005Das Schiff ist fertig geschweißt, alles ist dicht, wir müssen nur noch mit Unterbodenfarbe streichen, dann sind die Werftarbeiten fertig. Bei dem nasskalten Wetter kann man leider nicht streichen, deshalb machen wir jetzt eine Pause. Eine gute Gelegenheit, um etwas Hintergrund zu erklären.

Das Schiff ist aus Stahl. Das Wasser im Kontakt mit Eisen erzeugt eine Galvanische Zelle ( Batterie ) wobei der Sauerstoff in Kontakt mit dem Eisen Korrosiv wirkt und der Stahl dann korrodiert und verrostet. Schon alleine der Kontakt des Stahls mit dem Wasser führt dazu, denn Stahl und Wasser vertragen sich prinzipiell nicht. Der Stahl geht dann früher oder später kaputt.

Um das zu verhindern, werden am Schiff sogenannte Opferanoden angebracht. Das sind – vereinfacht gesprochen Klumpen aus aus minderwertigerem Metall. Die opfern sich wie der Name schon sagt, selbst auf. Werden als erstes zerfressen, der Stahl des Schiffes bleibt dadurch geschützt.

In der Regel bestehen die Opferanoden bei Schiffen im Meerwasser aus Zink, bei Schiffen in Süßwassergebieten aus Magnesium. Magnesiumanoden können auch im Brackwasser verwendet werden. Sie bieten vollen Schutz, werden aber schneller als Zinkanoden abgebaut.

Die Opferanoden (der graue Klumpen auf dem Bild oben) werden alle paar Meter an der Außenwand des Schiffes angebracht. Damit die Spannung zu den Opferanoden geleitet wird, wird das Schiff darüber hinaus mit einer metallhaltigen, leitfähigen Farbe gestrichen (Unterwasseranstrich).

Bei meinem Schiff sind da ein paar Sachen schief gegangen. Vermutlich beim letzten großen Werftbesuch wurden einige Anoden neu angebracht. Nur irgendwelche Helden haben das Schiff mit einer Mischung aus Zink – und Magnesiumanoden bestückt. Die heben die Wirkung gegenseitig auf. Außerdem wurde das Schiff nicht mit metallhaltigem leitfähigem Lack gestrichen. Das Ergebnis: Der Korrossionsprozess konnte im vollen Umfgang stattfinden.

In hinteren Teil des Schiffes (Heck), der in der Regel ohnehin immer mehr angegriffen ist, war der Stahl ziemlich kaputt. Zum Teil nur noch einen Millimeter dünn oder ganz verrostet – allein durchs Abspritzen auf der Werft, brachen Löcher aus. Das Heck war der Bereich, der bei der Besichtigung vor dem Kauf nicht zugänglich war. Da der Stahl an anderen Stellen gut bis sehr gut war, haben uns die Schäden, die in der Heftigkeit nicht zu erwarten waren, richtig überrascht.

Jetzt ist alles geschweißt. Demnächst bekommt das Schiff noch einen Unterwasseranstrich. Der ist 3-schichtig. Eine leitfähiger Primer (erste Schicht), dann Farbe und dann Antifouling, das verhindert dass sich Muscheln und Algen am Boot ansetzen. Dann kommen neue, gute Opferanoden aufs Schiff. Dann ist Ostern….

Auch im symbolischen Sinne. Für mich ist die Renovierung am Schiff zu einem interessanten Gleichnis für das Leben geworden. Wir alle fahren mit unserem Lebensschiff durch mal raue, mal stürmische Wellen. Ab und an schlagen wir Leck, wenn wir auf Eisberge oder Felsen rammen. Doch diese großen Katastrophen sind eher selten.

Viel häufiger ist, dass unsere Stahlhaut durch innere Spannungen angegriffen wird. Wir stehen unter Strom. Und wenn wir das nicht gut ableiten, dann zerfrisst es uns. Früher oder später.

Da gibt es einen, der sich als Opferanode anbietet: Ich bin da, leite den Stress, den Schmerz, den Frust, den Ärger für dich ab. Doch wir werfen die Opferanode über Bord, denken, wir können es alleine schaffen…bis unser Stahl angegriffen oder zerfressen ist und wir im schlimmsten Fall Leck laufen sinken.

Erlösung heißt….da bietet sich einer an, die Schäden, die durch die Ablehnung der Opferanoden entstanden sind, zu reparieren. Das kann schmerzhaft sein. Da muss geschnitten, geschliffen, gehämmert und geschweißt werden, bis das Schiff wieder fahrtüchtig ist.

Ostern heißt: Ich bekomme einen neuen Anfang geschenkt. Die Möglichkeit vom Heiligen Geist liebevoll und schützend umhüllt zu werden (neue Farbe)….und die Möglichkeit, Schmerz und Spannung an den Erlöser (Operanode) abzuleiten. Und mit einem guten Kaptain und neuem Reeder wieder auf Fahrt zu gehen.

Im Bund mit Gott Buch Glauben Rosemarie StresemannFür alle, die das tiefer verstehen wollen: Ich kenne ein geniales Buch, das den Austausch erklärt, der Ostern geschehen ist – was wir loswerden und was wir dafür bekommen. Das Quadro vom Rosemarie Stresemann: Im Bund mit Gott.