2015-05-09 15.51.15Eine Freundin von mir, mit der ich seit 15 Jahren nur per Mail Kontakt hatte, war extra aus Südengland angereist, um mich zu sehen. Sie sagte mir bei einem abschließenden Mittagessen, wie kostbar die Zeit für sie war. „Es war so toll, dich zu sehen – und Bobby Connor – einer der Sprecher – war dann noch der Zuckerguss auf dem Kuchen!“ Hier gibt es extrem leckeren Karottenkuchen der an und für sich schon toll schmeckt, aber der herrlich weiche Guss obendrauf macht ihn besonders gut.

Bobby Connor (auf dem Foto links) ist ein Mann, der seit Jahrzehnten mit Gott unterwegs ist und im Dienst für Gott schon so ungefähr alles erlebt hat, was man erleben kann. Seine Predigten –falls man seine geistlichen Impulse mit spontanen dramatischen Einlagen so bezeichnen kann – waren ausgesprochen originell. Bobby ist eine Nummer für sich. Äußerst unkonventionell und zugleich kraftvoll und tief. Der Mann kennt das Wort Gottes und die Kraft Gottes. Eine seiner Lieblingsstellen ist, aus einem Psalm, in dem beschrieben wird, dass Gott dem Psalmisten die Kraft eines wilden Ochsen gegeben hat. Das findet er ziemlich gut.
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Es hat mich berührt, dass meine Freundin mich – im Vergleich mit diesem Mann – als den Kuchen und Bobby, Gottes wilden Ochsen, als den Zuckerguss bezeichnet hat. Als ich darüber nachdachte wurde mir klar, dass sie recht hat. Coole Inspiration, auch starkes Wirken Gottes, kommt nicht an den Wert lange gelebter Freundschaft, Einstehen füreinander, Liebe und Gebet heran. Tiefe, gelebte Beziehung ist der Kuchen – auch im Leben mit Gott. Tolle Erfahrungen, Zeichen und Wunder der „Zuckerguss“ obendrauf, der natürlich dazu gehört. Ohne den Guss ist der Kuchen nahrhaft, aber etwas trocken.

Zuckerguss-Bobby war definitiv gehaltvoll. Da er im gleichen Haus untergebracht war, hatte ich Abends nach den Veranstaltungen die Möglichkeit, noch viele weitere Geschichten zu hören und ihm die eine oder andere Frage zu stellen. Er ist jemand, der klar Gottes Stimme hört, beeindruckende, übernatürliche Erfahrungen und Gebetserhörungen hat, regelmäßig Heilungen erlebt – natürlich wollte ich wissen, was sein Geheimnis ist. „Tiefe Zeiten mit Gott und seinem Wort sind der schnellste Weg, im Übernatürlichen zu wachsen“ antwortete er. Und zitierte gleich noch Psalm 42, 7 im Englischen kommt da zum Ausdruck, dass die Tiefe in uns sich danach sehnt, mit der Tiefe in Gott in Resonanz zu gehen: „Deep calls onto deep!“

Das ist auch das, was mir hier so gefällt – dass immer wieder betont wird, dass die persönlichen, innigen Zeiten mit Jesus der Schlüssel für alles Wirken mit Gott sind. Klar ist die Sehnsucht nach seiner Kraft da. Und Aliss sagt immer wieder, wenn sie von etwas hört, das sie noch nicht erlebt hat: „Das will ich auch sehen!“

Doch bei allem Spaß, den begeisternde Wunder mit sich bringen – es ist keine Sensationslust, sondern der Wunsch, Menschen die Liebe und die Kraft Gottes nahe zu bringen. Das merkt man Bobby auch an – wenn er von Heilungen und Befreiungen erzählt, die er erlebt hat, dann spürt man die tiefe Barmherzigkeit, die er mit Menschen hat.

Etwa als ihn während eines Vortrags eine Frau verfluchte und anschrie. Er ging zu ihr, schaltete das Mirko aus, lies alle anderen warten und sagte ihr, was Gott ihm gezeigt hatte – dass sie als Kind brutal missbraucht worden war. Sie fing an zu weinen, bestätigte das. Er betete um Befreiung für sie. Unter ihrer extremen Aggression sah er den leidenden Menschen.

Oder die Geschichte als ein extrem gewalttätiger Einbrecher ihm ne Pistole an den Kopf hielt. Er hatte zuvor mehrere Monate lang immer wieder über die Bibelstelle gesprochen „Was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein…“ (Matthäus 18, 18), was er so verstand: Wenn wir als Kinder Gottes auf der Erde etwas beschließen, stimmt der Himmel mit uns überein.
Also unterband er das Schießen und obwohl er es versuchte, konnte der Mann nicht abdrücken und flüchtete. Weil er als so gefährlich galt, wurden 150 Polizisten einer Spezialeinheit abkommandiert, um ihn zu stellen. Bobby wurde aus Sicherheitsgründen in den Mannschaftswagen der Polizei gesteckt. Dort bekam er alle Funksprüche mit. Unter anderem den Befehl, den Mann zu erschießen.
Er entschied sich, das zu unterbinden, weil er nicht wollte, dass der Mann sterben würde und betete und gebot still. Direkt nach seinem Gebet darauf nahm der Kommandant den Befehl zurück. Dann wurde er gefragt, was denn geschehen sollte. Er sagte und gebot: „Der Mann soll mit den Händen hinter dem Kopf aus dem Versteck kommen und es soll ihm kein Leid zugefügt werden!“ So geschah es. Er hätte guten Grund gehabt, dem Mann Schlechtes zu gönnen, aber hatte Barmherzigkeit und Erbarmen.

Bobby lebt vor, welche Bedeutung Gottes Wort für ihn hat und das die Begegnung mit dem lebendigen Gott und seinem lebendigen Wort seine Kraftquelle ist. In meinem ganzen Leben als Christ habe ich noch nie jemanden erlebt, der so viele Bibelstellen auswendig kann. „Du fragst dich xy – die Antwort ist in Bibelstelle z!“ Seine Predigten war letztlich nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Fragen und Antworten in Form von Bibelversen, die er aus dem Gedächtnis zitierte. In einem Tempo, das ich mit dem Schreiben nicht hinterher kam. Gesprenkelt mit Anekdoten, musikalischen Einlagen, Louis Armstrong Imitaten und prophetischen Impulsen für einzelne Zuhörer – auch meist in Form von Bibelversen. Für fromme Menschen, die eine strukturierte drei-Punkte Predigt erwarten, sicher gewöhnungsbedürftig. Für alle anderen eine Bonbonmaschine, die in raktetenartigem Tempo ein geistliches Schmankerl und Kraftpaket nach dem anderen herauswarf.

Der Mann kennt seine Bibel. Und glaubt ihr wie ein Kind. Er spricht – wie ein Kind – auch gelegentlich in der dritten Person von sich. „Weißt du, ich hab mir gedacht: Vor Gott gibt es kein Ansehen der Person. Also hab ich Gott gesagt: Ich will das auch erleben, was die anderen Leute in der Bibel erlebt haben. Und ihm gesagt: Bobby will das alles auch erleben – gib´s ihm oder erkläre ihm, wieso es nicht geht!“ Wow!

Er macht keinen Hehl daraus, dass einige der Erfahrungen, die er mit Gott gemacht hat, auch viel gekostet haben. Gott bitten ist ein Schlüssel. Wahre Autorität hat jedoch immer ihren Preis – Wachstum, Charaktertransformation, Herausforderungen meistern. Das war bei Jesus nicht anders. Von ihm heißt es, dass er erfüllt mit dem Heiligen Geist in die Wüste ging. Und dort vom Teufel versucht wurde. Nachdem er den Test bestanden hatte, war er nicht mehr „nur“ mit dem Geist Gottes erfüllt, sondern diente und sprach kam in der Kraft Gottes. (Lukas 4, 1 -15)

Bobby ist in der Regel fünf mal pro Woche irgendwo predigen und Menschen dienen – ich hab ihn gefragt, wie er das schafft, bei so einem Reisepensum ruhige Zeiten mit Gott zu haben. Er meinte „In der Bibel steht, dass man zum Beten in sein Kämmerchen gehen soll. Das muss keine Kammer im materiellen Sinn. Ich habe in meinem inneren eine Kammer geschaffen, in die ich mich zurückziehen kann, selbst wenn um mich das Leben tobt.“ Nochmal wow!