Derzeit lese ich Stück um Stück die Bibel in chronologischer Reihenfolge…und es bleibt  spannend Geschichtsbücher und die dazugehörige Lyrik (Lieder und Gebete) zusammen zu lesen. In den letzten Tagen war 1. Samuel dran. Da wird erzählt, wie David von Gott zum künftigen König berufen wird, was beim Amtsinhaber Saul Eifersucht bis hin zu Mordversuchen auslöst. David muss fliehen.

Rund ein Dutzend Kapitel erzählen von Verrat, Undank, Unverständnis, Verwirrung jahrelanger Flucht, Verstecken in Höhlen und Wüsten und im Ausland. Nicht gerade das, was man sich vorstellt, wenn man von Gott zum König berufen wird – das Kleingedruckte stand wohl nicht im Einstellungsvertrag.

Was mich beeindruckte: Mitten in dieser Zeit dichtet David Lieder voll emotionaler Transparenz. Er schrieb und schrie seinen Ärger, seine Verzweiflung, seine Müdigkeit heraus – und sein Vertrauen in Gott. Er wartete nicht nur auf einen guten Ausgang und betete darum, sondern er hielt IN der Situation an Gott fest und fand da zur Ruhe. Das ist etwas, was ich von ihm lernen möchte: Nicht nur hoffen, dass Gott eine Situation ändert und Probleme löst, sondern IN der Situation bei Gott zur Ruhe finden.

Von Davids Prozessen zehren wir noch heute. Das was er durchgemacht hat und WIE er damit umgegangen ist, wurde fruchtbar für sein Leben – und sprach in das Leben von Millionen anderer Menschen, die in seinen Worten Trost und Stärkung ihres Glaubens fanden – etwas in Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten…der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen.“ Das schrieb er nicht auf dem Balkon seiner Villa – sondern mitten auf der Flucht.

Vermutlich sind 14 Psalmen – das sind knapp 10% aller in der Bibel enthaltenen Psalmen – in der Zeit der Verfolgung und Flucht entstanden: Psalm 7, 17, 27 (einer meiner Favoriten!), 31, 34, 35, 52, 56, 59, 63, 120, 140, 141, 142. Es lohnt sich, die Geschichte und die Psalmen dazu zu lesen – finde ich.