Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Reisen

Hat alles einen Sinn?

Am Wochenende habe ich ein Seminar zum Thema „Swing. Dein Leben in Balance“ in Oldenburg gehalten. Nachmittags gab es lecker Kaffee und Kuchen und ich trank – durstig vom vielen Reden – mehrere Tassen Tee. Die wollten sich – als ich später im Zug saß, verabschieden.
Also machte ich mich in einem von Weihnachtsmarkt-Besuchern völlig überfüllten Zug auf die Suche nach einer funktionierenden Toilette. Ich ging – ehrlich – einmal komplett durch den ganzen Zug. Acht Toiletten waren defekt. Erst die allerletzte funktionierte. Leicht frustrierend. Ich wollte eigentlich lieber gemütlich lesen und entspannen, als einen Teil der Zugfahrt mit Wanderungen durch überfüllte Wagons zu verbringen.
Auf dem Rückweg hörte ich plötzlich ein „Hallo, Kerstin“. Eine Frau, die vor einem Jahr an einem unserer „Hütte-Seminare“ teilgenommen hatte, sprach mich an. Es war schön, sie zu sehen. Ohne die überfüllten Klos hätte ich sie wohl kaum gesehen.
Den nächsten Zug erreichte ich – wegen Verspätung – nur mit Sprint. Ich stieg in einen Wagon ein – und wollte fast wieder rückwärts raus. Es stank total eklig nach kaltem Schweiß. Da wollte ich nicht eine Stunde lang bleiben. Also einen Wagon weiter…Gerade als ich saß, wieder ein „Hallo, Kerstin..“ Ein Kollege aus Süddeutschland saß im gleichen Zug. Er hatte in der vorausgegangenen Woche gleich zwei Mal an mich gedacht, wollte mich um Unterstützung für Projekte bitten, hatte den Gedanken aber verworfen, weil er dachte, dass ich sehr beschäftigt bin. So hatten wir eine Stunde Zeit, um über die Projekte und Persönliches zu reden. Gut so.
Im nächsten Zug – war ich endlich gerade ein bisschen eingedöst, als mich mein Sitznachbar wieder weckte, der gerade vom Speisewagen zurück kam. Wir kamen ins Gespräch – über Bücher und Ebooks und er kaufte gleich „Krisen“ unser erstes Impulsheft, das es als App fürs Iphone gibt.
Am Wochenende hat mich ein Gespräch mit einem jungen Mann sehr bewegt. Er leidet an einer chronischen Krankheit. Und Leute haben ihm gesagt: „Das hat sicher alles seinen Sinn.“
Ich glaube nicht, dass alles automatisch seinen Sinn hat. Wir leben in einer Welt in der vieles wunderbar, aber auch einiges reichlich kaputt und zerstört ist. Kaputte Toiletten, stinkende Zugabteile, Menschen, die einen aus dem Schlaf wecken und chronische Schmerzen – all das hat aus meiner Sicht erst mal keinen Sinn.
Aber in allen Situationen haben wir – durchaus mit Gottes Hilfe – die Möglichkeit Sinn zu geben. In dem wir aus den vorhandenen Begrenzungen das bestmögliche machen. Indem wir gestalten, was wir gestalten können. Bei chronischen Krankheiten hat man oft keine Möglichkeit, den Krankheitsverlauf zu gestalten – wohl aber seine Einstellungen und dem Umgang damit. Hier kann man Sinn finden und Sinn geben.
Und ich halte es durchaus für legitim, Gott zu bitten, einzugreifen und zu handeln und „enge“, schwierige Situationen zu transformieren. So hatte vor meiner Abfahrt eine Frau für mich gebetet, dass ich eine gute Zugfahrt haben würde…

Reisen und schreiben

Hier auf dem Blog war es etwas still…was vor allem daran lag, dass ich viel zu Vorträgen und Terminen unterwegs war und bin. In diesem Monat: Stuttgart, Esslingen, Kirchheim, Hagen, Gießen, Siegen, Halle, Bernburg.
Und dass ich nebenbei mein neues Buch fertig gemacht habe: Gebet. Schlicht und ergreifend. Jetzt ist noch der letzte Feinschliff dran, dann geht es in den Druck. Ich hab gestern vor Glück gejubelt, als ich die Endfassung gesehen habe – ich finde es wunderschön. Eben schlicht und ergreifend.



Ein junges Land

Am westlichen Punkt meiner Reise angekommen, bewegt es mich nach wie vor, wie jung dieses Land ist, wie viele Ereignisse, die ich als „historisch“ abgespeichert hatte, erst vor recht kurzer Zeit passiert sind.

Der Goldrausch und die damit verbunden Entwicklung der Stadt Sacramento, in deren Innenstadt noch einige echte Westernhäuser erhalten sind, war vor etwas mehr als Hundert Jahren.

Gerade wohne ich in einem der wenigen Häuser in San Francisco, das das verheerende Erdbeben von 1906 und die Brände, die fast die ganze Stadt zerstörten, überstanden hat.

Gestern habe ich einem Mädel von Rosa Parks, dem Montgomery Bus Strike und Martin Luther King erzählt…auch das ist noch kein Menschenleben her…ich habe sogar mal den Assisten von MLK jr., wie er hier heißt, kennen gelernt.

Ich kann jetzt besser verstehen, warum Obama in seinen Reden – wie kürzlich an der Uni in Texas – so oft darauf hinweist, dass die Nation noch im Werden ist. Er tut es – weil es stimmt. Und weil es nach wie vor – anders als in Ländern, die schon fester geformt sind, hier noch viel mehr möglich ist und Menschen gebraucht werden, die diese Möglichkeiten zum Wohl aller nutzen.


Share


Halbzeit

Gestern habe ich mit Trauer festgestellt, dass die Hälfte meines wunderbaren Urlaubs schon vorbei ist. So lange habe ich noch nie in meinem Leben Urlaub gemacht. Bisher ging das auch kaum, weil es schwer möglich war, den Verlag so lange alleine zu lassen. Mittlerweile ist aber mein Team so gut eingespielt, dass ich die Verantwortung gut in ihren Händen lassen kann und weiß, dass die Sachen gut laufen. Das ist soo entlastend und tut mir gut, richtig Urlaub zu machen.

Heute Morgen bin ich mit Übelkeit, Kopf- und Rückenschmerzen aufgewacht…vermutlich hab ich – bei 40 Grad im Schatten! – zu viel geschwitzt und zwar viel getrunken, aber nicht genug Mineralien aufgenommen. Dass ein Gewitter im Anzug ist, macht es nicht unbedingt besser. Meine Freunde haben mich mit Massage und Elektrolyd-Wasser wieder aufgepäppelt. Ich gönne mir heute trotzdem einen sehr faulen Tag. Bisher hab ich hier nur das Kapitol (größer als das in Washington) gesehen – die anderen Sehenswürdigkeiten müssen einfach warten.

Meine Freunde hier, bauen ein Netzwerk von Künstlern auf. Im Bloom House können Künstler ne Weile leben und Arbeiten. Mode, Film, Schreiben – hier kommt eine Menge Kreativität zusammen. Gerade sind die meisten verreist, aber sie werden gegen Ende meiner Zeit wieder auftauchen.


Share


Der Süden und die Waltons

Arkansas ist einer diese Staaten, die in der Mitte von Nirgendwo sind. Es ist nicht der klassische Amerikanische Süden wie Virginia und Carolina, auch nicht der Südwesten wie Texas. Irgendwo dazwischen. Und heiß.
Wenn es für mich ein Bild für den Amerikanischen Süden gibt, dann ist es der Schaukelstuhl. Vielleicht hab ich als Kind zu oft „Die Waltons“ gesehen…aber weiße Schaukelstühle sind für mich DAS Symbol der Südstaaten. Ich war total begeistert, als ich auf der Zwischenlandung in Charlotte, North Carolina im Wartebereich des Flughafens Dutzende von Schaukelstühlen entdeckte….wunderschön, entspannend. Ob die Südstaatler eine andere Mentaltität entwickelt haben als die Nordstaatler, WEIL sie so viel Zeit in Schaukelstühlen verbrachten oder ob der Schaukelstuhl Ausdruck der anderen Mentalität war – ich weiß es nicht.
Jetzt bin ich in Fayetteville. Vor einem halben Jahrhundert war das ein verschlafenes Nest. Die Frau eines Geschäftsmannes, sagte ihrem Mann, er könne tun, was er wollte, sie würde ihn unterstützen. Unter der einen Bedingung, dass sie in einer Stadt wohnen würde, die nicht mehr als 20.000 Einwohner hätte. Also zogen sie nach Fayetteville. Und von der Mitte von Nirgendwo aus baute ihr Mann sein Unternehmen auf. Er hieß auch Sam Walton…seine Firma benannte er nach den ersten Buchstaben seines Nachnames: Walmart.
Die Firmenzentrale ist nach wie vor hier in Fayetteville….die Stadt ist mittlerweile etwas gewachsen. Nicht zuletzt durch die Manager der Zulieferfirmen, die alle hier – das war Bedingung von Walmart – Büros eröffnen mussten. Sie bauten sich schicke Villen in der Umgebung, die neben heruntergekommen Farmen und Kuhweiden stehen. Trotz der schicken Häuser und Kultureinrichtung ist hier alles noch sehr ländlich und provinziell.
Hier bin ich um Amy zu besuchen, die ich seit 15 Jahren kenne und deren Mann letztes Jahr ganz plötzlich gestorben ist. (Ich hab in meinem Buch „Die Hütte und ich“ darüber geschrieben, wie sehr mich das bewegt hat.). Sie wohnt noch nicht sehr lange hier…ich kannte sie und ihren Mann länger als all die anderen Leute, die sie hier kennt. Sie sagte mir gestern, wie gut es ihr tut, mit jemanden zu reden, der sie und ihn so lange kannte.


Share


Fauler Samstag und Williamsburg

Fauler Samstag. Lange Trödeln. Frühstücken mit Freunden. Das eine oder andere tun. Später am Nachmittag nach Williamsburg – nördliches Brooklyn. Ein sehr gemischter Stadtteil. Trendy und hip auf der einen Seite, voll mit jungen Menschen aus aller Welt, die die unterschiedlichsten Outfits durch die Straßen tragen.

Eher gleichförmig auf der anderen Seite. Chassidische Juden, mit den (fast) gleichen Mänteln, Hüten, Schläfenlocken und Perücken (die Frauen), die in Wohnungen mit vergitterten Fenstern leben. (Warum hab ich nicht rausgefunden…vielleicht, damit die vielen Kindern nicht in Gefahr kommen???).

Videoabend auf einer Dachterasse von Freunden meine Freunde. Noch faszinierender als der Film das Panorama: Blick auf Manhattan mit Empire State Building und allem, was sonst noch dazu gehört, Williamsburg Bridge, Manhattan Bridge, Brooklyn Bridge – alles im Licht der untergehenden Abendsonne. Fast wie im Film.


Share


Kleine Highlights

Meine Highlights des gestrigen Tages:

– Ein Mann, der mich fragte, ob ich das Feuerwerk am 4. Juli gesehen hatte. Als ich verneinte, zeigte er mir auf einem Mini-Handy-Display (ca. 1,5 x 2 cm) seine unscharfen Bilder. Es war kaum etwas zu erkennen – außer seiner Begeisterung.

– Edel-Lebensmittelladen in Soho. (Abkürzung für South of Houston Street). Ästhetisch ein Genuss.

– Ein wunderschöner Geldbeutel in Down to Earth Grün mit ganz vielen tollen Fächern. Angesichts des Preises (Heruntergehandelt auf 68 Dollar) habe ich es dort gelassen. Schade.

– Richtig schöne Lederhandtaschen – reduziert um 70% ….Bei einem Ausgangspreis von 500 + Dollar noch jenseits meines Budgets.

– „Bound for success“ Eine Ausstellung der Wettbewerbssieger eines internationalen Buchbindewettbewerbs. Traumhaft schöne Bücher.

– Open Air Konzert in Long Island. Goo goo Dolls sind nicht ganz meine Musik…auch wenn ich einige Lieder sehr schön fand. Aber die Umgebung, Open Air direkt am Meer, war einfach unschlagbar schön.

Heute…trödeln…Samstagskram…mit meinen Freunden Haushalt machen…entspannten Nachmittag und Abend mit Freunden…


Share


Schlank packen

Ich habe meinen persönlichen Rekord im schlank packen gebrochen. Für einen richtigen Urlaub nur einen Koffer in Flugzeug-Kabinengröße und ein mini-kleiner Rucksack.  Ich werde an verschiedenen Orten sein und hatte einfach keine Lust, mit schwerem und unhandlichem Gepäck zu reisen.

Meine Tricks:

Kleidung, die sich gut kombinieren lässt. Röcke, Hosen, Tops und Shirts, die man unterschiedlich miteinander kombinieren kann.

Einweg-Kleidung. Dinge, die man nicht wieder zurück nimmt – z. B. der Rock, der noch okay ür Strand und Grillpartys ist, aber nicht mehr City-tauglich. Der wird die Rückreise nicht mehr antreten…dafür ist dann Platz für Anderes. Das erleichtert den Abschied.

Bücher und Infos so weit wie möglich elektronisch mitnehmen. Ich hab mir die Losungen und jede Menge sonstiger Leseproben aufs Handy geladen. Textunes ist da klasse.  Außerdem ne Menge Notizen (Adressen etc.) die ich sonst in Papierform mitnehmen würde. [Klar, kommt trotzdem auf Papier gedrucktes mit.]

Kosmetik in kleinen Größen. Probepackungen oder Tiegel,  die nicht mehr voll sind reduzieren gewaltig.

Meine größte Herausforderungen.

– Bücher – weil ich Papier trotz allem liebe.

– Ladegeräte für Elektronik-Geräte, Kamera, Handy…. (warum können die verschiedenen Hersteller sich nicht auf EIN Format einigen).

– Kontaktlinsen-Mittel. Okay. Kann man auch unterwegs kaufen. Aber ist nicht ideal.

Jetzt freu´ich mich über meinen Pack-Erfolg – aber noch mehr darüber, dass es Morgen losgeht!

Share


© 2017 Kerstin Pur

Theme von Anders NorénHoch ↑