Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Renovierung

Schiff: 99,5% fertig – mit Ballsaal

Flur Anfang Mai

Nach einem langen, intensiven Tag, genieße ich jetzt an Deck die Abendstille und die noch immer laue Luft .

Heute Morgen ist Bootsbauer Helge von Bord gegangen, nachdem er mal wieder zwei Wochen hier war, um weiterzubauen.

Schwerpunkt neben 10.000 Kleinigkeiten war der Eingangsbereich. Da gib es jetzt

  • Korkfussboden im Eingangsbereich
  • Eine leicht abklappere Arbeitsplatte in der Gästeküche
  • Eine ordentliche Sammelstelle für Flaschen
  • Zwischenböden im Schuhregal
  • Ein extra Ablage für meine 20 Schals
  • Einen eingebauten Filter für Trinkwasser
  • Eine ordentliche Abfall-Sammelstelle
  • Eine Kaffeemaschine – vor allem für Seminarbesucher und Gäste
  • Einen sicheren Stehplatz für die Queen (die war am Tag des Brexit von ihrem Platz gestürzt und hatte ihren Kopf verloren. Den haben wir wieder fest geklebt. Und ihr einen neuen, sicheren Standort spendiert,

Flur Mitte Juni

Jede einzelne bauliche Veränderung macht das Leben an Bord leichter oder schöner. Emotional und optisch macht der hell lasierte Kork natürlich den größten Unterschied. Statt das Empfinden zu haben, in einer engen Höhle zu sein, fühlt man sich nun wie in einem Tanzsaal.

99,5 % Basis-fertig 

Mit so einem Projekt ist man nie richtig fertig. Natürlich fehlen noch 1000 Kleinigkeiten und ein paar Großigkeiten z. B. ein guter Kamin für den Seminarraum.   Doch wenn man immer auf das was rein theoretisch perfekt fertig sein und noch gemacht werden könnte, schaut, wird man nie fertig. Und hat nie den Genuss, diese wunderbaren drei Worte auszusprechen: „Ich bin fertig!“

Deshalb habe ich für mich drei Stufen definiert

Stufe „Basis-fertig“ heißt: Alles funktioniert. Dazu fehlen aktuell noch

  • Eine Tür im Seminarraum
  • Ein Aufbewahrungsschrank für die Gästeküche (obwohl die dafür improvisierten Obstkisten auch einen guten Dienst tun)
  • Schubladen im Badezimmer
  • Funktionierender Herd in meiner Küche

Stufe „Luxus fertig“ heißt: Alles ist schick

  • Im Seminarraum gibt es einen guten Kamin und einen edlen Tisch für Coaching
  • Die Treppe nach unten ist auch für ungeübte Kletterer gut zu bewältigen
  • Alle Ecken und Kanten sind verkleidet
  • Der Maschinenraum hat Wandverkleidung satt tiefschwarzer Isolierung
  • Der Weg zu den Gästezimmern hat auch Korkfussboden
  • Einbauschrank im Gästezimmer oder Schubladen.
  • Lüftung fürs ganze Schiff (80% fertig)
  • Schicke Lampen… zum Teil improvisieren wir noch mit an die Decke geschraubten Marmeladegläsern

Stufe „Außen fertig „ heißt: Auch außen ist alles ist schick

  • Gute Sitz- und Liegemöbel für alle Besucher und Gäste (ok, für mich auch)
  • Holzfussboden statt Metall, das im Sommer sehr heiß und im Winter sehr glatt wird
  • Blumenkästen am Dach
  • Gute, leicht tragbare Kajaks oder Kanus
  • Eine angenehme Feuerstelle / Feuerkorb
  • Erweiterung der Solaranlage, damit das Schiff aus im Winter gut Licht hat.
  • So sah es am Anfang aus…

    ,,,

Es bleibt noch einiges zu tun. Aber fürs Erste freue ich mich über all das, was geworden ist.

So sah es am Anfang aus…99,5 & ist schon ganz schön weit, wenn man daran denkt, wie es am Anfang aussah.

Aber das Schönste ist: Das Schiff erfüllt – egal ob 70 oder 99% fertig, seinen Zweck. Vor ein paar Tagen waren mal wieder drei junge Frauen an Bord, die nach Orientierung für ihr Leben suchen und sich fragen, ob Deutschland und eventuell Berlin der Ort sein könnte, an dem sie einen Auftrag haben. Sie zu beherbergen, mit ihnen zu sprechen und sie bei der Suche nach Antworten zu unterstützen, das ist der Auftrag des Schiffes und von mir ganz persönlich.

Und es macht glücklich, wenn wir – mein Schiff und ich – das Leben können, was unsere Bestimmung ist.

 

Schiff, Opferanoden und Ostern

005Das Schiff ist fertig geschweißt, alles ist dicht, wir müssen nur noch mit Unterbodenfarbe streichen, dann sind die Werftarbeiten fertig. Bei dem nasskalten Wetter kann man leider nicht streichen, deshalb machen wir jetzt eine Pause. Eine gute Gelegenheit, um etwas Hintergrund zu erklären.

Das Schiff ist aus Stahl. Das Wasser im Kontakt mit Eisen erzeugt eine Galvanische Zelle ( Batterie ) wobei der Sauerstoff in Kontakt mit dem Eisen Korrosiv wirkt und der Stahl dann korrodiert und verrostet. Schon alleine der Kontakt des Stahls mit dem Wasser führt dazu, denn Stahl und Wasser vertragen sich prinzipiell nicht. Der Stahl geht dann früher oder später kaputt.

Um das zu verhindern, werden am Schiff sogenannte Opferanoden angebracht. Das sind – vereinfacht gesprochen Klumpen aus aus minderwertigerem Metall. Die opfern sich wie der Name schon sagt, selbst auf. Werden als erstes zerfressen, der Stahl des Schiffes bleibt dadurch geschützt.

In der Regel bestehen die Opferanoden bei Schiffen im Meerwasser aus Zink, bei Schiffen in Süßwassergebieten aus Magnesium. Magnesiumanoden können auch im Brackwasser verwendet werden. Sie bieten vollen Schutz, werden aber schneller als Zinkanoden abgebaut.

Die Opferanoden (der graue Klumpen auf dem Bild oben) werden alle paar Meter an der Außenwand des Schiffes angebracht. Damit die Spannung zu den Opferanoden geleitet wird, wird das Schiff darüber hinaus mit einer metallhaltigen, leitfähigen Farbe gestrichen (Unterwasseranstrich).

Bei meinem Schiff sind da ein paar Sachen schief gegangen. Vermutlich beim letzten großen Werftbesuch wurden einige Anoden neu angebracht. Nur irgendwelche Helden haben das Schiff mit einer Mischung aus Zink – und Magnesiumanoden bestückt. Die heben die Wirkung gegenseitig auf. Außerdem wurde das Schiff nicht mit metallhaltigem leitfähigem Lack gestrichen. Das Ergebnis: Der Korrossionsprozess konnte im vollen Umfgang stattfinden.

In hinteren Teil des Schiffes (Heck), der in der Regel ohnehin immer mehr angegriffen ist, war der Stahl ziemlich kaputt. Zum Teil nur noch einen Millimeter dünn oder ganz verrostet – allein durchs Abspritzen auf der Werft, brachen Löcher aus. Das Heck war der Bereich, der bei der Besichtigung vor dem Kauf nicht zugänglich war. Da der Stahl an anderen Stellen gut bis sehr gut war, haben uns die Schäden, die in der Heftigkeit nicht zu erwarten waren, richtig überrascht.

Jetzt ist alles geschweißt. Demnächst bekommt das Schiff noch einen Unterwasseranstrich. Der ist 3-schichtig. Eine leitfähiger Primer (erste Schicht), dann Farbe und dann Antifouling, das verhindert dass sich Muscheln und Algen am Boot ansetzen. Dann kommen neue, gute Opferanoden aufs Schiff. Dann ist Ostern….

Auch im symbolischen Sinne. Für mich ist die Renovierung am Schiff zu einem interessanten Gleichnis für das Leben geworden. Wir alle fahren mit unserem Lebensschiff durch mal raue, mal stürmische Wellen. Ab und an schlagen wir Leck, wenn wir auf Eisberge oder Felsen rammen. Doch diese großen Katastrophen sind eher selten.

Viel häufiger ist, dass unsere Stahlhaut durch innere Spannungen angegriffen wird. Wir stehen unter Strom. Und wenn wir das nicht gut ableiten, dann zerfrisst es uns. Früher oder später.

Da gibt es einen, der sich als Opferanode anbietet: Ich bin da, leite den Stress, den Schmerz, den Frust, den Ärger für dich ab. Doch wir werfen die Opferanode über Bord, denken, wir können es alleine schaffen…bis unser Stahl angegriffen oder zerfressen ist und wir im schlimmsten Fall Leck laufen sinken.

Erlösung heißt….da bietet sich einer an, die Schäden, die durch die Ablehnung der Opferanoden entstanden sind, zu reparieren. Das kann schmerzhaft sein. Da muss geschnitten, geschliffen, gehämmert und geschweißt werden, bis das Schiff wieder fahrtüchtig ist.

Ostern heißt: Ich bekomme einen neuen Anfang geschenkt. Die Möglichkeit vom Heiligen Geist liebevoll und schützend umhüllt zu werden (neue Farbe)….und die Möglichkeit, Schmerz und Spannung an den Erlöser (Operanode) abzuleiten. Und mit einem guten Kaptain und neuem Reeder wieder auf Fahrt zu gehen.

Im Bund mit Gott Buch Glauben Rosemarie StresemannFür alle, die das tiefer verstehen wollen: Ich kenne ein geniales Buch, das den Austausch erklärt, der Ostern geschehen ist – was wir loswerden und was wir dafür bekommen. Das Quadro vom Rosemarie Stresemann: Im Bund mit Gott.

 

Auf dem Schiff – Fortschritt erkennbar

Es ist schön, zu sehen, dass es voran geht. Ich bin dem Bootsbauer Karl so dankbar, wie sehr er mich auf dem Laufenden hälst und wie er sich durchbeißt…Platte für Platte, die entrostet und abgeschliffen und neu gestrichen werden muss. Das meiste macht er allein…

Die Leistung, die das bedeuted kann vermutlich nur derjenige abschätzen, der das Schiff vor der Renovierung gesehen hat (siehe Bild unten rechts)

Der Bootsbauer Karl Maria Kinsky ist übrigens auch ein genialer Musiker. Ihr könnt ihn für Konzerte und Events buchen…

Es ist noch ein gutes Stück Weg, das vor uns liegt. Nach wie vor brauchen wir

Material: Holz, Farbe, zwei schöne Kaminöfen, Fenster, Metall….

– Mitarbeiter: Wer Zeit und Lust hat, ein paar Stunden oder Tage in Hamburg mitzuhelfen – herzlich willkommen.

– Finanzen: Eine Stunde Renovierung kostet (Material und Personal) so ca. 30 Euro. Da kommt was zusammen.

– Gebet: Es ist ein Geschenk, wenn Dinge gut voran gehen…ein Geschenk, um das man bitten kann.

– Geduld: Es ist noch eine große Wegstrecke und viel Arbeit vor uns…

 

 

 

 

 

 

Jetzt geht es so richtig los – auf dem Schiff

Nach einigen Verzögerungen wird es jetzt so richtig ernst (oder eigentlich nicht ernst, sondern vielmehr richtig schön): Heute geht Karl, der Bootsbauer an Bord und beginnt mit den
Renovierungsarbeiten. Das bedeutet zunächst einmal: Rost entfernen. Wasserfest machen. Streichen. Elektrik und Heizung einbauen.

Das geschieht alles in den nächsten Wochen und Monaten in Hamburg-Harburg, wo das Schiff noch liegt.

Wir brauchen für die gesamte Renovierungszeit bis Ende Oktober Leute, die gern mithelfen wollen. Ein paar Stunden. Ein paar Tage. Ein paar Wochen. Das würde das Projekt schneller voranbringen. Und die Kosten im Rahmen halten.

Man braucht kein Handwerker sein. Vorraussetzung ist, mitanpacken zu wollen. Schlafen und Essen kann man an Bord. Nicht gerade komfortabel. Aber einmalig. Und man kann auch angeln, Abends den Feuerkorb anmachen und grillen – Romantik pur.

Das ist auch ideal für Männer-Freunde oder Männergruppen, die mal ein etwas anderes Herrenwochenende machen wollen. Frauenwochenenden natürlich auch. Und die dazu beitragen wollen, dass ein Ort entsteht, an dem Menschen Rat und Hilfe empfangen können.

Bei Interesse einfach bei mir melden.

Unser tägliches Boot gib uns heute

Gestern habe ich mal ausgerechnet, dass ich in den nächsten Monaten täglich 50 Euro brauche, um die Renovierung des Bootes zu finanzieren – vor allem die Personalkosten. Das Material ist schon weitgehend bezahlt.

Ich habe überlegt, ob ich für eine Weile das Vater Unser in abgewandelter Form bete: „Unser tägliches Boot gibt uns heute!“ (oder den täglichen Boots-Anteil).

Konkret bete ich, dass ichTag für Tag

– genug Bücher verkaufe

– genug Coaching – Kunden habe

– oder dass Menschen, die das Projekt unterstüzen wollen, für einen oder mehrere Tage das „tägliche Boot“ übernehmen wollen.

 

Ein Traum wird wahr – es geht weiter

Die letzen Wochen waren spanned. Vor allem die Frage der Finanzierung. Und ich habe einfach nur gestaunt wie viel Unterstützung und Hilfe ich bekommen habe. Da waren zum einen Geschenke. Das kleinste waren 50 Cent. Das größte über 1000 Euro. Eine Frau, die im medizinischen Bereich arbeitet, schenkte mir den Lohn einer 24-Stunden-Schicht. Ein Tag geschenkt fürs Boot. Gerade sind Federzeichnungen aus Island auf dem Weg zu mir – mit der Erlaubnis sie zu verkaufen und den Erlös fürs Boot zu nehmen. Kurz: Ich staune einfach nur. Und bin dankbar. Jedes trägt dazu bei, die Last ein Stück leichter zu machen.

Daneben halfen eine Reihe größerer und kleinerer zinsloser Kredite, den ersten großen Berg zu stemmen, ohne teure Bankkredite aufnehmen oder meine Altersversorgung angreifen zu müssen. 50% des Kaufpreises und ca. 50% der Renovierungskosten mussten jetzt gezahlt werden – und konnten. Heute habe ich den letzten Betrag überwiesen. Und bin einfach nur dankbar.

Daneben bekam ich Zusagen für praktische Hilfe, Unterstützung bei der Ausgestaltung. Und auch der Bootsbauer erlebt das eine oder andere kleine Wunder. Er bekam z. B. Balken, die man braucht, um das Boot sicher zu lagern, statt für 300 Euro für nur 80 Euro das Stück….wir brauchen 15 davon. Außerdem entdeckte er ein Glasdach für das Schiff. Und eine hochwertige Heizungsanlage hat er auch schon besorgt – zu weniger als 50% des Preises, die eine gleichwertige Anlage sonst kostet. Lustige Nebengeschichte: Der Verkäufer wollte die Anlage nur komplett mit Heizkesseln und Heizkörpern abgeben, die wir aber gar nicht bauchen (Das Schiff hat schon einen Tank und Heizkörper haben wir auch). Er schickte ein Stoßgebet gen Himmel: „Die Dinger will ich nicht…“ und stellte dann fest, dass Bauarbeiter kurz zuvor das Gebäude so „geschickt“ renoviert hatten (enge Türen), dass es unmöglich war, die Sachen zu entfernen…

Doch nun geht es erst mal rückwärts. Alle hohen Teile müssen vom Schiff abgebaut werden, damit es von Hamburg bis zur Werft hinter Berlin transportiert werden kann – eine logistische Meisterleistung. Aber die „Jungs“ sind dran. In etwa 3 Wochen ist es so weit – dann ist das Schiff endlich auf der Werft.

Dann wird erst einmal ausgeräumt und entkernt. Das sieht dann etwa so aus wie das Bild (nicht mein Schiff, sondern ein baugleiches Schiff). Eine Menge Arbeit. Dann wird das Schiff isoliert und mit Elektrik und Wasser versorgt. Das wird seine Weile dauern. Aber das ist auch gut so. Denn das ganze will gut durchdacht und geplant sein. Am Ende soll ja alles gut funktionieren – so ökologisch wie möglich. Und es soll vor allem ein wunderbarer Ort zum Leben teilen werden. Ich freue mich!

© 2017 Kerstin Pur

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