Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Kunst

Osterbilder

Es ist ausgesprochen schwierig für ein Geschehen, das vor 2000 Jahren stattgefunden hat und die Welt bis heute noch nachhaltig prägt, passende Bilder zu finden. Die meisten Bilder, die in diesen Tagen um Ostern in Netz und in der Presse publiziert werden, sind im schlimmsten Fall kitschig, oft abgegriffen – in dem Sinn, dass die Art der Darstellung schon so oft verwendet wurde, dass sie kaum mehr berührt.

Dennoch schaffen es einzelne Bilder tiefer zu berühren – weil sie die alte Wahrheit der Erlösung aus einer neuen Perspektive zeigen. Mich haben in den letzten Tagen drei Oster-Bilder besonders angesprochen, weil sie für mich neue Aspekte gezeigt oder betont haben.

Die Opferanode (siehe Beitrag vom 25.3.) Der Vergleich mit der Opferanode, die sich bei Stahlschiffen aufopfert um die Substanz zu schützen ist für mich zu einem Bild dafür geworden, dass Christus zum Opfer für uns wurde. Er bietet uns an, dass wir unsere inneren und körperlichen Schmerzen und Spannungen zu ihm hin ableiten können – statt uns von ihnen unsere Substanz zerstören zu lassen.

– Der Mensch als Kreuz: In der szenischen Darstellung der Johannespassion gab es eine Szene, in der Christus von Pilatus weg nach Golgatha geht. Er trägt sein Kreuz. Doch das ist nicht aus Holz. Er trägt einen Menschen auf seinem Rücken, auf seinem Kreuz. Damit wurde sehr anschaulich deutlich gemacht: Wir sind das Kreuz, das Christus getragen hat.

ChristusalsGeisel– Christus als Geisel. Die Collage von Peter Aschoff, die an die Geiselnahmen von Schleyer bis Iran erinnert, berührt mich. Die Hände auf dem Bild , die das Schild halten, sind die Hände seines eigenen Sohnes.Dieses Bild hat mich neu ahnen lassen, was es den Vater gekostet hat, seinen Sohn als Geisel für die Menschheit zu geben. Ihn nicht freizukaufen, sondern sterben zu lassen. Für uns.

 

Hausboot – Unterstützung und Herausforderungen

Eigentlich sollte das Schiff jetzt schon in der Werft bei Berlin sein. Doch kurz vor dem geplanten Transport hat die Kranfirma abgesagt, die das gute Stück aus dem Wasser heben und auf einen Laster setzen sollte. Danach die Firma, die es auf dem Wasser von Hamburg nach Berlin ziehen sollte. Jetzt arbeiten wir an Plan C (oder E oder F). Wir – das ist vor allem Karl, der Bootsbauer, der sich mit aller Kraft (und darüber hinaus) für das Projekt einsetzt.

Ansonsten bin ich nach wie vor beeindruckt und dankbar für die Unterstützung, die ich erhalte.

Ein paar Beispiele:

– Mehrere Leute haben mir praktische Hilfe beim Renovieren zugesagt. Oder auch Unterstützung bei der künstlerischen Ausgestaltung des Schiffes.

– Jemand hat einen Dauerauftrag für 10 Euro im Monat eingerichtet, um das Projekt zu unterstützen – mich rührt das sehr.

– Eine Frau, die bei der Bankenkrise praktisch alle ihre Ersparnisse verloren hat, hat überlegt und gebetet, wie sie das Projekt unterstützen kann. Beim Beten kam ihr folgende Idee. Sie besitzt Zeichnungen der Künstlerin Lieselotte Plangger -Popp. Es sind Zeichnungen mit Motiven aus Island, die mit einer Rohrfeder gezeichnet. Es sind 18 Zeichnungen. Sie sind unterschiedlich gross 47 cm mal 35 cm und auch grösser. Ich darf die Zeichnungen verkaufen und das Geld fürs Boot nehmen. Ich habe mal im Internet recherchiert: Dort liegen die Preise für Werke von Lieselotte Plangger-Popp zwischen 30 und 150 Euro.

Fragen:

a) Hat jemand von euch Interesse an einer Zeichnung? Sagt mir Bescheid und macht mir ein Angebot. Ab 30 Euro seid ihr dabei.

b) Wer hat Erfahrung im Verkauf von Zeichnungen / Kunst? Ich bräuchte hier Unterstützung, um die Zeichnungen möglichst gut verkaufen zu können.

Das ganze Projekt bleibt ein Abenteuer. Ich freue mich auf die nächsten Schritte.

 

Alt und froh

Zur Zeit inspirieren mich besonders alte Menschen, die ihr Leben noch aktiv und voller Lebensfreude leben. Wie Joan Erickson, die Frau des Psychologen Eric Erickson (der die „Identitätskrise“ erfunden hat). Sie war bis ins hohe Alter aktiv und agil, hörte nicht auf, Neues zu lernen und die Welt und ihre Vielfalt wahrzunehmen und zu genießen. Ihre Freundin Joan Anderson hat sie und ihre unkonventionelle Lebensweise in dem Buch „Spaziergang am Meer“ beschreibe, das ich gerade lese – Abends zum Einschlafen – oder vielmehr zum innerlich Aufwachen. In einem Kurzvideo (Teil I + Teil II)= kann man sie sehen.

Eva Zeisel

Oder auch die weltberühmte Keramikerin Eva Zeisel, die noch im Alter von 105 Jahren, Keramik gestaltet, Kollektionen beurteilt. Sie sieht keinen Grund dafür, sich zur Ruhe zu setzen. Wovon auch? „Ich habe nie gearbeitet. Ich spiele.“ sagt sie.

Hören kann man sie bei TED (einem Forum für inspirierende Vorträge. Englisch, aber auf Wunsch mit deutschen Untertiteln)

Noonsong – a Lestival of nine Lessons and Carols

Unter diesem Titel hat der Berliner Noonsong letzten Samstag eine bewegende Stunde gestaltet. Gemeindeglieder, Pfarrer, Lokal- und Bundespolitiker lasen Bibeltexte. Von Schöpfung und Sündenfall bis Weihnachten – die Geschichte der Menschheit von der Trennung von Gott bis zur Geburt des Erlösers in ausgewählten, eindrücklichen Texten.

Dazwischen traumhaft schön gesungene mehrstimmige Kompositionen von Renaissance bis 2010 – zwei Welturaufführungen. Kirche, Politik und Kunst, verkünden gemeinsam die Botschaft der Hoffnung. Eindrücklich und bewegend.

Auf der Website von  Noonsong könnt ihr reinhören und euch auch inspirieren lassen.

Geschichte und Gegenwart

Obwohl ich schon ein paar Mal in den USA war, meist kürzer, fange ich erst jetzt an, historische Zusammenhänge zu begreifen. Die Biographie von Carnegie, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umfasst, ist dabei ebenso erhellend wie meine Reise ins Innere des Landes. Ich bin immer wieder überrascht darüber, wie jung Amerika als Nation im Grunde noch ist. Auf einem etwas mehr als 100 Jahre altem historischen Plakat habe ich heute gelesen, wie die Texas Colonial Association vor gut 100 Jahren dafür warb, dass Menschen sich hier ansiedelten:

The most healthy and agreeable climate,

The best timber,

The richest minerals,

The most fertile soil,

The largest stock region and

The greatest variety of products to be found in the world.

Wenn das nichts ist…

Vieles ist nicht so glatt und schwarz-weiß, wie man vielleicht denkt. So hat zum Beispiel der erste Gouverneur von Texas, Sam Houston, über Jahre bei Indianern gelebt und ihre Kultur und Lebensweise schätzen und lieben gelernt.

Die Siedler waren nicht alles rauhe Cowboys, sondern auch Menschen wie der schottische Philosoph Edmund Montgomery und seine deutsche Frau, die zu ihrer Zeit berühmte Bilhauerin Elisabet Ney, die naturliebende Idealisten, kluge Köpfe und außerordentlich begabte Künstler waren. Ney gelang es, Shopenhauer, der als Frauenhasser bekannt war, dazu zu bewegen, sich von ihr in Stein meißeln zu lassen. Sie war eine der wenigen Frauen, für die er positive Worte fand.

Nach ihrer Ankunft versuchten sie und ihr Mann erfolgreich das kulturelle Leben in Texas zu fördern. Dass die Uni von Texas mit heute 70.000 Studenten, wo neulich Obama sprach, hier in Austin ist, ist auch ihrem Einfluss zu verdanken. Dass es eine Stadt ist, die bis heute Kunst fördert, ebenfalls.

Capitol of Texas, Floor


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Gott in New York

Kirchen sind hier überall zu sehen. Große, beeindruckende, hässliche (groß, beeindruckend und hässlich schließt sich nicht aus), kleine, schöne, heruntergekommene, einfache – die Gebäude sind wahrscheinlich ebenso so vielfältig wie das geistliche Leben der Menschen, die sich dort treffen.

Ich war gestern mit meinen Freunden in der North Brooklyn Vineyard Gemeinde, einer kleinen Gemeinde, mit gestern etwa 40 Besuchern im Morgengottesdienst. Entspannt und locker. Kaffee und Bagels, die es umsonst gibt, kann man auch an den Platz mitnehmen. Treffpunkt ist Morgens eine kleine Schulturnhalle (die eher die Größe eines sehr großen Wohnzimmers hat), Abends eine Bar.

Nach der Predigt gab es eine Zeit, wo die Anwesenden gemeinsam oder auch persönlich Gott ihre Liebe oder ihr Vertrauen ausdrücken konnten. Was mich berührt hat. Ein Mann empfand, dass Gott einer Frau in einer ganz spezifischen Situation etwas sagen wollte und gab diesen Impuls weiter. Die Situation, die er beschriebe, entsprach genau einer konkreten Situation, die mich sehr intensiv beschäftigt. In diese Situation hinein zu hören „Gott sieht dich!“ hat mich sehr berührt.

Keine Ahnung, warum Gott manchmal den Weg wählt, über andere Menschen zu einem zu sprechen…vielleicht ist man da weniger in Gefahr, das anzuzweifeln…und nur als Ausgeburt der eigenen Phantasie zu betrachten.

Nach dem Mittagessen bei IKEA…- gleiche Möbel, gleiches Essen, vor Gott und IKEA sind alle Menschen gleich – hab ich meine Freunde Möbel kaufen lassen und selbst das am Wochenende kostenlose Wassertaxi an die Südspitze Manhattans genommen. Mit vielen orthodoxen Familien, die ihre Kinder – bis zu sieben an der Zahl – zum Teil in gleicher Kleidung gekleidet hatten, wohl um sie im IKEA – Gewühl schneller wieder zu finden.

Schlendern durch die Wall-Street Gegend und später Soho, das am Wochenende fast genauso voll ist, wie unter der Woche. Auf dem Bürgersteig betete ein Moslem auf einem Pappkarton. Ob Allah das als „Teppich“ akzeptiert. Praktisch ist es allemal.

Mein Highlight: Eine Galerie verkaufte Original-Lithographien von Chagall, Picasso und Dali – zum Teil wunderschön. Und gar nicht sooo teuer. Ab 3000 Dollar war man dabei. Sogar neue Drucke von den alten Druckplatten die Rembrandt benutzt hatte, waren zu sehen. Die fand ich allerdings nicht so schön wie die Originale, die ich in einer Ausstellung gesehen hatte. Ein bisschen Patina muss bei Rembrandt schon sein.

Noch eine heiße Schokolade in einem Café…dann nach Hause zu einem türkischen Abendessen…unterwegs war ich noch lange an der Tür eines Lokals gestanden, in dem wunderbarer Live Jazz gespielt wurde…traumhaft.

Am 1. Tag des Monats nehme ich mir in der Regel Zeit, meine Aufzeichnungen des vorangegangenen Monats zu lesen, zu planen, zu beten….das habe ich, weil ich gestern den Tag mit Freunden verbringen wollte, auf heute verschoben.


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Behali – Fair Trade Möbel

Als Kind und Teenager hatte ich den Traum, irgendwann mal ins Ausland zu gehen, und dort etwas zu bewegen und zu verändern.  Das Leben hat mich anders geführt. Dennoch bewegen mich Schicksale wie die der Menschen im Hunza Tal in Pakistan, deren Häuser nach wie vor überflutet sind.  Mich bewegt das sehr und ich überlege seit Wochen, ob und wie ich da effektiv helfen kann.

Es begeistert mich, wenn ich Projekte entdecke und unterstützen kann, die auf konkrete,  nachvollziehbare und nachhaltige Art und Weise helfen.  Wie Safran statt Opium oder Behali.  In Pakistan fertigen Schreiner wunderschöne Möbel aus alten Türen und Fensterrahmen, die sonst weggeworfen werden. Die Leute von Behali zahlen faire Preise, importieren die Möbel und verkaufen sie in Berlin.

Ich finde das genial. Das ist ein Projekt, das auf so vielen verschiedenen Ebenen gut ist: Es schafft Arbeitsplätze – in einer Bevölkerungsgruppe, die sonst wenig Perspektiven hat. Wunderschönes altes Handwerk wird erhalten und die Techniken an eine neue Generation weitergegeben. Und nicht zuletzt bekommen Menschen in Berlin Kontakt zu einer faszinierenden Kultur und die Möglichkeit, sich ein Stück davon in ihre eigene Welt zu holen.

Ich finde es sehr schön. Und überlege, wie ich das weiter unterstützen kann.


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Reicher Freundschaftstag

Potsdamer Platz - Kunst und WerbungIn den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, auf welch unterschiedliche Art und Weise meine Freunde mein Leben bereichern (und ich ihres hoffentlich auch). Bei manchen fühle ich mich eher geborgen, mit anderen tausche ich Gedanken und Ideen aus, mit wieder anderen erlebe ich viele Dinge zusammen.

So wie heute mit meinem Freund Derek, der gerade zu Besuch ist….wir waren Kaffee trinken, dann hatte ich ein Mentoring – Gespräch mit jemand anderem- Danach waren wir Schuhe kaufen – und ich hab tatsächlich welche gefunden, die bequem und cool waren. Er ist Schuh-Fetischist und genialer Berater.

Dann waren wir in einer irren Ausstellung: Olafur Erikson: Innen Stadt Außen. Dort wurde ganz viel mit Spiegeln, Licht und Schatten-Effekten gespielt, z. B. in einem Raum, in dem so dichter bunter Nebel war,  dass man nur ein paar Meter weit sehen konnte. In einem anderen Raum konnte man mit seinem eigenen, fünffachen Schatten tanzen. Total cool.

Im blauen Nebel

Das hat so inspiriert, dass wir gar nicht anders konnten, als füreinander zu beten und all das Gute, was wir dem anderen von Gott her wünschen, zu erbitten. Mitten in den Ausstellungsräumen. Warum auch nicht.

In der Akademie der Künste haben wir ein bisschen entspannt und noch mal Zeit genommen, für Segen zu beten. Vor dem Reichstag haben wir anschließend mit riesigen Seifenblasen gespielt. Schließlich haben wir in einem edlen Lokal im Hauptbahnhof von wo aus man aufs erleuchtete Bundeskanzleramt blickt den wunderbaren, vollen, aber nicht anstrengenden Tag ausklingen lassen und mit einem 2 Minuten Mini-Sparziergang über den Ku´damm beendet. Ganz zum Abschluss gab es noch ein Mini-Feuerwerk…aber das hatten wir gar nicht geplant.

Ich danke Gott so sehr für meine Freunde….bin tief dankbar.


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Endlich

Endlich

Er ist wieder da,
der lang ersehnte Geliebte.
Er tanzt durch die Straßen,
sammelt unsere Mäntel und Mützen ein.
Uns wir lächeln und lachen
und breiten die Arme aus.
Willkommen
lieber Frühling.

Anne Steinwart


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