Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Vertrauen (Seite 1 von 2)

Ein ganz normaler Tag mit Gott

CIMG0121 (2) 730_319Derzeit passiert so viel, dass ich mit dem Schreiben kaum hinterher komme. Am Samstag war so ein „ganz normaler Tag mit Gott“.

Manche Tage sind weitgehend ohne große neue Erkenntnisse. Einfach normale Tage mit einem Gott, der mir begegnen will. Und durch mich anderen. Und durch andere mir. Mein tägliches Gebet ist: „Herr, gebrauche mich, um etwas von deinem Reich in meiner Welt sichtbar werden zu lassen.“ An diesem Samstag sah das so aus.

Samstag ist mein Schiffstag. Ich gehe zu meinem Schiff und helfe bei den Bauarbeiten mit. Ich empfand, dass ich zu einer bestimmten U-Bahn Station gehen sollte. Ich erlebe das relativ häufig, dass ich Gottes leise Stimme höre. Manchmal erkenne ich im Nachhinein den Sinn einer Anweisung. Oft auch nicht. Aber das ist ok. Ich vertraue, dass er schon weiß, was er tut.

Ich bin am Leben, weil ich so einem kleinen Impuls gefolgt bin. Vor Jahren luden mich Freundinnen zu einem Ausflug ein. In letzte Minute entschied ich mich, nicht mitzukommen, wegen eines eines „komischen Gefühls“ – damals konnte ich die leise Stimme des Heiligen Geistes noch nicht so gut. An einer Kreuzung fuhr ein Auto hinten auf sie drauf – so heftig, dass der Rücksitz bis auf den Vordersitz zusammengequetscht wurde – von vorne knallte es fast auf einen von rechts kommenden Bus. Den beiden ist nichts passiert, doch wäre ich mitgefahren wäre ich vermutlich zerquetscht oder vom Bus überrollt worden. Es ist hilfreich, auf die kleinen Impulse des Heiligen Geistes hören zu lernen. Und ihnen zu folgen.

Auf dem Weg zur S-Bahn sehe ich in einem Laden eine Frau mit Rollator. Wir kommen ins Gespräch. Sie sagt, dass sie Schmerzen in allen Gelenken hat. Ich kriege in dem engen, vollgestellten Laden die Kurve nicht, ihr Gebet anzubieten. Ich mag es definitiv lieber, wenn für Gebet mehr Zeit und Raum ist. Das mit den spontanen Gebeten in unbequemen Räumen will ich noch lernen.

In der SBahn kommt ein Anruf von einer Freundin. Ich hatte ihr erzählt, dass ich überlege, aus dem, was ich in England gelernt habe, einen Online-Kurs zu machen, so wie die Kurse, die ich zu Stärke im Leben, Arbeitsorganisation und Beziehung zu Gott schon entwickelt habe. Und vielleicht sogar einen Live-Trainings-Kurs in Berlin dazu mache. Einen Namen, der mir gefällt, habe ich schon: WUM: Wunder unter Menschen. Natürlich Gottes Kraft erleben.

Meine Freundin ist ganz begeistert – aufgeregt. „Du, ich wollte dir nur sagen, dass das mit deinem Kurs goldrichtig liegst. Ich habe mich gestern mit zwei jungen Frauen unterhalten, die auf einer Bibelschule waren, aber da nie gelernt haben, dass man auch im Geist und in der Beziehung zu Gott eine Gestalt hat und Grenzen. Die Grenzen kann man natürlich erweitern. Aber wenn man versucht, zu schnell über die Grenzen des bisherigen Wachstums in Gott hinaus zu gehen, landet man im Burnout oder in der Verzweiflung. Ich spüre, dass es total wichtig ist, dass du diesen Kurs machst und ich wollte dir anbieten, dass ich zu dem Thema „Wachsen im Geist“ eine Einheit machen könnte. Ich freue mich über die Ermutigung und antworte lachend „Für dieses Thema habe ich dich schon eingeplant!“

Am Schiff lasse ich es langsam angehen. Ich streiche, entferne Farbe von der neuen Tür, die jetzt zum Vorderschiff führt – und stelle fest, dass Farbe, die man mit der Heißluftpistole erwärmt hat, auch hinterher noch heiß ist. Ich helfe mit, große, unhandliche Holzplatten, von denen eine 50 Kilo wiegt, an Bord zu tragen. Danach tut mir der Rücken weh. Das ist aber glaube ich normal. Schade, dass niemand an Bord war, der stärker ist als ich.

Eine Helferin hat einen großen blauen Fleck, der nicht gut aussieht. Ich bete, dass alles gut verheilt.

Nach einer Runde in der Spree, in der ich mir vorstelle, von Gottes heilendem Wasser umgeben zu sein, mache ich mich auf dem Weg zum Geburtstag. Das Geburtstagskind war Teilnehmerin bei einem meiner Seminare. Sie hat ihre Gäste gebeten, mitzuhelfen die Teeküche an Bord meines Schiffes zu finanzieren! Wie wunderschön!

Ein Gast, den ich kenne, sieht traurig aus. Ich frage nach. Der Grund ist viel Last in der Pflege der alten Eltern. Ich höre zu und bete um Segen und neue Kraft. Ein anderer Gast erzählt mir, dass er den Mann des Geburtstagskindes von Seminaren in State kennt. Dieses kleine Dorf erlebte einen geistlichen Aufbruch, als ein neuer Pfarrer kam. Der erkannte, dass die ansässigen Bauern im Sommer kaum Zeit für geistliche Themen hatten – im Winter wohl. Sie stellten im großen Pfarrhaus Betten auf und machten in den Wintermonaten Bibelwochen. Menschen fanden zum Glauben. Gott wirkte. Eines Tages war der Pfarrer zu Gast in einem Haus für Diakonissen – quasi evangelische Nonnen. Er erzählt eine uralten Schwester von dem, was an seinem Ort geschah. Sie fing an zu weinen. Sie hatte an diesem Ort ein Kinderheim geleitet und jahrzehntelang dafür gebetet, dass dort ein geistlicher Aufbruch geschehen würde. Ich weinte mit, als ich das hörte. Wie oft wissen wir gar nicht, wer für den Segen, den wir erleben durch seine Gebete mit ausgelöst hat.

Im Bus auf dem Weg zu einem Benefizkonzert – so voll sind nicht alle meine Tage – hustet eine Frau auf eine Art, die sehr schmerzhaft klingt. Ich spreche sie an und sie erzählt von Allergien. Ich frage sie, ob ich beten darf und bete, als sie bejaht, über den Gang des Busses hinweg für sie.

In der U-Bahn, die teilweise überirdisch fährt, sah ich, dass es heftig regnete. Ich hatte keinen Regenschirm dabei und freute mich, dass ich am Fußboden der Haltestelle eine große Einkaufstasche aus Karton fand, die ich kurzerhand zum Regenhut umfunktioniere. Ich dachte darüber nach, dass wir als Gottes Kinder Licht in die Welt bringen – einfach nur durch unser Dasein und entschied mich, den Weg zum Ziel zu wählen, der mitten durch den Straßenstrich führten, wo Großteil der Frauen von Armut oder Menschenhändlern gezwungen werden, dort ihre Dienste anzubieten. An diesem Abend stehen sie nicht wie üblich an der Straße, sondern sitzen zusammengekauert unter einem Vordach, um sich vor dem Regen zu schützen. Als sie mich mit meinem „Regenhut“ sehen, fangen sie an zu lachen. Nicht hämisch, sondern das fröhliche Lachen von Kindern, die etwas Lustiges sehen.

Ich lache und winke zurück und wünsche ihnen noch einen schönen Abend. Ich freue mich, dass ich ein ganz kleines bisschen Licht und Freude in ihre finstere Welt bringen konnte – und bin dankbar für Freunde von mir, die dort ein Café betreiben und den Frauen helfen, so gut sie können.

Beim Konzert genieße ich die herrliche Jazzmusik und Sarah Kaiser und ihre Band bete aus der Ferne segnend für eine Frau, die sehr unruhig wirkt und ein Korsett am Rücken trägt.

Eine Frau, die ich kenne, erzählt mir, ihr Mann sei ungeschickt gestürzt und habe sich vier Rippen gebrochen. Ich biete ihr Gebet an und empfinde, dass ich vor allem gegen Selbstvorwürfe beten soll, die er sich womöglich macht. Sich zu denken „Wie kann ich nur so dumm sein“ trägt vermutlich nicht zu schneller Heilung bei, wofür ich natürlich auch bete. Weniger bittend, als vielmehr segnend. In dem Wissen um die Autorität, die Jesus uns anvertraut hat.

Auf dem Nachhausweg schreit ein Mann, den ich durch das offene Wohnungsfenster höre sehr aggressiv. Die Worte, die ich hier nicht wiederholen mag, sind beleidigend. Es macht keinen Sinn, Dämonen rauszuwerfen, die sofort danach wieder eingeladen zu werden. Ich will die Person schützen, die angeschrieen wird, also binde ich den aggressiven Geist. Es ist Ruhe. Ich gehe nach Hause. Ein ganz normaler Tag mit Gott geht zu Ende.

Innere Verschiebungen. Oder: wenn Gott neue Perspektiven gibt

2015-05-18 18.07.35Am Morgen bat mich die Freundin der Frau, für die ich gestern gebetet hatte um Gebet für körperliche Heilung. Wenn die wüssten, wie neu das alles für mich ist!!! Das Gebet war aber dann einfach schön. Jesus hat im Gebet einige Verknotungen zwischen Körper und Seele gezeigt. Und dann haben wir für Heilung gebetet.

Wie gut, dass es Menschen gibt, die etwas sehen, wo man selbst noch blinde Flecken hat. Weil Rob, der uns normalerweise betreut, gerade eine Woche Urlaub hat, kam eine Frau aus dem Team hierher, um sich mit mir zu treffen und mich zu fragen, wie es mir geht.

Ich habe ihr von meinen ersten Erfolgen, aber auch von dem Frust, von der Enttäuschung gegenüber Gott, dass ich bisher hier nur so wenig Heilungen erlebt habe, usw. erzählt.

Sie hatte die brillante Idee, mich zu fragen, ob ich das Gefühl der Enttäuschung schon von früher kenne und wenn ja, von wann. Wir haben Gott gebeten, uns zu zeigen, ob das jetzige „Gefühl“, von Gott in meinen Bitten und Hoffnungen nicht gesehen und gehört zu werden, in alten, ungelösten Erfahrungen festhängt.

Nach der Zeit der Stille tauschten wir uns aus. Sie hatte den Eindruck, es hat mit dem Alter von 10 Jahren zu tun. Ich hatte mehrere Szenen von Erlebnissen, die passiert waren, als ich 10 Jahre alt war!

Eine davon war, dass ich – wie die anderen Kinder meines Heimatdorfes – bei einem Feuerwehrfest in unserem Dorf Schilderträgerin für die Feuerwehren aus anderen Dörfern war. Meine Mutter hatte mir geholfen, ein wunderschönes Schild zu basteln. Die Feuerwehrmänner gaben uns Kindern Trinkgeld fürs Schildertragen. Eine Mark pro Person. Ich trug das Schild für eine kleine Gruppe von acht Feuerwehrmännern und bekam folglich acht Mark. Meine Freundinnen hatten zum Teil Gruppen von 50 oder gar 120 Männern. Und bekamen unermesslich viel Trinkgeld. Ich war zutiefst traurig, dass ich nur so wenig bekommen hatte. In mir setzte sich der Gedanke fest „Die anderen bekommen mehr und besseres als ich!“ Und damit verbunden tiefe Traurigkeit.

Der Gedanke „Die anderen kriegen was, ich nicht“ und das damit verbundene Gefühl der Enttäuschung und Hilflosigkeit, kommt immer mal wieder hoch. Gerade in letzter Zeit Gott gegenüber, wenn ich sehe, dass andere Menschen Gaben oder Geschenke von ihm erhalten, die ich mir auch wünschen würde.

Wir haben dann um Trost gebeten und Gott gebeten, mir zu zeigen, was die Wahrheit ist. Ich hatte dann nur den Satz im Kopf „Manchmal hat man Glück, manchmal Pech. Manchmal bekommt man etwas, manchmal nicht!“ Eine banale Wahrheit. Aber dennoch tief tröstend. Es ist unrealistisch zu erwarten, man würde im Leben immer die besten Plätze bekommen – wo sollten dann die anderen hin?

Später sah ich dann im Internet ein Schild aus der Londoner U-Bahn: „Falls du heute einen schlechten Tag hast, dann erinnere dich daran, dass Ron Wayne 1976 seinen 10% Anteil an Apple für 800 Dollar verkaufte. Heute wäre der Anteil 58.056.210.000 Dollar wert.“ Das ist wirklich Pech! Wenn man so will. Wayne sagt in einem Interview selbst, dass er es nicht bedauert, Apple verlassen zu haben. Er Sein Seelenfrieden war ihm wichtiger.

Für mich war das Gespräch und die Gebetszeit mit Claire sehr aufschlußreich. Ich frage mich wie oft ich und andere Menschen vielleicht auch Gedanken und Gefühle auf Gott projizieren, die mit ihm gar nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun haben, sondern ungeheilten Schmerzen entspringen. Es kann sinnvoll sein, sich selbst und Gott zu fragen: Woher kenn ich diese Gedanken oder jenes Gefühl? Wann traten sie zuerst in meinem Leben auf.

Ich will das im Blick haben. Falls ich wieder auf die Idee kommen sollte, Gott etwas vorzuwerfen, was seinem Wesen nicht entspricht, dann will ich mich fragen: Von woher kenne ich das Gefühl? Und Gott bitten, alten Schmerz zu heilen und mir statt dessen seine Wahrheit zu offenbaren.

Zum Schluss hat sie mir noch etwas Spannendes gesagt. Sie meinte der Traum mit dem Dickmach-Kostüm könnte auch meinen Frust, in bestimmten Bereichen durchbrechen zu wollen und keinen Durchbruch zu erleben, bedeuten. Und dass Gott meine Erfahrung damit benutzen wird, um mit anderen mitzufühlen, die an der einen oder anderen Stelle wirklich intensiv kämpfen und noch keinen Durchbruch haben.

Ja, damit mitfühlen kann ich wirklich. Und wie.

Körper, Seele, Geist und was Mitgefühl mit Glauben zu tun hat

2014-02-06 08.13.28Wow! Gerade lese ich ein englisches Buch „What your body knows about God“ , das die Zusammenhänge zwischen Körper und Spiritualität erklärt. Was mich begeistert: Religiöse Empfindungen und Empathie mit Menschen sind in der gleichen Hirnregion aktiv. Das bedeutet, dass Gebet Empathie stärkt und umgekehrt. Es gab Versuche, bei denen Menschen aufgefordert wurden, 12 Minuten pro Tag von Herzen in Kommunikation mit Gott zu treten – also nicht nur „Automaten-Gebete“ zu beten: „Herr, mach dies, Herr mach das“.

Nach 8 Wochen war das betreffende Areal im Gehirn so gewachsen, dass man im MRT den Unterschied sehen konnte. Und bei weiteren Experimenten zeigte sich die Gruppe der Beter als weit großzügiger und mitfühlender als die Vergleichsgruppe, die ein rein kognitives Gehirntraining zur Steigerung der Gedächtnisleistung gemacht hatte.

Was das praktisch bedeutet: 

  • Wer ein hartes Herz und wenig Empathie für Mitmenschen hat, könnte das durch Gespräch mit Gott weicher bekommen.
  • Wer gerade eine Glaubenskrise hat, könnte durch Dienst an anderen wieder mehr Vertrauen zu Gott fassen (Studien belegen, dass nichts – weder Bibellesen noch Gottesdienst etc. – Glauben so sehr stärkt wie der Dienst an anderen Menschen).
  • Wer an miesen Stimmungen bis hin zu Depressionen leidet, könnte durch Dienst an anderen Linderung erfahren. Beim Dienen wird Oxytocin ausgeschüttet, das Wohlfühlhormon, das die Stimmung hebt. Natürlich nicht so viel, dass es Stress macht, denn Stress blockiert die guten Gefühle wieder.
  • Wer anderen dient, stärkt nebenbei den Bereich im Gehirn, der die Schönheit der Welt wahrnimmt – das wiederum kann sich positiv auf den Glauben auswirken.
  • Eltern können – neben Kuscheln und Zuhören – ihren Kindern Aufgaben im Haushalt übertragen. Alle drei Faktoren stärken die Empathiefähigkeit des Kindes und seine sozialen Kompetenzen.

Habe – gleich nachdem ich das gelesen habe, eine Runde Geschirr gespült, um meinen Glauben zu stärken 🙂 und werde jetzt ein bisschen beten, um meine Empathie zu fördern… und auch, weil Reden mit Gott einfach an und für sich gut ist.

Menschen lieben. Nächstenliebe verstehen und praktizieren.

 

Buchtipp:
Für alle, die das neu oder tiefer einüben möchten:

Menschen lieben. Nächstenliebe verstehen und praktizieren.
Vier Wochen lang täglich ein Impuls zum Einüben einer – für beide Seiten – wohltuenden Haltung.

Zitterpartie – oder was Glaube (nicht) ist

2014-07-12 17.20.57Für so was bin ich definitv nicht geschaffen. Gern will ich die Decks (siehe Bild) vom Schiff noch vor dem Winter entrosten und – drei Mal – neu streichen. Das kostet eine Menge Zeit, dich ich investieren will und Geld – etwa 2500 Euro – das ich nicht habe. Deshalb läuft bis Ende September bei Startnext ein Fundraisingprojekt genau dafür: Rost besiegen!

Bisher sind knapp 1500 Euro an Unterstützung für das Projekt zugesagt worden. Das ist wunderbar. Und ich bin jedem dankbar, der bisher mitgeholfen hat. Nur das Problem: Bei Startnext ist es so, dass man die ganze Zielsumme erreichen muss, sonst bekommt man gar nichts.

Ich werde langsam nervös. Schaue alle paar Stunden auf der Seite von Rost besiegen vorbei, um zu sehen, ob weitere Unterstützung reingekommen ist. Ich bin nicht cool und gelassen, sondern ziemlich hippelig. Ich frage mich, was in dieser Situation Glauben heißt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt gerade voller Glauben für diese Situation bin. Klar bitte ich Gott, dass das Geld am Ende zusammen kommt. Aber ob ich glauben kann oder sogar will, dass Gott das tun will und wird – hmmm da habe ich meine Zweifel.

Auch wenn ich nicht weiß, ob und wie diese konkrete Situation ausgehen wird – in mir ist ein tiefes Vertrauen: Gott ist gut. Er ist mit mir. Und ja, ich wünsche mir, es jetzt zu schaffen. Es wäre schade, wenn noch ein Winter lang Regen und Schnee auf die ohnehin verrosteten Decks fallen würde. Aber die Welt geht davon nicht unter. Und das Schiff hoffentlich auch nicht. Auch wenn ich mir da nicht ganz so sicher bin… 😉

 

Mir hilft das Bild vom Meer. Manchmal ist es an der Oberfläche ganz schön aufgewühlt. Da schlagen die Wellen hoch. Aber unten in der Tiefe ist Ruhe. So erlebe ich Glauben. In den Jahren ist in mir ein tiefes Vertrauen gewachsen, dass Gott zu mir steht und mit mir geht. Was nicht heißt, dass ich automatisch in jeder Situation das Vertrauen habe, dass sie so ausgehen wird, wie ich mir das wünsche. Manchmal

Und klar: Wenn ihr mithelfen wollt, dass die Zitterpartie bald ein Ende hat, seid ihr herzlich eingeladen, mitzuhelfen. Es ist ziemlich einfach. Einfach bei Rost besiegen auf „jetzt unterstützen“ klicken – alles andere wird erklärt.

Und: Es muss auch nicht viel sein – jeder Euro hilft einen Quadratmeter Rost zu besiegen und das Schiff sicher und schön zu machen. Und mein Zittern zu besiegen! Und es gibt richtig tolle Dankeschöns…von mir signierte Bücher, Seminargutscheine, Wochenenden an Bord usw. Sucht euch was aus!

 

Finanzen – Ebbe und Flut

2014-04-18 15.25.55Gerade komme ich von einem Kurzurlaub an der Ostsee zurück, der mir einfach gut getan hat. Eine Freundin und ich haben uns spontan entschieden, ein günstiges Oster-Special-Schnäppchen-Angebot zu nutzen, um über die Ostertage Wind, Sand, Sonne, Zeit, Gespräche, gutes Essen und vor allem Bücher, Ruhe, Weite und Meer zu genießen. Es hat mir sehr gut getan. Ich konnte gut abschalten, Gott Dinge in die Hand geben, mich ausruhen und die Zeit genießen.

Jetzt zurück geht mir mein Kontostand durch den Kopf. Da ist auch ein Wechsel von Ebbe und Flut. Derzeit er Ebbe. Im letzten Monate habe ich 5000 Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Außerdem ist meine Küchenuhr ebenso kaputtgegangen wie die Gangschaltung meines Fahrrades. Das nimmt mich schon mit. Die Kosten sind erklärbar. Zum einen hohe Kosten im Verlag für Lektorat, Druck, Grafik und vieles mehr. Immer, wenn wir neue Titel produzieren, müssen wir die ja erst mal vorfinanzieren – die Einnahmen kommen erst zeitverzögert hinterher. Und dann die Rückzahlung eines Darlehns fürs Schiff, hohe Materialeinkäufe (Komposttoilette, Farbe für die Decks, Siebdruckplatten für die Böden, doppelt isolierte Bullaugen). Angesichts der hohen Kosten sind „nur“ 5000 Minus eigentlich ganz ok. Nur viele solche Monate kann ich nicht durchhalten, sonst ist ganz Ebbe.

Es ist ganz schön schwer, die Balance hinzukriegen. Da ist auf der einen Seite das Gottvertrauen – er IST der Versorger und die gerade aufblühende Natur zeigt seine Großzügigkeit in verschwenderischem Maße. Und zwischen weiser Planung andererseits. Die Bibel fordert zu beidem auf – tiefem Vertrauen in Gottes Güte und Versorgung und weiser Planung als jemand, der selbst verantwortlich handelt.

Das mit der weisen Planung finde ich gerade echt schwer, weil so viele Faktoren nicht klar sind.

– Einkommen – als Selbständige bekomme ich ja kein Gehalt, sondern lebe vom Gewinn, den ich mache. Doch ob der da ist und wenn ja, wie hoch – lässt sich schwer voraussagen. Die Wintermonate sind im Verlag und Coaching oft gut, die Sommermonate oft eher dürr – allerdings fallen gerade dann die hohen Kosten für neue Titel an. Ein guter Monat kann in meiner Branche drei mal so gut sein wie ein schlechter schlecht ist.

– Sonstige Einnahmen: Ich versuche so viel wie möglich an gebrauchten Dingen aus meiner Wohnung und dem Schiff zu verkaufen – doch ob und wie schnell das geht und welche Einnahmen ich etwa mit dem Verkauf von gebrauchten Dingen bei Amazon oder Ebay erziele, lässt sich ebenso schwer schätzen, wie die Summe der Geschenke, die ich für das Schiffsprojekt bekomme.

– Schiffskosten – für einige der großen Posten, die noch anstehen wie etwa  Solar, Lüftung habe ich Angebote vorliegen, andere Kosten hängen stark davon ab, wie viele – fachkundige – Helfer ich habe, wie viel von der Arbeit ich an Fremdfirmen abgeben muss. Das kann bis zu einem Drittel der Kosten ausmachen. Natürlich hoffe ich auf viele Helfer. Und dass das ganze Projekt in einigen, wenigen Monate fertig ist.

Kurz – so richtig kalkulieren kann ich es nicht 100% – vermutlich nicht mal 50 oder 60%. Da kann ich nur hoffen, dass auf Ebbe wieder Flut kommt – ich bin dankbar für die letzten Monate, die eher flutreich waren. Und Monat für Monat mit dem, was da ist, weise planen und entscheiden. Persönliche Ausgaben auf ein Minimum reduzieren z. B. indem ich den Gefrierschrank leerfuttere statt Frisches zu kaufen. Und nicht unbedingt nötige Ausgaben verschieben. Sehr viel weiter als einen Monat kann ich nicht genau sehen. Aber ich kann weiter meinem Gott vertrauen – er hat mich bis jetzt durchgetragen – und wird es sicher weiter tun. Sicher.

Beim Spazierengehen und Beten heute ging mir immer wieder durch den Kopf: 2014-04-21 14.17.33

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt – der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. 

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann.

Und außerdem freue ich mich, dass ich bald Geburtstag habe ….und dass die ersten Geschenke für mich schon eingetroffen sind…Juchu!

Gebete in Krisen

Derzeit lese ich Stück um Stück die Bibel in chronologischer Reihenfolge…und es bleibt  spannend Geschichtsbücher und die dazugehörige Lyrik (Lieder und Gebete) zusammen zu lesen. In den letzten Tagen war 1. Samuel dran. Da wird erzählt, wie David von Gott zum künftigen König berufen wird, was beim Amtsinhaber Saul Eifersucht bis hin zu Mordversuchen auslöst. David muss fliehen.

Rund ein Dutzend Kapitel erzählen von Verrat, Undank, Unverständnis, Verwirrung jahrelanger Flucht, Verstecken in Höhlen und Wüsten und im Ausland. Nicht gerade das, was man sich vorstellt, wenn man von Gott zum König berufen wird – das Kleingedruckte stand wohl nicht im Einstellungsvertrag.

Was mich beeindruckte: Mitten in dieser Zeit dichtet David Lieder voll emotionaler Transparenz. Er schrieb und schrie seinen Ärger, seine Verzweiflung, seine Müdigkeit heraus – und sein Vertrauen in Gott. Er wartete nicht nur auf einen guten Ausgang und betete darum, sondern er hielt IN der Situation an Gott fest und fand da zur Ruhe. Das ist etwas, was ich von ihm lernen möchte: Nicht nur hoffen, dass Gott eine Situation ändert und Probleme löst, sondern IN der Situation bei Gott zur Ruhe finden.

Von Davids Prozessen zehren wir noch heute. Das was er durchgemacht hat und WIE er damit umgegangen ist, wurde fruchtbar für sein Leben – und sprach in das Leben von Millionen anderer Menschen, die in seinen Worten Trost und Stärkung ihres Glaubens fanden – etwas in Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten…der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen.“ Das schrieb er nicht auf dem Balkon seiner Villa – sondern mitten auf der Flucht.

Vermutlich sind 14 Psalmen – das sind knapp 10% aller in der Bibel enthaltenen Psalmen – in der Zeit der Verfolgung und Flucht entstanden: Psalm 7, 17, 27 (einer meiner Favoriten!), 31, 34, 35, 52, 56, 59, 63, 120, 140, 141, 142. Es lohnt sich, die Geschichte und die Psalmen dazu zu lesen – finde ich.

In der Ruhe bleiben – Auszeit Teil 2

Strand Holland Kerstin HackDer erste Teil meiner Auszeit war geprägt von Begegnung, Inspiration und Leben: Zwei tief gehende Konferenzen / Seminare, vier verschiedene Städte, Begegnungen mit Menschen und Orten, die ich mag.

Jetzt bin ich in der Schweiz, hab ne kleine Ein-Zimmer-Wohnung für mich (aber mit Anschluss an die Familie, wenn ich mag). Äußerlich ist viel mehr Ruhe. Innerlich nicht unbedingt. Eine Reihe von Situationen, die mir Druck machen,

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holen mich ein.

– Verlag: Da habe ich ein tolles Team, bin begeistert, was wir manchen und entwickeln. Doch was wir verdienen, reichte 2012, um die Kosten zu decken und mir ein kleines Gehalt zu zahlen, nicht aber um die hohen Investitionen, die wir 2011 für Ebooks und den neuen Shop hatten, abzubezahlen. Schulden nicht loszuwerden belastet mich.

– Persönliche Finanzen: Ende Dezember muss ich zwei Darlehn (insgesamt 5000 Euro) zurückzahlen – und weiß noch nicht, wovon.

– Das Schiffsprojekt begeistert mich nach wie vor. Aber es gibt auch Frusterlebnisse. Etwa die Lecks und die vermutlich hohen Zusatzkosten, die da auf mich zukommen. Und praktische Herausforderungen. Um das Schiff zur Werft transportieren zu können, brauchen wir einen Generator, der im Notfall – sollten wir Leck laufen – die Pumpen betreibt. Ich habe einen bei Ebay gesehen, der PERFEKT war….hab 30 Sekunden vor Schluss ziemlich viel geboten – und wurde in der letzten Sekunde überboten…..Ich bin total traurig und enttäuscht. Und ratlos: Den Generator brauchen wir für Anfang Januar und es ist nicht so einfach, so was zu finden.

Mitgefühl: In meinem näheren Umfeld haben zwei Menschen, die mir sehr nahe sind, RIESENPROBLEME….mich bewegt das und nimmt mich sehr mit.

In all dem innerlich ruhig zu bleiben, fällt mir ziemlich schwer. Meine Gedanken kreisen, suchen nach Lösungen.

Vorgestern sprach ich am Telefon mit einer Freundin darüber. Sie erinnerte mich an eine Situation, die sie erlebt hat. Sie war vor einigen Jahren nahe am Burn Out gewesen und hatte sich deshalb eine Kur verschreiben zu lassen. Am ersten (!) Tag der Kur wurde ihr Mutter plötzlich ins Krankenhaus eingeliefert, es war nicht klar, ob sie die Kur abbrechen muss, um sich um die Mutter zu sorgen. Sie war verzweifelt, weil sie die Erholung so dringend brauchte. Damals hatten wir telefoniert. In einem Anflug von Weisheit hatte ich ihr gesagt.

„Du musst in der Gegenwart bleiben. Das ist deine Herausforderung.“

Daran erinnerte sie mich jetzt. Sie hat recht. Über manche Dinge muss man konstruktiv nachdenken und nach Lösungen suchen. Aber generell hilft das Grübeln nicht weiter. Lenkt nur ab, von dem, was jetzt ist.

Ich möchte jetzt

– meinem Gott begegnen

– die Stille und die Natur genießen

– mich an Begegnungen mit Menschen freuen und ganz da sein.

Das ist meine Herausforderung.

Wenn ihr mich da unterstützen wollt, könnt ihr das gerne tun.

Gebet: Sprecht einfach ab und zu ein Gebet für mich….

Praktische Hilfe Verlag: Wenn ihr noch (Weihnachts)-Geschenke für euch und andere braucht, kauft sie doch bitte bei uns im Shop ein. Besonders empfehle ich euch den Kalender TEILEN 2013, von dem wir noch sehr viele haben und der wunderschön ist. Die schlicht und ergreifend Bücher-Serie (ein tolles Geschenk) und natürlich die Impulshefte und Quadros….

Praktische Hilfe Schiff: Hier brauchen ich neben Finanzen 🙂 vor allem praktische Hilfe und Material. Wenn du dir vorstellen kannst, 2013 ein paar Stunden, Tage oder Wochen am Schiff mitanzupacken, lass es mich wissen. Und wenn du Baumaterial oder Ausstattungsgegenstände hast, das man für die Renovierung gebrauchen kannst und die du mir kostengünstig oder umsonst überlassen könntest, lass es mich wissen. Es gibt vieles, was ich brauchen kann: Sanitäreinrichtung, Fussböden, Blumenkästen, Matratzen, Bettzeug, Küche, 3 Kaminöfen (mit Wärmespeicher), Wasserfilteranlagen…..Frag einfach.

Weisheit: Und ja….wenn ihr ein weises Wort oder einen klugen Gedanken habt, lasst es mich einfach wissen.

Ich bin bei meinen „Sprint durch die Bibel“ immer noch bei der Wüstenwanderung und fand es trostreich heute zu lesen, dass Gott das Volk manchmal hat hungern lassen und manchmal genährt hat, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht vom Materiellen abhängig sind, sondern von seiner Führung und seinem Reden. (5. Mose 8,3 )

Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Man, das du und deine Väter nie gekannt hattet; auf daß er dir kundtäte, daß der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.

Darauf möchte ich mich ausrichten. Heute. Und in den nächsten Tagen.

Zwei Mal lieben

Rykestr. , Berlin, SynagogeIn einer Synagoge, in einem Verlagsmagazin, Online, in einem Buch – in dieser Woche ist mir – auf ganz unterschiedliche Weise ein Thema begegnet, das mich seit Jahren beschäftigt.

Benefizkonzert in der Synagoge in der Rykestrasse zu Gunsten der Gedenkstätte Yad Vashem. Mit einer Bekannten unterhalte ich mich über die prachtvolle Synagoge und andere, wie die Synagoge in der Oranienburger Straße, die einst wohl genauso prachtvoll waren.

Oranienburger Straße. Ich erzählte ihr von dem Mann, der vor ein paar Jahren die Berliner Literaturtage eröffnet hat. Aufgewachsen in Berlin – noch vor dem ersten (!) Weltkrieg. Die Tragik des Geschehens erschloss sich dem kleinen Kind in einem einfachen Bild. Was musste schreckliches geschehen sein, wenn man so eilig aufbrechen musste, dass die Schüssel herrlicher Blaubeeren auf dem Tisch nicht mehr verspeist werden konnte!

Im zweiten Weltkrieg flieht er mit Hilfe seiner Frau, als Jude nach Holland, überlebt, anders als seine Eltern den Holocaust, bleibt bis heute in seiner Wahlheimat. Beeindruckt hat mich damals die Liebe, mit der er von seinen beiden Frauen sprach. Der ersten, die gestorben war, als er etwa 60 war. Und seine jetzige Frau, die er später noch geheiratet hat – nicht hoffen könnend, dass sie noch mehrere Jahrzehnte miteinander verleben würden. Tiefe Liebe zu beiden…anders, einzigartig, doch jede auf ihre Art und Weise geliebt.

Das erzählte ich meiner Bekannten…weil die Erinnerungen an diesen Vormittag, an dem ich ihn sprechen hörte, noch immer lebendig sind. Sie erzählte mir von einem Mann, der sie geprägt hat und der an einem Abend in vertrauter Runde von seinen beiden Frauen sprach. Er erzählte mit tiefer Liebe von seiner ersten Frau, die er bis zu ihrem Tod gepflegt hat. Er erzählte von seiner Liebe zu seiner ersten Frau, von dem, was sie ihm gegeben und bedeutet hat – während seine zweite Frau neben ihm saß. Für alle war spürbar, dass er beide liebt.

Es ist möglich, zwei Mal zu lieben, wenn man mit dem Verlust des einen Menschen versöhnt ist.

Mit Verlusten versöhnt…das begegnete mir auf anderer Ebene. In einem Artikel über die Verleger (Diogenes) und Freunde Rudolf C. Bettschart und Daniel Keel, den ich im aktuellen Diogenes Magazin fand (lag kostenlos bei Starbucks aus). Zwei Mal fast Konkurs. Trotzdem neu begonnen. Auch miteinander.

Und dann empfahl mir ein Freund einen Artikel, der Verletzlichkeit als einen Charakterzug großer Unternehmer beschreibt. Er unterscheidet zwischen aktiver Verletzlichkeit – der Bereitschaft Risiken einzugehen und zu akzeptieren, dass nicht alles gelingt. Und das bewusst bejahen. Kennzeichen großartiger Unternehmer ist für ihn nicht, keine Fehler zu machen. Sondern nach Scheitern, was sich unweigerlich immer wieder einstellt, nicht zu zerbrechen und aufzugeben. Viele schmeißen dann alles hin. Wollen nicht noch einmal so enttäuscht werden. Das ist für ihn passive Verletzlichkeit (weinerlich, selbst-mitleidig, mutlos). Gute Unternehmer sind mit ihren gescheiterten Versuchen versöhnt. Und fangen wieder neu an.

Ähnliche Gedanken finden sich auch in einem Buch von Paul Getty, zu seiner Zeit der reichste Mann der Welt, das mir eine Freundin geschenkt hat.

Ich hab mich viel mit der Frage beschäftigt, wie man es schafft, nach Scheitern, nach Verlusten, nach schmerzhaften Erfahrungen wieder zurück ins Leben zu finden. Ich habe sogar ein ganzes Buch dazu geschrieben – mit dem, was ich vor ein paar Jahren dazu zu sagen hatte: Spring. Hinein ins volle Leben.

Doch es bewegt mich immer noch. Scheitern und Verluste bleiben leider nicht aus. Ich will nicht hart und kalt werden. Sondern weiter lieben: Menschen, Projekte, Ideen. Einmal lieben. Zwei Mal lieben. Ein Schlüssel dazu ist wohl, versöhnt mit den Verlusten zu sein. Und dann wieder neu zu lieben – wenn es sein muss ein Dutzend Mal.

Pilgerreise

Die ZEIT Autorin Özlem Topçu schreibt von einer Pilgerreise:  „Diese Reise: Zu einer Gläubigen hat sie mich nicht gemacht – aber zu jemandem, der sich seines Nichtglaubens nicht mehr sicher ist. „

Ich finde das sehr schön formuliert…sich seines Nichtglaubens nicht mehr so sicher sein. Es berührt mich, wenn Menschen unterwegs sind – und ich wünsche ihnen, dass sie da ankommen, wo sie zu Hause und geborgen sind. Voll Glauben und Vertrauen.

@vent = wenn alles anders kommt

Krippe in AntwerpenIn der Adventszeit gehörte ich zu einer @ventsgemeinschaft. Jeden Tag schickt ein anderer den Mitgliedern der Gemeinschaft Gedanken, Impulse, Lied- oder Bibeltexte zur Inspiration. Hier meine Gedanken für heute.

Gott entdecken

Im Advent feiern wir, dass Gott in unsere Welt kommt. Manchmal haben wir da eher süssliche Bilder im Kopf, voll Glitter, Kerzenschein, Lametta, Wärme und Licht und Zuckerware. Das gehört dazu. Doch manchmal ist es rauer als wir denken, wenn Gott in unsere Welt hineinbricht.

Gerade habe ich bei einem Freund ein Stück von Nina Hagens Autobiographie als Hörbuch gehört. Sie erzählt, wie sie als Kind umgetrieben war von der Frage, ob es Gott gibt oder nicht. Sollte sie ihrem klugen Pflegevater Wolf Bierman vertrauen, der angesichts des Leids der Welt nicht mehr an Gottes Existenz glauben wollte – oder ihrer einfachen Tante „Muschel“, für die Gott so real war wie der Mensch, der neben einem saß. Nina wollte es herausfinden. Der einzige Test für Gottes Existenz, der ihr einfiel, war Gott die schlimmsten Beleidigungen an den Kopf zu werfen, die sie sich denken konnte – so dass er einfach reagieren und sich zeigen musste. Sie tat es an einem Abend – und war ganz enttäuscht, als nicht einmal die Wände wackelten. Doch am nächsten Tag stürzte sie so unglücklich vom Schwebalken, dass sie ihr Bein brach und erst im Krankenhaus erwachte.

Sie sah den Gips an ihrem Bein. Ihr war sonnenklar: „Gips – Gott. Gott gips wirklich…“ Sie war überglücklich. Gott war im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Welt hinein-gebrochen und hatte sich ihr gezeigt.

Nein, ich glaube nicht, dass Gott Menschen, die ein schlechtes Wort über ihn verlieren, immer einen Denkzettel verpasst. Aber ich glaube, dass er gern mit uns auf die Art und Weise kommunizieren will, die wir verstehen – und wenn es ein Gips ist, der einem Kind, so wie sie es verstehen kann, zeigt…Gott gips wirklich. Bis aus dieser ersten Gotteserfahrung vertrauensvoll gelebter Glaube wurden, sollten bei Nina Hagen noch einige Jahrzehnte vergehen…aber ein Anfang war gesetzt.

Gott im Ungewollten sehen

Zurück zu Weihnachten. Mich hat in den letzten Monaten die Geschichte von Joseph bewegt. Der wird – als in gewisser Weise Unbeteiligter – in Gottes Geschichte hineingezogen. Gestern wurde die kleine Sophia operiert. Sie brach ungeplant in ihre Familie herein. Und kam obendrein mit einer Gaumenspalte und anderen gesundheitlichen Problemen zur Welt. Alles anderes als erwartet.
Mit ungeplanten Lebenssitutionen klarkommen – und darin mit Gottes Hilfe bestehen – das ist wahre Weisheit. Ihr Vater, Christoph Schalk hat, als er mit dieser ungeplanten Situation gut umgehen lernen wollte, viel vom biblischen Joseph gelernt. Auch der wurde in eine ungeplante, keinesfalls so gewollte Situation hineingeworfen. Joseph ist zum Vorbild im vertrauensvollen Umgang mit ‚unmöglichen Situationen‘ geworden. Die Kunst, ‚Ja‘ zu ungeplanten Wegen zu sagen und das Beste daraus zu machen beschreibt er in dem Quadro – Inspirations- und Andachtsbuch Weisheit entwickeln, das mich in den letzten Wochen sehr bewegt hat.

Wie unmöglich das ist, wird mir gerade deutlich, wenn ich im Internet auf Twitter die Einträge von Joseph von Naza lese. Da erzählt Jospeh seine Geschichte. Jeden Tag ein Stück. Die unerwartete und unerklärliche Schwangerschaft seiner Verlobten. Dann zu allem Überfluss die Volkszählung. Die Reisevorbereitungen. Der Stress. All das, was er nicht wollte….und dennoch…. geplant von Gott, um seine Pläne mit ihm, Joseph, und weit darüber hinaus zur Erfüllung zu bringen.

In jedem Leben ist vieles ungeplant und ungewollt. Oft auch unerwünscht. Sicher nicht so wie erhofft. Manches ist sicher einfach Zufall oder Pech. Doch könnte es sein, dass manche der Dinge, die geschehen, ein Stück dessen sind, wie Gott in die Welt, auch in unsere eigene Welt hineinbrechen will. Unbequem. Ohne Zuckerguss. Aber auf seine Art. Um sich zu zeigen. Damit wir IHN sehen und begreifen können – auf unsere Art.

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