Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Archiv für ‘Erlebnisse’ Kategorie

Grenzen erweitern

24.05.2011 um 7:59 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Buchtipps,Coaching,Erlebnisse

Gestern saß ich nach der Bürozeit im Park. Ich bin dort öfters. Zum Lernen. Von meiner Ausbildung her bin ich Geisteswissenschaftlerin (Englisch, Völkerkunde). Wie man einen Verlag führt, habe ich nie formal gelernt, viele betriebswissenschaftliche Hintergründe sind mir stellenweise bis heute ein Buch mit sieben Siegel. Doch mich möchte das, was ich mache, gut machen. Also lerne ich dazu, um Lücken zu schließen.

Während ich in einem Trainingsbuch las, spielte Lara mit ihrem Opa fangen. Lara ist etwa vier Jahre alt und ihren Namen weiß ich, weil ihre Freunde nach ihr riefen. “Lara, Lara.” Lara ließ sich davon nicht beirren. Sie hatte ein Ziel: “Opa erwischen.” Und dieses Ziel verfolgte sie mit ganzer Energie.

Mich hat das sehr berührt. Gelegentlich habe ich Ziele z. B. meine Blumen zu gießen, gehe dann in die Küche, um Wasser zu holen, dort fällt mir auf, dass die Teller noch nicht aufgeräumt sind und ein Milchkaffee wäre ja auch nicht schlecht. Warte mal, was wollte ich eigentlich?

Gestern habe ich etwas gelernt. Aus meinem schlauen Buch über Unternehmensführung und von Lara. Ich lerne gern. Jede neue Fähigkeit vergrößert unsere Freiheit und Sicherheit. Ein neugeborenes Baby hat nur wenige Freiheiten. Es ist abhängig davon, dass andere es füttern, anziehen, transportieren und versorgen. Wer nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung hat, kann kaum wählen. Wer hingegen über viele Möglichkeiten verfügt, kann in größerer Freiheit handeln. Deshalb bringt die Erweiterung der eigenen Fähigkeiten immer ein Mehr an Freiheit und Lebensfreude.

Ich lerne gern – und helfe anderen gern beim Lernen. Das ist der Hauptgrund, weshalb wir die Quadros produzieren und warum mich dieses Format so begeistert. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, neues Wissen, aber vor allem neue Fähigkeiten zu erlernen. Mit dem Quadro kann man in vier Wochen etwas zu einem Thema lernen. Ganz konkret und praktisch – mit Impulsen, wie man das Gelernte gleich umsetzen kann, so dass es hängen bleibt. Die Quadros sind auch ideal für den Urlaub. Wasserfest und inspirierend.

Quadros gibt es bisher zu mehr als 20 Themen z. B. Gebet, Weisheit, Sanftmut, Coaching, Mitarbeiterführung, Schreiben, Kreativität entwickeln usw. Kurz: Es begeistert mich, dass ich lernen kann – und mit den Quadros ein Format entwickelt habe, das vielen anderen beim Lernen hilft.

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Der 301. Versuch

28.04.2011 um 10:54 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Besser Leben,Erlebnisse

Es lohnt sich, nicht aufzugeben. Das habe ich heute wieder gelernt. Vor vier Wochen haben ich meinen Schlüssel in der S-Bahn verloren. Das Schloss zur Wohnung musste aufgebrochen werden. Aber Fahrradschlüssel, Haustürschlüssel und Briefkastenschlüssel hätte ich schon gern wiedergehabt. Auf Dauer ist es einfach lästig, die Post mühsam aus dem Briefkasten fischen zu müssen.

Ich habe unzählige Male bei der Service-Nummer der Bahn angerufen. Ich habe nicht mitgezählt, aber 40, 50 Mal werden es gewesen sein. Es war dauerbesetzt. Dann bekam ich tatsächlich einen Menschen zu sprechen. Er erzählte mir, dass es legal ist, für Warten in der Warteschleife Gebühren zu erheben und dass viele Unternehmen die Zahl der Servicemitarbeiter absichtlich begrenzen, um an Nicht-Service zu verdienen. Die Bahn eingeschlossen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich bin ja noch nicht mal in die Warteschleife durchgekommen. Sie scheinen die Begrenzung das mit der Begrenzung wohl zu übertreiben.

Aber jetzt. Ein echter Mensch, der sich warmherzig um mein Anliegen kümmert. Mir Komplimente dazu macht, wie gut ich meinen Schlüssel beschreiben kann. Ihn in ein Päckchen packt, damit ich ihn auch sicher bekomme und der Umschlag nicht in den Tiefen meines Briefkastens verschwindet.

Dranbleiben lohnt sich. Zumindest eine vernünftige Weile lang.

 

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Feier-Tage

21.04.2011 um 8:06 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Besser Leben,Beziehungen,Erlebnisse

“Zu viel des Guten kann wunderbar sein.” sagte Mae West einmal. Recht hat sie. In dieser Woche stelle ich vermutlich meinen persönlichen Rekord auf, was das Feiern großer Feste angeht:

- Gestern: Weihnachtsfeier mit einem Berliner Redaktionsteam, dem ich angehöre. Ich gebe zu, wir waren diesmal wirklich spät dran. Aber einen Termin zu finden, an dem sechs Personen können, war – trotz Doodle – nicht so leicht.

- Freitag: Karfreitag. Erinnerung an das, was Jesus für mich und uns getragen hat. Tag der Dankbarkeit.

- Samstag: Hochzeit einer lieben Freundin.

- Sonntag: Ostern und mein Geburtstag.

Also in einer Woche, Weihnachten, Karfreitag, Hochzeit, Ostern und Geburtstag – das wird wohl nicht mehr so oft passieren. Ich werde es genießen und mich an jedem einzelnen Fest freuen.

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@vent = wenn alles anders kommt

11.12.2010 um 6:55 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Erlebnisse,Glaube,Kunst und Kultur

Krippe in AntwerpenIn der Adventszeit gehörte ich zu einer @ventsgemeinschaft. Jeden Tag schickt ein anderer den Mitgliedern der Gemeinschaft Gedanken, Impulse, Lied- oder Bibeltexte zur Inspiration. Hier meine Gedanken für heute.

Gott entdecken

Im Advent feiern wir, dass Gott in unsere Welt kommt. Manchmal haben wir da eher süssliche Bilder im Kopf, voll Glitter, Kerzenschein, Lametta, Wärme und Licht und Zuckerware. Das gehört dazu. Doch manchmal ist es rauer als wir denken, wenn Gott in unsere Welt hineinbricht.

Gerade habe ich bei einem Freund ein Stück von Nina Hagens Autobiographie als Hörbuch gehört. Sie erzählt, wie sie als Kind umgetrieben war von der Frage, ob es Gott gibt oder nicht. Sollte sie ihrem klugen Pflegevater Wolf Bierman vertrauen, der angesichts des Leids der Welt nicht mehr an Gottes Existenz glauben wollte – oder ihrer einfachen Tante “Muschel”, für die Gott so real war wie der Mensch, der neben einem saß. Nina wollte es herausfinden. Der einzige Test für Gottes Existenz, der ihr einfiel, war Gott die schlimmsten Beleidigungen an den Kopf zu werfen, die sie sich denken konnte – so dass er einfach reagieren und sich zeigen musste. Sie tat es an einem Abend – und war ganz enttäuscht, als nicht einmal die Wände wackelten. Doch am nächsten Tag stürzte sie so unglücklich vom Schwebalken, dass sie ihr Bein brach und erst im Krankenhaus erwachte.

Sie sah den Gips an ihrem Bein. Ihr war sonnenklar: “Gips – Gott. Gott gips wirklich…” Sie war überglücklich. Gott war im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Welt hinein-gebrochen und hatte sich ihr gezeigt.

Nein, ich glaube nicht, dass Gott Menschen, die ein schlechtes Wort über ihn verlieren, immer einen Denkzettel verpasst. Aber ich glaube, dass er gern mit uns auf die Art und Weise kommunizieren will, die wir verstehen – und wenn es ein Gips ist, der einem Kind, so wie sie es verstehen kann, zeigt…Gott gips wirklich. Bis aus dieser ersten Gotteserfahrung vertrauensvoll gelebter Glaube wurden, sollten bei Nina Hagen noch einige Jahrzehnte vergehen…aber ein Anfang war gesetzt.

Gott im Ungewollten sehen

Zurück zu Weihnachten. Mich hat in den letzten Monaten die Geschichte von Joseph bewegt. Der wird – als in gewisser Weise Unbeteiligter – in Gottes Geschichte hineingezogen. Gestern wurde die kleine Sophia operiert. Sie brach ungeplant in ihre Familie herein. Und kam obendrein mit einer Gaumenspalte und anderen gesundheitlichen Problemen zur Welt. Alles anderes als erwartet.
Mit ungeplanten Lebenssitutionen klarkommen – und darin mit Gottes Hilfe bestehen – das ist wahre Weisheit. Ihr Vater, Christoph Schalk hat, als er mit dieser ungeplanten Situation gut umgehen lernen wollte, viel vom biblischen Joseph gelernt. Auch der wurde in eine ungeplante, keinesfalls so gewollte Situation hineingeworfen. Joseph ist zum Vorbild im vertrauensvollen Umgang mit ‘unmöglichen Situationen’ geworden. Die Kunst, ‘Ja’ zu ungeplanten Wegen zu sagen und das Beste daraus zu machen beschreibt er in dem Quadro - Inspirations- und Andachtsbuch Weisheit entwickeln, das mich in den letzten Wochen sehr bewegt hat.

Wie unmöglich das ist, wird mir gerade deutlich, wenn ich im Internet auf Twitter die Einträge von Joseph von Naza lese. Da erzählt Jospeh seine Geschichte. Jeden Tag ein Stück. Die unerwartete und unerklärliche Schwangerschaft seiner Verlobten. Dann zu allem Überfluss die Volkszählung. Die Reisevorbereitungen. Der Stress. All das, was er nicht wollte….und dennoch…. geplant von Gott, um seine Pläne mit ihm, Joseph, und weit darüber hinaus zur Erfüllung zu bringen.

In jedem Leben ist vieles ungeplant und ungewollt. Oft auch unerwünscht. Sicher nicht so wie erhofft. Manches ist sicher einfach Zufall oder Pech. Doch könnte es sein, dass manche der Dinge, die geschehen, ein Stück dessen sind, wie Gott in die Welt, auch in unsere eigene Welt hineinbrechen will. Unbequem. Ohne Zuckerguss. Aber auf seine Art. Um sich zu zeigen. Damit wir IHN sehen und begreifen können – auf unsere Art.

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Hat alles einen Sinn?

06.12.2010 um 6:40 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Erlebnisse

Am Wochenende habe ich ein Seminar zum Thema “Swing. Dein Leben in Balance” in Oldenburg gehalten. Nachmittags gab es lecker Kaffee und Kuchen und ich trank – durstig vom vielen Reden – mehrere Tassen Tee. Die wollten sich – als ich später im Zug saß, verabschieden.
Also machte ich mich in einem von Weihnachtsmarkt-Besuchern völlig überfüllten Zug auf die Suche nach einer funktionierenden Toilette. Ich ging – ehrlich – einmal komplett durch den ganzen Zug. Acht Toiletten waren defekt. Erst die allerletzte funktionierte. Leicht frustrierend. Ich wollte eigentlich lieber gemütlich lesen und entspannen, als einen Teil der Zugfahrt mit Wanderungen durch überfüllte Wagons zu verbringen.
Auf dem Rückweg hörte ich plötzlich ein “Hallo, Kerstin”. Eine Frau, die vor einem Jahr an einem unserer “Hütte-Seminare” teilgenommen hatte, sprach mich an. Es war schön, sie zu sehen. Ohne die überfüllten Klos hätte ich sie wohl kaum gesehen.
Den nächsten Zug erreichte ich – wegen Verspätung – nur mit Sprint. Ich stieg in einen Wagon ein – und wollte fast wieder rückwärts raus. Es stank total eklig nach kaltem Schweiß. Da wollte ich nicht eine Stunde lang bleiben. Also einen Wagon weiter…Gerade als ich saß, wieder ein “Hallo, Kerstin..” Ein Kollege aus Süddeutschland saß im gleichen Zug. Er hatte in der vorausgegangenen Woche gleich zwei Mal an mich gedacht, wollte mich um Unterstützung für Projekte bitten, hatte den Gedanken aber verworfen, weil er dachte, dass ich sehr beschäftigt bin. So hatten wir eine Stunde Zeit, um über die Projekte und Persönliches zu reden. Gut so.
Im nächsten Zug – war ich endlich gerade ein bisschen eingedöst, als mich mein Sitznachbar wieder weckte, der gerade vom Speisewagen zurück kam. Wir kamen ins Gespräch – über Bücher und Ebooks und er kaufte gleich “Krisen” unser erstes Impulsheft, das es als App fürs Iphone gibt.
Am Wochenende hat mich ein Gespräch mit einem jungen Mann sehr bewegt. Er leidet an einer chronischen Krankheit. Und Leute haben ihm gesagt: “Das hat sicher alles seinen Sinn.”
Ich glaube nicht, dass alles automatisch seinen Sinn hat. Wir leben in einer Welt in der vieles wunderbar, aber auch einiges reichlich kaputt und zerstört ist. Kaputte Toiletten, stinkende Zugabteile, Menschen, die einen aus dem Schlaf wecken und chronische Schmerzen – all das hat aus meiner Sicht erst mal keinen Sinn.
Aber in allen Situationen haben wir – durchaus mit Gottes Hilfe – die Möglichkeit Sinn zu geben. In dem wir aus den vorhandenen Begrenzungen das bestmögliche machen. Indem wir gestalten, was wir gestalten können. Bei chronischen Krankheiten hat man oft keine Möglichkeit, den Krankheitsverlauf zu gestalten – wohl aber seine Einstellungen und dem Umgang damit. Hier kann man Sinn finden und Sinn geben.
Und ich halte es durchaus für legitim, Gott zu bitten, einzugreifen und zu handeln und “enge”, schwierige Situationen zu transformieren. So hatte vor meiner Abfahrt eine Frau für mich gebetet, dass ich eine gute Zugfahrt haben würde…

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Unterstützung wahrnehmen

14.10.2010 um 6:48 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Besser Leben,Erlebnisse

Pflanze auf BahnschieneAn meinen schlechten Tagen als Selbständige und Single passiert es schon mal, dass ich denke: “Keiner hilft mir. Alles muss ich alleine machen.”

Schwups kommen auch schon die entsprechenden Gefühle von Selbstmitleid und Traurigkeit im Schlepptau der Gedanken hinterher. Hilfreich? Nicht wirklich.
Also habe ich eine Gegenmassnahme beschlossen. Gegen Herbst- Winter, mangelnden Unterstützer und sonstigen Blues. Ich erinnere mich an fünf Situationen im Laufe des Tages an denen ich Unterstützung erhalten habe.

Heute waren meine Favoriten:
1. Schminke.
Als ich – kurz vor einem wichtigen, offiziellen Termin – feststellte, dass ich vergessen hatte, mich zu schminken, habe ich bei Karstadt schnell Schminke auftragen wollen. Eine Verkäuferin sah das, ich erzählte ihr, warum ich das tat. Sie bot mir an, mich zu schminken. So professionell hätte ich das nie hinbekommen.

2. Kletterhilfe
Als ich mich auf dem Weg zum Termin verfuhr, half mir ein Mann, mitsamt meinem Fahrrad über einen Zaun zu klettern – was mir einen langen Umweg erspart hat.

3. Zufallstreffer
Auf dem Ku´damm traf ich zufällig eine Frau, die ich kannte und dir mir wichtige Hintergrund-Informationen zu einer Situation gab, die ich erlebt hatte und nicht einordnen konnte. Hat mich da jemand unterstützt, dass ich sie gerade heute zufällig traf?

4. Beratung
Ich erhielt sehr gute Beratung für eine geschäftliche Situation. Nicht ganz billig. Aber gute Berater sind ihr Geld langfristig wert.

5. Technik
Die Leute von Textunes haben das Krisen – App unser erstes Impulsheft als App fürs iphone, ipad und den ipod fertigbekommen: Krisen. Impulse, schwierige Zeiten zu bewältigen. Ich freue mich wie eine Schneekönigin. Das App kann man im App – Store gleich kaufen oder auch erst mal nur eine kostenlose Leseprobe runterladen.

Es tut mir richtig gut, wahrzunehmen, wie viel Unterstützung ich im Lauf eines Tages erhalten…das hier war gar nicht alles…”nur” meine Top 5.

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10 : 1 Komplimente und Kritik

27.09.2010 um 11:14 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Beziehungen,Erfolg,Erlebnisse

Vor kurzem hat Jemand etwas negatives gesagt. Er hatte etwas falsch verstanden, nicht überprüft, ob das stimmt und das als “bare Münze” weiterverbreitet. Das tat weh.
Als hätten andere gewusst, dass ich das gerade gut gebrauchen kann, erhielt ich in den Tagen danach eine ganze Reihe positiver Rückmeldungen z. B.

“Ich wollte dir einfach nur als nette Rückmeldung für dich persönlich zu deiner tollen und kreativen Arbeit ein Erlebnis von gestern Abend erzählen: Ich hatte mich mit drei anderen Frauen aus meiner Gemeinde getroffen, um den „Frauenabend“ (den wir jetzt „Sister Geknister“ nennen, weil „Frauenabend“ so altbacken klingt…) auf unserer Gemeindefreizeit vorzubereiten. Und eine Postkarte von dir hat uns das Thema geliefert: A. hatte nämlich einen Stapel der Karte „Frage dich, was dich lebendig macht“ für ihre Schulklasse bestellt (sie ist Religionslehrerin) und wir fanden die Karte so toll, dass wir das jetzt als Thema für unseren Abend genommen haben – und jeder der Frauen eine Karte schenken werden und sie wirklich auffordern werden, sich das mal gegenseitig zu fragen und zu erzählen, was sie lebendig macht.
Na und als wir dann übers Bestellen der Karte sprachen und darüber, was es noch so in deinem Verlag gibt, überschlugen sich A. und D. „Ja, und da gibt’s ja auch noch dieses tolle Heft mit den Eisbrecher-Fragen“ – „Ja genau, aber das Coaching-Heft finde ich auch super hilfreich“ usw. Ich kam mir vor wie beim Tennis.”

Ich bin – so weit ich das erkennen kann – nicht von positivem Feedback abhängig. Ich tue, was ich tue nach bestem Wissen und Kräften. Das zu wissen, gibt mir Ruhe und Sicherheit.
Es gehört dazu, dass das nicht jeder versteht oder nicht jeder die gleichen Dinge wertvoll findet wie ich. Aber es freut mich sehr, wenn es bei Menschen ankommt, was ich beitragen und wo und wie ich ihr Leben bereichern möchte.

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Unwirksamer Trost

22.09.2010 um 2:48 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Erlebnisse,Glaube

“Ihr Trost taugt nichts” Mit diesen Worten beschwert sich Gott über Menschen, die als spirituelle Experten auftreten (Wahrsager), aber nichts Substantielles zu bieten haben. Dass er und seine Propheten die Aussagen und Träume der Wahrsager für leer und inhaltslos halten, war mir schon bekannt. Aber der Aspekt des Trostes ist mir erst aufgefallen, als ich den Text aus Sacharia 10 gestern mal wieder las.
Vielleicht bemerkte ich es auch deshalb, weil ich am Tag zuvor erlebt hatte, welche Anziehungskraft echter Trost hat. Paul Young hatte so tief von der Liebe Gottes und seinem Trost gesprochen, dass man schon ein Stein hätte sein müssen, um sich davon nicht erweichen zu lassen. Die Zuhörer waren zum größten Teil Menschen, die sich intensiv mit allen möglichen spirituellen Praktiken, Meistern und Methoden beschäftigt hatten, die ihnen Erleuchtung und Kraft versprachen. Aber offensichtlich nicht den Trost gaben, den sie suchten. Zumindest konnte ich mir die Anziehung, die Paul mit seiner herzlichen und einfühlsamen Art hatte, nicht anders erklären.
Vielleicht sind die Leute auch müde von all der Anstrengung, die mit verschiedenen Praktiken verbunden ist. Ich entdeckte dort ein Plakat, wo ein Meister damit Werbung für sich machte, dass er die Praktiken der anderen für überflüssig erklärt.
” VERGISS:
- Wünsche an den Orbit
- Engel-Krempel
- Geheimniskrämereien
- 2012 fällt aus.”

Ein anderer erklärte mir: “Ich mag keine Leute, die alles mögliche aus dem Universum channeln und dann Hartz iV empfangen.”

Es waren interessante Erlebnisse und Begegnungen. Ich finde es spannend, all das im Licht der Frage nach dem Trost zu betrachten. Menschen suchen Trost.

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“Papa und ich”: Begegnung mit William Paul Young

19.09.2010 um 6:00 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Beziehungen,Buchtipps,Erfolg,Erlebnisse,Glaube

Heute führte ich das erste Interview meines Lebens:  Mit William Paul Young, dem Autor von “Die Hütte“. Das Magazin “Neues Leben” hatte mich gebeten, für einen ausgefallenen Redakteur einzuspringen. Das tat ich gerne. Es war mehr als ein Interview. Es war eine Begegnung mit einem Menschen, der in sich selbst und Gott zu Hause ist.
Da ich vom Interview ja vor dem Abdruck nichts preisgeben will, um Neues Leben nicht die Show zu stehlen, erzähle ich euch einfach ein bisschen vom “Drumherum”.

Tee und Familie
“Hast du das schon mal probiert? Das schmeckt ja ekelhaft.” Mit diesen Worten zeigte Paul Young auf eine Tasse Mate-Tee, den eine Mitarbeiterin ihm gebracht hatte. Lachend schob er die Tasse auf die Seite und wandte sich mir zu.
Ich fragte ihn: Willst du noch etwas über mich wissen, bevor wir mit dem Interview beginnen? Ja, das wollte er. Doch er fragte mich nicht nach meinem Beruf, meiner Qualifikation, sondern nach meiner Familie!

Hütte-Seminare

Ich erzählte ihm auch von unseren Seminaren. Ich hatte inspiriert durch sein Buch das Seminar “In seiner Hütte” entwickelt. Es ist für Menschen gedacht, die sich danach sehnen, (wieder) in Beziehung mit Gott zu treten, aber nicht wissen wie.  Nicht jeder Autor mag es, wenn man seine Ideen aufgreift und weiterentwickelt. Doch Paul Young reagierte anders. Ich erzählte ihm, dass bei den Wochenenden manche Menschen – manchmal zum ersten Mal seit Jahrzehnten – Belastendes loslassen können. Er strahlte über das ganze Gesicht: “Das ist wunderbar!”

Seine Geschichte und Gottes Humor

Paul Young hat ganz offensichtlich Interesse an Menschen und ihrer Geschichte. Das war mir schon vor dem Interview aufgefallen. Am Morgen hielt er einen bewegenden Vortrag. Er erzählte die Entstehungsgeschichte des Buches “Die Hütte” und wie es Verbreitung fand. Er erzählte davon, wie ein 84jähriger Mann ohne Internetanschluss und Bankkonto zu einer der Schlüsselpersonen für die Verbreitung des Buches in Australien wurde. “Das war unsere Marketingstrategie für Australien!” sagte er mit mehr als einem gehörigen Schuss Selbstironie.

Man spürte ihm ab, dass er sich immer noch die Augen rieb, den Kopf schüttelte und sich fragte: “Ist das real, was ich erlebe? Ist das wirklich meine Geschichte?” Dass er als unbekannter Autor einen derartigen Weltbestseller schrieb, kann er nur mit zwei Worten beschreiben: “Gottes Humor!”
“Woher kommt Humor, wenn nicht von Gott?” Die Frage überraschte wohl den einen oder anderen Zuhörer. Manch einer denkt, so Young, Gott sei wie ein “schlechtgelaunter Gandalf” (O-Ton: “Gandalf with an attitute”). Youngs Gott hingegen hat keine grundlos schlechte Laune. Er ist den Menschen vielmehr mit aktiver Liebe zugewandt. Young brachte mit jedem Satz, den er sprach, zum Ausdruck, dass er das zutiefst glaubte: Gott liebt die Menschen. Und er möchte in einer Beziehung zu ihnen stehen.
Viele Zuhörer und sogar die Übersetzerin hatten Tränen in den Augen. Manchmal vor Rührung. Manchmal vor Lachen. Paul Young erzählte von der Kritik die er dafür erhielt, dass er Papa Gott in die Gestalt einer dicken schwarze Amerikanerin kleidete. Das konnte nicht jeder gut schlucken – einschließlich seiner Mutter, die ihn anfangs für einen Häretiker hielt.

Er blieb locker: “Die Bibel verwendet viele Bilder, um die mütterliche Seite Gottes zu beschreiben: Den Gott, der ein Neugeborenes versorgt oder der sein Volk wie eine Glucke unter seine Flügel nehmen will. Ich hätte Gott in meiner Geschichte auch als dicke Henne durch die Tür kommen lassen können – aber das hätte einfach nicht den gleichen Effekt gehabt.”

Signierstunde

Die Schlange war 40 Meter lang. Young begrüßte jeden einzelnen Menschen, der an seinen Tisch kam mit Handschlag und einigen freundlichen Worten. Dann  setzte er sich, schrieb eine persönliche Widmung und stand dann wieder auf, um die Person zu umarmen. Manche nur kurz. Andere, bei denen er wohl spürte, wie sehr sie Zuwendung brauchten, nahm er eine halbe Minute oder länger in den Arm.
Ich weiß nicht, wie lange er signiert hat. Ich sah eine halbe Stunde lang zu. Dann ging ich zu einem leckeren Mittagesssen. Als ich zurück kam, signierte er wieder oder immer noch. Eine weitere halbe Stunde lang. Er wandte sich jedem Menschen achtsam zu. Ich konnte mir erstmals richtig gut vorstellen, wie es aussah, wenn es in der Bibel heißt, dass Jesus die Menschen verabschiedete.  Nicht mit distanziertem Segensgruß aus der Ferne. Sondern persönlich und nah.

Familie und Heilung

Während Paul Young signierte, kam ich mit seiner Frau und seiner Tochter ins Gespräch. “Nein, das Buch hat ihn nicht verändert. Die Veränderung fand vorher statt.  Klar, seit dem er das Buch geschrieben hat, lernen wir neue Leute kennen. Aber ansonsten hat es unser Leben und unser Miteinander als Familie nicht verändert.” Das sagten mir Mutter und Tochter übereinstimmend.

Kim Young, Pauls Frau, führte das näher aus: “Eine Veränderung war, dass er vor seinem Heilungsprozess immer recht haben musste. Er war schon immer ein sanfter Mann. Aber früher musste er immer Recht haben. Das gab ihm Sicherheit.  Das braucht er jetzt nicht mehr. Ich selbst bin mitfühlender geworden, seit ich an ihm gesehen habe, wie viel ein Mensch mitmachen kann und wie ihn das zerbrechen kann.”

“Veränderung” und “Prozess” – das sind zwei Worte, die ich später im Gespräch auch aus Paul Youngs Mund immer wieder höre. Er wünscht anderen das gleiche, was er selbst erlebt hat: Dass sie Gott in ihre “Hütte” lassen. Die “Hütte” ist für ihn eine Metapher für den Ort im Inneren unseres Herzens. Dort, wo alles eingeschlossen ist, was wir lieber verborgen halten: Schmerz, Zerbrochenheit, Geheimnisse, Süchte und Ängste. Er wünscht Menschen, dass sie erleben, dass Gott in ihre Hütte kommt, sie annimmt und liebt… und annimmt und liebt… und annimmt und liebt. Und dann verändert.

“Nach diesem 11 Jahre dauernden Prozess waren meine Frau und ich zwei der innerlich gesündesten Menschen, die wir kennen.  ” (O-Ton “most healed people”). Aus dem Mund von Paul Young klingt das nicht arrogant. Sondern eher wie das Staunen eines Kindes über ein Wunder.

Paul Young ist noch bis zum 23. September 2010 in Europa: Wien 22. 9. , Bern 23. 9.


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Der Süden und die Waltons

04.08.2010 um 5:29 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Beziehungen,Erlebnisse

Arkansas ist einer diese Staaten, die in der Mitte von Nirgendwo sind. Es ist nicht der klassische Amerikanische Süden wie Virginia und Carolina, auch nicht der Südwesten wie Texas. Irgendwo dazwischen. Und heiß.
Wenn es für mich ein Bild für den Amerikanischen Süden gibt, dann ist es der Schaukelstuhl. Vielleicht hab ich als Kind zu oft “Die Waltons” gesehen…aber weiße Schaukelstühle sind für mich DAS Symbol der Südstaaten. Ich war total begeistert, als ich auf der Zwischenlandung in Charlotte, North Carolina im Wartebereich des Flughafens Dutzende von Schaukelstühlen entdeckte….wunderschön, entspannend. Ob die Südstaatler eine andere Mentaltität entwickelt haben als die Nordstaatler, WEIL sie so viel Zeit in Schaukelstühlen verbrachten oder ob der Schaukelstuhl Ausdruck der anderen Mentalität war – ich weiß es nicht.
Jetzt bin ich in Fayetteville. Vor einem halben Jahrhundert war das ein verschlafenes Nest. Die Frau eines Geschäftsmannes, sagte ihrem Mann, er könne tun, was er wollte, sie würde ihn unterstützen. Unter der einen Bedingung, dass sie in einer Stadt wohnen würde, die nicht mehr als 20.000 Einwohner hätte. Also zogen sie nach Fayetteville. Und von der Mitte von Nirgendwo aus baute ihr Mann sein Unternehmen auf. Er hieß auch Sam Walton…seine Firma benannte er nach den ersten Buchstaben seines Nachnames: Walmart.
Die Firmenzentrale ist nach wie vor hier in Fayetteville….die Stadt ist mittlerweile etwas gewachsen. Nicht zuletzt durch die Manager der Zulieferfirmen, die alle hier – das war Bedingung von Walmart – Büros eröffnen mussten. Sie bauten sich schicke Villen in der Umgebung, die neben heruntergekommen Farmen und Kuhweiden stehen. Trotz der schicken Häuser und Kultureinrichtung ist hier alles noch sehr ländlich und provinziell.
Hier bin ich um Amy zu besuchen, die ich seit 15 Jahren kenne und deren Mann letztes Jahr ganz plötzlich gestorben ist. (Ich hab in meinem Buch “Die Hütte und ich” darüber geschrieben, wie sehr mich das bewegt hat.). Sie wohnt noch nicht sehr lange hier…ich kannte sie und ihren Mann länger als all die anderen Leute, die sie hier kennt. Sie sagte mir gestern, wie gut es ihr tut, mit jemanden zu reden, der sie und ihn so lange kannte.


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