Geschäft keine Chance, auch wenn einige Stammkunden nach wie vor zu ihr kommen. Sie steht um zwei Uhr Morgens auf – vermutlich um zum Blumengroßmarkt zu gehen, arbeitet bis 18.00 – ohne Einkommen. Was für ein Leben!

Ich gebe zu – mich belastet die Situation in meinem Verlag. Es ist schwer, wenn der Verdienst an vielen Stellen weggefressen wird. Aber dennoch geht es mir relativ gut. Ich habe keine hohen Verpflichtungen – von Schiffsmiete mal abgesehen. Ich habe neben dem Verlag noch weitere Verdienstmöglichkeiten wie Coaching und Seminare. Ich habe ein robustes Vertrauen in den Gott, der mich bisher noch nie im Stich gelassen hat – auch wenn seine Vorstellungen von „Glauben prüfen“ manchmal etwas zu herb für meinen Geschmack sind.

2016-09-12-09-14-05Und ich habe Freunde, viele Freunde, die mich ermutigen, stärken, tragen und unterstützen.

Ich weiß nicht, was diese Frau hat. Auf jeden Fall seit heute eine Stammkundin. Im Winter tun Blumen unendlich gut. Ich will mir jetzt jede Woche einen kleinen Strauß Blumen kaufen – natürlich bei ihr. Und beten, dass Gott Wege und Lösungen schenkt. Und sie wieder ein Einkommen hat.

Auf zu neuen Ufern

2016-06-14-14-23-30Die letzten Wochen waren intensiv. Anfang September habe ich die abschließende Jahresabrechnung 2015 erhalten, die deutlich machte, dass der Verlag defizitär wirtschaftet. Zugleich wurde mir klar, dass ich zwar sehr kreativ bin, aber nicht sehr analytisch. Das wusste ich eigentlich schon vorher, aber wie stark sich das auf das Führen eines Unternehmens auswirkt wurde mir erst durch das Lesen von Rock your idea bewusst.

Klar, auf eine ganze Reihe von Faktoren habe ich keinen Einfluss. Darüber habe ich im Blog von Down to Earth geschrieben. Dass Zwischenhändler von uns Verlagen bis zu 60% Rabatt verlangen – daran kann ich erst einmal mit meinen vorhandenen Mitteln nichts ändern.

Aber der Hebel, an dem ich immer ansetzen kann, bin ich selbst.

Seit ich erkannt hatte, Ich will lernen, mich weiterentwickeln, eine bessere Unternehmerin werden. Oder überhaupt Unternehmerin. Es gibt einen großen Unterschied, zwischen jemandem, der selbstständig arbeitet, für das meiste selbst zuständig ist und jemandem, der ein Unternehmen führt, etwas unternimmt, aber nicht alles selbst macht.

Mit Down to Earth bin ich irgendwo dazwischen. Ich leite ein geniales Team, das in weiten Bereichen eigenständig arbeitet, aber so ein Verlag plus Coaching plus Seminare ist doch ziemlich aufwändig und komplex. Am Ende laufen sehr viele Fäden doch wieder bei mir zusammen. Was manchmal gut ist. Häufig auch anstrengend.

Hier würde ich gern lernen, unternehmerischer zu agieren. Besser zu strukturieren. Prozesse zu optimieren.

Ich würde gern.

Ich würde gern… das kann ja jede*r sagen.

Ich tue es.

Ich lerne es, Entrepreneurin zu werden.

Jawohl.

Ich habe mich entschieden, am Call to Action der Stiftung Entrepreneurship teilzunehmen.

Das ist ein Einjahres-Training in Entrepreneurship (Entrepreneure, das ist das zeitgemässere Wort für Menschen, die Lösungen entwickeln,  eher vegan und fair produzierte Sneaker tragen als Anzüge und teure Lederschuhe und die eher in Cafes sitzen als in dicken Chefsesseln.

Das sind die Äußerlichkeiten. Innerlich geht es darum, Lösungen für diese Welt zu entwickeln, die den Menschen dienen. Ob es fair gehandelter Tee ist wie bei der Teekampagne oder technische Lösungen, die das Leben leichter machen.

Ich erwarte mir von dem Programm zum einen Impulse, mein bestehendes Unternehmen zu optimieren. Und vielleicht gründe ich auch noch ein oder zwei neue Unternehmen, wenn mir etwas einfällt, was  ich entwickeln kann, um diese Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Weil ich mich schnell für Dinge begeistern kann,  habe ich vorsichtshalber meine zwei besten Freundinnen um Rat gefragt, ob ich das tatsächlich tun soll. Schließlich kostet so was Geld und Zeit. Die eine meinte „Das scheint der beste Weg zu sein, wie du die Dinge, die du lernen willst, effektiv lernen kannst.“ 

Die andere meinte trocken „Du bist nicht glücklich, wenn du nichts Neues lernen kannst. Ich würde es dir empfehlen! Außerdem könnte ich wetten, dass du, kaum dass du etwas gelernt hast, es wieder an andere weitergibst. Das kann auch ein Segen sein.“ 

Also: Diese Woche geht es los.

Klar… das ganze kostet. Zeit und Geld. Nicht superviel. Aber 550 Euro + ca. 200 Euro Seminargebühren ist einiges, wenn man gerade Schulden bis über die Ohren hat. Falls du ein paar Tage oder Wochen oder einen Monat Lernen mitfinanzieren möchtest, würde ich mich freuen.

Und jetzt: Auf zu neuen Ufern!

Klarheit im Kopf

14572416_10157644158130249_4656339533911311237_nZahlen sind nicht meine Stärke. Doch manchmal sind die wirklich hilfreich.

In der letzten Zeit war viel – viel Druck im Verlag, viel Arbeit am Schiff, viel Neues, viele Entscheidungen. Ziemlich sehr viel.

Heute Morgen habe ich das getan, was ich immer tue, wenn ich mich sortieren will. Ich schreibe. Auf Zettel – und frage mich, ob daher das Wort „verzetteln“ kommt.

Ich hab erst alle größeren Aufgaben, Seminare und Projekt, die bis zum Jahresende anstehen, auf einzelne Zettel geschrieben.

Anschließend habe ich sie nach Themenblöcken geordnet sortiert – von links nach rechts:  Schiff – Verlag – Schreiben – Training – Ehrenamt – Projektideen. Die großen Dinge in meinem Leben. 

Und dann habe ich auf die einzelnen Zettel geschrieben, wie viele Stunden sie in etwa beanspruchen werden. Ergebnis: 400.

Dann habe ich die Wochen bis Weihnachten gezählt: 10.

Und dann gerechnet: 400 : 10 =  40.  Das ging sogar ohne Taschenrechner.

Mir ist klar: 400 Stunden in 10 Wochen nur für große Projekte, das geht nicht.  In Sam, meinen Online-Kurs für Arbeitsorganisation, empfehle ich, maximal 50% der Zeit zu verplanen, weil immer Unvorhergesehenes passiert.

Die Lösungsansätze

  • Streichen / Verschieben: Ist bei den aktuellen Projekten tatsächlich schwierig. Da einige Dinge – wie etwa in die Optimierung des Verlags zu investieren schlichtweg nicht warten können.
  • Samstags zum Teil arbeiten. Das versuche ich zu vermeiden, aber für 1 – 2 Monate kann ich das tun. Das werde ich z. T. bei Seminaren tun und auch am Schiff. Das ist ok. Heute habe ich zwei Stunden Mails beantwortet.
  • Delegieren. Noch mehr überlegen, wem ich was abgeben kann. Damit ich mich auf die Dinge konzentrieren kann, die wirklich wichtig sind.
  • Beten: Gott um Weisheit bitten, wie ich was angehen soll. Das ist ein Gebet, das er erstaunlich oft beantwortet.
  • Belohnen: Einen Kalender führen mit den Projekten und Stunden, die ich schon in sie investiert habe. Strichlisten und grüne Päckchen motivieren mich tatsächlich. Aber natürlich vor allem motiviert es mich, wenn die Aufgaben, die ich angepackt habe, tatsächlich in die Realität umgesetzt wurden.

Und immerhin: Das mit dem Rechnen klappt schon.

Wie Bücher prägen. Oder: Warum „Rock your idea“ mich zum Heulen brachte

Es gibt in meinem Bücherregal Bücher, die haben fast ein ganzes Lebensjahrzehnt geprägt.  Oder waren für mich so wichtig, dass ich genau weiß, in welchem Alter ich sie gelesen habe und welche Auswirkungen sie auf mein Leben hatten.

Die springende Flut1 – 10

Was ich in den ersten 10 Jahren meines Lebens gelesen habe, weiß ich nicht mehr so genau. Aber es war einiges. Nachmittage im Liegestuhl mit Enid Blyton (ja, ich gebe es zu, Hanni und Nanni, alle Bände), Astrid Lindgren und Michael Ende.

Heraus sticht dieses eine, kleine Buch von Pearl S. Buck, „Die springende Flut„. Das Buch war  das einzige griffbereite Buch auf dem Nachttisch meiner Eltern – eigentlich diente es nur zur Dekoration. Sie lasen sie eher im Wohnzimmer oder auf dem Balkon. Ich hab es wohl ein paar Duzend Male gelesen, weil es einfach da war. Und hoffnungsvoll.

Das Buch spricht über Zerstörung durch einen Tsunami und Neuanfang, darüber dass ein Fischerjunge durch einen Tsunami zum Waisenkind wird. Später, erwachsen, kehrt er an den Strand zurück, der seiner Familie das Leben geraubt hat. Er gründet eine Familie, Baut ein Haus. Seine Vorfahren hatten – um sich vor möglichem Unheil zu schützen, keine Fenster zur Meerseite hingebaut. Er baut sein Haus mit einem Fenster zum Meer. Ein Buch voller Hoffnung.

11 – 20

In meinen Teenagerjahren habe ich unzählig viele Biographien gelesen. Vor allem von Revolutionären wie Savanarola und Menschen, die in der Welt etwas verändert haben – wie Sophie Scholl,  Albert Schweizer und viele andere. Das ist geblieben. Bis heute liebe ich Biographien. Weil nicht jeder so viel liest, wie ich gebe ich eine Serie von knackigen und zugleich tiefen Kompaktbiographien für die Hosentasche heraus: Die Weltveränderer.

Neben den Biographien und C.S. Lewis – von Screwtape bis Narnia hat mich vor allem ein Buch geprägt: Bete und Staune. Die Autorin Catherine Marshall beschreibt ganz unterschiedliche Formen des Gebets. Mich hat es inspiriert und mir die Augen dafür geöffnet, dass Glaube sehr vielfältig gelebt und zum Ausdruck gebracht werden kann. Auch das prägt mich bis heute.

21 – 30

Das Buch des Zwanziger-Jahrzehnts war Robinson Crusoe. Ich habe meine Magisterarbeit über „Das Bild des Fremden in Robinson Crusoe“ geschrieben und fand die Auseinandersetzung damit extrem spannend. Größte Erkenntnis: Der einzelne Fremde – wie etwa Freitag – kann leicht zum Freund werden.  Sich der Gruppe der Fremden, „die Kannibalen“  anzunähern ist mit weit größeren Ängsten verbunden. Ich konnte es mir auch angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation (ich weigere mich, die Aufnahme von geflüchteten Menschen in unser Land als „Krise“ zu bezeichnen) nicht verkneifen,  meine Robinson und Freitag Erkenntnisse zu einem Artikel zu verarbeiten – natürlich darüber, wie Fremde zu Freunden werden können,

Völlig unnötige Info, aber irgendwie cool. Seit meiner Robinson-Zeit weiß ich, dass das Wort „Barbecue“ vom karibischen „Barbucan“ kommt, was so viel bedeutet wie „Seine Feinde braten!“ – diese Info kann man sehr effizient bei Grillparties einsetzen, wenn nur noch ein Steak auf dem Grill liegt und man den anderen den Appetit verderben möchte…. (ich käme natürlich nie auf den Gedanken). Und seit meiner Robinson-Zeit hängt ein Schild an meiner Bürotür „The only person getting his work done by Friday was Robinson Crusoe!“ 

30 – 40

In den Jahren haben ich mehrere Bücher gelesen, de mich stark geprägt haben :Vor allem die Bücher von Steven Covey über die Sieben Wege zur Effektivität (Wobei ich den deutschen Titel immer noch grausam schlecht übersetzt finde, weil es Covey um sieben Gewohnheiten geht, die man für ein gutes, erfolgreiches Leben einüben kann und darf.  Seine Bücher, aber auch Good to Great / Der Weg zu den Besten haben mir einiges über Fokus und Ausrichtung fürs Leben vermittelt. Einiges. Nicht alles.  Dazu später mehr.

40 – 50

Da bin ich noch drin. In diesem Jahrzehnt standen Coaching-Bücher im Vordergrund: Lösungsorientierte Beratung  von Bamberger habe ich regelrecht verschlungen. Und natürlich Marshall Rosenberg Gewaltfreie Kommunikation und viele andere Titel, die mich in meiner Praxis als Coach gestärkt und geprägt haben. Außerdem eine ganze Reihe von Büchern von Menschen wie Aliss Cresswell, Bill Johnson und Kris Valatton und anderen, die meinen Glauben herausgefordert und gedehnt haben – mehr in die Vorstellung hinein, dass Gott nicht alleine handeln will, sondern gern mit und durch uns.

Rock your ideaUnd jetzt gibt es ein neues Buch, von dem ich ahne, dass es vor allem mein Berufsleben im nächsten Jahrzehnt prägen wird Martin Gaedts Buch:  Rock your idea.

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich um Ideen selten erlegen bin. Wenn die einen vor Schreck erstarren,  regen mich Krisen zur Kreativität an. Beispielsweise wenn es auf dem Balkon  7 Meter entfernt, schräg von mir brennt, weil Teenie-Gäste bei einer Geburtstagsfeier Wunderkerzen-Weitwerfen gespielt haben !!!! und zielsicher einen vertrockneten Weihnachtsbaum trafen, der lichterloh in Flammen aufging.

Während alle anderen Gäste erstarrt vor Schreck das Feuer betrachteten, rannte ich in Küche und Bad, holte Teekannen und was ich sonst noch fand, und versuchte, schräg über den Hof Wasser auf den entfernten Balkon zu schütten. Und traf. Zumindest oft genug, um die Flammen zu löschen noch bevor die Feuerwehr mit drei Löschzügen eintraf.

Doch witzig, originell und kreativ denken zu können, allein reicht nicht, damit eine Idee erfolgreich umgesetzt wird.

Das habe ich jetzt beim Lesen von Rock your idea verstanden. Die Originalität und Offenheit braucht als Gegenpol immer die Analyse und das achtsame Hinschauen, damit etwas gelingt. Das A und O.

Beim Lesen wurde mir klar, warum viele meiner eigentlich im Ansatz guten Ideen nicht funktioniert haben. Ich habe wunderschöne Postkarten produziert, umweltfreundlich, originell mit gutem Design. Nur unpraktischerweise die Vertriebskosten nicht genau berechnet (schon allein deshalb, weil ich gar nicht weiß, wie man so was kalkuliert). Und nicht richtig nachgefragt, ob die Kunden meines Verlags, die meine Bücher und Trainingsmaterialien sehr schätzen, auch auf Postkarten stehen. Tun sie nicht. Das weiss ich jetzt.  9875 unverkaufte Postkarten später.

Und meine Kunden mögen noch nicht mal alle meine Bücher. Ich hab Buchtitel gemacht, von denen ich begeistert war, ohne vorher zu prüfen, ob andere Menschen davon auch begeistert sind. Und natürlich ob sie die Titel tatsächlich auch kaufen würden.  Das kann man natürlich nie genau sagen, das typischte an der Zukunft ist ja, dass sie ungewiss. Das Interesse und die Resonanz ungefähr zu erfragen, wäre das gute, ergänzende A zum sprudeligen O gewesen. Das hat in den meisten Fällen gefehlt.

Zu allem Überfluss habe ich gerade in der Anfangsphase – Buchcover gemacht, die auf dem Computer gut aussahen, aber im Laden überhaupt nicht wirkten.  Das ist eine andere Geschichte.

Als ich Rock your idea zu Ende gelesen hatte, hab ich erst mal eine Runde geweint.

Es tat einfach weh, zu realisieren, wie viel Ideen mit Potential misslungen oder nicht zur vollen Entfaltung gekommen sind, weil mein A-Flügel sich nicht entfaltet hat…ich gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Und ich mag gar nicht erst anfangen zu spüren oder gar zu rechnen, wie viel emotionale, aber auch finanzielle Energie mich die fehlende Analyse gekostet hat. Das ist wirklich zum Heulen.

Im Coaching sagt man oft: Wenn etwas nicht funktioniert, verdoppeln Menschen ihre Anstrengungen. Der Partner hört nicht zu. Also redet man lauter oder mehr.  Das Ding klemmt, also zerrt man mehr. Abstand nehmen, eine ganz andere Strategie entwickeln, ist meist die bessere Alternative.

Dumm, wenn man den Fehler dann selbst macht. Ich hab eine Idee entwickelt. Wenn es dann schwierig wurde, hab ich einfach die nächste Idee entwickelt, statt etwas anderes zu tun. Genau analysieren zum Beispiel. Ideen entwickeln, das kann ich. Irgendetwas fällt mir immer ein. Also hab ich meine Anstrengungen verdoppelt. Und um nicht allzu hart, mit mir selbst zu sein: Eine ganze Reihe der Ideen waren auch gut.

Aber ich ahne, wie viel besser meine Verlagsarbeit funktioniert hätte, wenn ich das mit dem Hin- und Her von Originalität und Analyse vor 10 Jahren gewusst und eingeübt hätte. Glücklicherweise ist es noch nicht zu spät. Ich habe – vermutlich – noch einige Jahre, oder ein oder zwei Jahrzehnte Berufsleben vor mir. Und werde versuchen, meinen  A – Flügel zu stärken. Denn wenn man nur mit einem O – Flügel fliegt, fliegt man im Kreis. Und ich habe mir ganz neu eine A-Frau an Bord und einen Super-A-Berater ins Team geholt, um mich darin zu unterstützen.  Und eine dritte A Frau kam in dieser Woche einfach von selbst an. Ich bin am Staunen.

Jetzt gilt es erst mal achtsam hinzusehen: Was funktioniert? Was nicht?

Und wenn wir dann die nächste Idee, die natürlich schon da ist, weiterentwickeln, wird zu dem O eine gute Portion A kommen.

Mich zum Weinen bringen – das hat bisher noch kein „Business“ Buch geschafft.

Aber ich weiß, dass ich in ein paar Jahren lachend sagen werde: Die Gedanken aus Rock your idea, vor allem der Grundgedanke von A und O, hat etwas verändert. Hat verbessert, wie ich ich Projekte angehe. Es hat jemanden verändert. Mich.

Die fünf Phasen einer Vision und woran man sie erkennt

Sommerwetter im September. Es war einer dieser strahlenden, warmen Tage. Ich hatte zum Tag der offnen Tür an Bord eingeladen.

Ich genoss die Kommentare der staunenden Gäste:

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so groß ist!“

„Boah, das schön….“

Viele kannten das Projekt bisher nur von Facebook oder von meinem Blog und staunten über das, was geschehen war, seit ich das rostige DDR – Torpedoschiff gekauft hatte, um daraus einen Ort zu machen, an dem Menschen Inspiration und Orientierung finden können.

Nach einigen Führungen fing ich an, darüber zu flachsen, dass man als Visionärin die fünf Phasen der Umsetzung einer Vision an den Kommentaren der anderen erkennen kann…

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Seminarraum 2011 – bevor ich das Schiff kaufte.

Phase 1 – Beginn: „Du bist verrückt!“

Die einen sagen es offen, die anderen denken es nur. Sie gestanden mir dann später „Als du damit begonnen hast, dachte ich: `Jetzt ist sie wirklich verrückt geworden!“  Derartiges Feedback bekommt man meistens nur dann, wenn man es tatsächlich wagt, eine Idee oder einen Traum tatsächlich umzusetzen. Es gibt jede Menge Visionäre, die von Dingen, die man verändern könnte, träumen.

Aber nur Umsetzer-Visionäre übernehmen Verantwortung für ihre Idee und wage es, die Dinge tatsächlich anzupacken. Eine Idee ohne Umsetzung ist ein netter Geanke. Keine kraftvolle Vision. Hätte ich nur geträumt, auf dem Wasser einen Inspirationsort zu schaffen, hätten die meisten das vermutlich okay gefunden.  Schöner Traum. Nette, originelle Idee. Wäre ja toll, wenn so was ginge.

Aber als ich tatsächlich ein altes fast schrottreifes Schiff kaufte, löste das bei vielen Kopfschütteln bis hin zum Entsetzen aus.  Natürlich gab es 1000 Gründe, die dagegen sprachen, mich in so ein Abenteuer zu stürzen,. Da war zuerst einmal die mangelnde handwerkliche Erfahrung. Ich besaß nur einen Hammer, eine Säge und eine Zange – und auch nur gerade mal die Fähigkeit, um diese drei Werkzeuge einzusetzen. Das reicht nicht, um ein Schiff zu bauen. Dann natürlich das fehlende Geld. Und eigentlich – neben meinen anderen Aufgaben auch die fehlende Zeit…

Und                             und                               und.

Glücklicherweise gab es einige Menschen – keine Bank – die mich lange genug kannten, um zu vertrauen, dass das Projekt – so verrückt es war – Hand und Fuss haben würde. Und mir ihr Vertrauen aussprachen und zum Teil auch in Darlehn handfest zeigten.

Schlamm und Rost rausholen.

Schlamm und Rost rausholen.

Phase 2 – Umsetzung: „Du tust mir leid!“

Natürlich gibt es in einem Projekt Krisen. Die kleinen, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen haut. Die großen, wenn der angeblich gute Stahl der Außenwand des Schiffes plötzlich daumengroße Löcher hat. Und man in die Werft muss, um das Schiff vor dem Untergang zu bewahren. Und noch größere Löcher in den Stahl schneidet, um später neue, schöne, teure Stahlplatten aufsetzen zu können.

Grenzwertig. Sehr grenzwertig.

Doch:

Nur wer an seine Grenzen geht, kann sie erweitern. – Martin Gaedt

Und dann just in dem Moment als lauter Löcher im Schiffsrumpf sind, von einem Hochwasser überrascht wird, das durch die Löcher ungehindert ins Innere des Schiffes dringen, aber später nicht mehr abfließen kann. Die unteren Räume stehen kniehoch voll Wasesr. Dümmer kann es nicht kommen. Mehr als grenzwertig. Einer der schlimmsten Momente.

Erfahrene Schiffbauer sagten mir: Es ist extrem selten, dass so etwas auf einer Werft passiert. Alle paar Jahrzehnte mal. Seltenes Pech, dass es gerade mich trifft. Und richtig gründlich. Versicherungen fühlen sich für höhere Gewalt kaum zuständig.

Bei zehn Grad Minus Außen- und Innentemperatur auf Metallstangen zu liegen und kopfüber von Hand das Wasser und den Schlamm abzuschöpfen  (siehe Bild) – nein, das macht wirklich keinen Spass. Neben den großen Krisen gab es 250 kleine von der Sorte, wie sie zu jedem Projekt gehören. „Du tust mir leid!“ wurde in dieser Phase zum Dauerkommentar. Gelegentlich tat ich sogar selbst mir leid. Ich finde, das darf – wenn es nicht zu lange anhält – auch mal sein.

Renovierung 2013

Renovierung 2013

Phase 3 – Fortschritt:  „Ich bewundere dich!“

Egal, in welcher Phase wir steckten und stecken: Das Ziel, alles fertig zu habe, schien noch unendlich weit weg. Doch es rückte jede Woche näher:

  • Der erste Raum ist fertig entrostet und mit Isolierung versehen
  • Das Schiff hat einen Kaminofen
  • Es gibt jetzt einen Trinkwassertank (nach 2 Jahren Wasserflaschen Schleppen ein Traum!)
  • Wir haben eine funktionierende Toilette!
  • Die ersten Gäste sind an Bord und empfangen Coaching und Orientierung
  • Das erste Mini-Seminar findet – sehr improvisiert auf einem Fussbodenbelag aus alten Kartons – statt.
  • Die Decke im Hauptraum ist fertig. Und die Küche für Gäste.
  • Es gibt Licht – aus der eigenen Solaranlage!

Ich habe in dieser Phase gelernt, mich nicht so sehr auf das Ziel zu fokussieren, so wichtig das ist. Sondern vielmehr meine emotionale Energie aus jedem geleisteten Zwischenschritt zu ziehen. Mit jedem Arbeitsschritt,  den meine Freunde und ich auf dem Schiff leisteten und dokumentierten, wuchs das Staunen: Sie bleibt ja dran.

10  bis 20 Stunden. Jede Woche. Sommer und Winter. Sie  schafft es tatsächlich! Und immer mehr Menschen stiegen ein, und halfen mit, indem sie mir den einen oder anderen Eimer Farbe schenkten, für mich Baumaterial besorgten oder selbst Hand anlegten.

Morgens - Blick aufs Wasser.Und als das Schiff tatsächlich so 70% fertig war, fingen die ersten Besucher an, zu sagen:

„Ich kann mir vorstellen, wie das mal werden soll!“

Morgens – Blick aufs Wasser.

Schmunzelnde Anmerkung: Man bemerke den Unterschied zur Visionärin: Die sah, was es bereits werden soll schon bei 0%….

Ok. Um ehrlich zu sein: Ich sah das Potential des Schiffes auch erst nach 30 Minuten Besichtigung auf dem von den Vorbesitzern vollgestellten Schiff – siehe Bild). Aber für viele, nicht so stark visionäre Menschen ist es tatsächlich eine Leistung, sich schon bei 70% das Endprodukt vorstellen zu können, wohingegen es für Visionäre meist eher unmöglich ist, das Potential nicht in allem zu entdecken.

Phase 4 – Erfolg „Ich beneide dich!“

Fertig ist das Schiff noch nicht. Wenn alles gut geht und ich genug Hilfe habe, ist der Seminarraum Ende September einsatzbereit.

Und an anderen Ecken wie Lüftung, Treppe nach unten, meinem Büro und anderen Stellen wird es wohl noch sich bis neun Monate Arbeit geben. Dennoch höre ich jetzt viele Kommentare wie

„Immer wenn ich die Bilder sehe, die du auf Facebook postest, werde ich doch ein bisschen neidisch!“

„Du lebst deinen Traum – das wünsche ich mir auch.“

Das Nachbarschiff - wer will es haben?Phase 5 – Neue Vision „Was ist dein nächster Traum?“

Neben meinem Schiff liegt die Edelweiß, ein uraltes, riesiges Schiff, das zwar noch edel, aber nicht mehr weiß ist. Viele Besucher, die wissen, dass bei einer Visionärin der nahende Abschluss einer Idee nur den Beginn der nächsten markiert, zeigen auf das alte Schiff und fragen: „Wird das dein nächstes Projekt?“ Ich lächle und sage: „Ich hab ja schon ein Schiff!“ Zwei Mal den gleichen Traum träumen und umsetzen wäre irgendwie langweilig.

So ganz fertig ist das Schiff ja noch nicht. Ich denke, das wird – ja nach Unterstützung noch so ca. 6 Monate dauern. Und fürs Erste hab ich auch genug Rost und Sägespäne geschluckt. Ich will nun – hoffentlich bald – Schritt für Schritt die  Darlehn zurückzahlen. Und mehr noch als schon bisher – das auszuleben, wofür ich das Schiff umgebaut habe:

  • Leben: Ein Ort, wo andere und ich Wind, Wasser und Wellen genießen und sich begegnen können.
  • Orientierung: Menschen, die Orientierung brauchen, die Möglichkeit geben, eine kürzere oder längere Zeit hier mitzulesen, aufs Wasser zu starren und auf Wunsch Unterstützung beim Sortieren  zu erhalten.
  • Inspiration: Events zu veranstalten oder anderen den Raum dafür zu bieten, die Menschen inspirieren, stärken, weiterbringen….

Auch wenn ich noch Aber abgesehen davon träume ich natürlich schon von dem nächsten großen Projekt. Ich beginne, mir über die Umsetzung Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden… Was es genau ist, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Es hat eher mit Rost in den Köpfen zu tun als mit Korrosion auf Metall. Und ja, es ist eine Vision, die mich zum Lächeln bringt, meine Phantasie anregt. Und am Ende hoffentlich vielen Menschen Gutes bringt.

Auch wenn sie zwischendrin vielleicht zuerst einmal  sagen

„Du bist verrückt!“

„Du tust mir leid.“

„Ich bewundere dich!“

und vielleicht irgendwann auch mal

Ich beneide dich!“

Kleine Samen säen – mein überraschender Weg in die Politik

2016-05-25 06.54.44Es begann im November 2015. In Berlin und weit darüber hinaus ging die Situation an unserem Landesamt für Gesundheit und Soziales, wo auch Geflüchtete betreut werden, durch die Presse. Menschen warteten Tage- und Nächtelang auf Registrierung, Termine. Es war katastrophal. Und hat mich bewegt. Im Herzen und zum Handeln.

Ich hab mich gefragt, was ich tun kann. Und habe – in meinem Freundeskreis und bei einer Teefabrik aus meiner früheren fränkischen Heimat – erst mal gut 40 Kilo Tee als Spende organisiert. Das half in den kalten Nächten wenigstens etwas.

Dann habe ich die Facebook-Gruppe Volunteer Translators initiiert, um kurze Texte schnell mal in die Sprachen der Geflüchteten übersetzen zu können.  Um die Geflüchteten und die Helfer zu entlasten. Und schließlich Nestwerk Berlin gestartet, eine Plattform der InitInitiativen, die sich um Wohnraum für Geflüchtete bemühen. Mit dem Ziel, gemeinsam effizient mehr zu erreichen. Daran arbeite ich intensiv bis jetzt. Aktuell vor allem an der Homepage.

Ich ging davon aus, dass solche Situationen sich nicht von heute auf Morgen ändern. Ich wollte Gott regelmässig um die Verbesserung der Situation bitten, aber kenne mich gut genug, um zu wissen, dass solche Vorsätze gern mal im Sand verlaufen, wenn es keine konkrete Erinnerungshilfe dazu gibt.

Also habe ich mir als Erinnerungshilfe den gleichen Tee gekauft, den wir auch für die Flüchtlinge besorgt hatten. Vorsichtshalber gleich zweihundert Teebeutel.- man weiß ja nie, wie lange es dauert, bis ein Gebet erhört wird. Jedes Mal, wenn ich mir eine Tasse schwarzen Tee gemacht habe, habe ich gebetet. Für die Berliner Verwaltung, für die Verantwortlichen, für gute Lösungen für die Herausforderungen, für Verbesserung der Prozesse.

Ein Gebet nach dem anderen. Jedes Gebet ein Same. 

Natürlich hätte ich ahnen können, dass Gott sich die Chance nicht entgehen lässt, mich auch zur Erhörung meiner Gebete einzuspannen. Anfang Mai ging – nach 200 Tassen Tee und Gebeten – mein  Teevorrat zu Ende – und dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse.

Ahmad, ein Freund aus Syrien, erzählte mir davon, dass es ihm dieses Jahr vor dem Ramadan graut. Der Grund: Die Fastenzeit, in der zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts gegessen und getrunken werden darf, fällt auf die längsten Tage des Jahres vom 6. Juni bis 4. Juli. Das bedeutet: einen Monat lang 19 Stunden lang nichts essen und nicht trinken.

Ich fühlte mit ihm mit. Und mit den Flüchtlingen in den Turnhallen, von denen ein Teil Ramadan hält und die vielleicht Nachts nichts mehr zu essen bekommen. Und den Nicht-Moslems, die womöglich gestresst durch diejenigen sind, die Nachts essen und laut sind.  Mich lies das nicht mehr los. Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Bürgermeister Müller fragte ich, ob es denn ein Konzept für die Notunterkünfte gäbe, wie in dieser Zeit Versorgung der Fastenden, ihre Gesundheit und der sozialer Friede zwischen denen, die fasten und denen, die es nicht tun, gewährleistet werden kann.

Er sagte mir zu, er würde das am nächsten Tag in der Senatsbesprechung ansprechen. Und am Nachmittag erhielt ich einen Anruf von  dem für die Unterbringung von Geflüchteten zuständigen Staatsekretär. Wir unterhielten uns eine Weile und er bat mich, ihm mein Konzept zu schicken… Er schrieb mir,  dass er das Konzept für wertvoll hält und es dem Präsidenten das LaGeSo zur Umsetzung empfohlen hat. Das ist mein letzter Wissensstand.

Mich berührt das sehr. Ich glaube, dass es ein Stück dazu beitragen kann, dass die Situation in der Zeit des Ramadan für alle Beteiligten besser wird- Muslime wie Christen und Atheisten. Fastende wie Nichtfastende.

Und dann ging mir mehrere Tage nicht mehr aus dem Kopf, dass Herr Müller gesagt hatte, dass er eine Bürgersprechstunde hat. Ich schaute nach, stellte fest, dass die nur zwei Mal im Jahr ist und ich die Anmeldefrist knapp verpasst hatte. Und bekam gleich online die Rückmeldung, dass es mehr Interessenten als Termine gab. Rechnete mir kaum Chancen aus, bis ich an einem Samstag! einen Anruf seines Mitarbeiters erhielt, ich hätte einen Termin.

2016-05-25 14.42.57Der Termin war dann heute. Ich war natürlich aufgeregt, hab mir, kurz bevor ich los ging die Zähne versehentlich mit Gesichtsreinigungsmilch geputzt. Zum Glück Bio. Und es war gut. Weil die Person vor mir kurzfristig abgesagt hatte, war sogar mehr Zeit als üblich. Ich konnte Herrn Müller ein Konzept vorstellen, das wir entwickeln, um Geflüchtete schneller aus Turnhallen in eigenen Wohnraum zu bringen und er sagte mir zu, mich mit den Verantwortlichen in Kontakt zu bringen.

Dann sprach ich das Thema Schutz Minoritäten in den Flüchtlingsunterkünften, sowie verbesserte Integration aller an und machte einige konkrete Vorschläge, worauf er mich fragte, ob ich ein Konzept hätte. Hatte ich tatsächlich. Und auch dabei.

Irgendwann mal vor einem halben Jahr hab ich begonnen, Samen auszusäen. Samen des Gebets. Samen des Engagements. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich mal an den Tisch des Regierenden Bürgermeisters von Berlin führen würden, hätte ich nicht gedacht. Und jetzt hoffe und bete ich, dass die Gedanken, die für meine Stadt und unser Land hilfreich sind, weiter wachsen.

 

 

 

 

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