2011-03-14 22.08.33
Kürzlich las ich von Jess und Tim, zwei New Yorkern, die seit Jahren Freunde sind und sich fragten: „Können wir uns verlieben, wenn wir 40 Tage lang täglich Zeit miteinander verbringen?“. Also starteten sie das Experiment „40 days of Dating“ und berichteten darüber in einem Blog. [Für alle Neugierigen: Sie verliebten sich – und es blieb kompliziert.]

Was mich – neben der coolen und reichlich schrägen Idee – besonders berührt hat, war, dass sie sich am Abend jeden Tages die Fragen stellten:

– Was habe ich Neues über den anderen erfahren?

– Und über mich?

Die Fragen fand ich spannend  und klasse. Vor allem, weil das Reflektieren sicher dazu beigetragen hat, dass ihnen Dinge in Erinnerung geblieben sind, die sonst einfach vergessen worden wären. Es waren oft nicht die „großen“ Dinge, die sie da notierten, sondern die Kleinigkeiten: Das Einkaufsverhalten von ihm. Ihr Lachen. Etwas, was sie aus der Kindheit des anderen erfahren haben. Und vieles mehr.

Ich dachte, ich könnte das ausprobieren. Nicht unbedingt mit einem Mann, sondern mit dem Leben selbst. Mich eine Weile lang jeden Abend fragen:

– Was habe ich Neues über das Leben entdeckt?

– Was habe ich Neues über mich selbst entdeckt?

Und die Antworten mit euch teilen (vielleicht nicht täglich, aber an einigen Abenden).

Das ist auch angelehnt an die geistliche Praxis der Exerzitien, wo man sich Abends fragt: Wann an diesem Tag war ich am meisten lebendig? Und wann am wenigsten? [Tolles Buch dazu: Sleeping with Bread]

Für mich ist das auch ein Stück Seelenhygiene. Augenblicklich habe ich sehr viel zu organisieren und zu managen. Zum einen für den Verlag. Aber auch für das Schiffsprojekt müssen täglich Entscheidungen getroffen und Dinge organisiert werden. Und dann beginnt nächste Woche wieder die Vortragssaison mit Seminaren und Events an verschiedenen Orten in Deutschland. In solchen vollen Zeiten ist die Gefahr groß, dass man vergisst, das Leben zu genießen. Die kleinen, schönen Momente des Alltags wahrzunehmen. Deshalb möchte ich – gerade weil sonst so viel los ist – besonders darauf achten.

Aktuell / Gestern
– Was habe ich Neues über das Leben entdeckt?

Ein Mann, den ich schon lange kenne, erzählte von einem Praktikum in einem Industriebetrieb, Schichtarbeit, Sandstrahlen. Ich kenne ihn vor allem aus der Zusammenarbeit in Gremien und bei Gebetsaktionen. Von seinen Erfahrungen aus einem ganz anderen Lebensbereich zu hören, hat ihn mir näher gebracht. Das fand ich kostbar und schön.

– Was habe ich Neues über mich entdeckt?
Es fällt mir nicht leicht, mich allzu lange auf eine Sache zu konzentrieren. Als wir gestern auf dem Schiff gebetet haben, dass Gott seinen Segen schenkt, habe ich von Herzen mitgebetet…und ab und zu nebenbei rostige Schrauben mit dem Bolzenschneider abgetrennt, die mir auffielen, wenn ich die Augen aufmachte. Das war für mich die perfekte Mischung für Konzentration.

Ja, ich lade dich ein, mitzumachen. Und in einem Kommentar von einem lebendigen Moment zu erzählen, den du erlebt hast.