Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Kategorie: Vision und Ziele

Gute Vorsätze – wie fasst man sie erfolgreich?

Zu Neujahr gehört es zur Tradition, dass man sich gute Vorsätze fürs neue Jahr vornimmt. Die guten Vorsätze sind besser als ihr Ruf. Ich hab die Statistik vergessen, aber viele werden tatsächlich eingehalten. Zumindest wenn sie ziemlich spezifisch sind.

Wie man gute Vorsätze so fasst, dass man größtmögliche Chancen hat, erfolgreich zu sein, habe ich vor einer Weile in dem Artikel Gute Ziele setzen beschrieben.

Eine ganze Reihe zusätzlicher Tipps und Tricks findest du hier.  Und die klare Antwort auf die Frage, ob ich mir selbst gute Vorsätze vornehme: Eindeutig jein.

Statt guter Vorsätze für ein Jahr – Projekte für begrenzte Zeit

Ein ganzes Jahr ist ganz schön lang. Auch wenn Neujahr eine gute Zäsur darstellt, sind 365 Tage oder sogar 366 eine Phase, für die man einen ziemlich langen Atem braucht.

Ziele im Beruf plane ich für ein ganzes Jahr und breche sie in einzelne Projekte herunter. Meistens bin ich etwas zu ambitioniert, doch ich erreiche immerhin eine ganze Menge davon. Das habe ich zum Beispiel mal wieder beim Jahresrückblick 2017 festgestellt .

Die meisten meiner persönlichen guten Vorsätze laufen eher kürzer – so hatte ich mir im September vorgenommen, mein Schiff bis zum Jahresende um 2000 Gegenstände zu befreien. Aktuell bin ich bei 1613 – es ist also bis Jahresende noch etwas zu tun. Oh. Ich hab die 40 Teller vergessen, die ich neulich verschenkt habe. Also 1653. Puh.

Solche Projekte sind oft motivierender als gute Vorsätze, die man ein ganzes Jahr lang durchhalten „muss“. Man kann natürlich auch einen großen guten Vorsatz in mehrere kleine Projekte herunterbrechen. Sowas ist bei Projekten wie Ausmisten, Aktensortieren etc. oft recht hilfreich.

Statt guter Vorsätze gute Gewohnheiten

Viele Dinge, dich ich mir vornehme sind eher ein Einüben neuer Gewohnheiten als klassische gute Vorsätze. Coach Jon Butcher hat gesagt, dass eine gute Gewohnheit, wenn man sie auf Dauer praktiziert, zum Charakter wird. Das finde ich ziemlich cool, einen ganz praktischen Weg zu haben, meinen Charakter zu prägen.

Davon inspiriert habe ich beispielsweise eine ganze Weile lang bewusst geübt, wenn jemand den Raum betritt, den Kopf zu heben und die Person anzusehen. Ab und an vergesse ich es, doch insgesamt bin ich durchs Einüben ein etwas aufmerksamerer Mensch geworden.

Aktuell arbeite ich daran, mir nach dem Lesen von Texten immer Fragen zu stellen. Ich hoffe, auf diese Woche zu einem fokussierteren und aufmerksameren Menschen zu werden. Und auch mehr von dem zu haben, was ich lese.

Sich gute Vorsätze leicht machen

Was Sport anbelangt, geht es mir oft so, dass es eine gewisse Diskrepanz zwischen meinen Vorsätzen und meiner Motivation gibt. Als Coach weiß ich, dass man Motivation nicht direkt beeinflussen kann. Das sagt auch der gesunde Menschenverstand. Mit Sätzen wie „jetzt sei mal ein bisschen motiviert“ kriegt man keinen vom Sofa hoch.

Man kann Motivation aber indirekt beeinflussen, indem man an den drei Stellschrauben dreht, die zusammen Motivation ergeben – und es sich so möglichst leicht machen, die guten Vorsätze umzusetzen.

  • Sinn: Man kann überlegen, wie man mehr Sinn in einer Sache sehen kann oder sich den Sinn, den man weiß, bewusst vor Augen malen.
  • Rahmenbedingungen: Man kann das Umfeld, die Umgebung usw. so verändern, dass es angenehmer ist. Ich habe mir beispielsweise extra Schlafanzüge gekauft, in denen ich auch joggen kann. Ich finde es angenehmer, morgens gleich loszulaufen, ohne mich vorher umziehen zu müssen. Das hat meine Motivation drastisch erhöht.
  • Fähigkeiten: Motiviert ist man, wenn man etwas tut, was den eigenen Fähigkeiten entspricht und sie leicht herausfordert. Das kann man beeinflussen. Ich habe beispielsweise versucht, kreativer als bisher zu schreiben und im Gehen – auf einem Laufband.

Gute Vorsätze brauchen Erinnerung

Wenn das Jahr erst einmal fortgeschritten ist, rutschen die guten Vorsätze im Kopf häufig erst mal weiter nach hinten. Deshalb schaffe ich mir Erinnerungshilfen.

  • Kleine, neue Gewohnheiten, die ich mir angewöhnen will, schreibe ich auf eine schöne Karte, die auf meinem Couchtisch steht. Aktuell steht da z. B. „3 D“. Das erinnert mich daran, dass ich meine Gliedmassen nicht nur auf und ab, sondern wie eine Tänzerin im ganzen Raum bewegen will. Das macht beweglicher.
  • Listen zum Abhaken oder ausfüllen an einer Stelle, wo ich sie oft sehe, helfen mir bei Projekten, die umfassender sind – z.B. 52 Buchkapitel schreiben oder die Wohnung um 2000 Gegenstände minimieren. Sie wachsen zu sehen,  motiviert mich, dran zu bleiben.
  • Erinnerungen in meiner To-Do Liste. Ich verwende Todoist, weil es sehr schlank ist und ich dort die Möglichkeit habe, Aufgaben als täglich oder wöchentlich einzutragen. Da steht täglich 5 min Sport, mein Land segnen, 2 kleine Marketing-Sachen. Und wöchentlich werde ich an meine guten Vorsätze erinnert, Buchführung zu machen.

Gute Vorsätze im Bauch verankern

Es gibt messbare Ziele – wie etwa 2000 Dinge aus der Wohnung entfernen. Aber auch Verhaltensziele. Hier haben Forscher der Universität Zürich herausgefunden, dass ein klar formuliertes Ziel wie etwa „Ich will mehr auf Menschen zugehen“ dem Gehirn noch nicht genügt, um motiviert zu sein und zu wissen, was es tun soll.

Das Gehirn, das in Bildern denkt,  reagiert besser auf sogenannte „Motto-Ziele“. Das sind bildhafte  Beschreibungen dessen, wie man sich verhalten will. Eines meiner Ziele ist strategischer zu handeln. Mein Mottoziel dafür lautet

„Wie ein Jäger sammle ich achtsam Informationen, die mich meiner Beute näher bringen!“

Auch schön.

Gute Vorsätze und Ziele erreichenKompakt und genau beschrieben habe ich das Vorgehen in einem Blogbeitrag: „Ziele stecken und erreichen“  für Down to Earth . Und mein Coaching-Kollege Christoph Schalk hat ein super Trainingsheft  / Quadro dazu geschrieben. Ziele erreichen. Wie persönliche Veränderung gelingt.

Das kann ich allen empfehlen, die ihre guten Vorsätze nicht aus reiner Gewohnheit setzen, sondern sie tatsächlich erreichen wollen. Viel Erfolg!

 

Die fünf Phasen einer Vision und woran man sie erkennt

Sommerwetter im September. Es war einer dieser strahlenden, warmen Tage. Ich hatte zum Tag der offnen Tür an Bord eingeladen, um meinen Freunden und Bekannten einen Eindruck vom aktuellen Stand der Vision Schiff zu verschaffen.

Ich genoss die Kommentare der staunenden Gäste:

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so groß ist!“

„Boah, ist das schön….“

Viele kannten das Projekt bisher nur von Facebook oder von meinem Blog und staunten über das, was geschehen war, seit ich das rostige DDR-Torpedoschiff gekauft hatte, um daraus einen Ort zu machen, an dem Menschen Inspiration und Orientierung finden können.

Nach einigen Führungen fing ich an, darüber zu flachsen, dass man als Visionärin die fünf Phasen der Umsetzung einer Vision an den Kommentaren der anderen erkennen kann…

Phase 1 der Vision - Beginn: "Du bist verrückt!"

Seminarraum 2011 – bevor ich das Schiff kaufte.

Phase 1 – Beginn: „Du bist verrückt!“

Die einen sagen es offen, die anderen denken es nur. Sie gestanden mir dann später „Als du damit begonnen hast, dachte ich: Jetzt ist sie wirklich verrückt geworden!“  Derartiges Feedback bekommt man meistens nur dann, wenn man es tatsächlich wagt, eine Idee oder einen Traum tatsächlich umzusetzen. Es gibt jede Menge Visionäre, die von Dingen, die man verändern könnte, träumen.

Aber nur Umsetzer ihrer Vision übernehmen Verantwortung für ihre Idee und wage es, die Dinge tatsächlich anzupacken. Eine Idee ohne Umsetzung ist ein netter Geanke. Keine kraftvolle Vision. Hätte ich nur geträumt, auf dem Wasser einen Inspirationsort zu schaffen, hätten die meisten das vermutlich okay gefunden.  Schöner Traum. Nette, originelle Idee. Wäre ja toll, wenn so was ginge.

Aber als ich tatsächlich ein altes fast schrottreifes Schiff kaufte, löste das bei vielen Kopfschütteln bis hin zu Entsetzen aus. Natürlich gab es 1000 Gründe, die dagegen sprachen, mich in so ein Abenteuer zu stürzen. Da war zuerst einmal die mangelnde handwerkliche Erfahrung. Ich besaß nur einen Hammer, eine Säge und eine Zange – und auch nur gerade mal die Fähigkeit, diese drei Werkzeuge einzusetzen. Das reicht nicht, um ein Schiff zu bauen. Dann natürlich das fehlende Geld. Und eigentlich – neben meinen anderen Aufgaben auch die fehlende Zeit…

Und                             und                               und.

Glücklicherweise gab es einige Menschen – keine Bank – die mich lange genug kannten, um zu vertrauen, dass das Projekt – so verrückt es war – Hand und Fuß haben würde. Und mir ihr Vertrauen aussprachen und zum Teil auch in Darlehn handfest zeigten.

Phase 2 der Vision - Umsetzung: "Du tust mir leid!"

Schlamm und Rost rausholen.

Phase 2 – Umsetzung: „Du tust mir leid!“

Natürlich gibt es in einem Projekt Krisen. Die kleinen, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen haut. Die großen, wenn der angeblich gute Stahl der Außenwand des Schiffes plötzlich daumengroße Löcher hat. Und man in die Werft muss, um das Schiff vor dem Untergang zu bewahren. Und noch größere Löcher in den Stahl schneidet, um später neue, schöne, teure Stahlplatten aufsetzen zu können.

Grenzwertig. Sehr grenzwertig.

Doch:

Nur wer an seine Grenzen geht, kann sie erweitern. – Martin Gaedt

Und dann just in dem Moment als lauter Löcher im Schiffsrumpf sind, man von einem Hochwasser überrascht wird, das durch die Löcher ungehindert ins Innere des Schiffes dringen, aber später nicht mehr abfließen kann. Die unteren Räume stehen kniehoch voll Wasesr. Dümmer kann es nicht kommen. Mehr als grenzwertig. Einer der schlimmsten Momente.

Erfahrene Schiffbauer sagten mir: Es ist extrem selten, dass so etwas auf einer Werft passiert. Alle paar Jahrzehnte mal. Seltenes Pech, dass es gerade mich trifft. Und richtig gründlich. Versicherungen fühlen sich für höhere Gewalt kaum zuständig.

Bei zehn Grad Minus Außen- und Innentemperatur auf Metallstangen zu liegen und kopfüber von Hand das Wasser und den Schlamm abzuschöpfen  (siehe Bild) – nein, das macht wirklich keinen Spaß. Neben den großen Krisen gab es 250 kleine von der Sorte, wie sie zu jedem Projekt, jeder Vision gehören. „Du tust mir leid!“ wurde in dieser Phase zum Dauerkommentar. Gelegentlich tat ich mir sogar selbst leid. Ich finde, das darf – wenn es nicht zu lange anhält – auch mal sein.

Phase 3 der Vision - Fortschritt:  "Ich bewundere dich!"

Renovierung 2013

Phase 3 – Fortschritt:  „Ich bewundere dich!“

Egal, in welcher Phase wir steckten und stecken: Das Ziel, alles fertig zu habe, schien noch unendlich weit weg. Doch es rückte jede Woche näher:

  • Der erste Raum ist fertig entrostet und mit Isolierung versehen
  • Das Schiff hat einen Kaminofen
  • Es gibt jetzt einen Trinkwassertank (nach 2 Jahren Wasserflaschen schleppen ein Traum!)
  • Wir haben eine funktionierende Toilette!
  • Die ersten Gäste sind an Bord und empfangen Coaching und Orientierung
  • Das erste Mini-Seminar findet – sehr improvisiert auf einem Fussbodenbelag aus alten Kartons – statt.
  • Die Decke im Hauptraum ist fertig. Und die Küche für Gäste.
  • Es gibt Licht – aus der eigenen Solaranlage!

Ich habe in dieser Phase gelernt, mich nicht so sehr auf das Ziel zu fokussieren, so wichtig das ist. Sondern vielmehr meine emotionale Energie aus jedem geleisteten Zwischenschritt zu ziehen. Mit jedem Arbeitsschritt,  den meine Freunde und ich auf dem Schiff leisteten und dokumentierten, wuchs das Staunen: Sie bleibt ja dran.

10  bis 20 Stunden. Jede Woche. Sommer und Winter. Sie schafft es tatsächlich! Und immer mehr Menschen stiegen ein, und halfen mit, indem sie mir den einen oder anderen Eimer Farbe schenkten, für mich Baumaterial besorgten oder selbst Hand anlegten.

Morgens - Blick aufs Wasser.Und als das Schiff tatsächlich so 70% fertig war, fingen die ersten Besucher an, zu sagen:

„Ich kann mir vorstellen, wie das mal werden soll!“

Morgens – Blick aufs Wasser.

Schmunzelnde Anmerkung: Man bemerke den Unterschied zur Visionärin: Die sah, was es bereits werden soll schon bei 0%…

Ok. Um ehrlich zu sein: Ich sah das Potential auch erst nach 30 Minuten Besichtigung auf dem von den Vorbesitzern vollgestellten Schiff. Aber für viele, nicht so stark visionäre Menschen ist es tatsächlich eine Leistung, sich schon bei 70% das Endprodukt vorstellen zu können, wohingegen es für Visionäre meist eher unmöglich ist, das Potential nicht in allem zu entdecken.

Phase 4 – Erfolg „Ich beneide dich!“

Fertig ist das Schiff noch nicht. Wenn alles gut geht und ich genug Hilfe habe, ist der Seminarraum Ende September einsatzbereit.

Und an anderen Ecken wie Lüftung, Treppe nach unten, meinem Büro und anderen Stellen wird es wohl noch bis neun Monate Arbeit geben. Dennoch höre ich jetzt viele Kommentare wie

„Immer wenn ich die Bilder sehe, die du auf Facebook postest, werde ich doch ein bisschen neidisch!“

„Du lebst deinen Traum – das wünsche ich mir auch.“

Phase 5 der Vision - Neue Vision "Was ist dein nächster Traum?"

Phase 5 – Neue Vision „Was ist dein nächster Traum?“

Neben meinem Schiff liegt die Edelweiß, ein uraltes, riesiges Schiff, das zwar noch edel, aber nicht mehr weiß ist. Viele Besucher, die wissen, dass bei einer Visionärin der nahende Abschluss einer Idee nur den Beginn der nächsten markiert, zeigen auf das alte Schiff und fragen: „Wird das dein nächstes Projekt?“ Ich lächle und sage: „Ich hab ja schon ein Schiff!“ Zwei Mal den gleichen Traum träumen und umsetzen wäre irgendwie langweilig.

So ganz fertig ist das Schiff ja noch nicht. Ich denke, das wird – je nach Unterstützung – noch so ca. 6 Monate dauern. Und fürs Erste hab ich auch genug Rost und Sägespäne geschluckt. Ich will nun – hoffentlich bald – Schritt für Schritt die  Darlehn zurückzahlen. Und mehr noch als schon bisher – das auszuleben, wofür ich das Schiff umgebaut habe:

  • Leben: Ein Ort, wo andere und ich Wind, Wasser und Wellen genießen und sich begegnen können.
  • Orientierung: Menschen, die Orientierung brauchen, die Möglichkeit geben, eine kürzere oder längere Zeit hier mitzuleben, aufs Wasser zu starren und auf Wunsch Unterstützung beim Sortieren  zu erhalten.
  • Inspiration: Events veranstalten oder anderen den Raum dafür bieten, die Menschen inspirieren, stärken, weiterbringen…

Aber natürlich träume ich schon von dem nächsten großen Projekt. Ich beginne, mir über die Umsetzung Gedanken zu machen und Pläne zu schmieden… Was es genau ist, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Es hat eher mit Rost in den Köpfen zu tun als mit Korrosion auf Metall. Und ja, es ist eine Vision, die mich zum Lächeln bringt, meine Phantasie anregt. Und am Ende hoffentlich vielen Menschen Gutes bringt.

Auch wenn sie zwischendrin vielleicht zuerst einmal sagen:

„Du bist verrückt!“

„Du tust mir leid.“

„Ich bewundere dich!“

und vielleicht irgendwann auch malIch beneide dich!“

 

 Ausführliche Tipps und Hilfen, um eine eigene, persönliche Vision zu formulieren und diese auch zu erreichen, findest du im Quadro/Trainingsheft Ziele erreichen. Wie persönliche Veränderung wirklich gelingt. von meinem Coaching-Kollegen Christoph Schalk.

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