Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Kategorie: Erfolg (Seite 2 von 6)

Auf zu neuen Ufern

2016-06-14-14-23-30Die letzten Wochen waren intensiv. Anfang September habe ich die abschließende Jahresabrechnung 2015 erhalten, die deutlich machte, dass der Verlag defizitär wirtschaftet. Zugleich wurde mir klar, dass ich zwar sehr kreativ bin, aber nicht sehr analytisch. Das wusste ich eigentlich schon vorher, aber wie stark sich das auf das Führen eines Unternehmens auswirkt wurde mir erst durch das Lesen von Rock your idea bewusst.

Klar, auf eine ganze Reihe von Faktoren habe ich keinen Einfluss. Darüber habe ich im Blog von Down to Earth geschrieben. Dass Zwischenhändler von uns Verlagen bis zu 60% Rabatt verlangen – daran kann ich erst einmal mit meinen vorhandenen Mitteln nichts ändern.

Aber der Hebel, an dem ich immer ansetzen kann, bin ich selbst.

Seit ich erkannt hatte, Ich will lernen, mich weiterentwickeln, eine bessere Unternehmerin werden. Oder überhaupt Unternehmerin. Es gibt einen großen Unterschied, zwischen jemandem, der selbstständig arbeitet, für das meiste selbst zuständig ist und jemandem, der ein Unternehmen führt, etwas unternimmt, aber nicht alles selbst macht.

Mit Down to Earth bin ich irgendwo dazwischen. Ich leite ein geniales Team, das in weiten Bereichen eigenständig arbeitet, aber so ein Verlag plus Coaching plus Seminare ist doch ziemlich aufwändig und komplex. Am Ende laufen sehr viele Fäden doch wieder bei mir zusammen. Was manchmal gut ist. Häufig auch anstrengend.

Hier würde ich gern lernen, unternehmerischer zu agieren. Besser zu strukturieren. Prozesse zu optimieren.

Ich würde gern.

Ich würde gern… das kann ja jede*r sagen.

Ich tue es.

Ich lerne es, Entrepreneurin zu werden.

Jawohl.

Ich habe mich entschieden, am Call to Action der Stiftung Entrepreneurship teilzunehmen.

Das ist ein Einjahres-Training in Entrepreneurship (Entrepreneure, das ist das zeitgemässere Wort für Menschen, die Lösungen entwickeln,  eher vegan und fair produzierte Sneaker tragen als Anzüge und teure Lederschuhe und die eher in Cafes sitzen als in dicken Chefsesseln.

Das sind die Äußerlichkeiten. Innerlich geht es darum, Lösungen für diese Welt zu entwickeln, die den Menschen dienen. Ob es fair gehandelter Tee ist wie bei der Teekampagne oder technische Lösungen, die das Leben leichter machen.

Ich erwarte mir von dem Programm zum einen Impulse, mein bestehendes Unternehmen zu optimieren. Und vielleicht gründe ich auch noch ein oder zwei neue Unternehmen, wenn mir etwas einfällt, was  ich entwickeln kann, um diese Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Weil ich mich schnell für Dinge begeistern kann,  habe ich vorsichtshalber meine zwei besten Freundinnen um Rat gefragt, ob ich das tatsächlich tun soll. Schließlich kostet so was Geld und Zeit. Die eine meinte „Das scheint der beste Weg zu sein, wie du die Dinge, die du lernen willst, effektiv lernen kannst.“ 

Die andere meinte trocken „Du bist nicht glücklich, wenn du nichts Neues lernen kannst. Ich würde es dir empfehlen! Außerdem könnte ich wetten, dass du, kaum dass du etwas gelernt hast, es wieder an andere weitergibst. Das kann auch ein Segen sein.“ 

Also: Diese Woche geht es los.

Klar… das ganze kostet. Zeit und Geld. Nicht superviel. Aber 550 Euro + ca. 200 Euro Seminargebühren ist einiges, wenn man gerade Schulden bis über die Ohren hat. Falls du ein paar Tage oder Wochen oder einen Monat Lernen mitfinanzieren möchtest, würde ich mich freuen.

Und jetzt: Auf zu neuen Ufern!

Klarheit im Kopf

14572416_10157644158130249_4656339533911311237_nZahlen sind nicht meine Stärke. Doch manchmal sind die wirklich hilfreich.

In der letzten Zeit war viel – viel Druck im Verlag, viel Arbeit am Schiff, viel Neues, viele Entscheidungen. Ziemlich sehr viel.

Heute Morgen habe ich das getan, was ich immer tue, wenn ich mich sortieren will. Ich schreibe. Auf Zettel – und frage mich, ob daher das Wort „verzetteln“ kommt.

Ich hab erst alle größeren Aufgaben, Seminare und Projekt, die bis zum Jahresende anstehen, auf einzelne Zettel geschrieben.

Anschließend habe ich sie nach Themenblöcken geordnet sortiert – von links nach rechts:  Schiff – Verlag – Schreiben – Training – Ehrenamt – Projektideen. Die großen Dinge in meinem Leben. 

Und dann habe ich auf die einzelnen Zettel geschrieben, wie viele Stunden sie in etwa beanspruchen werden. Ergebnis: 400.

Dann habe ich die Wochen bis Weihnachten gezählt: 10.

Und dann gerechnet: 400 : 10 =  40.  Das ging sogar ohne Taschenrechner.

Mir ist klar: 400 Stunden in 10 Wochen nur für große Projekte, das geht nicht.  In Sam, meinen Online-Kurs für Arbeitsorganisation, empfehle ich, maximal 50% der Zeit zu verplanen, weil immer Unvorhergesehenes passiert.

Die Lösungsansätze

  • Streichen / Verschieben: Ist bei den aktuellen Projekten tatsächlich schwierig. Da einige Dinge – wie etwa in die Optimierung des Verlags zu investieren schlichtweg nicht warten können.
  • Samstags zum Teil arbeiten. Das versuche ich zu vermeiden, aber für 1 – 2 Monate kann ich das tun. Das werde ich z. T. bei Seminaren tun und auch am Schiff. Das ist ok. Heute habe ich zwei Stunden Mails beantwortet.
  • Delegieren. Noch mehr überlegen, wem ich was abgeben kann. Damit ich mich auf die Dinge konzentrieren kann, die wirklich wichtig sind.
  • Beten: Gott um Weisheit bitten, wie ich was angehen soll. Das ist ein Gebet, das er erstaunlich oft beantwortet.
  • Belohnen: Einen Kalender führen mit den Projekten und Stunden, die ich schon in sie investiert habe. Strichlisten und grüne Päckchen motivieren mich tatsächlich. Aber natürlich vor allem motiviert es mich, wenn die Aufgaben, die ich angepackt habe, tatsächlich in die Realität umgesetzt wurden.

Und immerhin: Das mit dem Rechnen klappt schon.

Wie Bücher prägen. Oder: Warum „Rock your idea“ mich zum Heulen brachte

Es gibt in meinem Bücherregal Bücher, die haben fast ein ganzes Lebensjahrzehnt geprägt.  Oder waren für mich so wichtig, dass ich genau weiß, in welchem Alter ich sie gelesen habe und welche Auswirkungen sie auf mein Leben hatten.

Die springende Flut1 – 10

Was ich in den ersten 10 Jahren meines Lebens gelesen habe, weiß ich nicht mehr so genau. Aber es war einiges. Nachmittage im Liegestuhl mit Enid Blyton (ja, ich gebe es zu, Hanni und Nanni, alle Bände), Astrid Lindgren und Michael Ende.

Heraus sticht dieses eine, kleine Buch von Pearl S. Buck, „Die springende Flut„. Das Buch war  das einzige griffbereite Buch auf dem Nachttisch meiner Eltern – eigentlich diente es nur zur Dekoration. Sie lasen sie eher im Wohnzimmer oder auf dem Balkon. Ich hab es wohl ein paar Duzend Male gelesen, weil es einfach da war. Und hoffnungsvoll.

Das Buch spricht über Zerstörung durch einen Tsunami und Neuanfang, darüber dass ein Fischerjunge durch einen Tsunami zum Waisenkind wird. Später, erwachsen, kehrt er an den Strand zurück, der seiner Familie das Leben geraubt hat. Er gründet eine Familie, Baut ein Haus. Seine Vorfahren hatten – um sich vor möglichem Unheil zu schützen, keine Fenster zur Meerseite hingebaut. Er baut sein Haus mit einem Fenster zum Meer. Ein Buch voller Hoffnung.

11 – 20

In meinen Teenagerjahren habe ich unzählig viele Biographien gelesen. Vor allem von Revolutionären wie Savanarola und Menschen, die in der Welt etwas verändert haben – wie Sophie Scholl,  Albert Schweizer und viele andere. Das ist geblieben. Bis heute liebe ich Biographien. Weil nicht jeder so viel liest, wie ich gebe ich eine Serie von knackigen und zugleich tiefen Kompaktbiographien für die Hosentasche heraus: Die Weltveränderer.

Neben den Biographien und C.S. Lewis – von Screwtape bis Narnia hat mich vor allem ein Buch geprägt: Bete und Staune. Die Autorin Catherine Marshall beschreibt ganz unterschiedliche Formen des Gebets. Mich hat es inspiriert und mir die Augen dafür geöffnet, dass Glaube sehr vielfältig gelebt und zum Ausdruck gebracht werden kann. Auch das prägt mich bis heute.

21 – 30

Das Buch des Zwanziger-Jahrzehnts war Robinson Crusoe. Ich habe meine Magisterarbeit über „Das Bild des Fremden in Robinson Crusoe“ geschrieben und fand die Auseinandersetzung damit extrem spannend. Größte Erkenntnis: Der einzelne Fremde – wie etwa Freitag – kann leicht zum Freund werden.  Sich der Gruppe der Fremden, „die Kannibalen“  anzunähern ist mit weit größeren Ängsten verbunden. Ich konnte es mir auch angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation (ich weigere mich, die Aufnahme von geflüchteten Menschen in unser Land als „Krise“ zu bezeichnen) nicht verkneifen,  meine Robinson und Freitag Erkenntnisse zu einem Artikel zu verarbeiten – natürlich darüber, wie Fremde zu Freunden werden können,

Völlig unnötige Info, aber irgendwie cool. Seit meiner Robinson-Zeit weiß ich, dass das Wort „Barbecue“ vom karibischen „Barbucan“ kommt, was so viel bedeutet wie „Seine Feinde braten!“ – diese Info kann man sehr effizient bei Grillparties einsetzen, wenn nur noch ein Steak auf dem Grill liegt und man den anderen den Appetit verderben möchte…. (ich käme natürlich nie auf den Gedanken). Und seit meiner Robinson-Zeit hängt ein Schild an meiner Bürotür „The only person getting his work done by Friday was Robinson Crusoe!“ 

30 – 40

In den Jahren haben ich mehrere Bücher gelesen, de mich stark geprägt haben :Vor allem die Bücher von Steven Covey über die Sieben Wege zur Effektivität (Wobei ich den deutschen Titel immer noch grausam schlecht übersetzt finde, weil es Covey um sieben Gewohnheiten geht, die man für ein gutes, erfolgreiches Leben einüben kann und darf.  Seine Bücher, aber auch Good to Great / Der Weg zu den Besten haben mir einiges über Fokus und Ausrichtung fürs Leben vermittelt. Einiges. Nicht alles.  Dazu später mehr.

40 – 50

Da bin ich noch drin. In diesem Jahrzehnt standen Coaching-Bücher im Vordergrund: Lösungsorientierte Beratung  von Bamberger habe ich regelrecht verschlungen. Und natürlich Marshall Rosenberg Gewaltfreie Kommunikation und viele andere Titel, die mich in meiner Praxis als Coach gestärkt und geprägt haben. Außerdem eine ganze Reihe von Büchern von Menschen wie Aliss Cresswell, Bill Johnson und Kris Valatton und anderen, die meinen Glauben herausgefordert und gedehnt haben – mehr in die Vorstellung hinein, dass Gott nicht alleine handeln will, sondern gern mit und durch uns.

Rock your ideaUnd jetzt gibt es ein neues Buch, von dem ich ahne, dass es vor allem mein Berufsleben im nächsten Jahrzehnt prägen wird Martin Gaedts Buch:  Rock your idea.

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich um Ideen selten erlegen bin. Wenn die einen vor Schreck erstarren,  regen mich Krisen zur Kreativität an. Beispielsweise wenn es auf dem Balkon  7 Meter entfernt, schräg von mir brennt, weil Teenie-Gäste bei einer Geburtstagsfeier Wunderkerzen-Weitwerfen gespielt haben !!!! und zielsicher einen vertrockneten Weihnachtsbaum trafen, der lichterloh in Flammen aufging.

Während alle anderen Gäste erstarrt vor Schreck das Feuer betrachteten, rannte ich in Küche und Bad, holte Teekannen und was ich sonst noch fand, und versuchte, schräg über den Hof Wasser auf den entfernten Balkon zu schütten. Und traf. Zumindest oft genug, um die Flammen zu löschen noch bevor die Feuerwehr mit drei Löschzügen eintraf.

Doch witzig, originell und kreativ denken zu können, allein reicht nicht, damit eine Idee erfolgreich umgesetzt wird.

Das habe ich jetzt beim Lesen von Rock your idea verstanden. Die Originalität und Offenheit braucht als Gegenpol immer die Analyse und das achtsame Hinschauen, damit etwas gelingt. Das A und O.

Beim Lesen wurde mir klar, warum viele meiner eigentlich im Ansatz guten Ideen nicht funktioniert haben. Ich habe wunderschöne Postkarten produziert, umweltfreundlich, originell mit gutem Design. Nur unpraktischerweise die Vertriebskosten nicht genau berechnet (schon allein deshalb, weil ich gar nicht weiß, wie man so was kalkuliert). Und nicht richtig nachgefragt, ob die Kunden meines Verlags, die meine Bücher und Trainingsmaterialien sehr schätzen, auch auf Postkarten stehen. Tun sie nicht. Das weiss ich jetzt.  9875 unverkaufte Postkarten später.

Und meine Kunden mögen noch nicht mal alle meine Bücher. Ich hab Buchtitel gemacht, von denen ich begeistert war, ohne vorher zu prüfen, ob andere Menschen davon auch begeistert sind. Und natürlich ob sie die Titel tatsächlich auch kaufen würden.  Das kann man natürlich nie genau sagen, das typischte an der Zukunft ist ja, dass sie ungewiss. Das Interesse und die Resonanz ungefähr zu erfragen, wäre das gute, ergänzende A zum sprudeligen O gewesen. Das hat in den meisten Fällen gefehlt.

Zu allem Überfluss habe ich gerade in der Anfangsphase – Buchcover gemacht, die auf dem Computer gut aussahen, aber im Laden überhaupt nicht wirkten.  Das ist eine andere Geschichte.

Als ich Rock your idea zu Ende gelesen hatte, hab ich erst mal eine Runde geweint.

Es tat einfach weh, zu realisieren, wie viel Ideen mit Potential misslungen oder nicht zur vollen Entfaltung gekommen sind, weil mein A-Flügel sich nicht entfaltet hat…ich gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Und ich mag gar nicht erst anfangen zu spüren oder gar zu rechnen, wie viel emotionale, aber auch finanzielle Energie mich die fehlende Analyse gekostet hat. Das ist wirklich zum Heulen.

Im Coaching sagt man oft: Wenn etwas nicht funktioniert, verdoppeln Menschen ihre Anstrengungen. Der Partner hört nicht zu. Also redet man lauter oder mehr.  Das Ding klemmt, also zerrt man mehr. Abstand nehmen, eine ganz andere Strategie entwickeln, ist meist die bessere Alternative.

Dumm, wenn man den Fehler dann selbst macht. Ich hab eine Idee entwickelt. Wenn es dann schwierig wurde, hab ich einfach die nächste Idee entwickelt, statt etwas anderes zu tun. Genau analysieren zum Beispiel. Ideen entwickeln, das kann ich. Irgendetwas fällt mir immer ein. Also hab ich meine Anstrengungen verdoppelt. Und um nicht allzu hart, mit mir selbst zu sein: Eine ganze Reihe der Ideen waren auch gut.

Aber ich ahne, wie viel besser meine Verlagsarbeit funktioniert hätte, wenn ich das mit dem Hin- und Her von Originalität und Analyse vor 10 Jahren gewusst und eingeübt hätte. Glücklicherweise ist es noch nicht zu spät. Ich habe – vermutlich – noch einige Jahre, oder ein oder zwei Jahrzehnte Berufsleben vor mir. Und werde versuchen, meinen  A – Flügel zu stärken. Denn wenn man nur mit einem O – Flügel fliegt, fliegt man im Kreis. Und ich habe mir ganz neu eine A-Frau an Bord und einen Super-A-Berater ins Team geholt, um mich darin zu unterstützen.  Und eine dritte A Frau kam in dieser Woche einfach von selbst an. Ich bin am Staunen.

Jetzt gilt es erst mal achtsam hinzusehen: Was funktioniert? Was nicht?

Und wenn wir dann die nächste Idee, die natürlich schon da ist, weiterentwickeln, wird zu dem O eine gute Portion A kommen.

Mich zum Weinen bringen – das hat bisher noch kein „Business“ Buch geschafft.

Aber ich weiß, dass ich in ein paar Jahren lachend sagen werde: Die Gedanken aus Rock your idea, vor allem der Grundgedanke von A und O, hat etwas verändert. Hat verbessert, wie ich ich Projekte angehe. Es hat jemanden verändert. Mich.

Die fünf Phasen einer Vision und woran man sie erkennt

Sommerwetter im September. Es war einer dieser strahlenden, warmen Tage. Ich hatte zum Tag der offnen Tür an Bord eingeladen.

Ich genoss die Kommentare der staunenden Gäste:

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so groß ist!“

„Boah, das schön….“

Viele kannten das Projekt bisher nur von Facebook oder von meinem Blog und staunten über das, was geschehen war, seit ich das rostige DDR – Torpedoschiff gekauft hatte, um daraus einen Ort zu machen, an dem Menschen Inspiration und Orientierung finden können.

Nach einigen Führungen fing ich an, darüber zu flachsen, dass man als Visionärin die fünf Phasen der Umsetzung einer Vision an den Kommentaren der anderen erkennen kann…

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Seminarraum 2011 – bevor ich das Schiff kaufte.

Phase 1 – Beginn: „Du bist verrückt!“

Die einen sagen es offen, die anderen denken es nur. Sie gestanden mir dann später „Als du damit begonnen hast, dachte ich: `Jetzt ist sie wirklich verrückt geworden!“  Derartiges Feedback bekommt man meistens nur dann, wenn man es tatsächlich wagt, eine Idee oder einen Traum tatsächlich umzusetzen. Es gibt jede Menge Visionäre, die von Dingen, die man verändern könnte, träumen.

Aber nur Umsetzer-Visionäre übernehmen Verantwortung für ihre Idee und wage es, die Dinge tatsächlich anzupacken. Eine Idee ohne Umsetzung ist ein netter Geanke. Keine kraftvolle Vision. Hätte ich nur geträumt, auf dem Wasser einen Inspirationsort zu schaffen, hätten die meisten das vermutlich okay gefunden.  Schöner Traum. Nette, originelle Idee. Wäre ja toll, wenn so was ginge.

Aber als ich tatsächlich ein altes fast schrottreifes Schiff kaufte, löste das bei vielen Kopfschütteln bis hin zum Entsetzen aus.  Natürlich gab es 1000 Gründe, die dagegen sprachen, mich in so ein Abenteuer zu stürzen,. Da war zuerst einmal die mangelnde handwerkliche Erfahrung. Ich besaß nur einen Hammer, eine Säge und eine Zange – und auch nur gerade mal die Fähigkeit, um diese drei Werkzeuge einzusetzen. Das reicht nicht, um ein Schiff zu bauen. Dann natürlich das fehlende Geld. Und eigentlich – neben meinen anderen Aufgaben auch die fehlende Zeit…

Und                             und                               und.

Glücklicherweise gab es einige Menschen – keine Bank – die mich lange genug kannten, um zu vertrauen, dass das Projekt – so verrückt es war – Hand und Fuss haben würde. Und mir ihr Vertrauen aussprachen und zum Teil auch in Darlehn handfest zeigten.

Schlamm und Rost rausholen.

Schlamm und Rost rausholen.

Phase 2 – Umsetzung: „Du tust mir leid!“

Natürlich gibt es in einem Projekt Krisen. Die kleinen, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen haut. Die großen, wenn der angeblich gute Stahl der Außenwand des Schiffes plötzlich daumengroße Löcher hat. Und man in die Werft muss, um das Schiff vor dem Untergang zu bewahren. Und noch größere Löcher in den Stahl schneidet, um später neue, schöne, teure Stahlplatten aufsetzen zu können.

Grenzwertig. Sehr grenzwertig.

Doch:

Nur wer an seine Grenzen geht, kann sie erweitern. – Martin Gaedt

Und dann just in dem Moment als lauter Löcher im Schiffsrumpf sind, von einem Hochwasser überrascht wird, das durch die Löcher ungehindert ins Innere des Schiffes dringen, aber später nicht mehr abfließen kann. Die unteren Räume stehen kniehoch voll Wasesr. Dümmer kann es nicht kommen. Mehr als grenzwertig. Einer der schlimmsten Momente.

Erfahrene Schiffbauer sagten mir: Es ist extrem selten, dass so etwas auf einer Werft passiert. Alle paar Jahrzehnte mal. Seltenes Pech, dass es gerade mich trifft. Und richtig gründlich. Versicherungen fühlen sich für höhere Gewalt kaum zuständig.

Bei zehn Grad Minus Außen- und Innentemperatur auf Metallstangen zu liegen und kopfüber von Hand das Wasser und den Schlamm abzuschöpfen  (siehe Bild) – nein, das macht wirklich keinen Spass. Neben den großen Krisen gab es 250 kleine von der Sorte, wie sie zu jedem Projekt gehören. „Du tust mir leid!“ wurde in dieser Phase zum Dauerkommentar. Gelegentlich tat ich sogar selbst mir leid. Ich finde, das darf – wenn es nicht zu lange anhält – auch mal sein.

Renovierung 2013

Renovierung 2013

Phase 3 – Fortschritt:  „Ich bewundere dich!“

Egal, in welcher Phase wir steckten und stecken: Das Ziel, alles fertig zu habe, schien noch unendlich weit weg. Doch es rückte jede Woche näher:

  • Der erste Raum ist fertig entrostet und mit Isolierung versehen
  • Das Schiff hat einen Kaminofen
  • Es gibt jetzt einen Trinkwassertank (nach 2 Jahren Wasserflaschen Schleppen ein Traum!)
  • Wir haben eine funktionierende Toilette!
  • Die ersten Gäste sind an Bord und empfangen Coaching und Orientierung
  • Das erste Mini-Seminar findet – sehr improvisiert auf einem Fussbodenbelag aus alten Kartons – statt.
  • Die Decke im Hauptraum ist fertig. Und die Küche für Gäste.
  • Es gibt Licht – aus der eigenen Solaranlage!

Ich habe in dieser Phase gelernt, mich nicht so sehr auf das Ziel zu fokussieren, so wichtig das ist. Sondern vielmehr meine emotionale Energie aus jedem geleisteten Zwischenschritt zu ziehen. Mit jedem Arbeitsschritt,  den meine Freunde und ich auf dem Schiff leisteten und dokumentierten, wuchs das Staunen: Sie bleibt ja dran.

10  bis 20 Stunden. Jede Woche. Sommer und Winter. Sie  schafft es tatsächlich! Und immer mehr Menschen stiegen ein, und halfen mit, indem sie mir den einen oder anderen Eimer Farbe schenkten, für mich Baumaterial besorgten oder selbst Hand anlegten.

Morgens - Blick aufs Wasser.Und als das Schiff tatsächlich so 70% fertig war, fingen die ersten Besucher an, zu sagen:

„Ich kann mir vorstellen, wie das mal werden soll!“

Morgens – Blick aufs Wasser.

Schmunzelnde Anmerkung: Man bemerke den Unterschied zur Visionärin: Die sah, was es bereits werden soll schon bei 0%….

Ok. Um ehrlich zu sein: Ich sah das Potential des Schiffes auch erst nach 30 Minuten Besichtigung auf dem von den Vorbesitzern vollgestellten Schiff – siehe Bild). Aber für viele, nicht so stark visionäre Menschen ist es tatsächlich eine Leistung, sich schon bei 70% das Endprodukt vorstellen zu können, wohingegen es für Visionäre meist eher unmöglich ist, das Potential nicht in allem zu entdecken.

Phase 4 – Erfolg „Ich beneide dich!“

Fertig ist das Schiff noch nicht. Wenn alles gut geht und ich genug Hilfe habe, ist der Seminarraum Ende September einsatzbereit.

Und an anderen Ecken wie Lüftung, Treppe nach unten, meinem Büro und anderen Stellen wird es wohl noch sich bis neun Monate Arbeit geben. Dennoch höre ich jetzt viele Kommentare wie

„Immer wenn ich die Bilder sehe, die du auf Facebook postest, werde ich doch ein bisschen neidisch!“

„Du lebst deinen Traum – das wünsche ich mir auch.“

Das Nachbarschiff - wer will es haben?Phase 5 – Neue Vision „Was ist dein nächster Traum?“

Neben meinem Schiff liegt die Edelweiß, ein uraltes, riesiges Schiff, das zwar noch edel, aber nicht mehr weiß ist. Viele Besucher, die wissen, dass bei einer Visionärin der nahende Abschluss einer Idee nur den Beginn der nächsten markiert, zeigen auf das alte Schiff und fragen: „Wird das dein nächstes Projekt?“ Ich lächle und sage: „Ich hab ja schon ein Schiff!“ Zwei Mal den gleichen Traum träumen und umsetzen wäre irgendwie langweilig.

So ganz fertig ist das Schiff ja noch nicht. Ich denke, das wird – ja nach Unterstützung noch so ca. 6 Monate dauern. Und fürs Erste hab ich auch genug Rost und Sägespäne geschluckt. Ich will nun – hoffentlich bald – Schritt für Schritt die  Darlehn zurückzahlen. Und mehr noch als schon bisher – das auszuleben, wofür ich das Schiff umgebaut habe:

  • Leben: Ein Ort, wo andere und ich Wind, Wasser und Wellen genießen und sich begegnen können.
  • Orientierung: Menschen, die Orientierung brauchen, die Möglichkeit geben, eine kürzere oder längere Zeit hier mitzulesen, aufs Wasser zu starren und auf Wunsch Unterstützung beim Sortieren  zu erhalten.
  • Inspiration: Events zu veranstalten oder anderen den Raum dafür zu bieten, die Menschen inspirieren, stärken, weiterbringen….

Auch wenn ich noch Aber abgesehen davon träume ich natürlich schon von dem nächsten großen Projekt. Ich beginne, mir über die Umsetzung Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden… Was es genau ist, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Es hat eher mit Rost in den Köpfen zu tun als mit Korrosion auf Metall. Und ja, es ist eine Vision, die mich zum Lächeln bringt, meine Phantasie anregt. Und am Ende hoffentlich vielen Menschen Gutes bringt.

Auch wenn sie zwischendrin vielleicht zuerst einmal  sagen

„Du bist verrückt!“

„Du tust mir leid.“

„Ich bewundere dich!“

und vielleicht irgendwann auch mal

Ich beneide dich!“

Kleine Samen säen – mein überraschender Weg in die Politik

2016-05-25 06.54.44Es begann im November 2015. In Berlin und weit darüber hinaus ging die Situation an unserem Landesamt für Gesundheit und Soziales, wo auch Geflüchtete betreut werden, durch die Presse. Menschen warteten Tage- und Nächtelang auf Registrierung, Termine. Es war katastrophal. Und hat mich bewegt. Im Herzen und zum Handeln.

Ich hab mich gefragt, was ich tun kann. Und habe – in meinem Freundeskreis und bei einer Teefabrik aus meiner früheren fränkischen Heimat – erst mal gut 40 Kilo Tee als Spende organisiert. Das half in den kalten Nächten wenigstens etwas.

Dann habe ich die Facebook-Gruppe Volunteer Translators initiiert, um kurze Texte schnell mal in die Sprachen der Geflüchteten übersetzen zu können.  Um die Geflüchteten und die Helfer zu entlasten. Und schließlich Nestwerk Berlin gestartet, eine Plattform der InitInitiativen, die sich um Wohnraum für Geflüchtete bemühen. Mit dem Ziel, gemeinsam effizient mehr zu erreichen. Daran arbeite ich intensiv bis jetzt. Aktuell vor allem an der Homepage.

Ich ging davon aus, dass solche Situationen sich nicht von heute auf Morgen ändern. Ich wollte Gott regelmässig um die Verbesserung der Situation bitten, aber kenne mich gut genug, um zu wissen, dass solche Vorsätze gern mal im Sand verlaufen, wenn es keine konkrete Erinnerungshilfe dazu gibt.

Also habe ich mir als Erinnerungshilfe den gleichen Tee gekauft, den wir auch für die Flüchtlinge besorgt hatten. Vorsichtshalber gleich zweihundert Teebeutel.- man weiß ja nie, wie lange es dauert, bis ein Gebet erhört wird. Jedes Mal, wenn ich mir eine Tasse schwarzen Tee gemacht habe, habe ich gebetet. Für die Berliner Verwaltung, für die Verantwortlichen, für gute Lösungen für die Herausforderungen, für Verbesserung der Prozesse.

Ein Gebet nach dem anderen. Jedes Gebet ein Same. 

Natürlich hätte ich ahnen können, dass Gott sich die Chance nicht entgehen lässt, mich auch zur Erhörung meiner Gebete einzuspannen. Anfang Mai ging – nach 200 Tassen Tee und Gebeten – mein  Teevorrat zu Ende – und dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse.

Ahmad, ein Freund aus Syrien, erzählte mir davon, dass es ihm dieses Jahr vor dem Ramadan graut. Der Grund: Die Fastenzeit, in der zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts gegessen und getrunken werden darf, fällt auf die längsten Tage des Jahres vom 6. Juni bis 4. Juli. Das bedeutet: einen Monat lang 19 Stunden lang nichts essen und nicht trinken.

Ich fühlte mit ihm mit. Und mit den Flüchtlingen in den Turnhallen, von denen ein Teil Ramadan hält und die vielleicht Nachts nichts mehr zu essen bekommen. Und den Nicht-Moslems, die womöglich gestresst durch diejenigen sind, die Nachts essen und laut sind.  Mich lies das nicht mehr los. Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Bürgermeister Müller fragte ich, ob es denn ein Konzept für die Notunterkünfte gäbe, wie in dieser Zeit Versorgung der Fastenden, ihre Gesundheit und der sozialer Friede zwischen denen, die fasten und denen, die es nicht tun, gewährleistet werden kann.

Er sagte mir zu, er würde das am nächsten Tag in der Senatsbesprechung ansprechen. Und am Nachmittag erhielt ich einen Anruf von  dem für die Unterbringung von Geflüchteten zuständigen Staatsekretär. Wir unterhielten uns eine Weile und er bat mich, ihm mein Konzept zu schicken… Er schrieb mir,  dass er das Konzept für wertvoll hält und es dem Präsidenten das LaGeSo zur Umsetzung empfohlen hat. Das ist mein letzter Wissensstand.

Mich berührt das sehr. Ich glaube, dass es ein Stück dazu beitragen kann, dass die Situation in der Zeit des Ramadan für alle Beteiligten besser wird- Muslime wie Christen und Atheisten. Fastende wie Nichtfastende.

Und dann ging mir mehrere Tage nicht mehr aus dem Kopf, dass Herr Müller gesagt hatte, dass er eine Bürgersprechstunde hat. Ich schaute nach, stellte fest, dass die nur zwei Mal im Jahr ist und ich die Anmeldefrist knapp verpasst hatte. Und bekam gleich online die Rückmeldung, dass es mehr Interessenten als Termine gab. Rechnete mir kaum Chancen aus, bis ich an einem Samstag! einen Anruf seines Mitarbeiters erhielt, ich hätte einen Termin.

2016-05-25 14.42.57Der Termin war dann heute. Ich war natürlich aufgeregt, hab mir, kurz bevor ich los ging die Zähne versehentlich mit Gesichtsreinigungsmilch geputzt. Zum Glück Bio. Und es war gut. Weil die Person vor mir kurzfristig abgesagt hatte, war sogar mehr Zeit als üblich. Ich konnte Herrn Müller ein Konzept vorstellen, das wir entwickeln, um Geflüchtete schneller aus Turnhallen in eigenen Wohnraum zu bringen und er sagte mir zu, mich mit den Verantwortlichen in Kontakt zu bringen.

Dann sprach ich das Thema Schutz Minoritäten in den Flüchtlingsunterkünften, sowie verbesserte Integration aller an und machte einige konkrete Vorschläge, worauf er mich fragte, ob ich ein Konzept hätte. Hatte ich tatsächlich. Und auch dabei.

Irgendwann mal vor einem halben Jahr hab ich begonnen, Samen auszusäen. Samen des Gebets. Samen des Engagements. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich mal an den Tisch des Regierenden Bürgermeisters von Berlin führen würden, hätte ich nicht gedacht. Und jetzt hoffe und bete ich, dass die Gedanken, die für meine Stadt und unser Land hilfreich sind, weiter wachsen.

 

 

 

 

Meine Ziele 2015 erreicht? Vielleicht

2013-01-10 15.42.20 730_319So ein Frust!!! 

Vor einem Jahr habe ich den Entrepreneurial Strenghts finder Test gemacht, um herauszufinden, wo im umternehmerischen Bereich meine Stärken liegen – oder anders ausgedrückt: Welche der 10 wichtigen Qualifikationen für erfolgreiches unternehmerische Tätigkeit ich schon entwickelt haben.

Es gab drei Kategorien (stark, mittel, schwach). Ich hatte fünf wichtige Fähigkeiten stark entwickelt, zwei mittel und drei weitere schwach. Mein Ziel für 2015 war, drei der fünf weniger starken Stärken zu trainieren und weiter auszubauen. Schon damals hab ich mir vorgenommen, den Test zum Jahresende 2015 noch mal zu machen, um zu überprüfen, ob mir das gelungen ist. Ich hab mich im Delegieren (einer meiner Schwachpunkte) geübt, versucht mehr Business Fokus (und Fokus überhaupt) zu stärken und wollte vor allem mehr Zuversicht zu gewinnen.
Jetzt hab ich den Test noch mal gemacht – und stelle fest, dass die Herausgeber die Kategorien abgeschafft haben! Man sieht also nur noch, welche Reihenfolge die einzelnen Stärken haben, aber nicht, ob sie stark, mittel oder schwach sind. Das Ergebnis: Ich weiß ich nicht, ob ich mein Ziel erreicht habe. Es ist so, als ob die anderen beim Marathon plötzlich den Zieleinlauf weggenommen haben, so dass man nicht weiß, ob man tatsächlich angekommen ist. Was für ein Frust!

Test hin oder her – was klar ist: Im Delegieren bin ich besser geworden. Das bestätigen mir auch meine Mitarbeiter. Es ist für mich immer noch ein Übungsfeld, auszuloten, wie viel Anweisung jemand braucht – hier ist noch Luft zum Wachsen.

Zuversicht in Bezug auf das geschäftliche ist in diesem Jahr gewachsen.Das zeigt sogar der Test.  Zuversicht war vor einem Jahr an Platz 6 – also vorhanden, aber nicht sehr stark. Das mag für manche erstaunlich sein, aber in Bezug auf Firmenführung war ich manchmal tatsächlich nicht so zuversichtlich. Ich hatte viel probiert, manches hat geklappt, anderes nicht und es fiel mir oft schwer, ein Muster zu erkennen. Volle Kraft investiert habe ich immer, wieso ging manches und anderes – trotz großer Anstrengung nicht. Und mein Gehalt war – trotz großer Risiken und Verantwortung – oft weit unter dem einer einfachen Sekretärin. Das fans ich schon reichlich frustrierend. Und fühlte mich oft hilflos, weil ich nicht wusste, wo ich ansetzen sollte.

Manche Sachen, die ich auch mit dem Rat von Experten probiert habe, haben einfach nicht funktioniert. Und das viele erfolglose Herumprobieren hat mich ermüdet. Im Februar habe ich dann in einem Online-Buisness-Ratgeber gelesen, dass gute Newsletter weitaus wirksamer Menschen erreichen als die meisten Social Media Sachen. Also hab ich mich darauf konzentriert, unseren Verlagsnewsletter richtig gut zu schreiben. Inhalte zu vermitteln, die Menschen inspirieren und weiterbringen. Nicht nur Werbung für Produkte zu machen (das natürlich auch). Und Menschen davon zu erzählen uns sie einzuladen, sich einzutragen. Das tue ich hiermit gleich noch: anmelden kannst du dich dafür auf unserer Down to Earth Internet-Seite)

Das Ergebnis: Nach jahrelangem Abwärtstrend stiegen die Abonnentenzahlen für den Newsletter. Und auch die Verkäufe. Wo andere Verlage aufgeben oder verkauft werden, haben wir leichten Zuwachs. An verkaufen Büchern und an Zuversicht.

Die Zuversicht geht sogar so weit, dass ich es 2016 wage, 20% meiner Arbeitszeit für ein ehrenamtliches Projekt zu investieren: Kolibri – Zusammen wohnen mit Flüchtlingen. Das ambitionierte Ziel für 2016: die politischen und praktischen Vorraussetzungen zu schaffen, dass im nächsten Jahr 10.000 oder mehr Flüchtlinge langfristig privat bei Berlinern  wohnen können. Klar werde ich von Anfang an delegieren und andere mit einbeziehen. Und so fokussiert sein wie möglich, um das Ziel zu erreichen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Ziel erreichen werden. Denn Zuversicht ist in diesem Jahr gewachsen, auch wenn der Test mir nicht ganz genau sagt, wie sehr!

Auf ein gutes neues Jahr! 

 

Mein Blick ins neue Jahr 2016

2013-01-10 14.53.03 730_3192016 – was soll werden?

Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten. – Willy Brandt

Man kann natürlich nicht alles gestalten, aber doch oft mehr als man denkt. Im Newsletter meines Down to Earth Verlags habe ich den Lesern 10 Fragen gestellt, die ihnen vielleicht in Bezug auf das neue Jahr beim Fokussieren und Nachdenken über das Wichtige in ihrem Leben helfen können.

Hier will ich die zehn Fragen mal  mal für mich selbst beantworten.

1. Was in meinem Leben soll so bleiben wie es ist, weil es gut ist? Finde so viele Antworten wie möglich.

Mein Haus, mein Boot, meine Freundschaften, mein Verlag, die Online-Kurse, meine Stadt. Schreiben, coachen, inspirieren. Schönheit um mich herum, mich engagieren, grüne Smoothies, Mittagspausen im Park oder auf dem Balkon (bei gutem Wetter), Trampolin, der Blick in die Weite von meinem Boot aus, Menschen begleiten…

2. Was müsste ich tun, um zu verhindern, dass mein Leben in eine positive Richtung geht?

Mich verzetteln. Zu viele Dinge auf einmal tun wollen.

3. Welche Beziehungen will ich stärken? Wie?

  • Die zu meinen engsten Freundinnen, einfach weiter viele Dinge mit ihnen erleben.
  • Zu Freunden und Patekind in England – eine Reise an Ostern.
  • Zu neuen, nach Berlin geflüchteten Freunden – zusammen essen und arbeiten.

4. Welche Dinge, Menschen oder Aufgaben passen nicht mehr in mein jetziges Leben? Was möchte ich bis Silvester 2016 loslassen?

  • Viel Materielles, Kleidung, Bücher, das auf dem Boot keinen Platz mehr finden wird – hier bin ich schon kräftig am Aussortieren und Ausräumen. Manches ist mühsamer. Kisten mit Dias will ich erst scannen, bevor ich die Originale wegwerfe, das braucht Zeit.
  • Organisatorische Aufgaben im Verlag – ich würde mich gern stärker auf Inhalt und auf Coaching und Inspirieren konzentrieren, weniger auf Orga und Marketing.

5. Was würde ich gern noch lernen – und wie?

  • Grundwortschatz Arabisch – mit Online-Programm und durch persönliche Begegnung.

6. Wie möchte ich Ende 2016 charakterlich sein? Was soll gestärkt werden?

  • Fokus. Ich möchte eine klar fokussierte Frau sein. Das war schon 2015 mein Fokus und wird es noch weiter bleiben.

7. Was möchte ich bis 31. 12. 2016 bewirkt haben? (Welche Missstände belasten mich so sehr, dass ich etwas ändern möchte? Oder welche Potentiale reizen mich so sehr, dass ich sie nutzen will?)

  • Weiterhin: Menschen inspirieren und stärken, so dass ihr Glaube fröhlicher, ihre Beziehungen entspannter und ihr Leben stärker wird.
  • Neu: Mithelfen, dass viele Tausend Flüchtlinge in WGs und bei Familien unterkommen und so leichter in das neue Leben hier hineinfinden. Viele = 10.000 oder mehr in Berlin. Und viele Tausende darüber hinaus.

8. Was möchte ich 2016 zum ersten Mal tun oder erleben?

  • Ein Sommerkonzert in der Berliner Waldbühne
  • 5 Tage Island…oder Indien (länger als fünf!)
  • Mein Schiff einweihen!

Welche wohltuende Routine möchte ich 2016 einüben?

  • Mails nur dann öffnen, wenn ich sie tatsächlich gleich beantworten kann (nicht lesen und dann unbeantwortet lassen).
  • Längere Zeiten – d.h. 60 -90 Minuten – fokussiert am Stück arbeiten, mich weniger unterbrechen lassen / selbst unterbrechen
  • Jeden Werktag Morgen 7 – 20 Min Bewegung.

Was müsste ich anders über mich, Gott oder die Welt glauben, damit mein Leben eine positive Veränderung erfährt?

Über die Frage denke ich gerade noch betend nach…alte Muster zeigen sich ja nicht so einfach…

Die Fragen stammen übrigens aus dem Impulsheft „Zukunftsfragen„. Ich liebe gute, anregende Fragen. In dem Heft und in den anderen Impulsheften der Fragen-Serie habe ich einige der besten und hilfreichsten Fragen, die ich kenne, zusammengestellt.

Ich hasse Hilflosigkeit

2015-06-28 17.02.52Es war knapp. In Hamburg hatte ich nur sechs Minuten Umsteigezeit, um den Regionalzug nach Cuxhaven zu einem Seminar zu erwischen. Knapp aber machbar. Doch dann blieb der Zug etwa 500 Meter vor der Einfahrt in den Bahnhof stehen. Wenn ich lange  Fingernägel gehabt hätte (nicht drin, wenn man ein Schiff baut), dann hätte ich die vermutlich abgekaut. Es ist sco schrecklich, wenn man in einer Situation festhängt und absolut nichts machen kann.

Hilflosigkeit ist mein absolutes nicht-Lieblingsgefühl. Ich hasse es regelrecht, wenn ich mit einer Situation konfrontiert bin, nicht weiß, was ich tun kann. Oder das, was ich tun möchte – etwa schnell zum nächsten Gleis zu rennen, nicht möglich ist. Wenn – trotz harter Arbeit – die Papierstapel nicht kleiner werden. Oder trotz Disziplin die Pfunde nicht schmelzen.

Manchmal kommt die Hilflosigkeit von außen. Oft aber auch aus dem Inneren. Man fühlt sich perspektivlos und hilflos, festgenagelt und handlungsunfähig. Oder einfach nur matt und leer und weiß nicht, wo man beginnen soll.

Ich schätze, du kennst das auch:

  • Du willst konzentriert arbeiten, kriegst es aber absolut nicht hin.
  • Du wünscht dir Nähe und Vertrauen in der Beziehung zu Gott – aber irgendwie überwiegen dann doch die Zweifel.
  • Du willst lästige Pfunde loswerden, aber die Schokoladentorte gewinnt immer.
  • Du bist im Grunde ein freundlicher Mensch, aber muffelst doch viel rum.
  • Du wünscht dir Power im Gebet, aber es fühlt sich an, wie ein nasser Lappen.

Sich hilflos fühlen ist scheußlich. Was für mich richtig schön ist: Ich fühle das Gefühl der Hilflosigkeit – außer bei Reisen – nur selten. Früher habe ich das viel häufiger gespürt. Und mich entsprechend oft schlecht gefühlt. Der Unterschied besteht für mich darin, dass ich Verhaltensmuster und Strategien gelernt haben, die mich gestärkt haben, so dass ich nur noch sehr selten in die Hilflosigkeit abstürze.

Gelernt habe ich in ganz verschiedenen Bereichen: Praktische Strategien zur Arbeitsbewältigung. Wege zu Kraft und Energie. Wissen über Ernährung und Bewegung. Zugänge zu einer stärkenden Spiritualität. Aufbruch zu mehr Gelassenheit.

Die gute Nachricht für dich: Auch du kannst lernen, die Hilflosigkeit zu überwinden. Ganz einfach, indem du dir Schritt für Schritt die Fähigkeiten aneignet, die für bessere Bewältigung hilfreich sind. Und du bist dabei nicht allein.

 

Ich habe für dich aus dem, was ich gelernt habe, 5 Anti-Hilflosigkeitstrainings entwickelt. Die kannst du bequem online von zu Hause aus mitmachen. 

1. Gegen schlechte Arbeitsorganisation und für mehr Effizienz und Entspannung:

Sam. Seine Arbeit meistern. Gelassen durch den Alltag gehen

2. Gegen die Mauern zwischen Gott und dir – und für mehr Erfahrung von Gottes Nähe

IDA. In deinen Armen. Vaterliebe Gottes erfahren.

3. Gegen Energielosigkeit und Ballast – für mehr körperliche und seelische Leichtigkeit.

LEA. Lebe endlich anders. Leichtigkeit, Energie und Ausstrahlung gewinnen.

 4. Gegen Kraftlosigkeit im Glauben und für mehr Erfahrung von Gottes Eingreifen.

WUM. Wunder unter Menschen. Natürlich Gottes Kraft erfahren.

Zu WUM gibt es auch ein kurzes Video: https://www.youtube.com/watch?v=uCXvQKHgzN4

5. GANZ NEU!!!! Gegen Muffigkeit und für mehr halb oder ganz volle Gläser im Leben.

DAN. Dankbar alles nehmen. Mehr Zufriedenheit entfalten.

 

Was du in den drei Monaten für nur ca. einen Euro pro Tag bekommst:

  • Zwei Mal pro Woche Inspiration und Input zu deinem Thema.
  • Konkrete Anleitungen und Aufgaben, die dir helfen, die ersten Schritte zu gehen.
  • Viele weiterführende Tipps und Links, die dir helfen, das Gelesene zu vertiefen.
  • Eine Facebook-Gruppe für zusätzlichen Input , Fragen und Austausch mit anderen Teilnehmern.

Kurz: ein Kraftpaket für dich und dein Leben.

 

Dadurch dass jeder Kurs auf drei Monate aufgeteilt ist, kannst du in deinem Bereich Schritt für Schritt lernen – und wirst souveräner, stärker und handlungsfähiger!

Jeder Kurs kostet 99 Euro, wenn du ihn alleine machst. Nur 90 Euro, wenn du ihn zusammen mit einer anderen Person machst. Das ist ohnehin klasse, weil man sich gegenseitig motivieren kann. Gruppenpreise gibt es auf Anfrage bei mir.

Ich liebe es, Menschen im persönlichen Coaching oder am Telefon im Leben weiterzubringen oder bei Vorträgen und Seminaren zu inspirieren.

Das erreicht immer nur eine begrenzte Anzahl von Menschen. Deshalb hab ich die Kurse entwickelt, um auch über die direkte Begegnung hinaus Menschen aus der Hilflosigkeit zu helfen und zu stärken.

2015-09-19 14.33.28Ich lade dich herzlich ein, dabei zu sein.

Die Kurse beginnen alle immer zu Beginn eines neuen Quartals (Januar, April, Juli, Okotober). Am besten du meldest dich gleich für deinen Kurs an! Und motivierst noch einen Freund oder eine Freundin, mitzumachen. Zu zweit ist es noch schöner – und günstiger.

Ach ja – den Anschlusszug nach Cuxhaven habe ich tatsächlich verpasst und musste eine Stunde lang auf den nächsten Zug warten. Ich hatte glücklicherweise genug Puffer eingeplant – der reichte sogar noch für einen Sparziergang am Meer. Das ist eine von den Sachen, die ich im Leben gelernt habe.

 

Abnehmen – so mache ich es. Teil 2

2015-09-13 12.24.31Zunehmen ist im Grunde ganz einfach: Das weiß jeder. Doch wie funktioniert die Einlagerung von Fett im Körper eigentlich? Sehr vereinfacht gesagt: Man nimmt zu, wenn der Blutzuckerspiegel hoch ist – dann werden mit Hilfe von Insulin Nährstoffe aus dem Blut abgezogen und in den Fettdepots abgespeichert. Der Blutzuckerspiegel steigt besonders stark bei der Ernährung mit Zucker, Obst, Getreideprodukten oder sonstigen Kohlehydrate.

Abnehmen geht umgekehrt – auch einfach: Nahrung essen, die den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen lässt (Gemüse, Eiweiß) und die möglichst basisch ist. Denn ist der Körper zu sauer, kann er kein Fett abbauen. Gemüse ist für basische Ernährung ideal, Fisch geht auch.

Ich ernähre mich derzeit von viel Gemüse, etwas Fleisch, Obst und Nüssen. Das geht gut.

2015-09-14 15.46.34Die guten Nachrichten zuerst

  • Das erste Kilo ist weg! Bleiben noch vier weitere, denen ich den Garaus machen will.
  • Es fiel mir ziemlich leicht, an normalen Arbeitstagen nur Dinge zu essen, die meinem Körper gut tun.
  • Ich spüre schon mehr Leichtigkeit im Körper. Ob eingebildet oder nicht – es tut gut.
  • Das Wissen: Ich packe das jetzt an, tut mir richtig gut.
  • Ein paar Geschenke und ein Darlehn haben den finanziellen Druck etwas gemildert. Das tut mir gut.
  • Ein Dutzend Gegenstände hat meinen Haushalt verlassen. Der Unterschied ist noch nicht spürbar, aber irgendwo fängt man halt an.

Die weniger guten Nachrichten

  • Massage hat noch kein einziges Mal geklappt. Einmal fast, aber dann hat ein „kurzer“ Besuch bei Bauhaus und IKEA doch zu viel Zeit in der Mittagspause verschlungen.
  • Auswärts fällt mir vernünftiges Essen schwer. Vor allem bei Meetings, wo es erfahrungsgemäss wenig schlankheitsförderndes Essen gibt. Rekordmies: Eine Sitzung um 18.00 (Ich hatte noch nicht zu Abend gegessen), bei der kein Wasserglas mehr für mich übrig war, dafür aber Waffeln und Laugenbretzeln (ich liebe beides) direkt vor meiner Nase standen. Ich hab nicht mitgezählt…Immerhin habe ich bei einem Treffen mit meinem eigenen Team eine richtig große Kanne grünen Smoothie gemacht.

Was ich jetzt tue

  • Ich will mich für Ausnahmen wappnen. Einen Apfel oder Sellerie, MÖhren oder Nüsse mitnehmen. Oder vorher genug essen.
  • Ich will weniger Kaffee und mehr Wasser trinken. Kaffee, um den Säure-Basenhaushalt zu entlasten. Ist der Körper zu sauer, kann er nicht abnehmen. Und mehr Wasser, weil es einfach gut ist.

LEA-HeaderTipp: Jeweils zum Quartals – Beginn also Anfang Januar / März / Juni / Oktober startet der LEA – Online-Kurs mit viel Wissensvermittlung über Gesundheit, Ernährung und innere Stärke. Und Inspiration, leichter zu leben.

Info gibt´s bei DtE – Training/LEA

Bin ich ein richtiger Mann?

4 Open Door IBin ich ein richtiger Mann? Nachdem ich mich in letzter Zeit mit Prinzessinnen, Königinnen und Frauenrollen auseinander gesetzt habe, beschäftigt mich gerade die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ – eine Frage, die einige Männer in meinem Umfeld tief bewegt.

Ich fand das zuerst überraschend. Ich frage mich eigentlich nie „Bin ich eine richtige Frau?“  Vielleicht liegt das daran, dass ich im Teenie-Alter Yentl gesehen habe. Ein wunderbarer Film mit Barbara Streisand in der Titelrolle. Sie spielt Yentl, eine Frau, die kluge, theologische Bücher weit spannender findet als Kochtöpfe. Ich würde keinem Menschen empfehlen, sich den Film mit mir anzusehen – ich habe die Filmmusik so oft gehört, dass ich alle Lieder fast auswendig kann und leidenschaftlich gern laut mitsinge – leider nicht so gut wie Barbara Streisand…

Im Film wird die kluge, aber nicht sonderlich hübsche, flachbrüstige Yentl mit einer anderen Frau kontrastiert: Hadass mit goldbraunen Locken, lieblichen Gesicht und „ribbons und laces in all the right places“ (Bänder und Besatz genau am richtigen Platz). Yentl staunt über diese Frau und blickt zugleich etwas auf sie herab: „No wonder she is pretty – what else should she be!“ (Kein Wunder, dass sie schön ist, was für Möglichkeiten hat sie denn sonst?).

Die Frauen lernen sich kennen und schätzen. Am Ende blickt Yentl weiterhin fasziniert auf Hadass und auf sich „She is the wonder of wonders…she is mother and lover and sister… she is woman…and so am I!“ (Sie ist Mutter und Schwester  und Geliebte – sie ist das Wunder der Wunder – eine Frau und ich bin es auch!

Ich bin Verlegerin, Autorin, Lebenskünstlerin, Schutzspenderin und Schutzbedürftige, Starke und Schwache Person, mutig und ängstlich, Leiterin und Lernende. Manchmal in schönen, weichfließenden Kleidern. Manchmal in unförmigen Arbeitsklamotten voller Baustaub und mit zerbrochenen Fingernägeln. Ich kann trotz unterschiedlicher Ausprägungen und Rollen sehen: So kann Frau-sein gelebt werden. Und anders auch. Das habe ich durch Yentl tief begriffen. Die Frage „Bin ich eine richtige Frau“ stelle ich seit Jahrzehnten nicht mehr. Und bin sehr dankbar dafür.

Bin ich ein richtiger Mann? 

Diese Frage irritiert mich. Denn wenn es richtige Männer geben soll, impliziert das ja, dass es auch falsche Männer gibt. Was ist ein falscher Mann? Aus meiner Sicht gibt es nur Männer (das sind Menschen mit einem X und einem Y Chromosom. Und es gibt Nicht-Männer oder Frauen. Die Menschen mit zwei X Chromosomen). Von den ganz wenigen Intersexuellen Menschen abgesehen, gibt es nur Männer und Frauen. Eigentlich müsste man die Frage gar nicht stellen. Denn es gibt ja nur richtige Menschen… richtige Männer und richtige Frauen. Offensichtlich ist es nicht so einfach, denn sonst hätten Millionen Männer, die diese Frage beschäftigt, sie schon längst beantwortet „Ach ja es gibt keine falschen Männer. Nur Männer. Also bin ich ein Mann. Ein richtiger Mann!“

Wer gibt die Antwort auf die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“

Wenn man sich eine Frage stellt, dann sucht man Antwort. Die Frage ist nur, von wem man die Antwort erwartet. Mir fallen vier Optionen ein:

  • Von anderen Männern
  • Von Frauen
  • Von Gott
  • Von sich selbst

Ich frage mich, wie man(n) hofft, Antworten auf diese Frage zu finden. Mal angenommen andere Männer, Frauen, Gott und man selbst würde sagen: „Ja, du bist ein richtiger Mann!“ Würde das das den Knoten im Herzen lösen? Das Suchen beenden?

Welche Kriterien gelten für einen „richtigen“ Mann?

Es stellt sich mir die Frage: Nach welchen Kriterien bestimmen andere Männer, Frauen, Gott und man selbst, wer ein „richtiger Mann“ ist? Das ist – zu allem Überfluss auch noch regional verschieden. Wer in Stuttgart als „richtiger Mann“ gilt ist es in Berlin auf Grund anderer Werte noch lange nicht. Und umgekehrt. Und ob der Berliner in Abu Dhabi oder Neu Delhi als „richtiger“ Mann anerkannt würde, wäre dann die nächste Frage.

Ich halte es für sinnvoll, sich die unbewussten Kriterien für „richtiges Mannsein“ bewusst zu machen. Dem Stier in die Augen zu schauen und die Frage frontal anzupacken: „Sag mir, was macht einen richtigen Mann aus?“ Und dann alle Antworten, die man findet, aufzuschreiben… um Klarheit zu finden: Will ich mich daran messen (lassen) oder lieber nicht?

Und vielleicht jenseits von allem „richtig“ und „falsch“ zu der Erkenntnis kommt: Ich bin ein Mann. Das genügt. 

Welche Fragen stehen hinter der Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“

Wenn ich mich in den Fragenden hineinversetze, ahne ich, dass dahinter andere Fragen stehen, Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind, Unsicherheiten, die Sicherheit suchen, Sehnsüchte, die nicht gestillt sind. Ich vermute etwa folgende Fragen hinter der Frage:

  • Erhalte ich Anerkennung von Menschen?
  • Erhalte ich Wertschätzung von den Menschen, deren Meinung für mich zählt? Wer ist das?
  • Gelingt mir Verbindung zum anderen Geschlecht?
  • Kann ich bei Gott sicher sein?
  • Kann ich „ja“ zu mir, meinen Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Grenzen sagen?

Ich vermute, dass die Frage immer dann auftaucht, wenn Schmerz und Unsicherheit sich breit macht. Wenn das Leben nicht so gelingt, wie erhofft. Wenn man Schwäche im Körper, in der Seele und der Sexualität spürt. Wenn man beim Vergleichen mit anderen vermeintlich schlechter abschneidet. Wenn Scheitern an der Identität kratzt.

Ich vermute, die Frage „Bin  ich ein richtiger Mann“ ist nichts anderes als der Versuch, die emotionale Unsicherheit, die man spürt, auf rationaler Ebene – durch eine Frage – lösen zu wollen. Die Strategie geht vermutlich nicht auf – deshalb ist die Frage seit Jahrhunderten präsent.

Ich fürchte, so wird man nie eine innerlich tief befriedigende Antwort finden. Im Vergleich wird es immer Männer geben, die „richtiger“ sind…stärker, mutiger, erfolgreicher… Und weil selbst ein „Ja, du bist ein richtiger Mann!“ den Kern nicht trifft. Vielleicht ist die Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ nur eine Flucht vor den anderen Fragen?

1 TemptationMutiger, stärker und männlicher könnte es vielleicht sein, auch hier den Stier an den Hörnen zu packen und sich zu fragen:

  • Was fühle ich wirklich, wenn mir diese Frage „Bin ich ein richtiger Mann?“ durch den Kopf geht? Oder noch präziser: Was fühlte ich in dem Moment kurz bevor ich mir die Frage gestellt habe (z. B. Unsicherheit, Traurigkeit)?
  • Was brauche ich wirklich (z. B. Bestätigung, Trost, Ermutigung)?
  • Wer kann mir das geben? (Das kann ein anderer Mensch sein, Gott oder auch man selbst… es ist kein bisschen unmännlich, sich selbst Trost und Mut zuzusprechen… kämpferische, starke, poetische Männer und Liebhaber wie David haben das in den Psalmen immer wieder getan z B. Psalm 42)?

3 Welcome Celebration IIIWenn ich Filmemacherin wäre, dann würde ich vielleicht einen Film machen, in dem ein softer, poetischer, zurückhaltender Mann einem durchsetzungsstarken, bäumefällenden Kraftprotz begegnet – und die beiden die Schätze aneinander entdecken. Nicht mehr nach richtiger und falscher Männlichkeit fragen. Sondern einfach nur gemeinsam singen: „Ich bin ein Mann!“

Was denkt ihr? Liege ich mit meinen Vermutungen richtig? Falsch? Welche ergänzenden Gedanken und Kommentare habt ihr? Ich bin gespannt.

Bilder auf dieser Seite stammen von dem Künstler Wolfgang Tonne.

 

 

 

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