Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Archiv für ‘Liebe’ tag

“Ja” sagen

29.04.2011 um 4:53 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Besser Leben,Beziehungen

Aus aktuellem Anlass:

Ja sagen – einander annehmen und stärken

Liebe ist der Entschluss, das Ganze eines Menschen zu bejahen, die Einzelheiten mögen sein wie sie wollen. – Otto Flake

Millionen von Menschen aus aller Welt sahen zu, als sich Prinz William von England und Catherine Middelton im April 2011 das Ja-Wort gaben. Was ist das Besondere an diesen zwei Buchstaben (oder im Englischen fünf „I will“), dass sie bei jeder Trauung erneut zu Tränen rühren und Millionen von Menschen sie sehen und hören wollen.

Es sind wohl weniger die Worte die rühren, als das, was dahinter steht. Die Aussage, den anderen zu bejahen, zu ihm zu stehen, ihm beizustehen. Das Versprechen, in guten wie in bösen Tagen an seiner Seite zu sein und sich gegenseitig zu stärken.

Jeder Mensch braucht es, dass andere ihm sagen, „Ja, ich will – dich. So wie du bist, nehme ich dich an. So wie du bist, stehe ich zu dir. So wie du bist, gehe ich mit dir.“ Und jede Liebe, die auf Dauer leben will, braucht dieses ganz grundsätzliche Ja zueinander. Man nimmt den anderen an, so wie er ist. Ganz. Anders gibt es ihn nicht. Das ja akzeptiert die Realität. Es heißt nicht, dass man jede Eigenschaft des Partners fantastisch finden muss – das wäre unrealistisch. Aber in dem „Ja“ verbirgt sich die Entscheidung zu dem anderen Menschen zu stehen.

Ein echtes „Ja“ ist bedingungslos. Es ist nicht an die Umstände, an Gesundheit, Krankheit, schöne und weniger schöne Zeiten geknüpft. Es ist vielmehr in der Entscheidung gegründet, voll und ganz zu dem anderen zu stehen.

Das „große“ Ja kann und darf immer wieder erneuert werden, wenn man der Liebe Bestand schenken will. In den Widrigkeiten des Alltags sieht man am anderen viele Dinge, die eher ein „Nein“ hervorrufen: Die eine oder andere Macke des Partners. Die ewig offene Zahnpastatube, schlechte Angewohnheiten oder fehlende Einfühlung. Die Liebe gerät dann ins Wanken, wenn man aus dem Blick verliert, dass da „Ja“ sich nicht in der Perfektheit des Partners gründet, sondern in der eigenen Entscheidung für ihn in seiner Gesamtheit.

Vielleicht rührt uns das „Ja“ bei Hochzeiten so sehr, weil es etwas Göttliches hat und uns an daran erinnert, dass ein verlässlicher Partner einen ewigen, unverbrüchlichen Bund für Zeit und Ewigkeit mit uns anbietet. Nicht weil wir perfekt sind – wir alle sind weit davon entfernt – sondern weil er liebt.

Eine Partnerschaft tut gut daran, sich immer wieder zu erinnern, dass das „Ja“ zum anderen nicht im Wohlverhalten des anderen begründet ist, sondern in dem eigenen Entschluss, zum ihm oder ihr zu stehen. Ein solches, bedingungsloses „Ja“ bildet das Fundament einer tragfähigen Partnerschaft– auch wenn es nicht immer so pompös gefeiert wird, wie im England Anno 2011.

Der Text ist  ein noch nicht lektorierter Auszug aus meinem neuen Buch “Liebe. Schlicht und ergreifend.”, das im September erscheint.

Das erste Buch der Serie: “Gebet. schlicht + ergreifend” ist vor kurzem beim Down to Earth Verlag erschienen. In Zusammenarbeit mit SCM R. Brockhaus

 

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Die vier Phasen der Liebe

08.12.2010 um 4:17 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein,Beziehungen

Herz in der HandEin Freund erklärte mir neulich, dass jede Liebe durch vier Phasen geht (er hat das aus einem schlauen Buch).

- Schlecht informierter Optimismus: die berühmte rosarote Brille
- Gut informierter Pessimismus: Das unsanfte Erwachen auf dem harte Boden der Tatsachen
-Informierter Optimismus: : Gar so schlecht ist der andere nun doch wieder nicht
- Hoffnungsvoller Realismus: Man weiß, was man am anderen hat und was auch nicht.

Er erzählte mir, dass die viele Beziehungen den Sprung von Phase 1 nach Phase 2 nicht schaffen. Wenn der andere dann doch nicht so traumhaft ist, wie man dachte, gibt man auf und begibt sich erneut auf die Suche nach jemandem, der “besser” ist, besser zu einem passt, mehr Träume erfüllt.
Ich vermute mal, dass das nicht nur auf Liebesbeziehungen, sondern auch auf Freundschaften und sogar auf die Beziehung zu Gott zutrifft. Da hängt auch am Anfang der Himmel voller Geigen: Gott vergibt, Gott ist gut, ein wunderbarer Neuanfang im Leben und ganz viele neue, wunderbarer Geschwister.
Beim Weiterleben entdeckt man dann: Gott erfüllt nicht alle Wünsche und Träume, manche Gebete werden anders oder nie erhört und die wunderbaren Geschwister haben auch die eine oder andere Schwachstelle…wie man selbst ja auch.
Schafft man es, durch diese Phase der Desilliusionierung hindurchzugehen, entdeckt man. Gott ist doch in allem gut. Die anderen haben – neben den Macken – auch viel Gutes. Und ja, es ist trotz allem, was vielleicht unerfüllt bleibt, doch auch sehr viel Grund zur Dankbarkeit und Hoffnung.

Falls ihr noch ein bisschen leichte Kost über die Liebe genießen wollt, empfehle ich euch das, was Kinder in der Sendung mit der Maus zu Liebe sagen.

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Loki Schmidt und die Schmidts

08.11.2010 um 6:30 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Beziehungen

Der Tod von Loki Schmidt ist mir sehr nahe gegangen. Zum einen, weil es traurig ist, dass unser Land, diese unkomplizierte, kluge und lebenserfahrene Frau verloren hat – und Helmut Schmidt seine Lebensgefährtin. Die Frau, die seit seiner Schulzeit mit ihm durch dick und dünn ging. Und deren gemeinsamer Nachname so schlicht und normal war, wie die beiden selbst. Die Schmidts eben.
Traurig bin ich aber auch, weil durch Loki Schmidts Tod ein Traum geplatzt ist. Ich träume schon seit langem davon, mal ein Buch über Paare zu machen, die seit langem glücklich verheiratet sind. Die Schmidts wären eines der ersten Paare gewesen, die ich gern interviewt hätte. Wenn ich mich getraut hätte, die Idee umzusetzen… Ich dachte immer, ich müsste mehr Erfahrungen sammeln, als Verlegerin noch ein Stück weiter sein, bevor ich so ein Projekt angehe. Jetzt ist es zu spät. Zumindest um beide für das Buch zu interviewen. Aber nicht zu spät, um die Idee mit dem Buch zu verwirklichen. Mal sehen, wie ich es mache.

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Begegnung mit New Yorker Juden

29.07.2010 um 12:52 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Allgemein

Ich genieße die ruhigen Morgenstunden, bevor ich mich auf dem Weg ins turbulente New Yorker Leben machen, um ein wenig zu erzählen….

Als ich Gestern Morgens in Brüssel in die Maschine nach New York stieg fiel mir wieder auf, wie viele Juden auf der Strecke fliegen – viele erkennbar an der Kippa, den dunklen Anzügen und Hüten, manche mit Schläfenlocken und Bärten, andere ohne, manche Frauen aus konservativen Familien mit Kopftuch unter dem sich nur dann und wann eine Locke hervorstahl.

Der Jude, der mit seinem Sohn hinter mir saß, hatte bei der Fluggesellschaft koscheres Essen vorbestellt, da das nicht standardmässig an Bord erhältlich ist. Das hatte nicht geklappt. Wie schon vor zwei Jahren nicht, als – ebenfalls auf dem Flug nach New York – ein jüdisches Paar neben mir saß, die auch kein Essen hatten. Ich konnte ihnen nicht einmal etwas von mir anbieten. Nach meiner – begrenzten – Erfahrung scheint das öfter zu passieren, dass das mit dem Essen nicht klappt. Ich frage mich, warum die Fluggesellschaften keine Schlüsse daraus ziehen und auf Strecken, die von Juden frequentiert werden, standardmässig zwei oder drei koschere Essen mehr an Bord haben. Vermutlich ist das Problem bei den Verantwortlichen noch nicht angekommen.

Im Büro einer Freundin hab ich meinen Koffer abgegeben und mich auf den Weg zum Bryant Park gemacht. Nach Abenteuer war mir noch nicht, erst mal nach entspannen und ausruhen. Dort betrachtete ich die Menschen, als mich ein älterer jüdischer Herr ansprach. Vielleicht 60 oder 70….bei Männern mit Bärten kann ich das schwer abschätzen. Er fragte mich, warum ich so warm gelächelt hätte. Ich erzählte ihm, dass ich gerade darüber nachgedacht habe, wie vielfältig und bunt die Menschen sind, die hier in diesem Park sind.

Er: “Dann bist du nicht von hier, sonst würde es dir nicht auffallen.”

Wir kamen ins Gespräch. Ich war erst etwas unsicher. Ich kenne mich zu wenig aus, um an der Kleidung abschätzen zu können, wie konservativ jemand ist. Ich weiß, dass manche ganz orthodoxe Juden gar nicht mit fremden Frauen sprechen würden – erst recht nicht mit welchen, die mit schulterfreien Tops im Park liegen. Er fragte mich, ob ich verheiratet sei und Kinder habe. Als ich verneinte, wollte er wissen, warum nicht…Normalerweise finde ich derartige Fragen eher etwas zu indiskret, aber hier schwang echtes Verstehen wollen des für ihn Unverständlichen mit.

Er erzählte mir von seiner Familie. Seine Eltern aus Bratislava und Ungarn hatten den Holocaust überlebt, der Vater hatte in New York einen Handel mit Stoffen begonnen, den er, Joe, weiterführen würde. Der für mich typsich amerikanische Name schien für mich eher zu einem durchtrainierten Baseball-Spieler zu passen als zu einem älteren jüdischen Herrn, der unser Gespräch immer wieder unterbrach, wenn jemand ihn anrief und er auf Jiddisch Dinge erklärte und Anweisungen gab.

Joes Mutter hatte 7 Kinder  - und mittlerweile hat sie 250 Nachkommen. Joe allein hat mit seinen 7 Kindern und mittlerweile 53 (!) Enkeln erheblich dazu beigetragen. Er erzählte mir von einer anderen Frau, die nach dem Holocaust mit 11 Kindern in die USA gekommen war und zum Zeitpunkt ihres Todes mehr als 3000 Nachkommen (Kinder, Enkel, Urenkel, Ur-Urenkel hatte). Angesichts des Millionenfachen Todes im Holocaust ist es für ihn ein Wunder, wie die Juden, die in New York leben, sich vermehrt haben. Ein Wunder. Hoffnung. Sinn.

Er erklärte mir, dass Sympathie und gern zusammen sein, bei der Partnerwahl wichtig wären. Aber das das noch keine Liebe sei: “Liebe wächst mit den Kindern. Am Anfang ist Verliebtheit da. Aber das trägt nicht. Wofür soll man denn leben. Für ein Haus, für ein Auto. Nur Kinder schweißen zusammen.”

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn in allem zustimme. Aber ich kann es verstehen.

Er bat mich, wenn ich wieder in den Park käme, zum gleichen Platz zu gehen…damit er mich finden könnte, falls ich da wäre. Ein warmes Willkommen in einer fremden Stadt.

Mein erster Tag in New York.


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Paare, Kinder und die Liebe

20.07.2010 um 6:18 Uhr | Kerstin Hack | Thema: Beziehungen

Gestern habe ich gelesen, dass 40 % der Eltern, die sich scheiden lassen, sich im ersten(!) Jahr nach der Geburt des ersten Kindes trennen. Bei nicht verheirateten Paaren ist die Anzahl derer, die sich im ersten Jahr nach der Geburt trennen noch höher. Mich bewegt das. Die meisten wollen sich ja nicht trennen. Sie wollen gern zusammen bleiben. Aber irgendwie klappt es nicht.
Eine riesige Tragödie für jedes Paar, jede Familie. Ein Verlust für alle – für die Geschwister, die vielleicht nie gezeugt und geboren werden, die Kinder die fehlen und die Kinder, denen es fehlt, dass Mami und Papi zusammen und bei ihnen sind.
Ich frage mich, was man tun kann, um junge Familien zu unterstützen, dass sie Wege miteinander finden, die herausfordernden Baby-Jahre zu meistern.

Im Kontrast dazu habe ich gestern eine Mail von einem Mann bekommen, der seine seit Jahren schwer Demenzkranke Frau pflegt. Sie kann nicht mehr mit klaren Worten kommunizieren kann, muss gewickelt, gepflegt und gefüttert werden. Dennoch steht unter jeder Mail, die er schreibt, nicht nur sein Name als Signatur, sondern auch ihrer.

Er schrieb mir, dass seine Liebe zu ihr immer noch wächst und stärker wird.


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