Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Ruhe

Ebbe und Flut

Vor zwei Tagen sind die letzten Gäste abgereist. Ich erlebe es als großes Geschenk, Menschen Zeit und Raum schenken zu können.

Seit Anfang April waren 28 Menschen an Bord. Einige Freunde.  Und andere, die als Coaching-Gäste kamen, um zur Ruhe zu kommen und Orientierung zu finden. Es war wunderbar, ihnen den nötigen Raum und die gewünschte Begleitung zu geben – und dann zu erleben, dass Menschen anders von Bord gingen als sie gekommen sind: Klarer, freier, glücklicher. Wir hatten Spass und zugleich war es tief und Leben verändernd. Es war wunderbar.

Und jetzt ist es wunderbar, das Schiff wieder für mich zu haben. Ich genieße es, Morgens ins Wasser zu springen und Smoothies machen zu können und Abends mit dem Handstaubsauger auf Mückenjagd zu gehen, ohne Sorge haben zu müssen, Gäste zu wecken. Ich finde es schön, dass die Dinge jetzt  meist an ihrem Platz sind. Und ich nicht als lebendiges Google dienen muss: „Wie komme ich von hier am besten nach dort….?“. Ich genieße es, am Abend den Tag ruhig mit Blick aufs Wasser ausklingen zu lassen – so sehr der extrovertierte Teil von mir die abendlichen Gespräche mit den Gästen  genossen hat. Der introvertierte Teil von mir lebt auf, genießt den Raum.

Eine Freundin hatte mir vor einigen Wochen einen Newsletter mit einem Artikel von Ilona Dörr-Wälde weitergeleitet: Ein Lebensstil von Ebbe und Flut.   Darin schreibt sie über den irischen Mönch Aidan, der zum Berater des Königs Oswald berufen wurde. Als Wohnort wählte er eine Gezeiteninsel, die nur bei Ebbe zu erreichen war. Bei Flut waren “ die Schotten dicht“. Aidan war unerreichbar für die Anfragen der Menschen. Wer etwas wollte, musste warten, bis der Weg wieder frei war.

Ebbe und Flut  – Begleitung für die Höhen und Tiefen des Lebens – das ist das Motto meines Coaching- und Seminarschiffes. Ich will hier nicht nur anderen Raum zur Stille und Reflexion geben, sondern auch für mich selbst genug Raum haben, um abzuschalten, zu reflektieren und neue Kraft zu finden.

Einige Wege für einen guten Lebensryhythmus aus Aktivität und RUhe habe ich bereits relativ fest etabliert.

  • Morgens und Abends Internet-freie Zeit
  • Sonntags arbeitsfrei. Zeit für Ruhe, Genuss, Begegnung
  • Reflexions- Gebets- und Planungstag am 1. Tag jeden Monats
  • 1 – 2 längere Reflexions- Gebets- und Planungstage pro Jahr

Neu dazu kommt jetzt die Zeit für mich an Bord. Gäste sind willkommen vom 2. – 22. Tag eines Monats. Die anderen Tage ziehe ich die „Zugbrücke hoch“ und bin allein an Bord,

Ab und an wird es einen ganzen Monat Pause und Auszeit für mich geben – zum Beispiel jetzt im August, da ich mich auf die Fertigstellung meines Buches konzentrieren möchte. Das Manuskript soll bis 31. 8. fertig sein. Da geht es über die Schätze, die ich im Leben entdeckt habe. Einer davon ist der Schatz, der in dem Wechsel von Ebbe und Flut besteht.

Intensiv leben und Pausen machen

Die letzten Tage und wochen waren sehr intensiv: Endspurt für einen Artikel Stadt. Land. Gott, den ich für ein Magazin geschrieben habe. Und erfolgreicher Endspurt für das Crowdfunding für mein neues Buch. Wir haben es geschafft. Es ist wunderschön und ein riesiges Geschenk für mich, dass ich das Projekt jetzt ohne allzuviel finanziellen Druck angehen kann.

Dann fand an Bord Coaching – Basics statt: ein Workshop über die Grundlagen des Coaching inklusiv der Erläuterung und Einübung einiger hilfreichen Coaching-Techniken. Basierend auf meinem gleichnamigen Quadro.

Ich war stolz auf meine Teilnehmer. Sie haben das gelernte gleich erfolgreich umgesetzt. Nach einer Übung fragte ich die Kunden, wie hilfreich da Coaching mit den frischgebackenen „Coaches“ war. Auf einer Skala von 1 (wenig hilfreich) bis 10 (Problem gelöst), gab es 1 x die 3, mehrfach 7 – 8, 1 x sogar die Bestnote 10. Ziemlich gut für den Anfang. Die jüngste Teilnehmerin war meine 14 – jährige Patentochter, auf die ich mächtig stolz war.

Und am Sonntag habe ich dann in einer Gemeinde darüber gesprochen, wie man sein Lied des Lebens entdeckt.

Außerdem war – neben meiner Patentochter – noch weiterer Besuch an Bord. Und daneben haben wir weiter gebaut. Die Gästeküche hat jetzt Schubladen für Lebensmittel und meine eigene Küche bekommt noch zwei Geschirrschubladen. Der Seminarraum eine Eingangstür aus Glas, die etwas Privatsphäre und Schutz vor Zugluft bietet. Die Toilette hat jetzt einen Korkfussboden und es gibt eine Badeleiter mit der man elegant vom Schiff direkt ins Wasser und vor allem wieder zurück kommt.

Anderer Besuch war die Tochter einer Freundin, deren Mutter vor ziemlich genau einem Jahr sehr plötzlich und noch ziemlich jung verstarb. Der Jahrestag ihres Todes war kürzich und der Tochter war es wichtig, an diesem Tag an einem Ort und bei einem Menschen zu sein, bei denen sie sich sicher fühlt. Es berührt mich, dass sie mich und mein Schiff dafür gewählt hat.

Insgesamt waren 2017 bereits 21 Menschen als Gäste an Bord. Zum Reflektieren, zur Erholung, für Auszeiten. Um neue Perspektiven zu finden. Mit manchen habe ich intensive Gespräche geführt. Andere waren einfach „nur“ da und genossen die Zeit für sich und das Leben an Bord.  Über vieles, was da eher im Stillen passiert, kann ich nicht schreiben, weil die Themen, mit denen die Menschen kommen, oft sehr persönlich sind: Beziehungskrisen, Gesundheits- oder Gewichtsprobleme, Selbstwertproblematiken, Zukunftsperspektiven. Das sind Fragestellungen, die so vertraulich sind, dass ich sie nicht preisgeben kann und will.

Manchmal ist es auch ok etwas zu beschreiben. Die drei jungen Frauen auf dem Bild waren ein paar Tage an Bord, um die Frage zu klären, ob sie ihre berufliche Zukunft in Deutschland sehen. Wir hatten intensive Gespräche, auch Zeiten des Gebets, ich habe ihnen mehrere englischsprachige Interviews zu verschiedenen Themen gegeben. Und davon darf ich gern erzählen. Für Menschen, die wie sie und andere, die nach neuen Perspektiven und Orientierung suchen ist das Schiff gedacht.

Damit die räumlichen und auch meine persönlichen Kapazitäten nicht überfrachtet werden, steht das Schiff nicht für „normale“ Berlin-Besucher zur Verfügung, die ein Quartier für ihren Aufenthalt suchen. Obwohl ich das auf meiner Internet-Seite recht deutlich geschrieben habe, erhalte ich fast täglich Anfragen: „Ich bin bald in Berlin. Kann ich bei dir übernachten?“ Das kostet mich manchmal Kraft.

Doch insgesamt bin ich glücklich, dass das Schiff zunehmend an Fahrt aufnimmt.

Nach einem Jahr an Bord habe ich langsam einen guten Rhythmus zwischen Arbeit im Verlag, Coaching, Begegnung und Ruhepausen gefunden. Gerade genieße ich – nach Besorgungen – einen schönen Kaffee in Kreuzberg. Und eine Pause, in der ich Kraft tanken kann.

Advent … ist bald

Der klügste Adventskalender der Welt Ich gestehe – ich liebe Adventskalender.
Es ist einfach so schön, jeden Tag etwas geschenkt zu bekommen. Fast egal, ob es Schokolade ist (Schokolade geht immer!), etwas Inspiration oder eine nette Kleinigkeit für Haushalt oder Körper…
Manchmal – wenn liebe Menschen besonders gut zu mir waren – habe ich sogar mehrere davon, die ich zu unterschiedlichen Tageszeiten öffne.
Unser eigener Adventskalender – richtig klug 
Im Verlag haben wir 25 Impulshefte über Weltveränderer mit dem nicht-nur Adventsheft Wunschzeit zu einem inspirierenden Adventskalender zusammengestellt. Also Kurzbiographien über Menschen,  die die Welt durch ihr Leben etwas gerechter, sozialer, besser, schöner, kreativer, bunter gemacht haben.
Die 25 Biographien haben wir zu einem SUPERschlauen Adventskalender zusammengestellt.
Das finde ich einfach inspirierend fürs eigene Leben. Und auch für Paare und Familien finde ich es als Gesprächsimpuls klasse – gemeinsam überlegen: Ich bin keine Sophie Scholl, aber was kann ich gegen rechts tun. Ich bin keine Astrid Lindgren, aber wie kann ich zu mehr Ungezwungenheit inspirieren. Ich bin kein Martin Luther, aber wo kann ich Reformationen anregen. 
Wem das zu viel Inspiration oder Geld ist, der kriegt die Impulshefte auch einzeln. Zu ganz verschiedenen Themen oder mit ermutigenden und inspirierenden Zitaten
Wunschzeit. Von Kerstin HackWas ich auch ganz wunderschön finde und jeden Advent selbst nutze ist Wunschzeit. Das ist ein Adventskalender in
Heftform, bei dem man jeden Tag den eigenen Wünschen nachspüren kann. Und natürlich wäre ich nicht ich, wenn es nicht auch in die Umsetzung ginge. Jeden Tag gibt es die Frage: Was könnte ich tun, um der Erfüllung des Wunsches ein Stück näher zu kommen?
Wunschzeit finde ich auch als kleinen Gruß für Kollegen, Freunde oder andere liebe Menschen richtig schön.
Es ist noch etwas Zeit bis dann, aber Ich wünsche euch allen schon mal einen ganz wunderbaren Advent… mit viel Ruhe, Zeit zur Besinnung und viel Inspiration für ein gut gelebtes Leben.

Zauberhafter Tag


Heute war einer dieser Tage, die man nur als zauberhaft bezeichnen kann. Bezaubernd, weil mir so viel Schönes geschenkt wurde. Zauberhaft auch, weil ich meinen Teil dazu beigetragen haben, Chancen auf glückliche Momente zu nutzen. Arnold Retzer, ein kluger und retzfrecher Psychologe und Coach sagt, dass man jede Paarbeziehung dadurch ruinieren kann, wenn man von ihr ständiges Glück erwartet. Und besser damit fährt, mit dem zufrieden zu sein, was ist, statt ständig nach (mehr) Glück im Miteinander zu streben. Und die unverhofften Glücksmomente dann umso mehr zu genießen.

Ich fragte mich, ob das auch auf Gottesbeziehung zutrifft. Ob man sich mit der (oft angeheizten) Erwartung, man müsste Gott noch mehr, noch tiefer, noch intensiver erleben, sich um das Glück der Beziehung bringt. Und ob man entspannter nicht viel mehr Glück erfahren kann.

So wie heute.

– Das Glück Morgens in den Fluss zu springen und eine halbe Stunde zu schwimmen und das bitterkalte, aber samtweiche Wasser zu genießen. Mein Anteil: Den inneren Schweinehund überwinden und reinspringen…ähm…bibbernd tastend reingehen.

– Herrlich frühstücken, mit Brötchen, Ei und Obstsalat (Mein Anteil: Mich an den gedeckten Tisch setzen… 😉

– Von wildfremden Menschen, die ich auf dem Fluss traf, ein Kajakpaddel ausgeliehen zu bekommen….nachdem sie gesehen hatten, wie ich mich mit dem 1er Kanu-Paddel schwer tat, das große Kanu vorwärtszubekommen. Mein Anteil daran: Zugeben, dass es wirklich schwer war…und das Geschenk dankend annehmen….und die weitere Strecke doppelt zu genießen.

– Eine große Tasse Kaffee in einem Lokal geschenkt zu bekommen. Mein Anteil: Obwohl „Geschlossene Gesellschaft“ an der Tür stand, mutig und freundlich zu fragen, ob ich trotzdem einen Kaffee haben könnte. Die geschlossene Gesellschaft war eine Hochzeit und Kindstaufe. So kam ich auch noch in den Genuss von klassischer Musik, einer romantischen Liebesgeschichte, zwischen Frederike und Axel (oder Alex), wo tatsächlich der Blitz eingeschlagen hatte (in eine Wiese), als sie sich verliebte. Mein Anteil: Da sein, Kaffee trinken, Zuhören und genießen…und dem Brautpaar alles Gute wünschen…

– Ein verzauberter Moment als ein Libellen-Paar sich auf meinem Arm niederlies, um sich zu paaren und ich sie aus nächster Nähe beobachten und fotografieren konnte (mit ausgestrecktem linken Arm). Mein Anteil: Da sein, ruhig sein, beobachten und genießen.

– Die letzten Sonnenstrahlen auf dem Gesicht. Mein Anteil: Aus dem schattigen Uferplatz wegpaddeln als mich
die laute Musik vom Nachbargrundstück nervte.

– Zum Tagesabschluss: Vollmond und ein Feuerwerk – nicht schlecht für einen Tag, an dem ich kein besonderes Glück erwartet hatte.

Ich würde mal sagen, mein Gott und ich wir hatten heute einen ganz schön guten Tag. Er hat beschenkt, ich hab´s genommen und genossen.

 

Erfolgreich faul sein

Ich habe mich oft gefragt,

ob nicht gerade die Tage,

die wir gezwungen sind,

müßig zu sein,

diejenigen sind,

die wir in tiefster Tätigkeit verbringen.

Rainer Maria Rilke

[Quelle ist mir leider nicht bekannt. Für Hinweise bin ich dankbar.]

Rhythmus und Zeiten

Heute habe ich meine Sommershirts nach hinten in den Schrank gehängt. Das finde ich bedauerlich. Ich mag den Sommer, die Sonne und Wärme. Es ist wohl meine Lieblingsjahreszeit und ich finde es schade, dass es mit der Wärme nun für eine Weile vorbei ist.

Dennoch: Ich liebe Jahreszeiten und freue mich am und auf den Herbst. Ich mag die Weite von abgeernteten Feldern – wie auf dem Bild ( Brandenburg. Letzte Woche) . Außerdem finde ich es schön, dass nach dem erholsamen Sommer nun der produktive Herbst kommt. Ich arbeite gern und mag es, kreativ und produktiv zu sein. Deshalb freue mich darauf, in den nächsten Wochen ein neues, kleines Buch zu schreiben, auch wenn der Zeitrahmen dafür recht eng ist. Mit meinem Team habe ich kürzlich all die Dinge besprochen, die wir in der Zeit von jetzt bis März produzieren werden. Im Verlagswesen und Buchhandel gibt es ja immer die zwei Zyklen: Im Winter wird für den Sommer produziert. Im Frühjahr / Frühsommer für den Herbst. Nebenbei gibt es noch ein gutes Dutzend Seminare und Vorträge….eben eine produktive Zeit.

Mir tun Rhythmen gut. Wenn der Rhythmus in dem ich meine Tage, Wochen und Monate lebe, über längere Zeit hinweg durcheinander komme, „zerfranse“ ich innerlich. Dann werde ich unruhig, gerate leichter unter Druck. Ich genieße und brauche es, gute Rhythmen zu leben…vielleicht habe ich nicht zuletzt deswegen ein ganzes Buch dazu geschrieben: Swing. Dein Leben in Balance.

Es ist sicher eines meiner Markenzeichen, dass die Gestaltung von Lebensrhythmen für mich so wichtig ist. Doch ich glaube, dass es nicht nur mir gut tut. In der Schöpfungsgeschichte und die ganze Bibel hindurch wird immer wieder betont, wie wichtig Jahreszeiten, Ruhezeiten, Sabbatzeiten, Feste, Feiern, Höhepunkte sind. Gott scheint offenbar Rhythmen zu lieben. Und wenn es stimmt, dass wir in seinem Bild geschaffen sind, dann macht es wohl auch Sinn, dass wir Rhythmen achten und ehren. Mir zumindest tut es gut.

Jetzt werde ich mich gleich auf den Weg zu einem Samstag-Nachmittag-Kaffee mit einer Freundin machen. Auch das gehört zum Rhythmus.


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Ruhe und Kreativität

Es ist immer der gleiche verrückte Kreislauf: Sobald ich Ruhe habe, sprudelt es in mir nur so vor Ideen. Dann will ich die natürlich umsetzen. Aber dann habe ich keine Ruhe mehr. Heute Morgen bin ich früh aufgewacht, hab mich im Schlafanzug auf den Balkon gesetzt…ein bisschen gebetet und dann erst mal alles aufgeschrieben, was mir an Ideen kam. Dort darf es jetzt erst mal ruhen bis zur nächsten kreativen Phase. Oder bis zur Umsetzung. Damit will ich mir aber Zeit lassen. Schließlich ist jetzt Urlaub.Live,work, create


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Tanks aufgefüllt

Jeder Mensch hat Bedürfnisse z. B. Nahrung, Nähe, Sicherheit, Inspiration und so weiter. Am Wochenende haben wir in der Trainerausbildung für gewaltfreie Kommunikation die Bedürfnisse, die man hat, mit Gefäßen verglichen, die unterschiedlich weit gefüllt sind.  Der Tag gestern hat einige Gefäße stark aufgefüllt. Ein paar andere (das nach Schlaf/Regeneration) nicht…aber man kann ja nicht alles haben. Dummerweise verdampft die Flüssigkeit in den Gefäßen immer wieder. Aber man kann ja nachfüllen.


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