Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Erfolg (Seite 1 von 2)

Wie Bücher prägen. Oder: Warum „Rock your idea“ mich zum Heulen brachte

Es gibt in meinem Bücherregal Bücher, die haben fast ein ganzes Lebensjahrzehnt geprägt.  Oder waren für mich so wichtig, dass ich genau weiß, in welchem Alter ich sie gelesen habe und welche Auswirkungen sie auf mein Leben hatten.

Die springende Flut1 – 10

Was ich in den ersten 10 Jahren meines Lebens gelesen habe, weiß ich nicht mehr so genau. Aber es war einiges. Nachmittage im Liegestuhl mit Enid Blyton (ja, ich gebe es zu, Hanni und Nanni, alle Bände), Astrid Lindgren und Michael Ende.

Heraus sticht dieses eine, kleine Buch von Pearl S. Buck, „Die springende Flut„. Das Buch war  das einzige griffbereite Buch auf dem Nachttisch meiner Eltern – eigentlich diente es nur zur Dekoration. Sie lasen sie eher im Wohnzimmer oder auf dem Balkon. Ich hab es wohl ein paar Duzend Male gelesen, weil es einfach da war. Und hoffnungsvoll.

Das Buch spricht über Zerstörung durch einen Tsunami und Neuanfang, darüber dass ein Fischerjunge durch einen Tsunami zum Waisenkind wird. Später, erwachsen, kehrt er an den Strand zurück, der seiner Familie das Leben geraubt hat. Er gründet eine Familie, Baut ein Haus. Seine Vorfahren hatten – um sich vor möglichem Unheil zu schützen, keine Fenster zur Meerseite hingebaut. Er baut sein Haus mit einem Fenster zum Meer. Ein Buch voller Hoffnung.

11 – 20

In meinen Teenagerjahren habe ich unzählig viele Biographien gelesen. Vor allem von Revolutionären wie Savanarola und Menschen, die in der Welt etwas verändert haben – wie Sophie Scholl,  Albert Schweizer und viele andere. Das ist geblieben. Bis heute liebe ich Biographien. Weil nicht jeder so viel liest, wie ich gebe ich eine Serie von knackigen und zugleich tiefen Kompaktbiographien für die Hosentasche heraus: Die Weltveränderer.

Neben den Biographien und C.S. Lewis – von Screwtape bis Narnia hat mich vor allem ein Buch geprägt: Bete und Staune. Die Autorin Catherine Marshall beschreibt ganz unterschiedliche Formen des Gebets. Mich hat es inspiriert und mir die Augen dafür geöffnet, dass Glaube sehr vielfältig gelebt und zum Ausdruck gebracht werden kann. Auch das prägt mich bis heute.

21 – 30

Das Buch des Zwanziger-Jahrzehnts war Robinson Crusoe. Ich habe meine Magisterarbeit über „Das Bild des Fremden in Robinson Crusoe“ geschrieben und fand die Auseinandersetzung damit extrem spannend. Größte Erkenntnis: Der einzelne Fremde – wie etwa Freitag – kann leicht zum Freund werden.  Sich der Gruppe der Fremden, „die Kannibalen“  anzunähern ist mit weit größeren Ängsten verbunden. Ich konnte es mir auch angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation (ich weigere mich, die Aufnahme von geflüchteten Menschen in unser Land als „Krise“ zu bezeichnen) nicht verkneifen,  meine Robinson und Freitag Erkenntnisse zu einem Artikel zu verarbeiten – natürlich darüber, wie Fremde zu Freunden werden können,

Völlig unnötige Info, aber irgendwie cool. Seit meiner Robinson-Zeit weiß ich, dass das Wort „Barbecue“ vom karibischen „Barbucan“ kommt, was so viel bedeutet wie „Seine Feinde braten!“ – diese Info kann man sehr effizient bei Grillparties einsetzen, wenn nur noch ein Steak auf dem Grill liegt und man den anderen den Appetit verderben möchte…. (ich käme natürlich nie auf den Gedanken). Und seit meiner Robinson-Zeit hängt ein Schild an meiner Bürotür „The only person getting his work done by Friday was Robinson Crusoe!“ 

30 – 40

In den Jahren haben ich mehrere Bücher gelesen, de mich stark geprägt haben :Vor allem die Bücher von Steven Covey über die Sieben Wege zur Effektivität (Wobei ich den deutschen Titel immer noch grausam schlecht übersetzt finde, weil es Covey um sieben Gewohnheiten geht, die man für ein gutes, erfolgreiches Leben einüben kann und darf.  Seine Bücher, aber auch Good to Great / Der Weg zu den Besten haben mir einiges über Fokus und Ausrichtung fürs Leben vermittelt. Einiges. Nicht alles.  Dazu später mehr.

40 – 50

Da bin ich noch drin. In diesem Jahrzehnt standen Coaching-Bücher im Vordergrund: Lösungsorientierte Beratung  von Bamberger habe ich regelrecht verschlungen. Und natürlich Marshall Rosenberg Gewaltfreie Kommunikation und viele andere Titel, die mich in meiner Praxis als Coach gestärkt und geprägt haben. Außerdem eine ganze Reihe von Büchern von Menschen wie Aliss Cresswell, Bill Johnson und Kris Valatton und anderen, die meinen Glauben herausgefordert und gedehnt haben – mehr in die Vorstellung hinein, dass Gott nicht alleine handeln will, sondern gern mit und durch uns.

Rock your ideaUnd jetzt gibt es ein neues Buch, von dem ich ahne, dass es vor allem mein Berufsleben im nächsten Jahrzehnt prägen wird Martin Gaedts Buch:  Rock your idea.

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich um Ideen selten erlegen bin. Wenn die einen vor Schreck erstarren,  regen mich Krisen zur Kreativität an. Beispielsweise wenn es auf dem Balkon  7 Meter entfernt, schräg von mir brennt, weil Teenie-Gäste bei einer Geburtstagsfeier Wunderkerzen-Weitwerfen gespielt haben !!!! und zielsicher einen vertrockneten Weihnachtsbaum trafen, der lichterloh in Flammen aufging.

Während alle anderen Gäste erstarrt vor Schreck das Feuer betrachteten, rannte ich in Küche und Bad, holte Teekannen und was ich sonst noch fand, und versuchte, schräg über den Hof Wasser auf den entfernten Balkon zu schütten. Und traf. Zumindest oft genug, um die Flammen zu löschen noch bevor die Feuerwehr mit drei Löschzügen eintraf.

Doch witzig, originell und kreativ denken zu können, allein reicht nicht, damit eine Idee erfolgreich umgesetzt wird.

Das habe ich jetzt beim Lesen von Rock your idea verstanden. Die Originalität und Offenheit braucht als Gegenpol immer die Analyse und das achtsame Hinschauen, damit etwas gelingt. Das A und O.

Beim Lesen wurde mir klar, warum viele meiner eigentlich im Ansatz guten Ideen nicht funktioniert haben. Ich habe wunderschöne Postkarten produziert, umweltfreundlich, originell mit gutem Design. Nur unpraktischerweise die Vertriebskosten nicht genau berechnet (schon allein deshalb, weil ich gar nicht weiß, wie man so was kalkuliert). Und nicht richtig nachgefragt, ob die Kunden meines Verlags, die meine Bücher und Trainingsmaterialien sehr schätzen, auch auf Postkarten stehen. Tun sie nicht. Das weiss ich jetzt.  9875 unverkaufte Postkarten später.

Und meine Kunden mögen noch nicht mal alle meine Bücher. Ich hab Buchtitel gemacht, von denen ich begeistert war, ohne vorher zu prüfen, ob andere Menschen davon auch begeistert sind. Und natürlich ob sie die Titel tatsächlich auch kaufen würden.  Das kann man natürlich nie genau sagen, das typischte an der Zukunft ist ja, dass sie ungewiss. Das Interesse und die Resonanz ungefähr zu erfragen, wäre das gute, ergänzende A zum sprudeligen O gewesen. Das hat in den meisten Fällen gefehlt.

Zu allem Überfluss habe ich gerade in der Anfangsphase – Buchcover gemacht, die auf dem Computer gut aussahen, aber im Laden überhaupt nicht wirkten.  Das ist eine andere Geschichte.

Als ich Rock your idea zu Ende gelesen hatte, hab ich erst mal eine Runde geweint.

Es tat einfach weh, zu realisieren, wie viel Ideen mit Potential misslungen oder nicht zur vollen Entfaltung gekommen sind, weil mein A-Flügel sich nicht entfaltet hat…ich gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Und ich mag gar nicht erst anfangen zu spüren oder gar zu rechnen, wie viel emotionale, aber auch finanzielle Energie mich die fehlende Analyse gekostet hat. Das ist wirklich zum Heulen.

Im Coaching sagt man oft: Wenn etwas nicht funktioniert, verdoppeln Menschen ihre Anstrengungen. Der Partner hört nicht zu. Also redet man lauter oder mehr.  Das Ding klemmt, also zerrt man mehr. Abstand nehmen, eine ganz andere Strategie entwickeln, ist meist die bessere Alternative.

Dumm, wenn man den Fehler dann selbst macht. Ich hab eine Idee entwickelt. Wenn es dann schwierig wurde, hab ich einfach die nächste Idee entwickelt, statt etwas anderes zu tun. Genau analysieren zum Beispiel. Ideen entwickeln, das kann ich. Irgendetwas fällt mir immer ein. Also hab ich meine Anstrengungen verdoppelt. Und um nicht allzu hart, mit mir selbst zu sein: Eine ganze Reihe der Ideen waren auch gut.

Aber ich ahne, wie viel besser meine Verlagsarbeit funktioniert hätte, wenn ich das mit dem Hin- und Her von Originalität und Analyse vor 10 Jahren gewusst und eingeübt hätte. Glücklicherweise ist es noch nicht zu spät. Ich habe – vermutlich – noch einige Jahre, oder ein oder zwei Jahrzehnte Berufsleben vor mir. Und werde versuchen, meinen  A – Flügel zu stärken. Denn wenn man nur mit einem O – Flügel fliegt, fliegt man im Kreis. Und ich habe mir ganz neu eine A-Frau an Bord und einen Super-A-Berater ins Team geholt, um mich darin zu unterstützen.  Und eine dritte A Frau kam in dieser Woche einfach von selbst an. Ich bin am Staunen.

Jetzt gilt es erst mal achtsam hinzusehen: Was funktioniert? Was nicht?

Und wenn wir dann die nächste Idee, die natürlich schon da ist, weiterentwickeln, wird zu dem O eine gute Portion A kommen.

Mich zum Weinen bringen – das hat bisher noch kein „Business“ Buch geschafft.

Aber ich weiß, dass ich in ein paar Jahren lachend sagen werde: Die Gedanken aus Rock your idea, vor allem der Grundgedanke von A und O, hat etwas verändert. Hat verbessert, wie ich ich Projekte angehe. Es hat jemanden verändert. Mich.

Mein Schiff und ich – Beitrag über Verlag und Schiffsprojekt

Kalender2010Vor ein paar Wochen hat der ERF bei mir im Verlag und am Schiff gedreht. Daraus ist für die Sendung „Gott sei Dank“ ein schöner Kurzbeitrag – 5 Minuten – geworden. Es ist der zweite Bericht in der Sendung. Sehen könnt ihr ihn hier. 

Außerdem feiern wir Geburtstag. Als ich vor 15 Jahren in eine neonbeleuchteten Amtsstube in Berlin meine Unterschrift unter einen grauen Zettel setzte, hab ich nicht ahnen können, was daraus werden könnte: Inspiration und Segen für Tausende von Menschen. Rechts z. B. unser Kalender in einem schicken Berliner Beraterbüro!

Im Blog von Down to Earth verrate ich unsere Erfolgsgeheiminsse.

Neue Serie – Weltveränderer

Einer unserer Autoren, Gerd König, ist glücklich. Er schrieb: „Gerade erreichte mich die Lieferung der Impulshefte. GLÜCKSGEFÜHLE! Die Coverfarbe sieht live tatsächlich viel besser aus als am Bildschirm. Auch die anderen Hefte sind sehr schick geworden – auch Euch also meinen Glückwunsch! Ich freue mich riiiiiiiiiiiesig “

Ich bin auch glücklich. Das Heft ist wunderschön. Sich mit dieser faszinierenden Frau und ihrem Werk zu beschäftigen „weckt die Superkräfte deiner Kindheit“ wie Gerd schreibt.

Über ein Jahr haben wir an der neuen Serie konzipiert. Die Idee: Menschen vorzustellen, die etwas in unsrer Welt bewegt und verändert haben. Kurz, kompakt im Impulsheft-Format. Mit Inspiration zum Nachmachen.

Die ersten Titel sind eben erschienen: Neben Astrid Lindgren noch Sophie Scholl, Nelson Mandela und Franz von Assisi.

Klar: „Nicht jeder ist eine Sophie Scholl, aber jeder kann gegen Ungerechtigkeit aufstehen. Jawohl!“

Was „Coaching Basics“ auslöst

Manchmal ist Feedback von Lesern so ermutigend, dass man es sich an die Wand hängen solle – oder zumindest in den Blog schreiben. So wie das Feedback zu dem Quadro Coaching Basics, das ich – mit Erlaubnis des Autors – hier wiedergebe.

Ich habe gestern etwas in dem Coaching Basics Quadro gelesen und ich bin besonders an einer Frage hängen geblieben (s.u.). Ich habe die Kraft von Fragen schon selbst erlebt aber es ist doch immer wieder erstaunlich, was sie auslösen können. Nach einer halben Stunde habe ich erst mal aufgehört mit schreiben… 🙂
Ich schätze es so sehr, dass du dieses Coaching Quadro (auch für mich) geschrieben hast.

04.04.2011 09:23
Coaching Quadro 1.7
Stell dir vor, du bist ein richtig guter Coach geworden. Wie hast du das wohl gemacht? Welche Schritte bist du auf dem Weg gegangen?
– Ich habe viel Übung gehabt.
– Ich habe oft Leute gefragt, ob ich sie coachen darf.
– Ich habe eine Coachingausbildung gemacht. Dabei war nicht das Zertifikat das entscheidende, sondern dass ich eine wirklich gute Lernumgebung hatte.
– Ich habe mir ein klares Ziel gesetzt, dass Coaching mir wichtig ist und ich eine professionelle Coaching-Kompetenz aufbauen möchte.
– Ich habe mich stets als Lernenden gesehen.
– Ich war bereit, Dinge auszuprobieren und mit Fragen zu experimentieren.
– Ich habe interessiert zugeschaut, wie andere coachen und wie sie gute Coaches geworden sind.
– Ich habe selbst Coaching in Anspruch genommen.
– Ich hatte immer einen Pool an Themen und Problemen, für die ich spontan Coaching in Anspruch nehmen konnte.
– Ich habe viele Möglichkeiten genutzt, in denen andere mir Coaching-Fragen stellen konnten.
– Ich habe auch über Coaching gelesen, nicht massiv aber doch unterstützend zur Praxis.
– Ich habe Beziehungen zu anderen Coaches gepflegt.
– Ich habe, wo möglich, bei anderen Coaches hospitiert.
– Ich habe Freunde und gläubige Coaches gebeten, dass sie konkret für meine Coaching-Entwicklung beten und mich mit dem segnen, was Gott ihnen anvertraut hat.
– Ich habe mich bewußt nicht zu fokusiert mit Coaching befasst sondern habe auch andere Dingen, Wünschen und Leidenschaften in meinem Leben Raum gegeben so dass dieses Thema immer seinen besonderen Reiz, seine Leichtigkeit und seinen Spaß behalten hat.
– Ich habe Coaching in verschiedenen Kontexten ausprobiert.
– Ich habe über kreative und neuartige Anwendungsmöglichkeiten von Coaching nachgedacht.
– Ich habe mich nicht davor gescheut, auch in schwierigen Situationen Menschen zu coachen.
– Ich habe öfters Gott gefragt, was er mir für meine Coaching-Entwicklung noch mit auf den Weg geben möchte.
– Ich habe Gott regelmäßig gebeten, mir seinen Segen und die Befähigung des Heiligen Geistes zu schenken, um ein Coach nach seinem Herzen zu werden.
– Wenn ich Lust und Freilauf hatte, habe ich mir selbst neue Coaching-Fragen ausgedacht.
– Ich habe mich getraut, wenn es die Möglichkeit gab, vor mehreren Menschen über Coaching zu spechen und darüber zu schreiben.
– Ich habe mir auch selbst Coaching-Fragen gestellt, Antworten aufgeschrieben und darüber reflektiert.
– Ich habe Menschen, die Interessse an Coaching hatten, an meinen Coaching-Erkenntnissen und -Erfahrungen teilhaben lassen und habe sie gefördert, ihr Coaching-Potential zu entwickeln.
– Ich habe nach Menschen Ausschau gehalten, bei denen ich Coaching-Potential erkenne.
usw. usf.
@COACHING @RESSOURCEN @OPTIONEN @WAS_NOCH

Wie ich die Dinge geregelt kriege – 4

Es sieht schön aus hier. Klarer, geordnet. Um mich herum und in mir drin auch. Aus dem Buch Wie ich die Dinge geregelt kriege habe ich noch zwei Impulse mitgenommen

Antwort-erwartet-Liste: Manchmal mailt man Menschen oder bittet sie um etwas und muss auf Antwort warten. Das hat man dann im Kopf. Damit man es nicht im Kopf hat, ist es schlauer man hält es gleich irgendwo auf einer „Antwort erwartet“ Liste fest. Entweder auf Papier oder elektronisch oder in einem gesonderten Ordner im Posteingang.

Referenzmaterial und To-Do Sachen trennen. Es gibt Unterlagen, die hebt man auf, weil man da ab und zu nachsehen muss – das sind bei mir z. B. Titel- und ISBN-Listen oder die Listen mit den Neuerscheinungen. An den Neuerscheinungen arbeite ich natürlich auch und da gibt es Dinge zu tun und zu planen. Landet alles – Referenzmaterial und To-Dos in einer Liste oder Mappe wird das bald unklar. Besser man trennt klar: In eine Abteilung / Mappe / In-Box kommen alle Unterlagen, mit denen man noch etwas tun muss. In eine andere nur die Unterlagen, die man zum Nachsehen braucht.

Der Vorteil: Dieses Vorgehen reduziert schnell die Dicke der Arbeitsberge und macht Prozesse klarer und übersichtlicher. Man muss sich nicht durch Stapel von Papier wühlen, sondern hat nur die „aufgabenbehafteten“ Blätter vor sich. Sehr entspannend.

Bei Null fängt der Spass an

Es gibt Momente, die sind einfach wunderbar. So wie dieser jetzt. Seit erstem Mal seit langem bin ich in drei Bereichen bei NULL angekommen.
Mein Posteingangskorb ist bei Null – leer bis auf den Post-It Block, der dahin gehört, um neue Papiere gleich mit dem „To-Do“ zu versehen. Alle Anfragen von Behörden und anderen Menschen sind beantwortet.
Mein Email-Posteingang ist bei Null. Alle Anfragen sind gelöscht, delegiert, beantwortet oder in den entsprechenden Arbeits-Ordnern und To-Do Listen.
Die Ablage ist auf Null. Alle Papiere sind dorthin abgelegt, wo sie sein sollen.

Nur der Lesestapel ist die einzige „Sammelstelle“, die ich noch nicht auf Null reduziert habe – aber bis Weihnachten liegen noch einige Bus, U-Bahn und Zugfahrten vor mir, die ich zum Lesen nutzen kann.

Was für ein Gefühl!

Guter Grund, mal wieder Hafiz zu zitieren:

ZERO
Is where the Real Fun starts.

There is too much counting
Everywhere else.

NULL
Ist da, wo der Spass beginnt.

Überall sonst wird einfach
zu viel gezählt.

Nur Tote bleiben liegen – Gedanken über ein lebendiges Buch

Letztes Jahr hatte ich Pech. Bei einer Veranstaltung bekam jeder Teilnehmer ein Buch als Geschenk. Etwa 20 verschiedene Titel standen zur Wahl. Ich wollte Alles, außer gewöhnlich von Förster und Kreuz unbedingt haben – schon wegen des sprachwitzigen Titels. Doch ich bin ja wohl erzogen und brav. Ich wartete bis der Geschenktisch offiziell freigegeben war. Zu lange. Ein dreister, dicker Typ hatte mir das Buch schon weggeschnappt.
Das Ergebnis: Alles außer gewöhnlich führt nun die Liste der Bücher an, aus denen ich das meiste gelernt habe, ohne sie je gelesen zu haben. Meine Lektion: „Zeige offen, was dir wichtig ist und was du möchtest. Warte nicht zu lang. “ Ich habe meine Lektion gelernt.

Das neue Buch Nur Tote bleiben liegen der beiden habe ich tatsächlich gelesen. Mit Gewinn. Jedes Mal wenn ich in den letzten Wochen nach getaner Verlagsarbeit ein Kapitel las, stellte sich ein wohlig warmes Gefühl ein. Das lag zuerst einmal daran, dass meine Füße sich auf einem Massagegerät entspannten. Zum anderen am Inhalt des Buches.

Förster und Kreuz beschreiben die Eigenschaften, die ein Unternehmen braucht, um im harten Wettbewerb nicht nur zu bestehen, sondern sogar zu glänzen. Sie loben die Fähigkeit kreativ und experimentierfreudig Chancen nutzen, auf Sicherheiten zu verzichten, Kunden und Mitarbeitern Freiheit zu gewähren. Sie fordern dazu auf, die Intelligenz der vielen zu nutzen und transparent zu agieren. So wie in der schönen weiten – angesichts von Wiki-Wars zu rosarot gezeichneten – demokratischen Welt des Internets, wo jeder beitragen kann.

Innovation, Offenheit, Transparentz all das leben wir in meiner Firma. Zugegebenermaßen sind wir beim Down to Earth Verlag mit einer handvoll von Mitarbeitern noch weit davon entfernt ein großer Konzern zu sein. Doch die von den Autoren gelobten Tugenden wie Freiräume zu geben, Impulse meiner Mitarbeiter aufzugreifen und offen und transparent zu kommunizieren sind für mich als Chefin selbstverständlich. Beim Lesen jeder Seite stellte sich bei mir das erwähnte warme und wohlige Gefühl ein: Wir machen das gut!

Ich fragte mich etwas überrascht: Kann man heute eine Firma überhaupt noch anders führen? Offensichtlich schon. Die Autoren beschreiben immer wieder, wie innovationshemmend und kontrollierend es in vielen Konzernen zugeht. Gegen diese Leichengräber-Haltungen treten sie mit Sprachwitz und frischen Perspektiven an.

Auf jeder Seite spürt man ihre Leidenschaft, Dinge in Bewegung zu bringen. Sie wollen verkrustete Strukturen aufbrechen und Verantwortliche motivieren mehr Freiräume zu geben. Natürlich ganz konkret. Sie führen sie viele erfrischenden Beispiele von Firmenchefs an, die zeigen, wie es anders geht. Davon kann sich jeder Verantwortliche, der seine Firma weiter entwickeln möchte, die Scheiben abschneiden, die ihm am meisten Appetit machen. Allen Weiterkommen-Wollenden wärmstens zu empfehlen.

Nach der inspirierenden Lektüre blieben nur zwei Fragen offen:

–         Als Bestsellerautoren brauchen Förster und Kreuz sich nicht über schlechte Verkaufzahlen zu beklagen. Doch mich interessiert: Wer liest eigentlich dieses Buch? Innovative Menschen wie ich, die es eigentlich nicht unbedingt nötig haben. Denn wir gehören ohnehin zu der Generation gehören, die ohnehin nicht anders arbeiten will und kann. Oder lesen es tatsächlich die Chefs der großen Konzerne? Wenn ja, was machen sie damit? Hier würde ich sehr gern mal einem Konzernchef nach dem Kauf verfolgen und ihm bei der Lektüre über die Schulter und ins Gehirn sehen.

–         In kleinen Unternehmen wie meinen ist eine transparente und innovationsfördernde Unternehmenskultur oft eine Selbstverständlichkeit. Doch wie entwickelt man ein kleines Unternehmen zu einem großen, erfolgreichen Unternehemen, ohne die Lebendigkeit, Freiheit und Transparenz zu verlieren? Diese Frage, die die Lektüre in mir aufgeworfen hat, wird mich noch weiter beschäftigen. Vielleicht schreiben die beiden ja mal ein Buch darüber. Und wir sind dann drin. Ganz lebendig.

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Als Verlegerin macht mich die schöne Gestaltung des Buches fast grün vor Neid  – passend zum Cover. Der Campus Verlag macht das auf seine Art fast genauso schön wie wir. Dass mich das ein wenig wurmt, herausfordert und anspornt, unser Niveau zu halten und zu verbessern, muss ich ja nicht unbedingt zugeben. Oder vielleicht doch.?


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Gelassenheit

Heute las ich ein Zitat von James Stewart: «Glück ist, Veränderungen würdevoll zu akzeptieren.» In den letzten Tagen habe ich die Gelassenheit mancher Fussballer bewundert – insbesondere dann, wenn Ihnen in einem Spiel Unrecht geschehen war. In den Interviews danach haben sie oft gesagt: „Das ist vorbei. Jetzt wollen wir nach vorne schauen.“

Wie echt und tief die Gelassenheit war, kann ich natürlich nicht beurteilen.  Dennoch hat es mich beeindruckt, dass sie es sich offensichtlich angewöhnt hatten, nicht unendlich lang über das „Was wäre gewesen, wenn..“ nachzudenken. Sie blieben auf das fokussiert, was sie beeinflussen konnten. Die Gegenwart und Zukunft. Ich finde das beeindruckend.


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Kleiner Geschäftsmann

Gestern bin ich auf dem Weg zu einem Termin an Kindern vorbei gekommen, die am Bürgersteig altes Spielzeug verkauften. Als ich auf dem Rückweg wieder vorbei kam, baten Sie mich anzuhalten.
Da mein Bedarf an blinkenden Plastik-Roboter-Männchen nicht allzu groß ist, kaufte ich ihnen nichts ab, schenkte ihnen aber dafür das Kleingeld, das ich im Geldbeutel hatte.
Ein etwa sieben-jähriger Junge meinte: „Sie sind aber nett – alle anderen sind einfach weitergelaufen und haben uns nichts gegeben.“ Und dann „Bitte sagen Sie allen Leuten, dass wir hier sind.“
Ich musste grinsen. Im Business nennt man das Empfehlungsmarketing. Er beherrschte offensichtlich die Grundzüge davon. Kraftvoller ist Empfehlungsmarkting noch, wenn man es nicht generell macht (empfehlen Sie es allen), sondern spezifiziert: „Empfehlen Sie uns an Menschen weiter, für die unsere Angebot interessant sein könnten.“ Aber vermutlich waren das aus seiner Perspektive ja alle.


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Krisen und Klarheit

In letzter Zeit habe ich öfters den Satz gehört „Der- oder diejenige hat mich in einen Konflikt gebracht.“ Das scheint vordergründig zu stimmen, wenn die Frage oder Bitte eines Menschen in irgendeiner Form nicht zu den eigenen Vorstellungen passt.
Doch ich glaube das nicht mehr, dass ein Mensch die Macht hat, mich in einen inneren Konflikt zu bringen. Ich glaube mittlerweile, dass ein innerer Konflikt nichts weiter ist als ein Hinweis, der mir zeigt: Hier habe ich noch keine Klarheit.
Bei Down to Earth habe ich jede Menge Konflikte: Soll ich mich hierauf konzentrieren oder auf jenes? Soll ich meine Kraft hier investieren oder dort? Jeder Konflikt fordert mich auf, Klarheit zu gewinnen. Zu entdecken, was mir wichtig ist. Dinge, Möglichkeiten, Ereignisse oder Menschen können nie gleich wichtig sein. Irgend etwas ist einfach einen Hauch wichtiger oder besser.
Die Klarheit darüber zu gewinnen, was mir in einem bestimmten Moment oder generell wichtig ist, stärkt ungemein. Und gibt mir Freiheit.
Das ist meine Meinung. Was denkt ihr?


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