Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Begegnung

Perspektive

Das habe ich gerade erlebt – und gleich unter dem Punkt „P“ wie Perspektive in mein neues Buch „Leben. schlicht und ergreifend“ eingebaut. Ihr dürft vorab reinlesen…

„Danke für meine Arbeitsstelle“ – sang der Straßenmusiker. Natürlich weiß ich nicht, ob er von Herzen meinte, was er da sang. Dennoch berührte es mich. Das Lied kenne ich noch aus meinen Kindertagen. Ich weiß, wie der Text weitergeht „danke für jedes kleine Glück. Danke für alles Schöne, Helle und für die Musik“. Für das Schöne im Leben zu danken – das fällt leicht.
Doch könnte ich Gott und dem Leben auch dankbar sein, wenn ich mein Geld mit Straßenmusik verdienen müsste. Ich hatte, als ich an dem Musiker vorbeilief einen Strauß Tulpen im Fahrradkorb. Nicht die teuren, gefüllten Tulpen. Das gibt mein Budget gerade nicht her. Aber schöne, leuchtend orange Tulpen. Die kann ich mir gut leisten. Wie schön!
Mich hat die Begegnung sehr berührt. Im Grunde ist da ein Perspektiv-Wechsel passiert. Ich habe mein Leben mit dem verglichen, wie sein Leben vermutlich ist. Und dadurch die Schätze, die ich habe, neu entdeckt. Oft genug sehe ich die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die mein Leben als Autorin und Verlegerin mit sich bringt. Die Begegnung machte mir neu deutlich, wie viel Grund zur Dankbarkeit ich habe. Ich bin auch dankbar, dass mir das durch diesen Mann neu bewusst wurde.

Unterstützung wahrnehmen

Pflanze auf BahnschieneAn meinen schlechten Tagen als Selbständige und Single passiert es schon mal, dass ich denke: „Keiner hilft mir. Alles muss ich alleine machen.“

Schwups kommen auch schon die entsprechenden Gefühle von Selbstmitleid und Traurigkeit im Schlepptau der Gedanken hinterher. Hilfreich? Nicht wirklich.
Also habe ich eine Gegenmassnahme beschlossen. Gegen Herbst- Winter, mangelnden Unterstützer und sonstigen Blues. Ich erinnere mich an fünf Situationen im Laufe des Tages an denen ich Unterstützung erhalten habe.

Heute waren meine Favoriten:
1. Schminke.
Als ich – kurz vor einem wichtigen, offiziellen Termin – feststellte, dass ich vergessen hatte, mich zu schminken, habe ich bei Karstadt schnell Schminke auftragen wollen. Eine Verkäuferin sah das, ich erzählte ihr, warum ich das tat. Sie bot mir an, mich zu schminken. So professionell hätte ich das nie hinbekommen.

2. Kletterhilfe
Als ich mich auf dem Weg zum Termin verfuhr, half mir ein Mann, mitsamt meinem Fahrrad über einen Zaun zu klettern – was mir einen langen Umweg erspart hat.

3. Zufallstreffer
Auf dem Ku´damm traf ich zufällig eine Frau, die ich kannte und dir mir wichtige Hintergrund-Informationen zu einer Situation gab, die ich erlebt hatte und nicht einordnen konnte. Hat mich da jemand unterstützt, dass ich sie gerade heute zufällig traf?

4. Beratung
Ich erhielt sehr gute Beratung für eine geschäftliche Situation. Nicht ganz billig. Aber gute Berater sind ihr Geld langfristig wert.

5. Technik
Die Leute von Textunes haben das Krisen – App unser erstes Impulsheft als App fürs iphone, ipad und den ipod fertigbekommen: Krisen. Impulse, schwierige Zeiten zu bewältigen. Ich freue mich wie eine Schneekönigin. Das App kann man im App – Store gleich kaufen oder auch erst mal nur eine kostenlose Leseprobe runterladen.

Es tut mir richtig gut, wahrzunehmen, wie viel Unterstützung ich im Lauf eines Tages erhalten…das hier war gar nicht alles…“nur“ meine Top 5.

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Begegnungen mit Tiefgang

Ich genieße es, die Vielfältigkeit dieses Landes zu entdecken. Sacramento, die alte Goldschürfer-Stadt am Sacramento und American River, die wilde, windige Pazifikküste, das bunte San Francisco. Doch mehr noch als die Städte faszinieren mich die Menschen.

Ich bin einem Menschen begegnet, der als erfolgreicher Geschäftsmann durch Patentdiebstahl chinesischer Firmen alles verloren hat, was er besaß – bis er mittel- und obdachlos war. Und dann sich selbst und Gott neu begegnet ist. Und dann erlebt hat, wie er Schtritt für Schritt neu beginnen konnte. Ich habe selten – vielleicht noch nie – einen Menschen erlebt, der so tiefe Annahme und Akzeptanz ausstrahlt. So wie du bist, bist du willkommen.


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Wembley-Tor, Fußball, Ausgleich und Vergebung

Derzeit schreibe ich ein Quadro zum Thema „Vergebung.“ Ein Kerngedanke ist, dass Menschen immer Ausgleich wünschen, wenn sie Ungerechtigkeit erlebt haben.

Das ist menschlich, natürlich und das Normalste, was man sich denken kann: Wenn einem etwas Ungerechtes widerfährt, will man Ausgleich für das erlittene Unrecht. Schadenersatz. Gerechtigkeit. Wiedergutmachung. Oder auch Rache. Rache ist nicht anderes als der Versuch, den Schmerz oder das Unrecht, das einem zugefügt wurde, wieder auszugleichen,  indem man einer anderen Person Schaden oder Unrecht zufügt.

Die paar kleinen Probleme

– Es gibt in jeder Situation mehrere unterschiedliche Sichtweisen. Meistens zwei. Mit Anwalt drei. Was für den einen schwerwiegend ist, ist für den anderen weniger tragisch. Da Menschen sich in ihrer Beurteilung unterscheiden, gibt es auch unterschiedliche Perspektiven ob und in welcher Höhe Ausgleich zu leisten ist.

– Es gibt auf dieser Welt keinen perfekten Maßstab für Ausgleich. Ist z. B. der Ehebruch oder Vertrauenbruch des einen Partners dadurch ausgeglichen, dass der andere Partner das gleich tut? Oder wiegt bewusster, absichtlicher Ehebruch oder Vertrauensbruch schwerer als unabsichtlicher? Oft ist es so, dass der eine empfindet „Jetzt ist es ausgeglichen.“ Der andere denkt: „Das reicht noch lange nicht.“ und fühlt sich benachteiligt.

– Oft beeinflusst noch eine dritte Partei das Geschehen.

Aktuelles Beispiel: Deutschland – England.

1966: England bekommt in einem Spiel ein Tor anerkannt, das keines war. Spannend. England ging damit 3:2 in Führung und gewinnt durch einen weiteren Treffer in den letzten Sekunden als sich schon Zuschauer auf dem Spielfeld befanden, die Weltmeisterschaft. Die Deutschen sehen sich im Unrecht. Und wünschen sich Ausgleich.

2010: Im Spiel Deutschland England wird ein Treffer der Engländer, der eindeutig die Linie überschritten hat, vom Schiedsrichter nicht anerkannt. Die Deutschen behalten die Führung. Schießen noch zwei weitere Tore, sind eine Station weiter auf dem Weg zum Titel.

Unterschiedliche Sichtweisen

Zum Wembley – Tor
Die deutsche Perspektive: Es war kein Tor.
http://www.youtube.com/watch?v=DYixmHvnN0s&feature=related
Und die Englische: Es war ein Tor

Die deutsche Sichtweise zum nicht anerkannten Tor 2010
– Das war ein klarer Schiedsrichter-Fehler. Aber der hat keinen Unterschied gemacht. Wir hätten auch dann gewonnen, wenn er das Tor anerkannt hätte, waren die eindeutig bessere Mannschaft.
Die Sichtweise des englischen Trainers und mancher, keineswegs aller Engländer:
– Der Schiedsrichter-Fehler hat das Spiel entscheidend geprägt. Hätte er das Tor anerkannt, wäre das Spiel womöglich anders geendet.

Ausgleich

– Manche Deutsche sehen in dem Tor den „Ausgleich für Wembley“. Sie sagen, nun hätten sie Ausgleich, Genugtuung, Rache für das damalige Unrecht erhalten.  Andere empfinden, dass eine Fehlentscheidung, die keine Auswirkungen auf das Ergebnis hatte, kein ausreichender Ausgleich für den möglicherweise entgangenen WM Titel 1966 ist.

– Manche Engländer könnten argumentieren, dass ein eindeutiges Tor nicht anzuerkennen weit schlimmer ist, als ein zweifelhaftes Tor anzuerkennen.

Die dritte Partei

Der sowjetische Linienrichter von 1966 antwortete kurz vor seinem Tod auf die Frage, wieso er dies als Tor gewertet habe, obwohl er doch gesehen haben müsste, dass es keines war, mit einem einzigen Wort: „Stalingrad“ Auch da war offensichtlich noch eine Rechnung offen.

Stehen uns nun weitere 40 Jahre Suche nach dem Ausgleich bevor?

Der Verzicht auf Ausgleich

Ob man beim Fußball vergeben kann, weiß ich nicht. In privaten Situationen hingegen hilft es mir, anzuerkennen, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt und oft dritte Parteien die Situation beeinflussen. Mich entlastet der Gedanke, dass  perfekter Ausgleich nicht möglich ist. Wenn es nicht ohnehin möglich ist, zu perfektem Ausgleich zu kommen, kann ich – aus freien Stücken – auch darauf verzichten. Weil es mich aus dem aussichtslosen Kampf um Ausgleich führt und ich Ausgleich nicht (immer) brauche, um mein Leben weiter gut zu leben, Manche Menschen nennen diesen Verzicht auf Ausgleich auch „Vergebung.“


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Ost und West und Handeln

Der Städtetrip nach Krakau hat sich gelohnt. Eine Welt, die ich kaum kannte. Ich habe durch Begegnungen, Ausstellungen und Stadtführern die vielfältigen Brüche in der Geschichte Polens verstanden. Es ist krass, wie oft und wie lange dieses Volk fremdbestimmt und von anderen Mächten beherrscht war.
Die Geschichte der Juden Krakaus ist erschütternd. Im Mittelalter hieß es: „Polen ist die Hölle für Bauern, der Himmel für Adlelige, das Paradies für Juden.“ Das hat sich in der Besatzungszeit von 1939 – 1945 drastisch geändert, vor allem 1942. Mehr als 50% aller polnischen Holocaust-Opfer wurden von März 1942 – Februar 1943 ermordet.
Manches habe ich erst vor Ort so richtig begriffen – etwa, was es konkret heißt, in einem Ghetto leben zu müssen. 17.000 Krakauer Juden wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und mussten sich in einem eigenen Judenbezirk ansiedeln. Der bestand aus 320 Häusern, in denen vorher etwa 3000 christliche Polen gelebt hatten. Also etwa 10 Personen pro Haus. Die Häuser waren klein, oft nur einstöckig (siehe Bild, die Dachgauben sind neu hinzugefügt). Die christlichen Polen wurden vertrieben, Juden einquartiert. Dort, wo vorher 10 Personen in einem Haus gewohnt hatten, wohnten nun 50 Menschen unter einem Dach. Jeder hatte 2qm zur Verfügung. Das hat für mich den Begriff „Ghetto“ mit viel klareren Bildern und Vorstellungen gefüllt, als ich sie bislang hatte.
Viele Menschen haben weggesehen. Andere haben den Juden der Stadt geholfen.
– Ein polnischer Junge, der 3 Laib Brot aus der Straßenbahn warf, die durchs Ghetto fuhr, um den notleidenden Menschen zu helfen.
– Ein polnischer Apotheker, der im Ghetto blieb, für die Juden Nachrichten und Geld schmuggelte und sie mit Haarfärbemittel versorgte, damit sie jünger wirkten und so – vielleicht – den Transporten nach Auschwitz entgehen konnten.
– Ein alter Herr, der als er sah, wie Juden, die zwangsweise Schnee räumen mussten und von Umstehenden mit Schnee und Eis beworfen wurden, mit einem Tablett mit Tee und Wodka nach draußen ging und es Ihnen mit den Worten anbot: „Meine Herrschaften, würden Sie mir die Ehre erweisen…“
Was führt dazu, dass die einen wegsehen…und die anderen sich von der Not bewegen lassen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen? Diese Frage habe ich aus Krakau mitgenommen.


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Krisen und Klarheit

In letzter Zeit habe ich öfters den Satz gehört „Der- oder diejenige hat mich in einen Konflikt gebracht.“ Das scheint vordergründig zu stimmen, wenn die Frage oder Bitte eines Menschen in irgendeiner Form nicht zu den eigenen Vorstellungen passt.
Doch ich glaube das nicht mehr, dass ein Mensch die Macht hat, mich in einen inneren Konflikt zu bringen. Ich glaube mittlerweile, dass ein innerer Konflikt nichts weiter ist als ein Hinweis, der mir zeigt: Hier habe ich noch keine Klarheit.
Bei Down to Earth habe ich jede Menge Konflikte: Soll ich mich hierauf konzentrieren oder auf jenes? Soll ich meine Kraft hier investieren oder dort? Jeder Konflikt fordert mich auf, Klarheit zu gewinnen. Zu entdecken, was mir wichtig ist. Dinge, Möglichkeiten, Ereignisse oder Menschen können nie gleich wichtig sein. Irgend etwas ist einfach einen Hauch wichtiger oder besser.
Die Klarheit darüber zu gewinnen, was mir in einem bestimmten Moment oder generell wichtig ist, stärkt ungemein. Und gibt mir Freiheit.
Das ist meine Meinung. Was denkt ihr?


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Erfolg und Segen

Irgendwo habe ich die Geschichte gelesen: Der Musiker Louis Armstrong wurde in einer New Yorker Kneipe von einem Förderer entdeckt. Damit begann eine beispiellose Musikkarriere. Jemand sagte ihm später: „Du hast aber ungemein Glück gehabt, dass du da entdeckt wurdest.“ Er antwortete: „Ich habe mich 10 Jahre lang auf dieses Glück vorbereitet.“
Daran habe ich gestern gedacht, als ich nach einem Tanzkurs in einem Café mit einer Frau ins Gespräch kam. Genauer gesagt: Ich hatte sie angesprochen, weil ich aus dem Augenwinkel sah, dass sie an etwas programmierte. Ich fragte sie…und dann beantwortete sie zwei Stunden lang

Einkauf

Ein junger Kassierer machte an seinem ersten Arbeitstag einen Fehler beim Einlösen der Treueherzen. 24 Herzen auf einmal war er wohl noch nicht gewohnt. Die Chefin musste zum Stornieren geholt werden.
Die Kundin fing an zu schimpfen „Früher als das noch Meyers war, war alles besser. Außerdem gab es den Lego – Lader, den ich eigentlich wollte, gar nicht.“ Alle versuchen zu helfen. Ich sage dem Kassierer, dass man am ersten Tag nicht alles wissen kann. Eine andere Kundin verschenkt ihre Treueherzen an die aufgebrachte Dame. Die Chefin hilft ihr, den gesuchten Laster zu finden.
Als der Kassierer dann meine Sachen kassiert, hält er eine Avocado hoch, schaut mich hilflos an: „Wie heißt die?“ „Avocado“ antworte ich „aber wie sie genau heißt, weiß ich nicht, vielleicht Emily oder Agathe.“ Er lacht. Hoffentlich hat das sein Adrenalin etwas abgesenkt.


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Kirchentag – Fragmente

Down to Earth Stand am KirchentagWenn man – wie Down to Earth in den letzten Tagen – einen Stand bei einem Großereignis wie dem Kirchentag hat, dann bekommt man vom Ereignis selbst nur Fragmente mit, die aber in ihrer Vielfalt wieder ein neues Bild ergeben.

– Cafe Himmelsthür

Ein von behinderten und nichtbehinderten Menschen gemeinsam betriebenes Café am Kirchentag. Leckerer Latte Macchiato und ein Projekt, das Sinn stiftet und Hoffnung macht.

– Versöhnung

Berührt hat mich die Anfrage einer Frau, ob ich sie als Coach bei der Aussöhnung mit einem Familienmitglied unterstützen könnte. Als ich zusagte, hatte sie Tränen in den Augen.

– Erstaunen

Viele Menschen reagierten mit Erstaunen auf unsere Sachen: „Kenne ich noch gar nicht. Ist ja wirklich toll.“

– Resonanz

Andere, die unsere Sachen schon kannten, gaben uns Resonanz: „Die Impulshefte sind wirklich klasse. Ich verschenke sie dauernd. Andere erzählten uns davon, dass mein neues Buch „Die Hütte und ich“ sie sehr bewegt hat: „Ich habe beim Lesen immer wieder geweint. Das passiert mir sonst nie. Das Buch hat meine Enttäuschung Gott gegenüber nicht vollständig aufgelöst, aber sehr abgemildert.“

– Kälte

Nasskaltes Wetter (Sonntag Morgen nur 5 Grad!!!) hat die Stimmung etwas abgedämpft. Schade.

Ganzkörperlich denken

Bei einem Vortrag übers Denken hab ich verstanden, dass man nicht mit dem Hirn allein denkt,  sondern Hirn, Körper und Umwelt gemeinsam Informationen verarbeiten.  Eigentlich logisch. Dennoch „aha“.

– Sabbat

Ein Sabbat-Gottesdienst, den die liberale jüdische Synagoge veranstaltet hat, hat mich sehr berührt. Sie haben – als „Service“ für die Nicht-Juden die einzelnen Abschnitte im Gottesdienstablauf erklärt. So bekam ich einen guten Einblick.

– Sprache

Für Protestanten sind die Quadros „moderne Andachtshefte“ für Katholiken laufen sie unter der Bezeichnung „Impulse für Exerzitien im Alltag“. Ich habe versucht, zu erraten, zu welcher Tradition die Stand-Besucher gehörten und sie dann in ihrer Sprache anzusprechen.

Schlangen

Kloschlangen, Eintrittsschlangen, Essens-Schlangen, U-Bahn-Schlangen…beim Kirchentag gab es Schlangen in allen Variationen und Längen. Beim Warten in einer Kaffee-Schlange hörte ich:  „Im Osten hieß es ja auch immer: „Kein Paradies ohne Schlange.“


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