Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: Beziehung

Bedürfnisse erfüllen: Glücklich, wer vier Wege hat

Buchtipp der Woche für alle, die mehr als einen Weg finden wollen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen

In Coaching-Gesprächen höre ich oft: „Mein Partner (oder Freund oder Chef oder Freundin/Chefin/Mutter) ist zu still. Zu passiv. Macht zu wenig Komplimente usw.“

Ich als Coach höre dahinter: Ich habe ein Bedürfnis, z. B. nach Wertschätzung, Entlastung usw., das der andere nicht erfüllt.

Ich spüre die Wut, den Ärger oder die Hilflosigkeit, die das bei meinen Coaching-Gästen auslöst. Sie sehen nur einen Weg, das Bedürfnis erfüllt zu bekommen: Der andere soll etwas tun. Wenn dieser Weg blockiert ist, weil der andere nicht will (sein gutes Recht), dann ist man tatsächlich hilflos.

Es sei denn, man ist kreativ genug, viele verschiedene Wege zu finden, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Viele Anregungen dafür fand ich in einem Buch:

COach dich selbst, sonst liebe dich keiner

Ich würde das Buch eher nennen: Sorg gut für dich selbst und lade auch andere ein, dir Gutes zu tun. Wege zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse entwickeln.

Denn es ist ein inspirierendes Buch, das helfen kann, eigene Bedürfnisse zu erkennen und dann Wege zu finden, sie zu erfüllen – entweder indem man selbst dafür sorgt oder andere Menschen um Unterstützung bittet.

Für viele Bedürfnisse nennt sie selbst eine ganze Reihe von Ideen, wie man sie erfüllen kann. Nicht alles passt für jeden, aber ihre Listen geben eine Vielzahl von Anregungen.

Ein Schwachpunkt:

An manchen Stellen empfinde ich ihre Definition von Bedürfnissen etwas durcheinander und unklar: Recht haben nennt sie z. B. ebenso als Bedürfnis wie geliebt werden.

Kerstin Hack Gewaltfreie Kommunikation

In der Gewaltfreien Kommunikation würde man Recht haben eher als eine (erlernte) Strategie definieren, um ein echtes Bedürfnis, z. B. Autonomie/Sicherheit zu erfüllen.  In meinem Quado Gewaltfreie Kommunikation liste ich die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen auf.

Insgesamt überwiegt das Inspirierende und die kreativen Ideen, die sie hat, um Bedürfnisse zu erfüllen.

Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren gelesen und merke, dass mich der Gedanke befreit, dass ich immer wenigstens drei Wege zur Verfügung habe, für etwas zu sorgen, was ich brauche. Wenn ich – als gläubiger Mensch – auch noch den Dialog mit Gott und Bitten an ihn als weitere Möglichkeit sehe, habe ich sogar vier Wege.

Diese Erkenntnis hat meine Beziehungen entlastet: Wenn andere Menschen mich in der Erfüllung meiner Bedürfnisse unterstützen möchten, erlebe ich das als Geschenk. Unterstützung durch andere ist und bleibt eine meiner Lieblingsstrategien.

Wenn sie mich gerade nicht mit Wertschätzung, Unterstützung oder Wärme beschenken können oder wollen (weil sie gerade selbst mit eigenen Bedürfnissen beschäftigt sind) ist das auch o.k. Dann kann ich gelassen andere Wege finden. Das Buch von Talane Miedaner gibt viele gute Anregungen.

 

Zauberhafter Tag


Heute war einer dieser Tage, die man nur als zauberhaft bezeichnen kann. Bezaubernd, weil mir so viel Schönes geschenkt wurde. Zauberhaft auch, weil ich meinen Teil dazu beigetragen haben, Chancen auf glückliche Momente zu nutzen. Arnold Retzer, ein kluger und retzfrecher Psychologe und Coach sagt, dass man jede Paarbeziehung dadurch ruinieren kann, wenn man von ihr ständiges Glück erwartet. Und besser damit fährt, mit dem zufrieden zu sein, was ist, statt ständig nach (mehr) Glück im Miteinander zu streben. Und die unverhofften Glücksmomente dann umso mehr zu genießen.

Ich fragte mich, ob das auch auf Gottesbeziehung zutrifft. Ob man sich mit der (oft angeheizten) Erwartung, man müsste Gott noch mehr, noch tiefer, noch intensiver erleben, sich um das Glück der Beziehung bringt. Und ob man entspannter nicht viel mehr Glück erfahren kann.

So wie heute.

– Das Glück Morgens in den Fluss zu springen und eine halbe Stunde zu schwimmen und das bitterkalte, aber samtweiche Wasser zu genießen. Mein Anteil: Den inneren Schweinehund überwinden und reinspringen…ähm…bibbernd tastend reingehen.

– Herrlich frühstücken, mit Brötchen, Ei und Obstsalat (Mein Anteil: Mich an den gedeckten Tisch setzen… 😉

– Von wildfremden Menschen, die ich auf dem Fluss traf, ein Kajakpaddel ausgeliehen zu bekommen….nachdem sie gesehen hatten, wie ich mich mit dem 1er Kanu-Paddel schwer tat, das große Kanu vorwärtszubekommen. Mein Anteil daran: Zugeben, dass es wirklich schwer war…und das Geschenk dankend annehmen….und die weitere Strecke doppelt zu genießen.

– Eine große Tasse Kaffee in einem Lokal geschenkt zu bekommen. Mein Anteil: Obwohl „Geschlossene Gesellschaft“ an der Tür stand, mutig und freundlich zu fragen, ob ich trotzdem einen Kaffee haben könnte. Die geschlossene Gesellschaft war eine Hochzeit und Kindstaufe. So kam ich auch noch in den Genuss von klassischer Musik, einer romantischen Liebesgeschichte, zwischen Frederike und Axel (oder Alex), wo tatsächlich der Blitz eingeschlagen hatte (in eine Wiese), als sie sich verliebte. Mein Anteil: Da sein, Kaffee trinken, Zuhören und genießen…und dem Brautpaar alles Gute wünschen…

– Ein verzauberter Moment als ein Libellen-Paar sich auf meinem Arm niederlies, um sich zu paaren und ich sie aus nächster Nähe beobachten und fotografieren konnte (mit ausgestrecktem linken Arm). Mein Anteil: Da sein, ruhig sein, beobachten und genießen.

– Die letzten Sonnenstrahlen auf dem Gesicht. Mein Anteil: Aus dem schattigen Uferplatz wegpaddeln als mich
die laute Musik vom Nachbargrundstück nervte.

– Zum Tagesabschluss: Vollmond und ein Feuerwerk – nicht schlecht für einen Tag, an dem ich kein besonderes Glück erwartet hatte.

Ich würde mal sagen, mein Gott und ich wir hatten heute einen ganz schön guten Tag. Er hat beschenkt, ich hab´s genommen und genossen.

 

Die fünf Sprachen des Verzeihens

Oder…warum Rechtfertigung nichts nützt.

Gerade lese ich auf Englisch Die fünf Sprachen des Verzeihens von Gary Chapmann und Jennifer Thomas. Ich finde den Grundgedanken einleuchtend, dass man die Bitte um Vergebung unterschiedlich zum Ausdruck bringen kann.

Man kann betonen, dass man

– mit dem anderen mitfühlt: es tut mir leid

– Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt: Ich habe falsch gehandelt.

– den Schaden wieder gut machen möchte: Ich möchte das wieder in Ordnung bringen.

– das eigene Verhalten ändern möchte: Ich werde mich darum bemühen, in Zukunft anders zu handeln

– um Vergebung bittet: Bitte vergib mir.

Je nachdem, was für den „Geschädigten“ das Wichtigste ist, wird die Bitte um Verzeihung mehr oder weniger gut ankommen. Das macht für mich viel Sinn. Manchmal genügt es mir zum Beispiel nicht, dass Jemand nur sagt „Das tut mir leid.“ Das gibt mir keine Sicherheit, dass es in Zukunft anders wird.

Auch wenn die Autoren das nicht explizit geschrieben haben, wurde mir beim Lesen wurde mir auch klar, warum Rechtfertigungen nicht gut ankommen.

Wenn Jemand ein Verhalten rechtfertigt bringt er damit zwei Dinge zum Ausdruck.

– Ich hatte einen guten Grund / ein gutes Motiv so zu handeln. Bitte nimm das wahr. [Anmerkung: Das ist eigentlich ohnehin klar. Wir tun in der Regel nichts, ohne dass dahinter eine gute Absicht steht. Beispiel: Uns zu verteidigen / zu schützen ist eine gute Absicht, die eigentlich unserem Leben dienen soll. Nur die Art und Weise wie wir es manchmal tun ist nicht förderlich für Beziehungen und das Leben anderer. Wenn jemand sich rechtfertigt kann dahinter die Bitte stehen: Bitte nimm mich wahr und registriere, dass ich mit meinem Verhalten eine gute Absicht verfolgt habe.]

– Ich halte das Handeln für gerechtfertigt und würde in einer ähnlichen Situation wieder so handeln.

Wenn jemand auf Rechtfertigung verzichtet sagt er:

– Ich hatte einen guten Grund / eine gute Absicht, so zu handeln, wie ich gehandelt habe, sonst hätte ich das ja nicht getan. Ich vertraue darauf, dass du das wahrnimmst und anerkennst.

– Und: Ich habe dich und deine Bedürfnisse nicht im Blick gehabt.  Die nehme ich jetzt in den Blick und stelle fest: Mein Handeln war nicht optimal / gut, weil es dich irritiert, verletzt hat. Das nächste Mal werde ich nach einem Weg suchen, wie ich meine eigenen guten Absichten und deine Bedürfnisse besser berücksichtigen kann.

Das entlastet und macht den Weg für ein neues Miteinander frei.


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Lebensfreude in den Alltag integriert

Ein Leser schrieb mir:

„Nun haben wir angefangen, dein neues Quadro über Lebensfreude zu lesen. Wie schon bei „No more Blues“ und auch bei anderen lese ich jeden Morgen meiner Frau zum Frühstück eine Textseite vor und wir tauschen uns darüber aus. Auch hier sind wir auf einer guten Spur. Der Anfang ist schon ganz genial. Wir freuen uns auf alles Weitere.“

Ich freue mich sehr total darüber. Und finde die Idee, das als Paar gemeinsam zu lesen, richtig schön. Ich kann mir vorstellen, dass das die Beziehung und das Leben  bereichert.



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Paare, Kinder und die Liebe

Gestern habe ich gelesen, dass 40 % der Eltern, die sich scheiden lassen, sich im ersten(!) Jahr nach der Geburt des ersten Kindes trennen. Bei nicht verheirateten Paaren ist die Anzahl derer, die sich im ersten Jahr nach der Geburt trennen noch höher. Mich bewegt das. Die meisten wollen sich ja nicht trennen. Sie wollen gern zusammen bleiben. Aber irgendwie klappt es nicht.
Eine riesige Tragödie für jedes Paar, jede Familie. Ein Verlust für alle – für die Geschwister, die vielleicht nie gezeugt und geboren werden, die Kinder die fehlen und die Kinder, denen es fehlt, dass Mami und Papi zusammen und bei ihnen sind.
Ich frage mich, was man tun kann, um junge Familien zu unterstützen, dass sie Wege miteinander finden, die herausfordernden Baby-Jahre zu meistern.

Im Kontrast dazu habe ich gestern eine Mail von einem Mann bekommen, der seine seit Jahren schwer Demenzkranke Frau pflegt. Sie kann nicht mehr mit klaren Worten kommunizieren kann, muss gewickelt, gepflegt und gefüttert werden. Dennoch steht unter jeder Mail, die er schreibt, nicht nur sein Name als Signatur, sondern auch ihrer.

Er schrieb mir, dass seine Liebe zu ihr immer noch wächst und stärker wird.


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