Obwohl ich schon ein paar Mal in den USA war, meist kürzer, fange ich erst jetzt an, historische Zusammenhänge zu begreifen. Die Biographie von Carnegie, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umfasst, ist dabei ebenso erhellend wie meine Reise ins Innere des Landes. Ich bin immer wieder überrascht darüber, wie jung Amerika als Nation im Grunde noch ist. Auf einem etwas mehr als 100 Jahre altem historischen Plakat habe ich heute gelesen, wie die Texas Colonial Association vor gut 100 Jahren dafür warb, dass Menschen sich hier ansiedelten:

The most healthy and agreeable climate,

The best timber,

The richest minerals,

The most fertile soil,

The largest stock region and

The greatest variety of products to be found in the world.

Wenn das nichts ist…

Vieles ist nicht so glatt und schwarz-weiß, wie man vielleicht denkt. So hat zum Beispiel der erste Gouverneur von Texas, Sam Houston, über Jahre bei Indianern gelebt und ihre Kultur und Lebensweise schätzen und lieben gelernt.

Die Siedler waren nicht alles rauhe Cowboys, sondern auch Menschen wie der schottische Philosoph Edmund Montgomery und seine deutsche Frau, die zu ihrer Zeit berühmte Bilhauerin Elisabet Ney, die naturliebende Idealisten, kluge Köpfe und außerordentlich begabte Künstler waren. Ney gelang es, Shopenhauer, der als Frauenhasser bekannt war, dazu zu bewegen, sich von ihr in Stein meißeln zu lassen. Sie war eine der wenigen Frauen, für die er positive Worte fand.

Nach ihrer Ankunft versuchten sie und ihr Mann erfolgreich das kulturelle Leben in Texas zu fördern. Dass die Uni von Texas mit heute 70.000 Studenten, wo neulich Obama sprach, hier in Austin ist, ist auch ihrem Einfluss zu verdanken. Dass es eine Stadt ist, die bis heute Kunst fördert, ebenfalls.

Capitol of Texas, Floor


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