Kerstin Pur

Impulse und Notizen von Kerstin Hack

Schlagwort: USA

Kreativer Wettbewerb: Präsident gegen Unterwäsche

Rostiges Schiff Dieser Artikel über meine kreative, unkonventionelle Strategie, die Qualität von amerikanischen Präsidenten und Unterwäsche zu beurteilen, hätte schon vor einem Jahr veröffentlicht werden sollen.

Doch irgendetwas ist beim Veröffentlichen schief gegangen. Deshalb kommt er jetzt, weil ich mich nach wie vor gern an diesen unkonventionellen Wettbewerb erinnere.

Vielleicht war es bei aller Kreativität etwas unfair, einen Präsidenten gegen ein paar Unterhosen antreten zu lassen. Doch am Tag  nach Obamas erster Wahl zum Präsidenten der USA fand ich beim Einkaufen zufälligerweise schwarze und weiße Unterwäsche mit schwarz-weißem Gummizug.

Da war ich neugierig darauf, herauszufinden, was länger hält: der Präsident oder die Unterwäsche. Ich erstand einen BH und mehrere Unterhosen. Ich hoffe, Obama verklagt mich nicht wegen Wettbewerbsverzerrung, da es nur einen Präsidenten, aber mehrere Wäschestücke gab, was ja zugegebenermaßen etwas unfair ist.

Der Gewinner ist…

Die Kandidaten, die ohne ihr Wissen gegeneinander antraten, waren beide erstaunlich zäh. Die Wäsche und auch der Präsident überlebten die erste Amtsperiode Barak Obamas (BO) relativ unbeschadet. Dann begann  der Verfall. Erst gab der BH auf. Die erste Runde – BH gegen BO ging klar an BO.

Obamas Haare wurden im Laufe der Amtszeit weiß,  meliert sagt man wohl im offiziellen Sprachgebrauch bei Herren. Im gleichen Tempo ergrauten die weißen Unterhosen. Hatten die sich abgesprochen? Die schwarzen Unterhosen hielten länger durch, was vermutlich am Farbstoff lag, der ihnen zusätzliche Stabilität verlieh. Das ist zumindest meine Theorie.

Doch der klare, eindeutige Gewinner des Wettbewerbs ist die letzte, weiße Unterhose. Sie blieb bis zum Ende im Amt. Sie schied erst einige Wochen nachdem ein neuer Präsident gewählt wurde aus dem Rennen.

Ich danke allen Kandidaten für dieses spannende Zeit. Ich bedauere es, Mr. Obama, dass Ihnen und meiner Wäsche keine dritte Amtszeit vergönnt war. Das wäre schön gewesen.

Für dich: ein kreativer Buchtipp
Thorsten Huith Kreativität entwickeln

Präsidenten gegen Unterwäsche war eine meiner kreativen Ideen – sie passt zu mir. Doch jeder ist auf seine eigene Art und Weise kreativ. Du kannst es lernen.

Wenn du Kreativität auf deine eigene, originelle, unkonventionelle Art entfalten möchtest, empfehle ich dir das Quadro-Trainingsheft Kreativität entwickeln. Es hilft dir, mit bewährten Strategien, Kreativität zum Blühen zu bringen.

Geschrieben hat es der Kreativitätstrainer und Coach Thorsten Huith. 

Begegnungen mit Tiefgang

Ich genieße es, die Vielfältigkeit dieses Landes zu entdecken. Sacramento, die alte Goldschürfer-Stadt am Sacramento und American River, die wilde, windige Pazifikküste, das bunte San Francisco. Doch mehr noch als die Städte faszinieren mich die Menschen.

Ich bin einem Menschen begegnet, der als erfolgreicher Geschäftsmann durch Patentdiebstahl chinesischer Firmen alles verloren hat, was er besaß – bis er mittel- und obdachlos war. Und dann sich selbst und Gott neu begegnet ist. Und dann erlebt hat, wie er Schtritt für Schritt neu beginnen konnte. Ich habe selten – vielleicht noch nie – einen Menschen erlebt, der so tiefe Annahme und Akzeptanz ausstrahlt. So wie du bist, bist du willkommen.


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Ein junges Land

Am westlichen Punkt meiner Reise angekommen, bewegt es mich nach wie vor, wie jung dieses Land ist, wie viele Ereignisse, die ich als „historisch“ abgespeichert hatte, erst vor recht kurzer Zeit passiert sind.

Der Goldrausch und die damit verbunden Entwicklung der Stadt Sacramento, in deren Innenstadt noch einige echte Westernhäuser erhalten sind, war vor etwas mehr als Hundert Jahren.

Gerade wohne ich in einem der wenigen Häuser in San Francisco, das das verheerende Erdbeben von 1906 und die Brände, die fast die ganze Stadt zerstörten, überstanden hat.

Gestern habe ich einem Mädel von Rosa Parks, dem Montgomery Bus Strike und Martin Luther King erzählt…auch das ist noch kein Menschenleben her…ich habe sogar mal den Assisten von MLK jr., wie er hier heißt, kennen gelernt.

Ich kann jetzt besser verstehen, warum Obama in seinen Reden – wie kürzlich an der Uni in Texas – so oft darauf hinweist, dass die Nation noch im Werden ist. Er tut es – weil es stimmt. Und weil es nach wie vor – anders als in Ländern, die schon fester geformt sind, hier noch viel mehr möglich ist und Menschen gebraucht werden, die diese Möglichkeiten zum Wohl aller nutzen.


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Geschichte und Gegenwart

Obwohl ich schon ein paar Mal in den USA war, meist kürzer, fange ich erst jetzt an, historische Zusammenhänge zu begreifen. Die Biographie von Carnegie, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umfasst, ist dabei ebenso erhellend wie meine Reise ins Innere des Landes. Ich bin immer wieder überrascht darüber, wie jung Amerika als Nation im Grunde noch ist. Auf einem etwas mehr als 100 Jahre altem historischen Plakat habe ich heute gelesen, wie die Texas Colonial Association vor gut 100 Jahren dafür warb, dass Menschen sich hier ansiedelten:

The most healthy and agreeable climate,

The best timber,

The richest minerals,

The most fertile soil,

The largest stock region and

The greatest variety of products to be found in the world.

Wenn das nichts ist…

Vieles ist nicht so glatt und schwarz-weiß, wie man vielleicht denkt. So hat zum Beispiel der erste Gouverneur von Texas, Sam Houston, über Jahre bei Indianern gelebt und ihre Kultur und Lebensweise schätzen und lieben gelernt.

Die Siedler waren nicht alles rauhe Cowboys, sondern auch Menschen wie der schottische Philosoph Edmund Montgomery und seine deutsche Frau, die zu ihrer Zeit berühmte Bilhauerin Elisabet Ney, die naturliebende Idealisten, kluge Köpfe und außerordentlich begabte Künstler waren. Ney gelang es, Shopenhauer, der als Frauenhasser bekannt war, dazu zu bewegen, sich von ihr in Stein meißeln zu lassen. Sie war eine der wenigen Frauen, für die er positive Worte fand.

Nach ihrer Ankunft versuchten sie und ihr Mann erfolgreich das kulturelle Leben in Texas zu fördern. Dass die Uni von Texas mit heute 70.000 Studenten, wo neulich Obama sprach, hier in Austin ist, ist auch ihrem Einfluss zu verdanken. Dass es eine Stadt ist, die bis heute Kunst fördert, ebenfalls.

Capitol of Texas, Floor


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Halbzeit

Gestern habe ich mit Trauer festgestellt, dass die Hälfte meines wunderbaren Urlaubs schon vorbei ist. So lange habe ich noch nie in meinem Leben Urlaub gemacht. Bisher ging das auch kaum, weil es schwer möglich war, den Verlag so lange alleine zu lassen. Mittlerweile ist aber mein Team so gut eingespielt, dass ich die Verantwortung gut in ihren Händen lassen kann und weiß, dass die Sachen gut laufen. Das ist soo entlastend und tut mir gut, richtig Urlaub zu machen.

Heute Morgen bin ich mit Übelkeit, Kopf- und Rückenschmerzen aufgewacht…vermutlich hab ich – bei 40 Grad im Schatten! – zu viel geschwitzt und zwar viel getrunken, aber nicht genug Mineralien aufgenommen. Dass ein Gewitter im Anzug ist, macht es nicht unbedingt besser. Meine Freunde haben mich mit Massage und Elektrolyd-Wasser wieder aufgepäppelt. Ich gönne mir heute trotzdem einen sehr faulen Tag. Bisher hab ich hier nur das Kapitol (größer als das in Washington) gesehen – die anderen Sehenswürdigkeiten müssen einfach warten.

Meine Freunde hier, bauen ein Netzwerk von Künstlern auf. Im Bloom House können Künstler ne Weile leben und Arbeiten. Mode, Film, Schreiben – hier kommt eine Menge Kreativität zusammen. Gerade sind die meisten verreist, aber sie werden gegen Ende meiner Zeit wieder auftauchen.


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Amerikanische Präsidenten gesehen

Heute habe ich die Anzahl der amerikanischen Präsidenten, die ich mit eigenen Augen gesehen habe, verdoppelt. Vor gut 10 Jahren habe ich Karten zur Gedenkfeier „5o Jahre Luftbrücke“ gehabt, bei der Bill Clinton gesprochen hat. Heute war Obama an der Universität von Texas hier in Austin. Weil wir gerade zu der Zeit in einem Coffee Shop gegenüber der Uni waren, dachten wir, dass wir ja mal bei ihm vorbei schauen können. Leider kam ich nicht mehr ins Gebäude rein, um die Rede zu hören. Fand es trotzdem cool. Langweilig wird es mir hier nicht.


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Milliardäre und der Ursprung von Ideen.

In der Presse liest man gerade einiges über die Initiative von Bill Gates und Warren Buffet, andere Milliardäre dazu zu motivieren, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. So etwas habe es noch nie gegeben heißt es in den Berichten. Das stimmt so nicht.
Hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Vor fast 200 Jahren tat sich ein Weber in Schottland mit einigen anderen Männern zusammen. Sie stellten die fünf (!!!) Bücher, die sie besaßen, der Allgemeinheit zur Verfügung, eröffneten eine Leihbibliothek. Als dampfbetriebene Webstühle aufkamen und die Handweber mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten, verarmte die Familie und wanderte nach Amerika aus.
Sein Sohn Andrew profitierte davon, dass ein reicher Bürger Philadelphias, seine private Bibliothek für interessierte Arbeiterjungs öffnete – man konnte sich jede Woche ein Buch ausleihen. Andrew bildete sich so gut er konnte und er hatte die Fähigkeit, Trends zu erkennen. Ihm war klar, dass Stahl bald Gusseisen ersetzen würde. Er kaufte einen Hochofen. Da Stahl in der Mitte des 19. Jahr zum Bau der Eisenbahn benötigt wurde, um den Westen der USA zu erschließen wurde er zum reichsten Mann seiner Zeit.
In seinem Essay „The Gospel of Wealth“ schrieb er einige seiner Überzeugungen nieder. Für ihn war der Glaube an den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit Antrieb und Motivation. Er war überzeugt davon, dass begabte Menschen den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit entscheidend voranbringen würden. Dass sie in dem Prozess auch reich würden, war für ihn selbstverständlich.
Genauso selbstverständlich war für ihn, dass sie diesen Reichtum nicht für sich behalten sollten. Er hielt es für eine Schande, wenn ein Mensch reich sterben würde.
Die üblichen Optionen schieden für ihn aus.
– Geld zu vererben betrachtete er als Gefahr für den Charakter der Erben, die möglicherweise nicht gut mit dem Reichtum umgehen würden.
– Geld zu verteilen hielt er für unsinnig, da seiner Meinung nach viele Menschen es nur für Konsum, nicht jedoch für persönliche Weiterentwicklung verwenden würden. Nachvollziehbar. Als ich im Flugzeug über die Spenden las, sagte mein Sitznachbar: „Die sollten mir was von dem Geld geben.“ Auf meine Frage, was er denn mit dem Geld tun würde, antwortete er „Going to the beach and party…and have some drinks.“ Aha.
– Geld dem Staat zu vererben hielt er für unsinnig, da damit nicht sichergestellt wäre, dass das Vermögen auf eine gute Art und Weise und im Sinn des Spenders verwendet würde.
Damit blieb für ihn nur die Option
– Geld während der eigenen Lebenszeit in Projekte und Dinge zu investieren, die dem Wohl und dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Andrew Carnegie, lebte gemäß seiner eigenen Überzeugungen. Für ihn war der Zugang zu Bildung sehr wichtig und so finanzierte er unter anderem den Bau und die Ausstattung von mehr als Tausend Bibliotheken. Auch die Carnegie Hall in New York wurde von ihm finanziert. Insgesamt spendete er zu seinen Lebzeiten mehr als 90 % seines enormen Vermögens für Bildung und andere soziale Zwecke.
Er wurde eine nationale Ikone und inspirierte viele andere, es ihm nachzumachen – nicht zuletzt Bill Gates und Warren Buffet. So neu ist die Idee also nicht. Sondern begann mit einem Weber in Schottland, der alle seine fünf Bücher dem Gemeinwohl zur Verfügung stellte und einen Sohn prägte, der das aufgriff und weiter entwickelte.


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Der Süden und die Waltons

Arkansas ist einer diese Staaten, die in der Mitte von Nirgendwo sind. Es ist nicht der klassische Amerikanische Süden wie Virginia und Carolina, auch nicht der Südwesten wie Texas. Irgendwo dazwischen. Und heiß.
Wenn es für mich ein Bild für den Amerikanischen Süden gibt, dann ist es der Schaukelstuhl. Vielleicht hab ich als Kind zu oft „Die Waltons“ gesehen…aber weiße Schaukelstühle sind für mich DAS Symbol der Südstaaten. Ich war total begeistert, als ich auf der Zwischenlandung in Charlotte, North Carolina im Wartebereich des Flughafens Dutzende von Schaukelstühlen entdeckte….wunderschön, entspannend. Ob die Südstaatler eine andere Mentaltität entwickelt haben als die Nordstaatler, WEIL sie so viel Zeit in Schaukelstühlen verbrachten oder ob der Schaukelstuhl Ausdruck der anderen Mentalität war – ich weiß es nicht.
Jetzt bin ich in Fayetteville. Vor einem halben Jahrhundert war das ein verschlafenes Nest. Die Frau eines Geschäftsmannes, sagte ihrem Mann, er könne tun, was er wollte, sie würde ihn unterstützen. Unter der einen Bedingung, dass sie in einer Stadt wohnen würde, die nicht mehr als 20.000 Einwohner hätte. Also zogen sie nach Fayetteville. Und von der Mitte von Nirgendwo aus baute ihr Mann sein Unternehmen auf. Er hieß auch Sam Walton…seine Firma benannte er nach den ersten Buchstaben seines Nachnames: Walmart.
Die Firmenzentrale ist nach wie vor hier in Fayetteville….die Stadt ist mittlerweile etwas gewachsen. Nicht zuletzt durch die Manager der Zulieferfirmen, die alle hier – das war Bedingung von Walmart – Büros eröffnen mussten. Sie bauten sich schicke Villen in der Umgebung, die neben heruntergekommen Farmen und Kuhweiden stehen. Trotz der schicken Häuser und Kultureinrichtung ist hier alles noch sehr ländlich und provinziell.
Hier bin ich um Amy zu besuchen, die ich seit 15 Jahren kenne und deren Mann letztes Jahr ganz plötzlich gestorben ist. (Ich hab in meinem Buch „Die Hütte und ich“ darüber geschrieben, wie sehr mich das bewegt hat.). Sie wohnt noch nicht sehr lange hier…ich kannte sie und ihren Mann länger als all die anderen Leute, die sie hier kennt. Sie sagte mir gestern, wie gut es ihr tut, mit jemanden zu reden, der sie und ihn so lange kannte.


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