Am Wochenende habe ich ein Seminar zum Thema „Swing. Dein Leben in Balance“ in Oldenburg gehalten. Nachmittags gab es lecker Kaffee und Kuchen und ich trank – durstig vom vielen Reden – mehrere Tassen Tee. Die wollten sich – als ich später im Zug saß, verabschieden.
Also machte ich mich in einem von Weihnachtsmarkt-Besuchern völlig überfüllten Zug auf die Suche nach einer funktionierenden Toilette. Ich ging – ehrlich – einmal komplett durch den ganzen Zug. Acht Toiletten waren defekt. Erst die allerletzte funktionierte. Leicht frustrierend. Ich wollte eigentlich lieber gemütlich lesen und entspannen, als einen Teil der Zugfahrt mit Wanderungen durch überfüllte Wagons zu verbringen.
Auf dem Rückweg hörte ich plötzlich ein „Hallo, Kerstin“. Eine Frau, die vor einem Jahr an einem unserer „Hütte-Seminare“ teilgenommen hatte, sprach mich an. Es war schön, sie zu sehen. Ohne die überfüllten Klos hätte ich sie wohl kaum gesehen.
Den nächsten Zug erreichte ich – wegen Verspätung – nur mit Sprint. Ich stieg in einen Wagon ein – und wollte fast wieder rückwärts raus. Es stank total eklig nach kaltem Schweiß. Da wollte ich nicht eine Stunde lang bleiben. Also einen Wagon weiter…Gerade als ich saß, wieder ein „Hallo, Kerstin..“ Ein Kollege aus Süddeutschland saß im gleichen Zug. Er hatte in der vorausgegangenen Woche gleich zwei Mal an mich gedacht, wollte mich um Unterstützung für Projekte bitten, hatte den Gedanken aber verworfen, weil er dachte, dass ich sehr beschäftigt bin. So hatten wir eine Stunde Zeit, um über die Projekte und Persönliches zu reden. Gut so.
Im nächsten Zug – war ich endlich gerade ein bisschen eingedöst, als mich mein Sitznachbar wieder weckte, der gerade vom Speisewagen zurück kam. Wir kamen ins Gespräch – über Bücher und Ebooks und er kaufte gleich „Krisen“ unser erstes Impulsheft, das es als App fürs Iphone gibt.
Am Wochenende hat mich ein Gespräch mit einem jungen Mann sehr bewegt. Er leidet an einer chronischen Krankheit. Und Leute haben ihm gesagt: „Das hat sicher alles seinen Sinn.“
Ich glaube nicht, dass alles automatisch seinen Sinn hat. Wir leben in einer Welt in der vieles wunderbar, aber auch einiges reichlich kaputt und zerstört ist. Kaputte Toiletten, stinkende Zugabteile, Menschen, die einen aus dem Schlaf wecken und chronische Schmerzen – all das hat aus meiner Sicht erst mal keinen Sinn.
Aber in allen Situationen haben wir – durchaus mit Gottes Hilfe – die Möglichkeit Sinn zu geben. In dem wir aus den vorhandenen Begrenzungen das bestmögliche machen. Indem wir gestalten, was wir gestalten können. Bei chronischen Krankheiten hat man oft keine Möglichkeit, den Krankheitsverlauf zu gestalten – wohl aber seine Einstellungen und dem Umgang damit. Hier kann man Sinn finden und Sinn geben.
Und ich halte es durchaus für legitim, Gott zu bitten, einzugreifen und zu handeln und „enge“, schwierige Situationen zu transformieren. So hatte vor meiner Abfahrt eine Frau für mich gebetet, dass ich eine gute Zugfahrt haben würde…